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Tier im Text

Exemplarität und Allegorizität literarischer Lebewesen

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Edited By Hans Jürgen Scheuer and Ulrike Vedder

Ob Tiere als Begleiter des Menschen oder als seine Gegenspieler die Literatur bevölkern, ob sie als Exempel, Symbole oder Allegorien eingesetzt werden, ob sie sprachlos oder sprechend leiden und agieren, ob sie gänzlich unabhängig in eigenen Lebens- und Zeichenwelten situiert werden oder als monströse und phantastische Kompositwesen selbst solche verkörpern. In literarischen Texten sind Tiere stets mehr und anderes als nur stumme Elemente einer realen oder fiktiven Welt.
Die Vielfalt der Funktionen des «Topos Tier» steht im Zentrum dieses Bandes, dessen Textcorpus von mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Literatur bis ins 21. Jahrhundert reicht und dessen Beiträge der Faszination literarischer Lebewesen aus verschiedenen Blickwinkeln – gattungs- und wissensgeschichtlich, psycho- und diskurshistorisch, gendertheoretisch und poetologisch – nachgehen.
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Im Zoologischen Garten der Moderne

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Moderne Zoos sind das Epitaph für eine Beziehung, die so alt war wie der Mensch selbst.

John Berger: Warum sehen wir Tiere an? (1990)

Die Zoologischen Gärten gelten als eine zentrale Einrichtung der Moderne des 19. Jahrhunderts. Während die Menagerien des Mittelalters und der Frühen Neuzeit,1 vor allem die des 17. und 18. Jahrhunderts, der Repräsentation und Inszenierung feudaler Macht und Reichtümer dienten, rückten Zoologische Gärten – ab ca. 1830 in zahlreichen europäischen Städten gegründet – als Schauplatz bürgerlicher Selbstverständigung in den Fokus. Denn der Zoo fungierte nicht nur als Ort der wissenschaftlichen Erforschung von Tieren, ihres Verhaltens und ihrer Reproduktion, sondern auch und vor allem als Instrument bürgerlicher Bildung und Unterhaltung sowie als Inszenierung einer zivilisierenden Begegnung zwischen Mensch und Tier bzw. Fremde. Dass diese idealen Zwecke im Zeichen von Kolonisierung und Globalisierung, aber auch von Naturzerstörung und Industrialisierung standen, macht die Zoologischen Gärten zu einem widersprüchlichen Emblem, ja einem „Epitaph“2 konfliktreicher Modernisierungsprozesse und ihrer Verluste:

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