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Psychologie der Lebendorganspende

Eine qualitative Studie zu Spendemotivationen, Spendeimperativ und der Relevanz von Geschlecht im Vorfeld einer Lebendorganspende

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Merve Winter

Das vorliegende Buch untersucht die psychische Situation von OrganspenderInnen und -empfängerInnen vor einer Lebendnierentransplantation. Ausgangspunkt für diese empirische Studie war der in den vergangenen Jahren häufig diskutierte Geschlechterunterschied in der Lebendorganspende, wonach Frauen häufiger zum Spenden bereit sind als Männer. Daher wurden Spendemotivationen und Entscheidungsprozesse im Hinblick auf eine Geschlechtsspezifik in den Blick genommen. Zentrales Ergebnis ist die Existenz eines so genannten «Imperativs zur Spende», der zwar für alle Angehörigen gilt, der aber in einer geschlechtsspezifischen Weise wirksam wird. Frauen vernehmen die «Anrufungen zur Spende» in anderer Weise als Männer und kommen diesen Anrufungen an sie häufig zuvor, während Männer vermehrt dann zu spenden scheinen, wenn außer ihnen niemand anderes in Frage kommt. Welche Herausforderung, Zumutung, aber auch Chance diese spezielle Situation im Vorfeld einer Lebendorganspende darstellt und wie sie psychisch verarbeitet wird, davon handelt dieses Buch.
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4. Empirischer Teil I: Fallvignetten Interviews und Falldarstellungen

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4.Empirischer Teil I: Fallvignetten

4.1Fallvignetten und Spende-Empfangskonstellationen

In diesem Kapitel werden die einzelnen „Fälle“ und Spendekonstellationen zwischen den interviewten SpenderInnen und EmpfängerInnen in ihrer Spezifik und Psychodynamik vorgestellt. Gegenüber der ursprünglichen Dissertationsschrift wurde in diesem Kapitel die stärkste Kürzung vorgenommen. Im Sinne einer besseren Lesbarkeit wurden viele Interviewzitate gestrichen und die Fallvignietten insgesamt gekürzt. Das vorliegende Kapitel konzentriert sich nun vornehmlich auf die Selbstpositionierungen der SpenderInnen und EmpfängerInnen.

Die Falldarstellungen werden im Folgenden immer in der jeweiligen Spende-Empfangs-Dyade präsentiert, da nur so die je spezifische Spendekonstellation in ihrer Dynamik sichtbar werden kann. Die SpenderInnen-Interviews stellen den wichtigsten Pfeiler der Erhebung und der anschließenden Interpretation dar; denn die ursprüngliche Forschungsfrage nach den Spendemotivationen und den Entscheidungsprozessen betrifft im Wesentlichen die SpenderInnen. Methodisch bildeten die EmpfängerInnen-Interviews jedoch eine wertvolle Ergänzung zu den SpenderInnen-Interviews, da die dort auftauchenden Selbst- und Fremdpositionierungen die Schilderungen der SpenderInnen ergänzen, spiegeln oder kontrastieren. Auch die Beziehungsdynamik zwischen SpenderIn und EmpfängerIn kann reziprok besser verstanden werden.

Die nachfolgende Darstellung der einzelnen Fallvignietten folgt der Reihenfolge der Erhebung. Bei der Auswertung der einzelnen Fallanalysen standen folgende Aspekte der Selbstdarstellung im Fokus der Aufmerksamkeit:

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