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Büchner-Rezeptionen – interkulturell und intermedial

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Edited By Marco Castellari and Alessandro Costazza

Angesichts der unterschiedlichen Modalitäten und der verschiedenen Medialitätsgrade und -arten der Rezeption, die das Werk und die Figur Georg Büchners in zwei Jahrhunderten erfahren hat und weiter erfährt, muss heutzutage von Büchner-Rezeptionen in der Pluralform die Rede sein. Immer differenzierter entfaltet sich insbesondere die interkulturelle und intermediale Wirkung des Dichters, Wissenschaftlers und Revolutionärs. Sei es die Persönlichkeit des Dichters selbst, etwa beim Verfassen aufrührerischer Pamphlete, hellsichtiger Dichtungen oder fulminanter Briefe, auf der Flucht aus der Heimat oder am Seziertisch, seien es seine Figuren von Danton bis Lenz, von Leonce bis Woyzeck – das «Kind der neuen Zeit» genießt eine hohe internationale Resonanz in literarischen, theatralischen, filmischen, bildnerischen und performativen Diskursen. Anlässlich der internationalen Tagung zu Büchners 200. Geburtstag in Mailand (September 2013) untersuchen in diesem Band WissenschaftlerInnen aus Deutschland, Österreich, Großbritannien und Italien einige dieser Büchner-Rezeptionen, indem sie bekannte Konstellationen hinterfragen, überfällige Rekonstruktionen vornehmen und sich auf neues Terrain begeben.
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Zwischen Schauspiel und Literaturoper: Dantons Tod in der Vertonung von Gottfried von Einem (1947): Elisabetta Fava

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Elisabetta Fava (Torino)

Die frappierende Modernität, die dazu führte, dass Büchners Dramen im 19. Jahrhundert auf der Bühne ein Schattendasein spielten, während das 20. Jahrhundert sie mit staunender Begeisterung für sich entdeckte, spiegelt sich auch in der Opernrezeption wider. Die Kraft der Sprache, die flexible Szenenfolge, die es ermöglicht, die einzelnen Momente anders zu ordnen, die verblüffende Nüchternheit, die Aneinanderreihung von gewaltigen Massenszenen und individuellen Analysen, die Verbindung von Politik und Psychologie ist gerade das, was die Musikbühne des 20. Jahrhunderts suchte. Infolgedessen tauchen Büchners Titel alle wieder auf; das geschieht nicht ,nur‘ in den Prosatheatern oder bei Kritikern und Lesern, sondern auch dank mehrerer Opernvertonungen: Woyzeck wird zweimal und ganz unabhängig voneinander am Anfang der 1920er Jahre von Alban Berg und von Wilibald Gurlitt vertont; Richard Strauss zieht die Möglichkeit in Betracht, eine Oper nach Dantons Tod zu komponieren, was aber letztendlich erst in den 1940er Jahren Gottfried von Einem mit Hilfe von Boris Blacher gelingt; Paul Dessau (1894–1979) vertont in seinen letzten Lebensjahren Leonce und Lena. Die moderne Idee der Literaturoper, d. h. einer Oper, die nicht mehr auf ein Libretto im traditionellen Sinn zurückgreift, die sich auch nicht mit einer Adaption begnügt, sondern einen hochrangigen Text direkt und womöglich ohne Änderungen vorzunehmen als Basis auswählt, fällt bei Büchners dramatischen Werken auf einen fruchtbaren Boden.

Obwohl noch sehr jung, war Gottfried von Einem w...

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