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Psychologie der Lebendorganspende

Eine qualitative Studie zu Spendemotivationen, Spendeimperativ und der Relevanz von Geschlecht im Vorfeld einer Lebendorganspende

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Merve Winter

Das vorliegende Buch untersucht die psychische Situation von OrganspenderInnen und -empfängerInnen vor einer Lebendnierentransplantation. Ausgangspunkt für diese empirische Studie war der in den vergangenen Jahren häufig diskutierte Geschlechterunterschied in der Lebendorganspende, wonach Frauen häufiger zum Spenden bereit sind als Männer. Daher wurden Spendemotivationen und Entscheidungsprozesse im Hinblick auf eine Geschlechtsspezifik in den Blick genommen. Zentrales Ergebnis ist die Existenz eines so genannten «Imperativs zur Spende», der zwar für alle Angehörigen gilt, der aber in einer geschlechtsspezifischen Weise wirksam wird. Frauen vernehmen die «Anrufungen zur Spende» in anderer Weise als Männer und kommen diesen Anrufungen an sie häufig zuvor, während Männer vermehrt dann zu spenden scheinen, wenn außer ihnen niemand anderes in Frage kommt. Welche Herausforderung, Zumutung, aber auch Chance diese spezielle Situation im Vorfeld einer Lebendorganspende darstellt und wie sie psychisch verarbeitet wird, davon handelt dieses Buch.
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3. Methodologie

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3.Methodologie

Nachdem das vorangegangene Kapitel die theoretischen Grundlagen sowie den aktuellen Forschungsstand zum Thema Geschlechterdifferenz in der Lebendorganspende vorgestellt und daraus die Forschungsfrage für die vorliegende Studie entwickelt hat, soll dieses Kapitel nun den methodischen Aufbau des Projekts darlegen. Angefangen mit dem Studiendesign werden die Fallauswahl erläutert und die beteiligten Kliniken aufgeführt. Anschließend wird die Wahl der Auswertungsmethode(n) begründet und das methodische Vorgehen näher erörtert. Dabei werden auch die Grenzen dieses Vorgehens sichtbar gemacht.

3.1Fallauswahl und Studiendesign(Leitfaden, Interviewführung und Transkription)

Für das Forschungsprojekt wurden LebendnierenspenderInnen und -EmpfängerInnen kurz vor der Transplantation interviewt. Dem Studiendesign lag zunächst die Überlegung zugrunde, dass sich die ProbandInnen zum Zeitpunkt des Interviews möglichst nah an der Forschungsfrage – nämlich ihren Spendemotivationen und Entscheidungsfindungsprozessen – befinden sollten. Retrospektiv, so die Annahme, würden die PatientInnen mitunter je nach Verlauf der Transplantation eine ganz andere Geschichte erzählen und möglicherweise stärker zu Idealisierungen oder Relativierungen neigen. Diese Überlegungen teilen auch Lennerling et al. (2003, 2004), die darauf hinwiesen, dass die meisten Studien über Entscheidungsprozesse und Spendemotivationen von LebendnierenspenderInnen bisher nach der Transplantation erhoben wurden, dies aber den methodischen Nachteil mit sich brächte, dass die SpenderInnen die präoperativen Erwartungen und Wünsche nur schwerlich von dem realen outcome der Spende beziehungsweise ihrem Transplantations-Erleben trennen könnten. ← 85 | 86 →



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