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Prophetie und Politik

Die «Explanatio in Prophetia Merlini Ambrosii» des Alanus Flandrensis – Edition mit Übersetzung und Kommentar – Band 1 / Band 2

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Clara Wille

Um 1138 schrieb Geoffrey von Monmouth seine Historia regum Britanniae, die erste Darstellung der Artuslegende. Darin eingelegt sind die dunklen, bildgesättigten Aussprüche des Zauberers und Propheten Merlin. Teils behandeln sie die Vergangenheit der Britischen Inseln, teils sind sie Weissagungen auf ihre Zukunft. Sogleich zeigte sich das Bedürfnis, sie auszudeuten. Unter den zahlreichen Kommentaren ist die Explanatio in prophetia Merlini Ambrosii (um 1170) der umfassendste. Darin werden auch die Weissagungen auf die damalige Zukunft interpretiert. Als Urheber dieser umfangreichen Schrift gilt ein gewisser Alanus, gebürtig von Lille, später Bischof von Auxerre. Konkret wird darin auf das anglonormannische Königtum – auch in seinen Beziehungen zu Frankreich – eingegangen, auf die dynastischen Kämpfe und das Verhältnis von Kirche und weltlicher Macht. Die Sitten der Zeit werden gegeisselt: das Hofleben, die Priesterehe, ferner Zauberei und Aberglaube.
Der Text, bisher nur in Drucken des 17. Jahrhunderts zugänglich, wird im vorliegenden Werk erstmals kritisch ediert, in eine moderne Sprache übersetzt und im Hinblick auf seine historischen, geistesgeschichtlichen und literarischen Belange kommentiert.
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Buch VI P 34–70

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1.

[P 34] Ein Hirsch mit zehn Geweihenden wird sie töten, vier davon werden vier goldene Kronen tragen. Die sechs übrigen werden in Büffelhörner verwandelt werden, die mit ihrem schrecklichen Schall die drei Inseln Britanniens aufschrecken, und so weiter.

In einer passenden Metapher führt Merlin einen Hirsch ein, um das giftige Weib zu töten, da es die Natur der Hirsche ist, Schlangen zu töten und kleine giftige Tiere zu fressen, wie uns diejenigen überliefert haben, die über die Natur der Tiere schrieben. Des weiteren wird mit dem Hirsch, der mit seinem schnellen Lauf leicht unversehrt und ohne Verletzung Dornengebüsch überspringt und die Höhen der Berge ersteigt, ein grosser und sehr mächtiger Mann dargestellt, der schwierige und gewaltige Anstrengungen und Taten unternehmen wird, entweder der Fürst der Rutener, welche, wie das Vorangehende gezeigt hat, der schweflige Rauch jener Jungfrau gegen Britannien aufhetzen wird, oder irgend ein anderer Fürst, den der Text nicht nennt. So nämlich heisst es im vorangehenden Text: Wo immer sie einhergeht, wird sie schweflige Tritte machen, die mit doppelter Flamme rauchen. Jener Rauch wird die Rutener wecken und wird die Nahrung für die im Meer lebenden Tiere bereiten. Sie wird mit bejammernswerten Tränen triefen und mit schrecklichem Geschrei die Insel erfüllen, und unmittelbar darauf fügt Merlin hinzu: Ein Hirsch mit zehn Geweihenden wird sie töten, vier davon werden vier...

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