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Legitimationsmechanismen des Biographischen

Kontexte – Akteure – Techniken – Grenzen

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Christian Klein and Falko Schnicke

Warum und unter welchen Umständen werden Biographien als sinnhafte und überzeugende Darstellungen anderer Leben anerkannt? Diese Frage nach der Legitimität adressiert ein Kernproblem der Biographik, das ungeachtet seiner fundamentalen Bedeutung bislang in der Biographieforschung nur am Rande reflektiert wurde. Welche Beglaubigungsstrategien werden wann und von wem in welchen Kontexten als gültig akzeptiert? Wer gilt als legitime Biographin, wer als legitimer Biograph und wessen Lebensgeschichte als angemessener Stoff für eine Biographie? Mithilfe welcher Techniken evozieren Biographinnen und Biographen die Glaubwürdigkeit ihrer Darstellung? Der vorliegende Band diskutiert diese und ähnliche Fragen im Rahmen ganz unterschiedlicher Fallstudien und nimmt damit erstmals die Legitimationsmechanismen des Biographischen in den Blick, ihre historischen und kulturellen Kontexte, die Akteure, die Techniken der Legitimation und ihre Grenzen. Er präsentiert die Ergebnisse der internationalen Tagung «Legitimationsmechanismen des Biographischen», die im September 2012 an der Universität Wuppertal stattfand.
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Legitimationsmechanismen des Biographischen: Bestimmung und Systematik

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Christian Klein und Falko Schnicke

Das Thema des vorliegenden Bandes ist ein Fundamentalproblem aller Biographik: Warum und unter welchen Umständen werden biographische Texte von ihren Rezipienten als glaubhafte Erzählungen eines anderen Lebens akzeptiert? Diese Frage liegt zum einen nahe, weil Biographien keine Autobiographien sind, die über die Autorauthentizität legitimiert werden und zum anderen, weil biographisches Schreiben und Prozesse der Legitimierung wechselseitig miteinander verbunden sind. So können Biographien etwa als Instrumente sozialer Legitimation fungieren, indem bestimmte Gruppen versuchen, ihre gesellschaftliche Anerkennung über biographische Darstellungen zu forcieren oder zu festigen. Mit Vasaris Künstlerviten sollte beispielsweise nicht zuletzt die Figur des Künstlers in der italienischen Renaissancegesellschaft gefestigt werden,1 und auch die deutsche Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts, um ein weiteres Beispiel zu nennen, setzte gezielt darauf, ihre Anliegen über die Präsentation vorbildhafter Frauen zu befördern.2 Um als Legitimationsinstrument für solch ganz unterschiedliche Intentionen fungieren zu können, müssen biographische Texte als Darstellungsformen in der Gemeinschaft, in der sie Wirkung entfalten sollen, etabliert sein, d.h. in ihrer je spezifischen Ausprägung Anerkennung finden (können).

Legitimation – Ausgangspunkte und Begriff

Biographien zählen zu den faktualen Texten oder auch „Wirklichkeitserzählungen“, die eine besondere Rezeptionshaltung evozieren, denn ihre Leser ← 9 | 10 →

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