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Hermann Bahr – Österreichischer Kritiker europäischer Avantgarden

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Edited By Martin Anton Müller, Claus Pias and Gottfried Schnödl

Bereits zeitgenössische Kritiker stehen irritiert vor der Breite des Werks des Schriftstellers und Journalisten Hermann Bahr (1863–1934) und monieren vor allem dessen Heterogenität. Verwirrung stiftet seine Praxis, ständig neue künstlerische Stile und kulturelle Tendenzen zu erahnen, sie zu lancieren und bald wieder zu ‚überwinden‘. Das lässt sich als Symptom für die um 1900 drastisch zunehmende Geschwindigkeit der kulturellen und technischen Entwicklung begreifen. So untersucht dieser Band, wie sehr das ‚Übermorgen‘ des Trendsetters Bahr nicht sowieso bereits die Gegenwart seiner Zeitgenossen darstellt. Die in diesem Band dokumentierten Aufsätze eint, dass er nicht als Vorreiter, sondern als Zeiterscheinung gefasst werden soll. Ursprünglich Vorträge einer Tagung, die im Mai 2013 in Berlin stattfand, erweitern sie die Diskussion in Bahrs Arbeitsfeldern Wirtschaftswissenschaften, Kunst- und Literaturgeschichte, Philosophie und Theater. Ferner behandeln sie seine Publikationspraxis sowie die Überlieferung seines Nachlasses.
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Vom „Zusammenhang im All“ – Hermann Bahr als Student der Nationalökonomie: Gottfried Schnödl

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Vom „Zusammenhang im All“ – Hermann Bahr als Student der Nationalökonomie

Gottfried Schnödl

Bestenfalls eine Randnotiz der Forschung stellt es bislang dar, dass Hermann Bahr zwischen Mai 1884 und Mai 1887 die Friedrich Wilhelm-Universität zu Berlin besuchte um Nationalökonomie zu studieren, dabei einige nationalökonomische Texte veröffentlichte und eine Dissertation anfertigte. Eine selbstständige Publikation liegt nicht vor und abseits zweier kürzerer Texte des Wiener Politikwissenschaftlers Johann Dvořák, der sich mit Bahrs Sozialismus und Marxismus beschäftigt,1 fehlen Aufsätze, die sich des Themas annehmen würden. Die Rezeption ist bis heute sporadisch – und sie ist thematisch auf Bahrs Marxismus beschränkt. Schon zu Lebzeiten scheint der Blick auf den angegebenen Zeitraum vor allem den ‚sozialistischen Bahr‘ zu suchen; nach Bahr, dem Burschenschafter, die zweite Emanation, die größere Aufmerksamkeit erregte.2

Diese Lücke befremdet im Licht einer Literatur- und Kulturforschung, die längst die enge Verflechtung zwischen Wissenschaft und Literatur auch und gerade für den Zeitraum der klassischen ästhetischen Moderne untersucht ← 15 | 16 → und vielfach belegt hat. Immerhin stellen die gut 30 Texte, in denen sich Bahr zwischen 1884 und 1887 zu Fragen der Ökonomie im weiteren Sinn positioniert und die den größten und maßgeblichsten Teil seiner Publikationen in dieser Zeit ausmachen,3 seinen wohl intensivsten Versuch dar, im Rahmen eines wissenschaftlichen Diskurses zu reüssieren bzw. diesen selbst mit zu gestalten. Damit geht Bahrs Beschäftigung mit der Nationalökonomie über den...

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