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Interkulturelle Literatur in deutscher Sprache

Das große ABC für interkulturelle Leser

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Carmine Chiellino

Als Leser, Herausgeber und Forscher von interkultureller Literatur hat Carmine Chiellino im Laufe von drei Jahrzehnten eine elementare deutschsprachige Terminologie erarbeitet, um über seine Erfahrungen mit der interkulturellen Literatur in Westeuropa und in Nordamerika anders als in den geläufigen Diskursen zu denken und zu schreiben. Die Terminologie ist aus der schlichten Notwendigkeit hervorgegangen, Schreibmodelle und Strategien, eigene Motivationen und fremde Zwänge beim Sprachwechsel, interkulturelle Lebensläufe und Entstehungskontexte, Projekte und Fragestellungen, die in Werken von interkulturellen Schriftstellern aus unterschiedlichen Sprach- und Kulturräumen vorkommen, stichwortartig zu erfassen. Dieser Band stellt rund 100 Stichwörter vor, die durch Textbeispiele, Werkbeispiele, Autorenbeispiele oder Kontextbeispiele erläutert werden und den Leser unterstützen sollen, die betreffenden Werke interkulturell lesen zu können. Die Textbeispiele sind in der Originalsprache und mit der deutschen Übersetzung wiedergegeben.
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Gastarbeiterliteratur

Sie ist im Kontext der Einwanderung nach Deutschland ab 1955 entstanden. Als Geburtsurkunde darf das Buch Arrivederci, Deutschland! 1964, von Gianni Bertagnoli gelten, das auf Italienisch verfasst wurde und bis heute nur auf Deutsch vorliegt.85 In dieser schlichten Reportage werden jene Themen angesprochen, die die Gastarbeiterliteratur in Zukunft ausmachen werden: der Anwerbevertrag, die Reise nach Deutschland, die Wohn- und Arbeitsplatzbedingungen, der Umgang der Einwanderer mit dem Arbeitgeber, die gescheiterte Rückkehr, die Situation der Frau in der Auswanderung, die Teilnahme am sozialen Leben der Einheimischen sowie die Begegnung zwischen den Einwanderern und deutschen Frauen.

Die Gastarbeiterliteratur ist von Einwanderern aus dem Mittelmeerraum geschrieben worden. Mehrheitlich wurde sie in den mitgebrachten Sprachen verfasst, in seltenen Fällen auf Deutsch. Es wurden Gedichte, Prosatexte, kurze Erzählungen, Berichte, Briefe und Lieder geschrieben, die in muttersprachlichen Heften, Zeitschriften und im Selbstverlag veröffentlicht wurden.86

Die ersten deutschsprachigen Anthologien zur Gastarbeiterliteratur erschienen Anfang der 80er in kleinen deutschen Verlagen. Allerdings sind sie von ihren deutschen Herausgebern eher als Materialsammlungen zur Lage der Einwanderer in der BRD denn als Präsentation neuartiger literarischer Beiträge konzipiert worden.87 In den 80er Jahren sind auch die ersten Anthologien erschienen, die Einwanderer zusammengestellt haben, in denen zu lesen ist, dass sie die Beiträge als engagierte Literatur in eigener Sache verstehen.88

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