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«Da habe ich alles, was Serbisch war, verteufelt.»

Wie gesellschaftliche Diskurse die natio-ethno-kulturellen Zugehörigkeiten von ethnischen Serbinnen und Serben in der Deutschschweiz beeinflussen

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Kathrin Pavic

In den letzten zwei Jahrzehnten wurde in der (Deutsch)Schweizer Öffentlichkeit viel über Zuwanderinnen und Zuwanderer aus dem postjugoslawischen Raum – im speziellen aus Serbien – diskutiert. So war in den Medien, der Politik und an den Stammtischen die Rede von aggressiven und kriminellen «Jugos», «Balkanrasern» und serbischen Kriegsverbrechern.
Anhand von fünf biographischen Einzelfallanalysen geht die Autorin der Frage nach, wie Menschen mit serbischem Migrationshintergrund mit den vorherrschenden gesellschaftlichen Diskursen über ethnische Serbinnen und Serben in ihrer Lebensgeschichte umgehen und welche Auswirkungen diese auf ihr Zugehörigkeitsgefühl zum Herkunfts- und zum Aufnahmeland haben. Hierbei stellen nicht nur der Zusammenhang von Diskurs und Biographie einen wichtigen Aspekt dar, sondern auch die transnationalen Bezüge der Befragten.
Neben den fünf Einzelfallanalysen, die auf narrativen Interviews beruhen, bildet die Aufarbeitung des sich wandelnden Diskurses über ImmigrantInnen aus dem (post)jugoslawischen Raum seit den 1960er Jahren das Kernstück dieser Arbeit. Zudem wird auf weiterführende Fragestellungen und auf die damit einhergehenden integrationspolitischen Implikationen hingewiesen.
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10. Conclusio

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Dino Merlin155: „Moj je život Švicarska“ (zit. n. Fäh/Glaus/Brunner 2003: 18)

Ich war mir bewusst, dass die Ausgangsfragestellung meiner Arbeit – nämlich wie Menschen mit serbischem Migrationshintergrund in ihrer Lebensgeschichte mit den vorherrschenden gesellschaftlichen Diskursen über ethnische Serbinnen und Serben umgehen – eine Herausforderung für den sozialwissenschaftlichen Diskurs darstellt. Dies bereitete mir vor allem beim Einstieg in das Thema einige Schwierigkeiten, war aber zugleich auch ungemein anregend und spannend. Um mich dieser Ausgangsfragestellung annähern zu können, bin ich von zwei theoretischen Prämissen ausgegangen:

1) Ich setze mich mit der Annahme auseinander, dass gesellschaftliche Diskurse Einfluss auf die Lebensgeschichte der einzelnen Individuen ausüben (Kap. 6.1.), weswegen ich mich für einen biographisch-narrativen Zugang entschied, um meine Fragestellung zu untersuchen. Methodologisch habe ich versucht zu Antworten zu kommen, indem ich die Selbst- und Fremdpositionierungen genau betrachtete, die meine GesprächspartnerInnen während ihren ← 359 | 360 → Erzählungen vornahmen. Ich ging davon aus, dass die Art und Weise wie meine InformantInnen sich selbst und andere positionieren, Aufschluss darüber geben, wie dieselben mit den vorherrschenden Diskursen über ethnische Serbinnen und Serben in der Schweiz umgehen. Besonders den sogenannten Subjektpositionen kommt hierbei eine wichtige Bedeutung zu. Durch die Einnahme von solchen Subjektpositionen subjektiviert sich ein Individuum und verortet sich innerhalb „der vorherrschenden gesellschaftlichen und diskursiven Struktur“ (Mecheril 2003: 51). Wenn Snežana B. z. B. darauf hinweist, dass die kosovo-albanischen ImmigrantInnen „unter unserem Namen laufen“ und auf diese Weise dem Ruf der SerbInnen...

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