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Text und Kultur

Eine kommunikative Gattungsanalyse der deutschen und chinesischen Todesanzeigen

Qi Chen

Die vorliegende Arbeit versteht sich als Versuch in der kontrastiven Textsortenanalyse linguistischen Fragestellungen in Anlehnung an sozialwissenschaftliche Theorien, Konzepte und Ansätze nachzugehen. Im Rahmen des kommunikativen Gattungskonzepts und der sozialen Systemtheorie betrachtet Chen die Todesanzeige als Spiegel der Todes-, Erinnerungs- und Ritualkultur und als strukturelle Kopplung zwischen sozialen Systemen. Aufgrund einer empirischen Untersuchung werden Kulturalität, Sozialität, Interaktivität und Funktionalität der deutschen und chinesischen Todesanzeigen diskutiert. Neben der Ermittlung der kulturspezifischen Vertextungsmuster auf der Wort-, Satz und Textebene untersucht der Autor die sozialen Funktionen der Todesanzeige in Deutschland und China und geht auf deren kulturellen Hintergrund ein. Die erarbeiteten Erkenntnisse bieten nicht nur neuartige Einblicke in die soziokulturellen Besonderheiten der beiden Länder, sie erweitern mit ihrer sozialwissenschaftlichen Annährung auch den Blickwinkel der kontrastiven Textsortenforschung.

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3. Das kommunikative Gattungskonzept zur Analyse der Todesanzeige 59

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3. Das kommunikative Gattungskonzept zur Analyse der Todesanzeige 3.1 Kommunikative Gattungen In einer Reihe von sprachwissenschaftlichen Untersuchungen wurde immer wieder aufgezeigt, dass sowohl mündliche Äußerungen als auch schriftliche Texte interaktive Eigenschaften aufweisen. Die Interakti- onsmechanismen der Kommunikation zwischen Produzenten und Rezi- pienten sind nicht unstrukturiert, sondern folgen bestimmten kommuni- kativen Mustern, auf die die Interagierenden beim Kommunizieren zu- rückgreifen (vgl. Günthner 1995: 193). Das Konzept der kommunikati- ven Gattungen ist ein von der Sozialwissenschaft abgeleitetes Konzept, das sich mit den vorzeichnenden kommunikativen Mustern befasst und ein Verfahren zur Analyse dieser Muster entwickelt hat. Zahlreiche Un- tersuchungen gelten mündlichen Interaktionen (Bergmann 1987; Günth- ner 2000, 2007, 2010; Günthner/Imo 2006; Kotthoff 1995; Imo 2010), über mündliche und schriftliche Kommunikation (Auer/Baßler 2007; Kotthoff 2001; Zhang 2009; Möller 2011) bis zur intra- bzw. interkultu- rellen Kommunikation (Günthner 1991, 1993, 2005, 2007b, c, d; Günth- ner/Luckmann 2001, 2002; Birkner 2001; Kern 2000).28 Im Folgenden werde ich die Grundlinien des kommunikativen Gat- tungskonzepts nachzeichnen. Zunächst wird die Tradition der Forschun- gen über Gattungen in der Linguistik skizziert (Kap. 3.1.1). Danach wer- de ich den für die vorliegende Arbeit zentralen Forschungsansatz der kommunikativen Gattungen darstellen (Kap. 3.1.2). Nachdem das Ana- lyseinstrumentarium der kommunikativen Gattungen vorgestellt wird, frage ich, ob und inwieweit das kommunikative Gattungskonzept auf 28 Zwei Ausgangstexte, die als Grundstein der kommunikativen Gattungen gelten, sind einerseits die theoretische Begründung des Begriffs von Luckmann (1986) und andererseits die empirische Untersuchung von...

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