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Die Bedeutung der Rezeptionsliteratur für Bildung und Kultur der Frühen Neuzeit (1400–1750), Bd. II

Beiträge zur zweiten Arbeitstagung in Haldensleben (Mai 2013)

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Edited By Alfred Noe and Hans-Gert Roloff

Wie bereits in der ersten Arbeitstagung in Eisenstadt 2011 ausgeführt, weist die Mittlere Deutsche Literatur zwischen 1400 und 1750 einen beträchtlichen Bestand an deutschsprachiger Rezeptionsliteratur auf, deren statistisches Verhältnis zur originalen deutschen Literatur in Frühneuhochdeutsch und Neulatein noch nicht ausreichend ermittelt ist. Sichtung, Aufarbeitung und bildungsgeschichtliche Wertung dieser Literatur gehören wohl zu den interessantesten und historisch aussagekräftigsten Aufgaben, welchen sich die Beiträge dieses Bandes exemplarisch widmen. Die Schwerpunkte liegen dabei auf der Rezeption antiker Kultur (Wiederentdeckung der Palliata, Überlieferung von Mythologie, Verarbeitung von Vergil), auf der Filiation mittelalterlicher Motive und auf der Verbreitung von italienischer Renaissanceliteratur im deutschen Sprachraum. Neben herausragenden Beispielen der literarischen Rezeption europäischer Literaturdenkmäler und neulateinischer Texte werden ästhetische Probleme von Rezeptionsliteratur im Allgemeinen und die theoretische Basis des Petrarkismus im Besonderen dargelegt.
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Georg Philipp Harsdörffers Bücher. Die Bibliographien und Verweise der Frauenzimmer-Gesprächspiele: Daniel Syrovy

Georg Philipp Harsdörffers Bücher Die Bibliographien und Verweise der Frauenzimmer-Gesprächspiele

Daniel Syrovy (Wien)

Unter den zahlreichen Problemen, die sich bei der Beschäftigung mit dem Werk Harsdörffers ergeben – angefangen bei der schlechten Editionslage und der unzureichenden Verfügbarkeit mancher Texte, bis hin zu interpretatorischen Fragen – ist die Verankerung seines breiten literarischen Schaffens in einem internationalen Kontext von ausnehmender Schwierigkeit. Dass Harsdörffer meist, aber nicht immer auf den ersten Blick erkennbar, mit Vorlagen und Quellen gearbeitet hat, ist bekannt. Dies gilt für praktisch alle seine oft umfangreichen Bücher, und ganz besonders für die acht Bände der Frauenzimmer-Gesprächspiele (1641–51), die in der Tat schon auf dem Titelblatt mit dem Umstand werben, dass ihr Inhalt aus „Spanischen/ Frantzösischen/ Italiänischen Scribenten“ gezogen und in deutscher Sprache abgefasst sei. Die Sammlung enthält (neben zahlreichen anderen Texten, z.B. dem letzten Band beigefügte „XXV. Merkwürdige Fragen aus der Naturkündigung und Sitten- oder Tugendlehre“) dreihundert numerierte Spiele, von denen ein großer Teil auf spezifische Quellen zurückgeht, wobei zusätzlich zu sagen ist, dass die wenigsten Spiele nur ein einziges Thema berühren. Offensichtlich ist einer solchen Textstruktur ohne Hilfestellung kaum beizukommen.

Glücklicherweise inkludiert Harsdörffer aber am Ende von Band zwei und vier der Gesprächspiele jeweils eine umfangreiche Bibliographie; in jedem der acht Bände finden sich zudem zahlreiche Belege und Verweise von unterschiedlicher Genauigkeit.1 Die beiden Listen sind, um dies gleich vorwegzunehmen, stark fehlerhaft und nicht sehr zuverlässig, was die konkreten Angaben betrifft (Verlagsorte, Publikationsjahre, etc.). Einige Titel sind darin doppelt genannt, andere Titel sind zu einzelnen Einträgen zusammengefasst. Wir werden später auf diese Probleme zurückkommen. ← 253 | 254 →

Trotzdem sind Harsdörffers Hinweise natürlich ein wesentliches Hilfsmittel für die Arbeit mit den Gesprächspielen bzw. seinem Gesamtwerk, denn auch die anderen theoretischen Texte, der Poetische Trichter, die Mathematischen und philosophischen Erquickstunden (oder Delitiæ mathematicæ et physicæ), und diverse weitere Schriften sind durch dieselbe Arbeitsweise gekennzeichnet, und selbst die Erzählbände (die Schauplätze, Nathan und Jotham, der Historische Mercurius) sind, auch wenn sie sich bisweilen als Übersetzungen ausgeben, häufig aus verschiedenen Quellen zusammengesetzt. Wenn Harsdörffer aus Jean-Pierre Camus, des Bischofs von Bellay Amphithéâtre sanglant (1630) seinen Schau-Platz jämmerlicher Mord-Geschichte macht, ist dies keineswegs nur eine ‚Verdeutschung‘: er lässt zwei der 35 Erzählungen von Camus beiseite, fügt hingegen unmittelbar siebzehn neue hinzu, bis er die Zahl schließlich auf 200 erhöht, Material das – wie Harsdörffer sagt – „theils auß eigener Erfahrung/ theils auß andern Scribenten“ stammt.2

Die Erschließung der Provenienz einzelner Spiele, Passagen oder Erzählungen ist also alles andere als unproblematisch. Umso wichtiger ist eine systematische Sichtung der Bibliographien, Verweise und Kurzzitate, die sich in den Texten finden. Dabei zeigt sich – zumal unter Hinzuziehung einer weiteren Bibliographie aus dem dritten Band der Delitiae, dass die Literaturhinweise seines „bedeutendsten“ Werkes, der Gesprächspiele, zwar als eine Art Katalog von ihm verwendeter Texte gelten können, allerdings keineswegs als vollständig.3 In der Folge soll genauer erläutert werden, wie mit den Hinweisen umzugehen ist, um sie wissenschaftlich nutzbar zu machen. ← 254 | 255 →

1. Die Bibliographien als Literaturhinweise

In einer kurzen Bemerkung zur ersten der beiden Bibliographien, dem „Register etlicher Scribenten welcher sich der Verfasser zu Behuff der Gesprächspiele bedienet“ aus dem zweiten Band der Gesprächspiele, weist Harsdörffer auf zwei wesentliche Zwecke seiner Bibliographie hin. Der eine ist, dass „hierdurch die hin und wider bemerckte Blätter so viel gewieser in den Büchern nachgeschlagen/ und die/ ohne deß Verfassers Namen in Druck gefertigte/ leichter erfragt und bekant werden.“4 Auf den anderen werden wir noch zu sprechen kommen. Harsdörffer sieht die Informationen des Registers offenbar als wesentlichen Bestandteil der Gesprächspiele; es gilt, herauszufinden, bis zu welchem Grad sie zuverlässig sind.

Konkret handelt es sich bei den beiden Bibliographien um Listen von insgesamt etwa 430 Titeln, die aus verschiedenen Sprach- und Fachgebieten stammen.5 Wie bereits erwähnt, wird die Zählung dadurch erschwert, dass die Einträge eine eigenwillige Form aufweisen. Sie folgen zunächst dem Prinzip, einen Autor nur einmal zu nennen, und seine Bücher in der Folge aufzulisten.6 Umgekehrt gibt es jedoch Beispiele, wo ein Sammelwerk in die Beiträge einzelner Autoren aufgegliedert wird.7 Doch selbst in dieser Form gibt es ← 255 | 256 → einige Probleme, sei es durch die Verwechslung verschiedener Autoren,8 oder die missverständliche Nennung einzelner Titel.9 Eine genuine Erleichterung für die Auffindung der Bücher, wie Harsdörffer meint, wird diese Methode für die wenigsten Leser darstellen.

Dazu kommt, dass die einzelnen Informationen wenig zuverlässig scheinen. Bereits ein kurzer Blick auf die bibliographischen Angaben offenbart eine Fülle von Fehlern (zum Teil leicht emendierbar, etwa wenn ein Band von 1609 mit 1909 zitiert wird).10 Hier ist eine Pariser Ausgabe von Sidneys Arcadia auf 1642 statt 1624 datiert; dort finden wir einen Eintrag unter Stuckius ganz ohne Titel – es handelt sich nach Verlagsort und Jahreszahl um die Antiquitates conviviales.11 Wie viele dieser Fehler auf die Drucker bzw. Setzer zurückgehen, die wohl kaum mit fünf modernen Fremdsprachen (neben Griechisch12 und Latein) vertraut waren, ist fraglich. Dass auch von ← 256 | 257 → Harsdörffers Seite Fehler entstanden sein werden, ist anzunehmen. Seine Sprachkenntnisse sind zum Teil mangelhaft, die Mehrzahl der spanischen Zitate in seinen Werken hat beispielsweise eine italianisierende Tendenz.13 Dies mag sich auch in den bibliographischen Angaben niedergeschlagen haben, zumal Harsdörffer wenigstens teilweise aus dem Gedächtnis zu zitieren scheint. Dank der Vernetzung digitaler Bibliothekskataloge können wir hier allerdings sehr schnell auf korrekte Titelformen kommen. Andere Beispiele stellen uns vor etwas größere Probleme: Es sei nur hingewiesen auf z. T. stark abweichende Orthographie, verkürzte oder veränderte Titel. So wird Flaminio Scalas „Il Teatro delle Fauole rappresentatiue, overo La Ricreatione Comica, Boscareccia, e Tragica: Divisa in cinquanta giornate“ (Venedig 1611) bei Harsdörffer zu „Theatro comico, boscarescho e tragico“ (FZG4, o. Pag., sub lit. S). Dies spricht klar dafür, dass eine ‚normalisierte‘ Form der von Harsdörffer verzeichneten Titel ein wesentlicher erster Schritt für die weitere Beschäftigung damit sein muss, doch wird ebenso schnell deutlich, dass die bibliographische Arbeit dort nicht halt machen kann. Ein Beispiel zeigt, dass für die Erstellung einer zuverlässigen Angabe oft auch die konkreten Seitenverweise Harsdörffers mit den Büchern abzugleichen wären – Bücher, die im Idealfall als Digitalisate zur Verfügung stehen, gleichwohl (hier die Schwierigkeit) sie ja zu dem Zeitpunkt noch nicht eindeutig identifiziert sind.

Die Edition des Don Quijote etwa, die Harsdörffer verwendet, wird von ihm in der folgenden Form zitiert: „Miguel de CERVANTES SAAVEDRA Novelas Exemplares. 12. Venet. 1616. Apologo de la ociosidad. 4. Alcala 1546. Don Guixote de la Mancha 8. Alcal. 1607.“ Eine solche Ausgabe – also Alcalá de Henares 1607 – gibt es nicht. Christoph Schweitzer hat bereits 1958 darauf hingewiesen, dass Harsdörffer wohl die Brüsseler Ausgabe von 1607 verwendet haben müsse.14 Aus dem Beleg allein wäre dies nicht zu klären, jedoch hat Harsdörffer im zweiten Band seiner Delitiae auch das Gedicht „Es de vidrio la mujer“ aus dem Quijote (Teil I, Kap. 33) übersetzt und mit einem Seitenverweis versehen: „Von der Vergleichung eines Weibes und eines Glases/ hat Cervantes Saavedra diese Verse nel [sic] Quixote de la ← 257 | 258 → Mancha f. 355.“15 Betrachten wir nun die Edition Brüssel 1607, sehen wir, dass das Gedicht dort auf der ‚falschen‘ Seite, nämlich S. 368, abgedruckt ist; hingegen stimmt die Ausgabe Brüssel 1617 mit Harsdörffers Angaben überein. Der Titel müsste also nicht nur hinsichtlich des Verlagsortes emendiert werden, sondern auch hinsichtlich des Publikationsdatums. Die Problematik eines solchen Vorganges ist augenscheinlich. Im Fall des Don Quijote verfügen wir nun einerseits über detaillierte Kenntnisse zur Publikationsgeschichte, andererseits sind auch fast alle Drucke vor 1642 in der einen oder anderen Form digital zugänglich. Da die frühen Ausgaben ausschließlich Folio-Paginierung (recto und verso) haben, kommen sie für Harsdörffers Verweis nicht in Frage (in der Ed. Barcelona 1617 hingegen ist „Es de vidrio la muger“ auf S. 446). Angenommen, die Sieben der Jahreszahl ist korrekt, dann ist 1607 ein Fehler für 1617, eine Hypothese, die durch die korrekte Seitenzahl in der Brüsseler Ausgabe verfestigt wird. Der Druckort Alcalá ist als Lapsus einigermaßen zu rechtfertigen, wenn man mit einbezieht, dass der Verlagsort knapp davor schon einmal für den Apólogo de la ociosidad genannt ist.

Das Problem eines solchen Vorgehens, wenn man davon absieht, dass Vergleichbares natürlich nicht in jedem Fall möglich ist, liegt vor allem in der Tatsache, dass es nicht auszuschließen ist, dass Harsdörffer unter Umständen auch Fehler aus publizierten Bibliographien und Repertorien übernimmt. Dies ist sehr wahrscheinlich, was seine Ausgabe der Lettere von Isabella Andreini betrifft, die unter dem Druckort Anvers 1612 und dem Namen Andecini angeführt ist. Wie schon beim Quijote scheint keine solche Ausgabe zu existieren. Jedoch erwähnt Nicole Bingen in ihrem „Repertorium zu italienischsprachigen Drucken im französischen Raum“ die Praxis von Georg Draudius in seiner Bibliotheca exotica (1625), Titel, die in Italien gedruckt – in diesem Fall in Venedig 1612 –, aber bei Gaspard Bellère in Antwerpen verkauft wurden, mit dem Ort des Buchhändlers zu zitieren.16 Harsdörffers Methode war vielleicht dieselbe, eventuell ersetzte Bellère auch die Titelblätter der Bücher; allerdings schreibt Draudius ebenso wie Harsdörffer fälschlich „Andecini“, was nahelegt, dass dieser von jenem abgeschrieben hat.17 Gleichzeitig bedeutet dies aber nicht, dass Harsdörffer das ← 258 | 259 → Buch nicht kannte, denn in Spiel IV im ersten Band der Gesprächspiele schreibt er:

Daher gehöret auch/ was Isabella Andrini von ihren undankbaren Buhlen schreibet: Wann er/ meldet sie verwandelt were in einen Löwen oder Bären/ so wolte sie ihn durch Freundlichkeit zahm machen; were er eine Schlange/ so wolte sie ihn mit schönen Worten beschweren; were er ein Baum/ so wolte sie ihm mit Seuftzen/ als mit einem starken Winde/ zu sich reissen; were er ein Marmol/ so wolte sie ihn mit Zehren erweichen; were er Stahl und Eiß/ so wolte sie ihn durch das Feuer ihrer Liebe zerschmeltzen. (FZG1, S. 15)

Das Ganze ist mit dem Hinweis „lett. 12“ versehen, was sich ebenso auf einen Brief beziehen könnte wie auf eine Seite; ein wörtliches Zitat findet man weder hier noch da, sondern – in ungleich umfangreicher Form – auf S. 64v.18 Ob Harsdörffer die Stelle aus dem Original hat oder von anderswo, ist letztlich nicht zu entscheiden. ← 259 | 260 →

Trotz dieser Schwierigkeiten muss die Überprüfung aller in den Bibliographien genannten Titel (bzw. ihre konkrete Benutzung, wenigstens was direkte Verweise angeht) als wesentlichster Schritt gelten, zu einer echten Harsdörfferschen Bibliothek zu gelangen. Die ideale Form dafür wäre eine Datenbank, die nicht nur Harsdörffers Verweise und Einträge kollationiert, sondern ebenso auf bereits digitalisierte Texte verlinkt, also eine Art digitale Bibliothek.

Harsdörffers persönliche Arbeitsmethode trifft hier auf ein buchgeschichtliches Faktum, nämlich, dass wir in der Regel nicht davon ausgehen dürfen, in der Frühen Neuzeit eine Textgestalt vorzufinden, die der heutigen Editionspraxis entspricht. Die konkreten Fassungen und Ausgaben nachvollziehbar zu machen ist einer der unschätzbaren Vorteile der Digitalisierungsbemühungen, vor allem in Verbindung mit dem aktuellen Forschungsstand zur Textgeschichte. So basiert z.B. die Fassung von Étienne Tabourots Bigarrures, die Harsdörffer benutzt hat (Rouen 1640), auf dem Text von 1595 und berücksichtigt wesentliche Änderungen späterer Pariser Fassungen nicht.19 Die Tatsache, dass Harsdörffer beide Versionen von Charles Sorels zunächst anonym erschienenen Berger extravagant bzw. Anti-Roman nennt, legt nahe, dass er nicht wusste, dass es sich im Grunde um denselben Text handelt. Da er in den Gesprächspielen aber mehrfach den Namen Jean de la Lande nennt, der als Pseudonym nur auf dem Titelblatt des Anti-Roman steht, darf man vermuten, dass er in erster Linie diese Fassung benutzte – was seine wenigen wörtlichen Zitate zu bestätigen scheinen.20

Was aus diesen Beispielen hervorgeht, ist, dass es trotz der bibliographischen Hinweise vor allem die Anmerkungen und Zitate Harsdörffers sind, die wesentlich zum Verständnis seiner Arbeitsweise beitragen. Mit anderen Worten: die Bibliographien sind keineswegs Repertorien aller von Harsdörffer benutzten Werke. Dies ist in manchen Fällen recht offensichtlich. Wie durchaus üblich, gilt dies vor allem für klassische Quellen: Die Bibel; die Autoren der Antike von Ovid über Cicero bis hin zu Archimedes; auch einige andere bekannte und weniger bekannte Namen, die zwar immer wieder angeführt werden, aber in den Registern eben nicht vorkommen, und das, obwohl Harsdörffer explizit auf das bereits zitierte Argument von Martin Zeiler für ← 260 | 261 → die Angabe spezifischer Editionen verweist. Zu den letzteren gehören Robert Fludd, Boethius, Julius Cæsar und Joseph Scaliger oder auch Klassiker der Schäferdichtung wie Guarinis Pastor fido.

Ein besonderer Fall ist Francis Bacon, von dem Harsdörffer in den Gesprächspielen nur De dignitate et augmentis scientiarum anführt, die 1623 von Bacon selbst verfasste lateinische Version von The Advancement of Learning. Harsdörffer verwendet eine Straßburger Ausgabe von 1635, was seine längeren Zitate aus dem Text im Historischen Mercurius bestätigen, die zwar nicht immer ganz wörtlich, aber jedenfalls auf den richtigen Seiten der Buchausgabe zu finden sind. Allerdings kennt er Bacon durchaus genauer, den er einmal (ironischerweise) den „Englischen Aristotelem“ nennt.21 Zudem belegt eine Stelle aus der Vorrede des zweiten Bandes der Delitiae, dass er Bacons De sapientia veterum nicht nur kannte, sondern auch für die Gesprächspiele verwendet hat:

hieher gehören die klugen Fabeln der Poeten/ von den Göttern und Göttinen/ dardurch theils natürliche Sachen/ theils auch allerhand Tugenden vorgestellet werden/ als von dem Pan/ von Perseo/ Baccho &c. welche Fr. Verulamius in einem Buch de Sapientia Veterum herzlich erkläret/ und wir etliche aus denselben in unsren Gesprächspielen gedolmetschet.22

Auch hier kann man allerdings von keiner Systematik sprechen, zitiert Harsdörffer doch andere ‚allgemein bekannte‘ Titel in den Bibliographien. Wenn wir bei den lateinischsprachigen Werken bleiben beispielsweise die Adagia und das Lob der Torheit von Erasmus von Rotterdam, die Opera omnia Plutarchs, Aulus Gellius, Seneca und Marsilio Ficinos Platonkommentar.

Dazu kommt, dass wir auch bei Titeln, die keineswegs als Allgemeingut verstanden werden können, einen eigenwilligen Umgang Harsdörffers mit seinen Quellen finden. Kehren wir für einen Moment zu den eingangs erwähnten „XXV. Merkwürdigen Fragen aus der Naturkündigung und Sitten- oder Tugendlehre“ zurück. Diesem Anhang des letzten Bandes der Gesprächspiele – er behandelt Fragen wie „Warum das Meer ab- und zulauffe?“ (Nr. V), „Warum der weise Pythagoras Bonen zu essen veboten?“ (Nr. VII), „Ob die Freundschaft unter gleichen oder ungleichen Personen stärker seye?“ ← 261 | 262 → (Nr. XIX) – ist eine Bemerkung Harsdörffers vorangestellt, wo dieser seine Absicht erläutert, einen „völligen Vorraht“ für Gespräche zur Verfügung zu stellen, und meint:

Dieses Vorhaben ist von den Frantzosen abgesehen/ welche in ihrer Sprache/ sowol die Naturkündigung/ als Sitten oder Tugendlehre verabfasset/ (wie zu sehen aux Conferences du Bureau d’adresse, Philosophie Françoise, Academie Françoise, &c.) und denen/ welche nichts studiret/ zu sattsamer Unterrichtung gedolmetschet/ daß man auch mit grosser Verwunderung das Frauenvolk aus solchen Wissenschaften gründig reden höret. (FZG8, S. 476f.)

Harsdörffer hat sich also die Sammlungen in französischer Sprache zum Vorbild genommen, um seinen deutschsprachigen Lesern ähnliche Dinge nahezulegen? Man kann es so nennen. Ein Blick auf die Centuries des questions traitées aux conférences du Bureau d’Adresse (4 Bde., Paris 1638–41) zeigt allerdings, dass darin eine Reihe von Texten enthalten sind, die Harsdörffer unmittelbar, oder mit geringer Variation übernommen hat; dazu kommen auch solche, die zwar den Titel gemeinsam haben, bei Harsdörffer aber völlig unterschiedlich angelegt sind, sichtbar etwa an der Argumentationsstruktur seiner Fassung von „Du Flux & Reflux de la mer“ (vom 28. Dezember 1633).23 Trotz gewisser Anklänge an die französische Vorlage weicht er auch bei „XXV. Ob nicht gut were/ daß man sich wieder der leibeigenen Knechte gebrauchete?“ von „S’il est meilleur à vn Estat d’avoir des Esclaves“ (3. Oktober 1633) ab. Dem Gedanken, dass es besser sei,

au lieu d’envoyer tant d’hommes robustes, pour les crimes communs, au gibet; ou les passer au fil de l’espée comme on fait à la guerre, qu’on lest mist à la chaine pour rendre service au public: soit à la construction des bastimens, clostures & fortifications des villes, reparations des chemins, nettoyement des ruës, monter les batteaux, tirer les charettes, travailler aux carrieres, minieres & autres ouvrages publics, apres que les galéres en seroient fournies.24

steht folgende Bemerkung Harsdörffers gegenüber:

Wann aber unter den vier- oder fünferley Knechten etliche zu dem Feldbau angestrenget werden solten; könten bey uns eine/ als die von des Henkers Hand erbetten/ zu Knechten gemachet werden. Solcher sind aber wenig/ insgemein solche Gesellen/ die des Müssiggehens gewont/ und verstehen auch selten die Feldar ← 262 | 263 → beit/ daß man sie also zu Lasttragen/ führen oder in die Bergwerke würde gebrauchen müssen. (FZG8, S. 600)

Selbst wenn Harsdörffer seiner Vorlage genauer folgt, finden wir bei ihm besondere Strategien, die es zunächst systematisch zu untersuchen gälte. In „Ob die Liebe/ oder der Haß stärker seye?“ (Nr. XV), einer Paraphrase der „Seizieme Conference Du Lundy 5. Decembre 1633, […] Quel est le plus puissant de l’amour ou de la haine“ übernimmt Harsdörffer die wesentlichen Züge des Originals, zumal dessen Aufbau:

Jener Alte* hat recht gesagt/ daß die Welt in Streiten bestehe/ welcher Meinung auch Aristoteles gefolgt/ wiewol mit andern Worten. Dieser Streit aber ist zwischen kalt und warm/ leicht und schwer/ Freundschaft und Feindschaft/ Einigkeit und Uneinigkeit/ und wann solche Widerwertigkeiten aufhören solten/ so müsste diese grosse Welt/ und der Mensch die kleine Welt zu Grunde gehen. (FZG8, S. 543)

Das ist eine sehr verknappte Version des umständlichen Beginns des französischen Textes, wo es heißt:

[…] le premier dist, Qu’Empedocle avoit raison de constitüer pour les deux principes de la nature, l’amour & la haine: & combien qu’Aristote tasche à le refuter, il est neantmoins contraint d’avoüer la mesme chose, quoi que déguisée sous d’autres paroles.25

Dieser Stelle folgt dort eine ausführliche Erläuterung des Problems. Harsdörffer hingegen setzt eine Randnotiz (*), die lautet: „Empedocles. Amicitiam & inimicitiam Aristoteles vocat formam & privationem.“ Die, wenn man so will, ‚gelehrte‘ Form des Belegs, sowie die Anspielung auf die Theorie von Makro- und Mikrokosmos, finden sich nur bei Harsdörffer. Zudem gestaltet dieser wenig überraschend die darauf folgende theologische Betrachtung zu Strafe und Gerechtigkeit Gottes, im Gegensatz zur katholischen Diskussion, nach dem Konzept der Gottesgnade, obwohl der Zusammenhang mit der Fragestellung Liebe/Hass dadurch verschwindet, während er im Original durchaus explizit bleibt („que Dieu aime les bonnes actions […] & qu’il haït les pechez“).26 Ähnliche Beobachtungen lassen sich für andere Passagen anstellen.

Man sieht an diesem Exkurs, wie relevant also Harsdörffers gelegentliche unscheinbare Bemerkungen („wie zu sehen aux Conferences du Bureau ← 263 | 264 → d’adresse“) für die Analyse der Gesprächspiele sein können. Harsdörffers Entscheidung, manche Titel eben bewusst nicht in die Bibliographien mit aufzunehmen, führt uns indessen dazu, ihren Zweck abseits der reinen Quellenangabe zu betrachten.

2. Die Bibliographien als Übersetzungsprogramm

In der schon eingangs zitierten Vorbemerkung zu seiner ersten Bibliographie erklärt Harsdörffer, dass es sich dabei auch um eine Liste der „in frembden Sprachen beschriebene Bücher/ in diesem Wercklein Teutsch angezogen befindlich“ handle, die „ohne dieses Register nit wol zu erkennen seyn möchten“ und von denen zu hoffen sei, dass sie „mit der Zeit in unsere Muttersprach übersetzet werden sollen.“ (FZG2, S. Gg2r)

Man darf wohl behaupten, dass sich an diesem Punkt die persönlichen Interessen Harsdörffers an der europäischen République des lettres mit denen der Fruchtbringenden Gesellschaft kreuzen, jenem Netzwerk aus Dichtern, Adeligen und anderen Personen, denen es besonders an der Förderung der deutschen Kultur und Sprache gelegen war.27 Wie bekannt ist, widmete Harsdörffer 1641 den ersten Band der Gesprächspiele der Gesellschaft und wurde in der Folge als „Spielender“ dort aufgenommen. Somit darf die Aussage über den Zweck der Bibliographie auch als Zugeständnis an das Programm der Fruchtbringenden Gesellschaft betrachtet werden. Wie bereits festgestellt, enthalten die Listen zahlreiche Titel, die dieser Anforderung nicht gerecht werden. Konkret sind das Texte, die keineswegs unbekannt sind, oder von denen man sich deutsche Übertragungen versprechen würde. In manchen Fällen erwähnt Harsdörffer bereits existierende deutsche Fassungen, anderswo passiert das Gegenteil: Das Fachbuch zur Orthotypographia von Hornschuch etwa, das Harsdörffer noch in der lateinischen Ausgabe von 1608 zitiert, war bereits 1634 in deutscher Übersetzung erschienen. Diese Beobachtung gilt natürlich auch für ursprünglich in deutscher Sprache verfasste Texte, z.B. Bücher von Mitgliedern der Fruchtbringenden Gesellschaft, Schottelius’ Teutsche Sprachkunst (1641), die Dreiständigen Sinnbilder (1643) des „Geheimen“, Franz Julius von dem Knesebeck, oder Johann Rists Himmlische Triumph-Lieder (1642). Dazu kommen noch Texte wie Otfrieds Evangelienbuch und Adolph Rosens Eselkönig. ← 264 | 265 →

Doch ist die Untersuchung dieser Widersprüche sicher ergiebig. Einerseits betreffen sie die Vermittlerrolle Harsdörffers für die fremdsprachige Literatur, an die er durch seine privilegierte Stellung in Nürnberg verhältnismäßig leicht kam, wenn wir folgender Stelle aus einem Sendschreiben J. G. Schottelius’ an Harsdörffer Glauben schenken, der sagt:

In selber [also der Stadt Nürnberg] hat der Spielende mehr Mittel/ als vielleicht kein anderer/ (Wer und wo er auch sich aufhalte/) aus Spania/ Italia/ Frankreich/ und Niederland/ die neusten und schönsten Bücher/ vermittelst der Kaufmannschaft zu erhalten. (FZG6, S. Nn4r)

Zu diesem Zweck müssten zumindest die von ihm benutzten und angeführten Texte mit der Übersetzertätigkeit jener Jahre ins Deutsche abgeglichen werden,28 was zudem wesentliche Informationen über die Fruchtbringende Gesellschaft und Harsdörffers anderweitige literarische Kontakte liefern würde (etwa die Kommunikationsstrukturen zwischen einzelnen Mitgliedern, was Briefe, Widmungsgedichte, Vorworte, etc. betrifft), und darüber hinaus – nach der vollständigen Erschließung der Daten – auch weitere Details über die Verteilung der Druckorte und Veröffentlichungsdaten der Bücher selbst. Ein solches Wissen könnte letztlich auch zu Erkenntnissen über Verlagskontakte und Handelsbeziehungen der Zeit führen.

3. Die Bibliographien als Text

Galten unsere Überlegungen bislang vornehmlich Harsdörffers eigenem Programm, das die Bibliographien der Gesprächspiele als Quellenangabe bzw. Anregung für Übersetzungen vorsieht, wollen wir uns nun der eigentlichen Textgestalt widmen, die beide Ansätze beinhaltet und noch darüber hinaus geht. Betrachtet man diese Listen nämlich als Kommunikationsakt, ist nicht davon auszugehen, dass sie in erster Linie Harsdörffers Textkenntnisse ← 265 | 266 → bezeugen. Das heißt, dass die Form der Texte als solche nicht einfach durch eine Datenbank von Harsdörffers ‚Bibliothek‘ ersetzt werden kann.29

Die Gründe dafür sind vielfältig, aber im Wesentlichen auf zwei Punkte zu reduzieren. Der erste gilt dem historischen Faktum der Bibliographie als Text: die Zusammenstellung von Autoren ist immer ein Prozess der Kanonisierung. Dies ist im vorliegenden Fall besonders bei den Schwerpunkten zu beobachten, die dem Programm der Gesprächspiele selbst entsprechen. Kurz gesagt: Harsdörffer versammelt eine ganze Reihe von Titeln aus der Tradition der Enzyklopädik, der Populärwissenschaft, schließlich dem, was gerne auch als Buntschriftstellerei bezeichnet wird.30 Vor allen anderen ist hier Tomaso Garzoni zu nennen, der noch für Grimmelshausen eine große Rolle spielen würde. Auch scheinbar naturwissenschaftliche Texte zählen zu dieser Gruppe, etwa die Ornithologia des Ulysses Aldrovandus, die weniger Natur und Verhalten der Vögel behandelt, wie man das vielleicht erwarten würde, sondern in reichem Detail auch die mythologischen und symbolischen Aspekte einzelner Vögel, ihr Stellenwert in der Literaturtradition, etc. Harsdörffer verweist dabei ganz klar auf seine unmittelbare Rolle als Sammler verschiedener Materialien, etwas das auch deutlich wird, wenn man weitere Themen betrachtet, die von Bedeutung für sein Werk sind: zunächst sei auf die Dialogtheorie und Gesprächspiel-Tradition selbst verwiesen: Stefano Guazzo, Baldassaro Castiglione, Pietro Aretino, Charles Sorels anonym erschienene Maison des jeux, usw. werden in den Mittelpunkt gerückt. Dazu kommen Texte aus dem Umfeld der italienischen Akademien, die Harsdörffer vermehrt nennt. Dies, ebenso wie die Nennung mehrerer sprachtheoretischer Werke (u.a. Olearius’ Deutsche Sprachkunst von 1630, die Sprachkunst von Schottelius, Opitzens Edition des Annoliedes, usw.), ist auch auf die Fruchtbringende Gesellschaft zu beziehen, deren Entstehungsprozess im Zusammenhang steht mit Fürst ← 266 | 267 → Ludwigs von Anhalt-Köthen Erfahrungen mit italienischen Akademien, von denen auch Harsdörffer sehr angetan war.31 Der Schwerpunkt der Schäferdichtung, für deren späteres Aufblühen Harsdörffer wesentlich mitverantwortlich war, verweist zudem bereits auf das Programm des 1644 gegründeten Pegnesischen Blumenordens.

Mag es auch scheinen, dass bei den Bibliographien das, was ‚fehlt‘, ebenso interessant sei, wie das, was sie enthalten, ist der Blick zurück mit unserem Wissen um historisch bedeutsame Texte natürlich anachronistisch: diese Texte waren nicht aufgrund intrinsischer Merkmale von Bedeutung, sondern durch ihre Rezeption, die natürlich gerade von Repertorien wie denen Harsdörffers mitbestimmt wurde. Die interessantere Frage betrifft also die Zugänglichkeit der von ihm signalisierten Bücher, einerseits durch seine Zusammenfassungen selbst, andererseits durch den Wunsch, sie übersetzt zu sehen, und ganz grundsätzlich durch den Hinweis darauf. Der Hintergrund ist einfach: sehen wir im siebzehnten Jahrhundert gerne (und unwillkürlich) eine Art „Vorgeschichte“ unserer Verhältnisse, in der alternative Ansätze als Holzwege oder Sackgassen erscheinen, ist doch gerade umgekehrt eines der wesentlichen Kennzeichen der Zeit die Pluralisierung von Wissen. In Anlehnung an den Namen des Münchner Sonderforschungsbereiches könnte man sagen: ein Spannungsfeld zwischen Pluralisierung und Autorität. Weder das eine noch das andere kann aus der Dynamik der Wissensvermittlung losgelöst werden, aber wir stehen dennoch um 1600 vor einer Verschiebung der bis dahin gebräuchlichen Autoritäten-Konzeption, bei der eine Reihe maßgeblicher Autoren abgelöst wird durch ein breiteres Spektrum an Quellen, schon alleine durch die materielle Vielfalt die sich (nach den üblichen buchhistorischen Argumenten) aus der explosiven Verbreitung alter Texte durch die Erfindung des Buchdrucks und andererseits durch eine bald einsetzende rege Produktion von neuem Material, der bekannten sog. „Bücherflut“, ergibt.

Die Unübersichtlichkeit der Lage und die Unmöglichkeit, alles literarisch Neue zu überblicken, führen notgedrungen dazu, Repertorien und Kataloge wie die Harsdörffers anzufertigen. Die materielle Pluralisierung steht also einer Pluralisierung der Autoritäten selbst gegenüber. Man hat versucht, dies geistesgeschichtlich u.a. dadurch zu erklären, dass der Wahrheitsbegriff durch ← 267 | 268 → die verschiedenen religiösen Autoritäten unterminiert wurde. Dies mag durchaus zutreffen. Doch sollte man nicht vergessen, dass die materielle Pluralisierung auch durch ebenso materielle Gründe eingeschränkt ist: nicht jedes Buch ist an jedem Ort zu haben, nicht jeder kann, selbst mit Hilfsmitteln, alles überblicken. Die stetige Weiterentwicklung der einzelnen Volkssprachen und Literaturen tut ein Übriges. Hier kann man allerdings einhaken, dass es zur selben Zeit eine tatsächliche Vernetzung gibt, eine Art Knotenpunkte des Wissens, die wir in den Akademien und Gesellschaften erkennen können, und auch bei den Druckern und Buchhändlern und ihren internationalen Beziehungen, allesamt Steuerungsversuche dieser Pluralisierung. In manchen Fällen handelt es sich auch ganz klar um Programme, die eine erneute Hierarchisierung des Wissens etablieren sollen, die literarische Tätigkeit verbindlich ordnen und auch bewerten – die Accademia della Crusca und die Académie française seien dafür stellvertretend genannt. Man hat kein System mehr erreicht, das dem Erbe der Antike und des Mittelalters entsprechen hätte können, die Form der Wissenshierarchie ist von der alten grundverschieden.32 Die Bemühungen als solche aber – und dazu gehören meines Erachtens auch Harsdörffers Bibliographien – sind ein beredtes Zeugnis auch der praktischen Seite dessen, was wir als Rezeptionsliteratur verstehen, ihren Anlässen und Vorbedingungen. Diese zu erforschen sollte von ebenso großer Bedeutung sein wie das Studium der Texte selbst.

Literatur

Andreini, Isabella: Lettere d’Isabella Andreini, Padovana, Comica Gelosa, et Academica Intenta; nominata l’Accesa. […] In Venetia, M DC XII. Appresso Sebastiano Combi.

Bingen, Nicole: Philausone (1500–1660): Répertoire des ouvrages en langue italienne publiés dans les pays de langue française de 1500 à 1660. Genève: Droz 1994.

Birken, Sigmund von: Der Briefwechsel zwischen Sigmund von Birken und Georg Philipp Harsdörffer, Johann Rist, Justug Georg Schottelius, Johann Wilhelm von Stubenberg und Gottlieb von Windischgrätz. Hrsg. von Hartmut Laufhütte und Ralf Schuster. Teil II. Tübingen: Niemeyer 2007 (Werke und Korrespondenz Bd. 9/II). ← 268 | 269 →

Conermann, Klaus: „War die Fruchtbringende Gesellschaft eine Akademie? Über das Verhältnis der Fruchtbringenden Gesellschaft zu den italienischen Akademien“ in: Sprachgesellschaften. Sozietäten. Dichtergruppen. Arbeitsgespräch in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel 28. bis 30. Juni 1977. Vorträge und Berichte. Hrsg. von Martin Bircher und Ferdinand van Ingen. Hamburg: Hauswedell 1978, 103–130

Draudius, Georg: Bibliotheca exotica siue Catalogvs officinalis librorvm peregrinis lingvis […] A Frankfovrt, par Balthasar Ostern; Anno M. DC. XXV.

Goyet, Francis Goyet: „Introduction“ in: Estienne Tabourot: Les Bigarrures du Seigneur des Accords. Hrsg. von F. Goyet. Genève: Droz 1986, i–lxi.

Harsdörffer, Georg Philipp: Ars Apophthegmatica, Das ist: Kunstquellen Denckwürdiger Lehrsprüche […] Nürnberg/ Jn Verlegung Wolffgangs deß Jüng. und Joh. Andreæ Endtern/ 1655.

Harsdörffer, Georg Philipp: Delitiæ mathematicæ et physicæ Der Mathematischen und Philosophischen Erquickstunden Zweyter Theil […] zusammen getragen durch Georg Philip Harsdörffern […] Nürnberg […] Jm Jahr M DC LI.

Harsdörffer, Georg Philipp: Delitiæ philosophicæ et mathematicæ. Der Philosophischen und Mathematischen Erquickstunden/ Dritter Theil […] zusammen getragen. Durch Georg Philip Harßdörffern […] Nürnberg […] M. DC. LIII.

Harsdörffer, Georg Philipp: Der grosse Schau-Platz jämmerlicher Mord-Geschichte. Bestehend in CC. traurigen Begebenheiten. Mit vielen merckwürdigen Erzehlungen […] Verdolmetscht und mit einem Bericht von den Sinnbildern/ wie auch hundert Exempeln derselben als einer neuen Zugabe/ auß den berühmsten [sic] Authoribus, Durch ein Mitglied der Hochlöblichen Fruchtbringenden Gesellschaft. […] Hamburgk/ Bey Johann Naumann/ Buchhändler. Jm Jahr M. DC. LXVI.

Harsdörffer, Georg Philipp: Frauenzimmer-Gesprächspiele. 8 Bde. Hg. von I. Böttcher. Tübingen: Niemeyer 1968–1969 (= Nachdruck der Ausgaben 1643–1649, bzw. für Bd. 2 21657).

Heinecke, Berthold: „The Poet and the Philosopher: Francis Bacon and Georg Philipp Harsdörffer“ in: Philosophies of Technology. Francis Bacon and his Contemporaries. Hrsg. von Claus Zittel et al. Leiden, Boston: Brill 2008, 375–409.

Hundt, Markus: „Spracharbeit“ im 17. Jahrhundert. Studien zu Georg Philipp Harsdörffer, Justus Georg Schottelius und Christian Gueintz. Berlin, New York: De Gruyter 2000.

Krause, Gottlieb (Hg.): Der Fruchtbringenden Gesellschaft ältester Erzschrein […] Leipzig: Dyk 1855. ← 269 | 270 →

Renaudot, Théophraste (Hg.): Premiere Centvrie des qvestions traitees ez conferences dv Bvreav d’adresse, depvis le 22 iour d’Aoust 1633. jusques au dernier Iuillet 1634 […] Paris […] M. DC. XXXVIII.

Schock, Flemming: „Wissensliteratur und ‚Buntschriftstellerei‘ in der Frühen Neuzeit: Unordnung, Zeitkürzung, Konversation“ in: Polyhistorismus und Buntschriftstellerei. Populäre Wissensformen und Wissenskultur in der Frühen Neuzeit. Hrsg. von Flemming Schock. Berlin, et al.: De Gruyter 2012, 1–20.

Schweitzer, Christoph E.: „Harsdörffer and Don Quixote“ in: Philological Quarterly 37 (1958), 87–94.

Schweitzer, Christoph E.: „Harsdörffer, Quevedo, Espinosa und Arcimboldo“ in: Der Franken Rom. Nürnbergs Blütezeit in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Hrsg. von John Roger Paas. Wiesbaden: Harassowitz 1995, 213–223.

Zeiler, Martin: Das Andere Hundert Episteln/ oder Sendschreiben […] Gestellt und verfertigt/ Durch Martin Zeillern. […] Ulm/ Jn Verlegung Johann Görlins/ 1641.

Zeller, Rosmarie: „Harsdörffer, Georg Philipp“ in: Killy Literaturlexikon. Bd. 5. Berlin, New York: De Gruyter 22009, 20–23. ← 270 | 271 →

1Das formale Spektrum reicht dabei von einem einfachen „Marsil. Ficin. ad Platon. Phædon.“ (FZG1, S. 13) bis hin zu „Sola pictura velut unâ omnium populorum Linguâ utitur. Iun. de pictura Vet. l. 1. c. 4.“ (FZG5, S. 3). Die Textgeschichte der Gesprächspiele ist kompliziert und die Originaltitel sind lang, deshalb zitieren wir die Bände als FZG1-8 (Bei Bd. 1 u. 2 sind damit die zweiten Fassungen von 1644 bzw. 1657 gemeint. Vgl. auch den Nachdruck hrsg. von I. Böttcher, Tübingen: Niemeyer 1968–69).

2Der grosse Schau-Platz jämmerlicher Mord-Geschichte. Bestehend in CC. traurigen Begebenheiten. Mit vielen merckwürdigen Erzehlungen […] Verdolmetscht und mit einem Bericht von den Sinnbildern/ wie auch hundert Exempeln derselben als einer neuen Zugabe/ auß den berühmsten [sic] Authoribus, Durch ein Mitglied der Hochlöblichen Fruchtbringenden Gesellschaft. […] Hamburgk/ Bey Johann Naumann/ Buchhändler. Jm Jahr M. DC. LXVI., Vorrede, § 16, o. Pag.

3Dass die Gesprächspiele Harsdörffers „bedeutendstes Werk“ seien, schreibt Rosmarie Zeller in ihrem Eintrag zum Autor im Killy Literaturlexikon (Bd. 5. Berlin: De Gruyter 22009, 20–23, hier S. 20). Die erwähnte dritte Bibliographie ist ein „Register der Scribenten Auß welchen Der zweyte und dritte Theil der Erquickstunden zusammen getragen worden“ in: Delitiæ philosophicæ et mathematicæ Der Philosophischen und Mathematischen Erquickstunden/ Dritter Theil […] zusammen getragen. Durch Georg Philip Harßdörffern […] Nürnberg […] M. DC. LIII., o. Pag.; sie überschneidet sich z.T. mit den Gesprächspielen, korrigiert einzelne Titel und ist keineswegs nur eine ‚Fachbibliographie‘ der Erquickstunden.

4FZG2, S. Gg2r. Harsdörffer bezieht sich dabei übrigens auf ein ‚Sendschreiben‘ Martin Zeilers (Nr. XXXVI in: Das Andere Hundert Episteln/ oder Sendschreiben […] Gestellt und verfertigt/ Durch Martin Zeillern. […] Ulm/ Jn Verlegung Johann Görlins/ 1641), wo dieser dafür argumentiert, man solle „zu Anfangs/ oder am Ende der Bücher/ ein Register der Autorum anhencken“ und zwar „auch den Orth/ die Jahreszahl und Form“ (S. 228f.), um bei der Vielfalt an Editionen einen Überblick über Belege zu behalten.

5Da exakte Zahlen zu diesem Zeitpunkt nicht vorliegen, sei kurz angedeutet, dass etwa 37% der Titel in lateinischer, 26% in italienischer, 17% in französischer, 10% in spanischer, 9% in deutscher Sprache, sowie einzelne Titel auf Niederländisch und Englisch verfasst sind. Die Schwierigkeiten, im 16. u. 17. Jh. Fachgebiete voneinander zu trennen, sind bekannt (z.B. Philosophie von Naturwissenschaft, Buntschriftstellerei von Erzählsammlungen oder von wissenschaftlichen Werken, usw.). Dennoch soll eine tendenzielle Aufteilung versucht werden: bei Harsdörffer finden sich Philosophie (24%), Buntschrifstellerei (19%), Erzählungen, Romane (13%), Naturwissenschaft (13%), Emblematik (7%), Grammatik (6%), Theatertexte (5%), Lyrik (5%), Theologie (3,5%), sowie geringere Zahlen (jeweils unter 10 Titel) aus den Bereichen Historiographie, Kunsttheorie, Spieltheorie.

6Z.B.: „J. P. Camus de BELLEY: Evenements singuliers 8. Lyon 1628. Succez differents 8. Paris 1630. Bouquet d’Histoires agreables 8. Rouen. 1639. Cleoreste. 8. Lyon 1626. Laiçons Exemplaires 8. Lyon. 1638.“ (FZG2, S. Gg3v).

7So teilt Harsdörffer den Band „DELLE COMEDIE | ELETTE | NOVAMENTE RACCOLTE IN-|sieme, con le correttioni, & annotationi di | GIROLAMO RVSCELLI,| LIBRO PRIMO.| NEL QVALE si contengono l’infrascritte Comedie.| La Calandra del Cardinal Bibiena.| La Mandragola del Macchiauello,| Il Sacrificio, & gli Ingannati degl’intronati.| L’Alessandro, & l’Amor Costante del Piccolomini,| IN VENETIA. M D L IIII.“ nicht nur auf die jeweiligen Autoren auf (Bibiena, Machiavelli, Piccolomini, die Accademici Intronati), sondern hat (wohl irrtümlich) zwei Einträge unter I. bzw. S. für „De gl’INTRONATI: Il Sacrificio celebrato nei giuochi d’un Carnevale in Siena. Venet. 1554.“ und „Il Sacrificio de gl’INTRONATI. Venet. 1554“ (FZG4, o. Pag.)

8Der „Apologo de la ociosidad. 4. Alcala 1546.“ von Luis Mexía, kommentiert von Francisco Cervantes de Salazar, ist in FZG2 (S. Gg5r) unter CERVANTES SAAVEDRA, zwischen den Novelas ejemplares und dem Don Quijote zu finden. Der Titel ist darüber hinaus problematisch, weil er 1546 als Teil des Bandes „Obras que Francisco Ceruantes de Salazar ha hecho, glosado, y traduzido.[…] La segunda es el Appologo de la ociosidad y el trabajo […] Compuesto por el Protonotario Luys Mexia glosado y moralizado por Francisco Ceruantes de Salazar.“ erscheint. Es dürfte keine Einzeldrucke gegeben haben, möglicherweise kannte Harsdörffer den Titel nur aus zweiter Hand.

9Bei „Francois De GRENAILLE: L’honneste Fille L’honneste Veufe. L’Honneste Mariage 4. Paris 1640.“ handelt es sich beispielsweise um drei unterschiedliche Werke.

10DELLA | SVPPELLETTILE | DEGLI | AVVERTIMENTI | POLITICI, MORALI, | ET CHRISTIANI | DEL SIG. BONIFATIO | VANNOZZI […] VOLVME PRIMO […] IN BOLOGNA […] M. DC. IX. Bei Harsdörffer als: „Bonifacio VANNOZZI: Avertimenti Politici Morali & Christiani. Bologna 1909“ (FZG4, o. Pag.).

11„Arcadie par Philippe Sidnei. 8. Paris 1642.“ (FZG2, S. Gg3r, sub lit. A); „Guil. STUCKIUS. fol. Francof. 1613.“ (FZG2, S. Hh4v). Die Antiquitates werden übrigens zumindest in der Vorrede (§6) von Bd. 1 der Ars Apophthegmatica (Nürnberg 1655) zitiert.

12Das griechische Alphabet ist ein einziges Mal für den Titel von Hieronymus Hornschuchs lateinischer Orthotypographia (Leipzig: 1608) notwendig (vgl. FZG4, o. Pag., sub lit. H); dazu kommt noch Hebräisch für Moses Maimonides’ Doctor perplexorum (Basel: 1629) bzw. zwei Titel von W. Schickard (vgl. FZG4, o. Pag., sub lit. M bzw. S).

13Die Beobachtung findet sich im Ansatz schon bei Christoph E. Schweitzer: „Harsdörffer, Quevedo, Espinosa und Arcimboldo“ in: Der Franken Rom. Nürnbergs Blütezeit in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Hrsg. von John Roger Paas. Wiesbaden: Harassowitz 1995, 213–223.

14Christoph E. Schweitzer: „Harsdörffer and Don Quixote“ in: Philological Quarterly 37 (1958), 87–94, hier S. 90.

15Delitiæ mathematicæ et physicæ Der Mathematischen und Philosophischen Erquickstunden Zweyter Theil […] zusammen getragen durch Georg Philip Harsdörffern […] Nürnberg […] Jm Jahr M DC LI., 238.

16Nicole Bingen: Philausone (1500–1660): Répertoire des ouvrages en langue italienne publiés dans les pays de langue française de 1500 à 1660. Genève: Droz 1994, 418.

17Bibliotheca exotica siue Catalogvs officinalis librorvm peregrinis lingvis […] A Frankfovrt, par Balthasar Ostern; Anno M. DC. XXV., S. 267: „Lettere d’Isabella Andecini Padouana comica gelosa & Academica intenta, nominata l’accesa, in Anuersa, apud Casp. Beller. in 4. 1612.“ (sub lit. I); vgl. „Isab. ANDECINI Academica Intenta chiamata L’Accesa: lettere 4. in Anvers. 1612.” (FZG2, S. Gg2v).

18„DELLA LONTANANZA. Io vò considerando (se voi huomo ingrato foste ad altro che a voi medesimo somigliante (ch’io potrei sperar col tempo, se non in tutto, almen in parte, ricompensa della mia lunga seruitù. Se voi foste a guisa d’un terreno arrido, potrei sperare, per mezo della mia assidua fatica d’hauer alcun frutto da uoi, poiche non v’hà campo cosi incolto, e cosi seluaggio, che studiosamente coltiuato, non renda frutto al suo possessore. Se voi foste ad vna fredda selce conforme, potrei credere, che le percosse, delle mie preghiere facessero scintillar da voi alcuna fauilla di pietà, se non d’amore. Se voi foste come un’Orso rabbioso, con humiltà non finta, inchinandomi à vostri piedi, porterei opinione di vincer l’orgoglio vostro. Se voi foste a guisa d’un Leone indomito, io non sarei fuor di speranza, per mezo dell’accarezzarui, e del cibarui di renderui mansueto, & humile. Se voi foste un freddo ghiaccio, vorrei tener, per osa certa di mistigar la freddezza vostra, col mezo dell’amoroso mio fuoco. Se voi foste, come vna quercia annosa, haurei fede con l’impeto de’ miei sospiri, di suellerui dalle tenacissime radici della vostra crudeltà. Se voi foste simile ad vn’ Aspido, non dubiterei di trarui col suono delle mie parole, alle ardenti mie voglie. Se voi foste conforme ad un mar-[65r]mo, non temerei, che non cedeste all’acqua del mio continuo pianto. Se uoi foste finalmente come vn crudo Crocodilo, o Cocodrilo (chiamatelo come vi pare) sò certo, che dopò la mia morte vi mouerei a compassione, e piangereste l’error uostro: ma non essendo uoi nè terra, nè pietra, nè Orso, nè Leone, nè ghiaccio, nè pianta, nè aspido, nè marmo, nè Crocodilo, o Cocodrilo, non posso sperare, nè per assidua fatica, nè per sollecite percosse, ne per vera humiltà, ne per vezzi, o per cibo, nè per fuoco, nè per vento, nè per parole, nè per acqua, nè per morte finalmente di vincerui, nè di renderui pietoso. Conuerrà dunque (misera) me ch’io m’affatichi, e percuota, e m’inchini; & accarezzi, e nutrisca, & arda, e sospiri, e parli, e pianga, e muoia in somma, senza speranza d’hauer frutto, di trar fauilla; di superar orgoglio, di far mansueto, di mitigar fredezza, di sueller crudeltà, di mouer aspido, d’intenerir durezza, o di far pietoso vn cuor amando.“

19Vgl. Francis Goyet: „Introduction“ in: Estienne Tabourot: Les Bigarrures du Seigneur des Accords. Hrsg. von F. Goyet. Genève: Droz 1986, S. LIV.

20Er nennt „Anti-Roman. Ou L’Historie du Berger Lysis. 8. Paris 1633.“ (FZG2, S. Gg3r) und „Beeger Exravagant: 8 Rouen. 1640“ (FZG2, S. Gg3v). Die Erstausgabe des Berger war Paris 1627–28. Ein seitengenauer Verweis auf den Anti-Roman ist FZG3, S. 6; die Stelle in FZG1, S. 14 ist hingegen nicht belegbar.

21Ars Apophthegmatica, Das ist: Kunstquellen Denckwürdiger Lehrsprüche […] Nürnberg/ Jn Verlegung Wolffgangs deß Jüng. und Joh. Andreæ Endtern/ 1655, Vorrede, o. Pag., §8.

22Delitiae Zweyter Theil, Vorrede, o. Pag. Zum Verhältnis Harsdörffers zu Bacon allgemein vgl. Berthold Heinecke: „The Poet and the Philosopher: Francis Bacon and Georg Philipp Harsdörffer“ in: Philosophies of Technology. Francis Bacon and his Contemporaries. Hrsg. von Claus Zittel et al. Leiden, Boston: Brill 2008, 375–409.

23Premiere Centvrie des qvestions traitees ez conferences dv Bvreav d’adresse, depvis le 22 iour d’Aoust 1633. jusques au dernier Iuillet 1634 […] Paris […] M. DC. XXXVIII., 253–256.

24Premiere Centurie, 56.

25Premiere centurie, 131f. Der Titel des Abschnittes ist aufgrund der Struktur der Conferences bereits auf S. 125 genannt.

26Premiere centurie, 132.

27Vgl. Markus Hundt: „Spracharbeit“ im 17. Jahrhundert. Studien zu Georg Philipp Harsdörffer, Justus Georg Schottelius und Christian Gueintz. Berlin, New York: De Gruyter 2000, bes. S. 108–120.

28Die Bibliographie in FZG2 beinhaltet z.B. die Diana-Romane von Jorge de Montemayor und Gaspar Gil Polo, die 1646 in Harsdörffers unter Mitwirkung von Johann Klaj entstandener Übersetzung erscheinen sollten. Vgl. dazu die Anm. in Sigmund von Birken: Der Briefwechsel zwischen Sigmund von Birken und Georg Philipp Harsdörffer, Johann Rist, Justus Georg Schottelius, Johann Wilhelm von Stubenberg und Gottlieb von Windischgrätz. Hrsg. von Hartmut Laufhütte und Ralf Schuster. Teil II. Tübingen: Niemeyer 2007 (Werke und Korrespondenz Bd. 9/II), 598.

29In dieser Hinsicht ist eine Textedition notwendig, mit der wesentlichen Schwierigkeit, dass diese zwar als Vorbedingung für genauere Untersuchungen gelten muss, gleichzeitig aber aufgrund der Fehlerhaftigkeit von Harsdörffers Angaben keine korrekte Fassung der Titel erwartet werden kann, ohne gleichzeitig die verstreuten Hinweise und Belege (insbesondere Seitenangaben und wörtliche Zitate) zur Identifikation derselben heranzuziehen. Es handelt sich also nicht um einen bloßen bibliographischen Abgleich, sondern um eine mühsame Kleinarbeit mit wechselseitigen Anhaltspunkten. Eine solche Edition – in Form einer kommentierten Bibliographie – ist in Vorbereitung. Die Bibliographie von Band zwei, bislang nur in der Fassung der zweiten Ausgabe von 1657 leicht zugänglich, wird dabei auch mit dem Erstdruck 1642 abgeglichen.

30Vgl. Flemming Schock: „Wissensliteratur und ‚Buntschriftstellerei‘ in der Frühen Neuzeit: Unordnung, Zeitkürzung, Konversation“ in: Polyhistorismus und Buntschriftstellerei. Populäre Wissensformen und Wissenskultur in der Frühen Neuzeit. Hrsg. von Flemming Schock. Berlin, et al.: De Gruyter 2012, 1–20.

31Vgl. allg. Klaus Conermann: „War die Fruchtbringende Gesellschaft eine Akademie? Über das Verhältnis der Fruchtbringenden Gesellschaft zu den italienischen Akademien“ in: Sprachgesellschaften. Sozietäten. Dichtergruppen. Arbeitsgespräch in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel 28. bis 30. Juni 1977. Vorträge und Berichte. Hrsg. von Martin Bircher und Ferdinand van Ingen. Hamburg: Hauswedell 1978, 103–130. Zu Harsdörffers Bemühungen um Kontaktaufnahme mit italienischen Akademien vgl. mehrere seiner Briefe in: Der Fruchtbringenden Gesellschaft ältester Erzschrein […] Hrsg. von G. Krause. Leipzig: Dyk 1855, bes. S. 336, 340, 346, 377, 381–383.

32Am ehesten ist die Vernetzung mit ihren Schwerpunkten und einzelnen pluralistischen Zentren gedanklich durch die Deleuze-Guattari’sche Rhizomstruktur und die dazugehörigen Plateaus erfassbar.