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Die Bedeutung der Rezeptionsliteratur für Bildung und Kultur der Frühen Neuzeit (1400–1750), Bd. II

Beiträge zur zweiten Arbeitstagung in Haldensleben (Mai 2013)

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Edited By Alfred Noe and Hans-Gert Roloff

Wie bereits in der ersten Arbeitstagung in Eisenstadt 2011 ausgeführt, weist die Mittlere Deutsche Literatur zwischen 1400 und 1750 einen beträchtlichen Bestand an deutschsprachiger Rezeptionsliteratur auf, deren statistisches Verhältnis zur originalen deutschen Literatur in Frühneuhochdeutsch und Neulatein noch nicht ausreichend ermittelt ist. Sichtung, Aufarbeitung und bildungsgeschichtliche Wertung dieser Literatur gehören wohl zu den interessantesten und historisch aussagekräftigsten Aufgaben, welchen sich die Beiträge dieses Bandes exemplarisch widmen. Die Schwerpunkte liegen dabei auf der Rezeption antiker Kultur (Wiederentdeckung der Palliata, Überlieferung von Mythologie, Verarbeitung von Vergil), auf der Filiation mittelalterlicher Motive und auf der Verbreitung von italienischer Renaissanceliteratur im deutschen Sprachraum. Neben herausragenden Beispielen der literarischen Rezeption europäischer Literaturdenkmäler und neulateinischer Texte werden ästhetische Probleme von Rezeptionsliteratur im Allgemeinen und die theoretische Basis des Petrarkismus im Besonderen dargelegt.
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Christoph Colers Übersetzung von Opitz’ Lobrede auf die habsburgische Hochzeit Władysławs IV. von Polen (1637) und die Tradition der kritischen Panegyrik in Schlesien: Anne Wagniart

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Christoph Coler (1602–1658),1 einer der ersten Schüler von Martin Opitz, dem an die europäische Renaissanceliteratur anschließenden „Vater“ der nationalsprachigen „deutschen Dichtkunst“2 des 17. Jahrhunderts, gehört zu den noch wenig bekannten bedeutenden Vermittlerfiguren der schlesischen Dichterschule.

Coler war nur fünf Jahre jünger als Opitz, als nationalsprachlicher und neulateinischer Dichter so begabt, dass er in seiner Straßburger Studienzeit den Zeitgenossen geradezu als Ebenbild seines großen Vorbilds, als „pene alter Opitius“3 erschien. Aufgrund des Dreißigjährigen Krieges und der Konfessionalisierung der Kultur konnte er in Schlesien aber eher als Pädagoge ← 393 | 394 → denn als Dichter wirken. Ab 1634 fand Coler ein Auskommen als Lehrer am renommierten Breslauer Elisabethgymnasium und lehrte dort Geschichte und Rhetorik. Die Schüler, denen er sein besonderes Interesse für Politik und die nationalsprachliche Literaturtradition vermittelte, waren unter anderen Angelus Silesius und Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau. 1639 setzte Coler gegen den Widerstand orthodox-lutherischer Kreise in Breslau eine feierliche Würdigung seines im Exil in Danzig früh an der Pest verstorbenen, politisch anrüchigen kalvinistischen Mentors durch und schrieb zu dieser Gelegenheit Opitz’ erste Biographie. Aber auch schon zuvor, als Opitz nach dem Prager Sonderfrieden (1635), der große Teile Schlesiens der Rekatholisierung aussetzte, gezwungen war, ins Exil nach Polen zu fliehen, tat Coler, was in seinen Kräften stand, um das Werk seines Lehrers zu verbreiten.

Ein wichtiges Dokument von Colers unermüdlicher Kooperation und Unterstützung ist, neben der...

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