Show Less
Restricted access

Naturkunde im Wochentakt

Zeitschriftenwissen der Aufklärung

Series:

Edited By Tanja van Hoorn and Alexander Košenina

In der Aufklärung wird umfassende Bildung über den Menschen, die Welt und die Kultur gefordert. Wissen über Astronomie, Physik, Chemie, Biologie, Medizin, Geologie oder Meteorologie vermitteln – vor der rasanten fachlichen Spezialisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts – insbesondere Zeitschriften.
Seit etwa 1750 konkurrieren auf dem Buchmarkt unterschiedlichste Periodika – vermischte Magazine, Rezensionsjournale, Moralische Wochenschriften –, die in Fachstudien, populären Essays, Lehrgedichten oder fiktionalen Erzählungen naturkundliche Inhalte an eine nicht minder vielfältige Leserschaft vermitteln. So entsteht eine populäre, öffentliche Akademie der Natur für das interessierte Bürgertum.
Der vorliegende Band sondiert dieses noch weitgehend unerschlossene Feld naturkundlichen Zeitschriftenwissens des 18. Jahrhunderts.
Show Summary Details
Restricted access

Erziehung „durch Vorzeigung der Dinge in der Natur“ Aufklärungspädagogik und Naturgeschichte: Susanne Düwell

Extract

Man hat Spinnen, Schnecken, Würmer, Bienen und Frösche aufgezogen, und über ihre täglichen Veränderungen genaue und umständliche Tagebücher geführt. […] Eben so beobachtet und beschreibt der Pädagoge umständlich, Schritt vor Schritt und Tag vor Tag. […] Diese Tagebücher finden sich – ich weiß in Wahrheit nicht wo? […] und doch behaupte ich dreiste und zuversichtlich, daß alle unsere Pädagogik Stümperei seyn und bleiben werde, so lange wir nicht in den Geschmack kommen, pädagogisch zu observieren.1

Das Zitat von August Schlözer verbindet zwei für die Zeitschriftenkultur der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zentrale Themen: Die Popularität naturkundlicher Studien und die Forderung nach empirischen Beobachtungen in der Pädagogik.2 Die von Schlözer bereits 1771 formulierte Forderung nach pädagogischer Beobachtung und deren detaillierter Protokollierung bleibt in den folgenden 20 Jahren ein zentrales Thema des aufklärungspädagogischen Diskurses. Pädagogen wie Karl Philipp Moritz, Ernst Christian Trapp, Johann Karl Wezel, Joachim Heinrich Campe oder Christian Gottfried Böckh teilen die von Schlözer formulierte Idee, „pädagogisch zu observieren“ und diese empirischen Beobachtungen über längere Zeiträume in Tabellen, Protokolle und Tagebücher einzutragen sowie vergleichende Serien von Kinderbeobachtungen und Taxonomien von Charakteren zu entwickeln.3 ← 221 | 222 →

Der von Schlözer gewählte Vergleich von naturkundlicher und pädagogischer Beobachtung ist keineswegs zufällig. Vielmehr wird sich die philanthropistische Pädagogik an Prinzipien einer praktisch orientierten Medizin, Methoden an der Naturforschung und an...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.