«Da habe ich alles, was Serbisch war, verteufelt.»
Wie gesellschaftliche Diskurse die natio-ethno-kulturellen Zugehörigkeiten von ethnischen Serbinnen und Serben in der Deutschschweiz beeinflussen
Zusammenfassung
Anhand von fünf biographischen Einzelfallanalysen geht die Autorin der Frage nach, wie Menschen mit serbischem Migrationshintergrund mit den vorherrschenden gesellschaftlichen Diskursen über ethnische Serbinnen und Serben in ihrer Lebensgeschichte umgehen und welche Auswirkungen diese auf ihr Zugehörigkeitsgefühl zum Herkunfts- und zum Aufnahmeland haben. Hierbei stellen nicht nur der Zusammenhang von Diskurs und Biographie einen wichtigen Aspekt dar, sondern auch die transnationalen Bezüge der Befragten.
Neben den fünf Einzelfallanalysen, die auf narrativen Interviews beruhen, bildet die Aufarbeitung des sich wandelnden Diskurses über ImmigrantInnen aus dem (post)jugoslawischen Raum seit den 1960er Jahren das Kernstück dieser Arbeit. Zudem wird auf weiterführende Fragestellungen und auf die damit einhergehenden integrationspolitischen Implikationen hingewiesen.
Leseprobe
Inhaltsverzeichnis
- Cover
- Titel
- Copyright
- Autorenangaben
- Über das Buch
- Zitierfähigkeit des eBooks
- Inhalt
- Danksagungen
- 1. Einleitung
- Teil I: Historische Hintergründe und Diskursgeschichte
- 2. Ethnische Serbinnen und Serben?
- 2.1. „Re-becoming Serbs“
- 3. Historischer Blick auf die serbische Immigration in die Schweiz
- 3.1. Die serbische Einwanderung in die Schweiz bis 1918
- 3.1.1. Die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Schweiz und Serbien
- 3.1.2. Elitenzuwanderung: Wissenschaftlicher Austausch
- 3.2. Die Einwanderung aus dem Königreich der Slowenen, Kroaten und Serben
- 3.3. Der Zweite Weltkrieg
- 3.3.1. Kriegsflüchtlinge und -gefangene
- 3.3.2. Abwanderung von Regimegegnern und Minderheiten
- 3.4. Gast- und Saisonarbeiter
- 3.5. AsylbewerberInnen während der postjugoslawischen Kriege
- 3.6. Situation heute
- 4. Theoretischer Input: Kategorisierungen – Stereotypisierungen – Repräsentationen
- 4.1. Soziale Kategorisierungen und Stereotypisierungen
- 4.2. Macht und Wissen
- 4.2.1. Maria Todorovas „Balkanismus“
- 4.3. Symbolische Geographie: „Jugoslawisches“ und „balkanisches“ Erbe
- 4.3.1. Wahrnehmungen des Balkans
- 4.3.2. Das westliche Bild Jugoslawiens
- 4.3.3. Krieg und Zerfall – Symbolische Rückkehr zum Balkan
- 5. Vom „fleissigen Gastarbeiter“ zum „aggressiven Jugo“
- 5.1. Das politische Klima gegenüber AusländerInnen in der Schweiz: 1960–1990
- 5.1.1. Überfremdungsängste
- 5.1.2. Ethnisierung von gesellschaftlichen Problemen
- 5.1.3. Feindbild „Asylant“
- 5.2. Asyl- und Migrationspolitik während der postjugoslawischen Kriege
- 5.2.1. Haltung der Schweizer Bevölkerung gegenüber den Kriegsflüchtlingen
- 5.3. Zur Wahrnehmung der postjugoslawischen Kriege
- 5.3.1. Kriegsberichterstattung während des Kroatiens- und Bosnienkrieges (1991/1992–1995) und des Kosovokonflikts (1999)
- 5.4. „Jugo-Problem“
- 5.4.1. „Balkanraser“ im Wahlkampf
- 5.5. Wahrnehmung als Problemgruppe und Migrationsverlierer
- 5.5.1. Überproportional hohe Zahl von IV-Bezügern, Sozialhilfebezügern und Arbeitslosen
- 5.5.2. Hohe Kriminalitätsrate
- 5.5.3. Bildungsdefizite
- 5.6. Ausblick: Ablösung durch neue „Feindbilder“?
- 5.7. Rekapitulation
- Teil II: Theorie und Methode
- 6. Theoretische Begriffe und Konzepte
- 6.1. Diskurs und Subjekt
- 6.2. Zugehörigkeit und Migration
- 6.2.1. Zwischen Herkunfts- und Aufnahmegesellschaft?
- 6.2.2. Ethnisierung und Ethnizität
- 6.3. Natio-ethno-kulturelle (Mehrfach-)Zugehörigkeiten nach Paul Mecheril
- 6.3.1. Dimensionen natio-ethno-kultureller Zugehörigkeit
- 7. Methodische Vorgehensweise
- 7.1. Feldzugang
- 7.2. Sample
- 7.3. Erhebungsmethode
- 7.3.1. Theoriegeschichtlicher Hintergrund: Biographieforschung in der Soziologie
- 7.3.2. Das narrative Interview
- 7.4. Auswertungsmethode
- 7.4.1. Rekonstruktion narrativer Identität
- 7.4.2. Vorgehen bei der Analyse der Transkriptionen
- 7.4.3. Aufbau der Fallanalysen
- Teil III: Empirische Studien
- 8. Fallanalysen
- 8.1. Dragica N.: „Aufgewachsen in einer Periode, wo es diese Animosität gegen Jugos nicht gegeben hat“
- 8.1.1. Kurzbiographie
- 8.1.2. Kontaktaufnahme und Interviewsituation
- 8.1.3. Sequenzanalyse der Stegreiferzählung
- 8.1.4. Feinanalysen
- 8.1.5. Positionierungen
- 8.2. Snežana B.: „Nur wir sind schuld und die anderen gar nicht“
- 8.2.1. Kurzbiographie
- 8.2.2. Kontaktaufnahme und Interviewsituation
- 8.2.3. Sequenzanalyse der Stegreiferzählung
- 8.2.4. Feinanalyse
- 8.2.5. Positionierungen
- 8.3. Dunja T.: „Wir sind immer eine Ausnahme“
- 8.3.1. Kurzbiographie
- 8.3.2. Kontaktaufnahme und Interviewsituation
- 8.3.3. Sequenzanalyse der Stegreiferzählung
- 8.3.4. Feinanalyse
- 8.3.5. Positionierungen
- 8.4. Branko R.: „Eine gespässige Mischung aus einem Serben, Appenzeller und Basler“
- 8.4.1. Kurzbiographie
- 8.4.2. Kontaktaufnahme und Interviewsituation
- 8.4.3. Sequenzanalyse der Stegreiferzählung
- 8.4.4. Feinanalysen
- 8.4.5. Positionierungen
- 8.5. Ana D.: „Aber es ist einfach anders, wenn man halt unter sich ist“
- 8.5.1. Kurzbiographie
- 8.5.2. Kontaktaufnahme und Interviewsituation
- 8.5.3. Sequenzanalyse der Stegreiferzählung
- 8.5.4. Feinanalysen
- 8.5.5. Positionierungen
- 9. Diskussion der fallübergreifenden Themenfelder
- 9.1. Der Zerfall Jugoslawiens und die postjugoslawischen Kriege als Bruch in der nationalen und ethnischen Identität
- 9.2. Selbstpositionierung als „doppelte/r AusländerIn“
- 9.2.1. „Ortlosigkeit“: Hier Serbin, dort Schweizerin
- 9.2.2. „Teilausschluss“: Thematisierung von Ungleichheitserfahrungen in der Schweiz
- 9.3. Bewältigungsstrategien und Erklärungsmuster
- 9.3.1. Abgrenzung von „den Anderen“
- 9.3.2. Mit positivem Beispiel gegen Vorurteile angehen
- 9.3.3. Appell, jede Person als Mensch zu beurteilen
- 10. Conclusio
- Verzeichnis der Tabellen und Abbildungen
- Literaturverzeichnis
- Series Index
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Bei dieser Publikation handelt es sich um eine überarbeitete Version meiner Dissertation, die am 24. Juni 2014 von der Philosophisch- Historischen Fakultät der Universität Basel auf Antrag von Prof. Dr. Ueli Mäder und Prof. Dr. Walter Leimgruber angenommen wurde.
Als Erstes möchte ich mich bei meinem Referenten Prof. Dr. Ueli Mäder herzlich für die Unterstützung und Begleitung meiner Arbeit bedanken. Meinem Korreferenten Prof. Dr. Walter Leimgruber danke ich für seine Ratschläge und Anregungen. Einen weiteren Dank richte ich an Prof. em. Dr. Heiko Haumann für sein stetes Interesse an meiner Arbeit und seine hilfreichen Kommentare.
Mein Freundeskreis und mein Arbeitsumfeld haben mich während der Verfassung meiner Dissertation tatkräftig unterstützt. Ihnen allen sei hiermit herzlich gedankt. Gesondert möchte ich mich bei Stephanie Lori, Michael Binggeli und Lea Mani für ihre emotionale und fachliche Unterstützung bedanken.
Ein grosser Dank gilt meiner Familie für ihren Beistand und ihre Geduld. Besonders bedanken möchte ich mich bei meiner Mutter Doris, meinem Vater Nenad und meiner Tante Dana. Meiner Mutter, die mich erst darauf brachte, eine Dissertation zu diesem Thema zu schreiben, widme ich diese Arbeit.
Darüber hinaus bedanke ich mich bei den Mitgliedern des Basler Arbeitskreises für Südosteuropa (BASO) für die wertvollen Anregungen, die sie mir beim Doktoratskolloquium vom 1. März 2013 gegeben haben. Ein weiterer Dank geht an die Freiwillige Akademische Gesellschaft (FAG) der Universität Basel, die die Fertigstellung dieser Arbeit unterstützte.
Last but not least danke ich meinen Interviewpartnerinnen und Interviewpartnern, ohne deren Bereitschaft über ihre Lebenssituation zu erzählen, diese Arbeit nicht möglich gewesen wäre.
Basel, den 22.12.2014
Kathrin Pavić
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„Ich hatte Angst davor, als Serbin erkannt zu werden. Gleichzeitig wollte ich aber wie alle anderen in der Welt zeigen, dass auch ich meine Wurzeln habe.“
Aus dem Interview mit Zaza Stefanović Camenzind (Mikić/Sommer 2003: 30)
Details
- Seiten
- 421
- Erscheinungsjahr
- 2015
- ISBN (Paperback)
- 9783034316125
- ISBN (PDF)
- 9783035108330
- ISBN (MOBI)
- 9783035194357
- ISBN (ePUB)
- 9783035194364
- DOI
- 10.3726/978-3-0351-0833-0
- Sprache
- Deutsch
- Erscheinungsdatum
- 2015 (April)
- Schlagworte
- Migration Serbien gesellschaftliche Diskurse Deutschschweiz
- Erschienen
- Bern, Berlin, Bruxelles, Frankfurt am Main, New York, Oxford, Wien, 2015. 421 S.
- Produktsicherheit
- Peter Lang Group AG