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Die Bedeutung der Rezeptionsliteratur für Bildung und Kultur der Frühen Neuzeit (1400–1750), Bd. II

Beiträge zur zweiten Arbeitstagung in Haldensleben (Mai 2013)

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Edited By Alfred Noe and Hans-Gert Roloff

Wie bereits in der ersten Arbeitstagung in Eisenstadt 2011 ausgeführt, weist die Mittlere Deutsche Literatur zwischen 1400 und 1750 einen beträchtlichen Bestand an deutschsprachiger Rezeptionsliteratur auf, deren statistisches Verhältnis zur originalen deutschen Literatur in Frühneuhochdeutsch und Neulatein noch nicht ausreichend ermittelt ist. Sichtung, Aufarbeitung und bildungsgeschichtliche Wertung dieser Literatur gehören wohl zu den interessantesten und historisch aussagekräftigsten Aufgaben, welchen sich die Beiträge dieses Bandes exemplarisch widmen. Die Schwerpunkte liegen dabei auf der Rezeption antiker Kultur (Wiederentdeckung der Palliata, Überlieferung von Mythologie, Verarbeitung von Vergil), auf der Filiation mittelalterlicher Motive und auf der Verbreitung von italienischer Renaissanceliteratur im deutschen Sprachraum. Neben herausragenden Beispielen der literarischen Rezeption europäischer Literaturdenkmäler und neulateinischer Texte werden ästhetische Probleme von Rezeptionsliteratur im Allgemeinen und die theoretische Basis des Petrarkismus im Besonderen dargelegt.
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Festvortrag: Grimms Märchen als Beispiel für Rezeptionsliteratur: Heinz Rölleke

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Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich weiß nicht, ob das, was ich Ihnen zu sagen habe bzw. sagen kann, direkt in das Zentrum Ihres Tagungsthemas führt. Ich glaube es eher nicht, aber es wird Ihnen ein Leichtes sein, wenn sie die Facta und Realia – um einen Lieblingsausdruck Jacob Grimms zu zitieren – aufnehmen, dass Sie die Verbindungsfäden sehr bestimmt ziehen können und die Unterschiede oder die Parallelitäten leicht herausbekommen werden.

Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm sind 1812 im Dezember erschienen. Voriges Jahr war ja landauf landab großes Jubiläumsgetöse, was ich auch bemerkenswert fand, wie so vieles um dieses Buch. Das gab es meines Erachtens noch nicht, dass das Ersterscheinungsdatum eines Buches so gefeiert wird. Also 200. Todestag oder 150. Geburtstag usw. das kennt man alles, aber ein Buch! Ich wüsste nicht, das das Ersterscheinen von Die Leiden des jungen Werthers derart gefeiert worden wäre und das auch noch weltweit, also in Asien, Amerika, selbst in den arabischen Ländern, überall wurde dieses Märchen-Ereignis gefeiert und es ist ja auch, das wissen Sie, das bestbekannte deutschsprachige Buch aller Zeiten, das meist übersetzte in 160 Weltsprachen, und in Deutschland sowieso das meist aufgelegte und verkaufte Buch und der letzte Rest literarischer Allgemeinbildung.

Als ich meine Studenten in den letzten Jahren, die Anfänger, in der Zeit wo ich noch aktiv war, fragte: Kennen Sie eine Ballade – nein; den Erlkönig – nein, aber wenn man...

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