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Wenn Saturn seine Kinder frisst

Kinderhexenprozesse und ihre Bedeutung als Krisenindikator

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Nicole Janine Bettlé

Während rund vier Jahrhunderten verfolgten geistliche und weltliche Gerichte angebliche Hexen, unter aktiver Mitwirkung der Bevölkerung. Aber nicht nur Erwachsenen machte man vom 15. bis ins frühe 18. Jahrhundert den Prozess. Auch zahlreiche Kinder, deren genaue Anzahl von der Wissenschaft bisher nicht ermittelt worden ist, wurden wegen Zauberei- und Hexereidelikten angeklagt und hingerichtet. Über vierhundert dieser Fälle werden in dieser Untersuchung erstmals zusammenfassend dargestellt und einer detaillierten Analyse unterzogen. Dabei stehen die Strafverfahren der Schweizer Hexenkinder, die nach langer Tabuisierung auf diese Weise Eingang in die moderne Forschung finden, im Mittelpunkt der Untersuchung. Unter Einbezug von Kultur- und Mentalitätsgeschichte der damaligen Zeit wird am Beispiel der «Hexenkinder» folgenden Fragen nachgegangen: Unter welchen soziokulturellen, demografischen sowie ökonomischen Bedingungen bzw. aufgrund welcher religiösen und rechtspolitischen Vorbilder ist eine Gesellschaft bereit, Angehörige der Nachfolgegeneration zu opfern? Und welche Mechanismen bestimmen ursächlich dieses Verhalten, das epochenübergreifend in Erscheinung tritt, obwohl es doch den Prinzipien der Menschlichkeit widerspricht und zudem die Erhaltung der Art gefährdet?

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Inhaltsverzeichnis - 9

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9Inhaltsverzeichnis Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 I. Vorstellungswelten: Volkstümliche und christliche Glaubensvorstellungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29 1.1 Die vom Dämonischen und Teuflischen regierte Welt . . . . . 30 1.1.1 Zauberei, Ketzertum und Hexenglaube . . . . . . . . . . . 37 1.1.2 Volkswahrnehmung: Teufelsbild und Hexendelikt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43 1.1.3 Mittler zwischen den Welten: Die passive Rolle des Kindes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55 1.1.3.1 Kindopfer: Mittel zur Krisenbewältigung . . . 59 1.1.3.2 Kinderkannibalismus: Machtverlust und Rache . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63 1.2 Die Brut des Bösen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68 1.2.1 Über die Herkunft der Kinder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68 1.2.2 Kindliche Dämonen und Wiedergänger . . . . . . . . . . . 72 1.2.3 Vermehrung des Bösen: Die Theorie von den gefallenen Engeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75 1.2.4 Teufelskinder und sodomitische Zeugung . . . . . . . . . 77 1.2.5 Hexenkinder: Vererbung oder Verleumdung . . . . . . . 81 1.3 Das Kind als Objekt der Erziehung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84 1.3.1 Debilitäts-Doktrin: Die Krankheit mit Namen „Kindheit“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84 1.3.2 Gelehrtenvorstellungen: Die Prägbarkeit des Kindes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86 1.3.3 Volkserziehung: Verwandlung und Nachahmung . . . . 88 1.3.4 Taufexorzismus, Schreckgestalten und Isolierung . . . 90 10 II. Rechtsvorstellungen: Hexereidelikt und kindliche Straftäter . . . 97 2.1. Kirchen- und Weltliches Recht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 97 2.1.1 Inquisition und Kanonische Literatur . . . . . . . . . . . . 98 2.1.2 Das europäische Strafrecht und die Rezeption . . . . . 101 2.1.3 Das Hexendelikt: Crimen exepta und Crimen mixti fori . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 105 2.1.4 Hexenprozesse und Rechtslage in der Schweiz . . . . 107 2.1.5 Der Strafprozess . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 112 2.1.5.1 Die Autoritäten: Theologen, Mediziner und Juristen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 113 2.1.5.2 Das Prozessverfahren: Vom Akkusations- zum Inquisitionsprozess . . . . . . . . . . . . . . . . 116 2.1.5.3 Das Beweisverfahren: Verhör und Folter . . 119 2.1.5.4 Die Indizien: Verdachtsmomente . . . . . . . . . 122 2.2 Das Kind als Rechtsobjekt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 127 2.2.1 Die Munt: Leben und Erben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 127 2.2.2 Aussetzung und Kindstötung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 130 2.2.3 Eheliche und Uneheliche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 133 2.3 Das Kind als...

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