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Psychologie der Lebendorganspende

Eine qualitative Studie zu Spendemotivationen, Spendeimperativ und der Relevanz von Geschlecht im Vorfeld einer Lebendorganspende

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Merve Winter

Das vorliegende Buch untersucht die psychische Situation von OrganspenderInnen und -empfängerInnen vor einer Lebendnierentransplantation. Ausgangspunkt für diese empirische Studie war der in den vergangenen Jahren häufig diskutierte Geschlechterunterschied in der Lebendorganspende, wonach Frauen häufiger zum Spenden bereit sind als Männer. Daher wurden Spendemotivationen und Entscheidungsprozesse im Hinblick auf eine Geschlechtsspezifik in den Blick genommen. Zentrales Ergebnis ist die Existenz eines so genannten «Imperativs zur Spende», der zwar für alle Angehörigen gilt, der aber in einer geschlechtsspezifischen Weise wirksam wird. Frauen vernehmen die «Anrufungen zur Spende» in anderer Weise als Männer und kommen diesen Anrufungen an sie häufig zuvor, während Männer vermehrt dann zu spenden scheinen, wenn außer ihnen niemand anderes in Frage kommt. Welche Herausforderung, Zumutung, aber auch Chance diese spezielle Situation im Vorfeld einer Lebendorganspende darstellt und wie sie psychisch verarbeitet wird, davon handelt dieses Buch.
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Die Öffentlichkeit zeigte sich schockiert: Am 7.1.2013 berichtete ZEIT online – andere Zeitungen und elektronische Medien waren ebenfalls tätig – über die alarmierend geringe Bereitschaft zur Organspende, die seit 2012 den niedrigsten Stand seit zehn Jahren erreicht hatte und gemäß Information der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) gegenüber 2011 drastisch abgenommen hatte. Besonderen Einfluss hatte dabei der ärztliche Missbrauch im Umgang mit Spendeorganen in mehreren deutschen Kliniken. Die Medien beschäftigten sich intensiv und anhaltend mit den skandalösen Verhältnissen, aber auch mit dem allgemeineren Problem der verminderten Spendemotivation. Nicht nur die Bereitschaft zur postmortalen, sondern insbesondere auch zur Lebendorganspende hat sich verringert.

Ein ernstes Problem, bleibt doch die Transplantationspraxis weiterhin auf das freiwillige Engagement gesunder Spender oder das intakte Organ einer verstorbenen Person angewiesen. Freiwillige Spender stellen sich entweder anonym zur Verfügung, das ist bei der Postmortalspende der Fall und bei Lebendorganspenden möglich (living unrelated donors); oder die Spende erfolgt im Rahmen einer persönlichen Beziehung, etwa zugunsten eines Angehörigen; dies ist der typische Fall bei Lebendorganspenden. Das Transplantationsgesetz gestattet den chirurgischen Eingriff bei gesunden Personen und die Organentnahme bei Verstorbenen.

In Gesellschaften mit hochtechnisierter Medizin und zunehmend nachhaltigem Transplantationserfolg ist es ein politisches Anliegen, die Bevölkerung zu motivieren, eigene gesunde Organe für Kranke zu medizinischen Transplantationszwecken postmortal oder als Lebendorganspende zur Verfügung zu stellen. Der Bedarf steigt. Prominente lassen sich für mediale Kampagnen gewinnen, um mit hohem moralischem Engagement für eine Selbstverpflichtung zur Organspende...

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