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Die Bedeutung der Rezeptionsliteratur für Bildung und Kultur der Frühen Neuzeit (1400–1750), Bd. II

Beiträge zur zweiten Arbeitstagung in Haldensleben (Mai 2013)

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Edited By Alfred Noe and Hans-Gert Roloff

Wie bereits in der ersten Arbeitstagung in Eisenstadt 2011 ausgeführt, weist die Mittlere Deutsche Literatur zwischen 1400 und 1750 einen beträchtlichen Bestand an deutschsprachiger Rezeptionsliteratur auf, deren statistisches Verhältnis zur originalen deutschen Literatur in Frühneuhochdeutsch und Neulatein noch nicht ausreichend ermittelt ist. Sichtung, Aufarbeitung und bildungsgeschichtliche Wertung dieser Literatur gehören wohl zu den interessantesten und historisch aussagekräftigsten Aufgaben, welchen sich die Beiträge dieses Bandes exemplarisch widmen. Die Schwerpunkte liegen dabei auf der Rezeption antiker Kultur (Wiederentdeckung der Palliata, Überlieferung von Mythologie, Verarbeitung von Vergil), auf der Filiation mittelalterlicher Motive und auf der Verbreitung von italienischer Renaissanceliteratur im deutschen Sprachraum. Neben herausragenden Beispielen der literarischen Rezeption europäischer Literaturdenkmäler und neulateinischer Texte werden ästhetische Probleme von Rezeptionsliteratur im Allgemeinen und die theoretische Basis des Petrarkismus im Besonderen dargelegt.
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Petrarkismus und Rezeptionsliteratur. Permutative Kreativität in der Frühen Neuzeit: Alfred Noe

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Von Jean Clouet (~1485–1540), dem bekanntesten Hofmaler der Renaissance in Frankreich, der auch das berühmteste Porträt König Franz I. schuf, stammt ein in den königlichen Sammlungen von Großbritannien befindliches Gemälde mit der Bezeichnung „Portrait of a man holding a volume by Petrarch“. Das nur 38,5 x 33 cm große, vermutlich zwischen 1530 und 1535 entstandene Bild zeigt einen Unbekannten, in dem Kunsthistoriker des 19. Jahrhunderts Claude d’Urfé (1501–58) zu erkennen glaubten, mit einem aufgebundenen Oktavbändchen in der linken Hand, auf dessen hinterem Deckel, umrahmt von einer Goldprägung, der Name „Petrarca“ zu lesen ist. Das Buch, bei dem es sich um eine als Il Petrarca betitelte Ausgabe bei Aldo Manuzio in Venedig 1521 oder 1533 handeln dürfte, weist den Dargestellten nicht nur als kultivierten Menschen aus, der eben seine meditative Lektüre für einen Moment unterbrochen hat, sondern auch ausdrücklich als Anhänger der eben in jenen Jahren in Frankreich einsetzenden Begeisterung für den italienischen Autor des 14. Jahrhunderts.

Daniel Federmann stellt seiner Übersetzung der Sechs Triumph Francisci Petrarche (Basel: Peter Perna 1578) eine Kurzbiographie des Autors voran, in welcher er unter anderem den Ausgangspunkt der legendären voluptas dolendi des Dichters in etwas ausgeschmückter Form in Erinnerung ruft:

Nun begab es sich aber/ alß er im anfang desselben jars [1327] eines tags von Valclusa gen Lilla/ ein halbe meil wegs in die Kirchen zum Gottesdienst gegangen/ hat er vnter...

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