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Schöne Kunst und reiche Tafel: über die Bilder der Speisen in Literatur und Kunst / Belle arti e buona tavola: sul significato delle pietanze nell’arte e nella letteratura

Beiträge der Tagungen Gießen (11./12. Oktober 2014) und Urbino (14./15. Oktober 2014) / Atti dei convegni di Gießen (11/12 ottobre 2014) e Urbino (14/15 ottobre 2014)

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Sandra Abderhalden, Michael Dallapiazza and Lorenzo Macharis

Dieser Band versammelt Beiträge zweier Tagungen zur Bedeutung von Essen und Trinken in Kunst und Literatur. Im Zentrum stehen Esskulturen und Praktiken vorrangig in der deutschen und italienischen Literatur vom Mittelalter bis zur Neuzeit. Der mehrsprachige, komparatistisch ausgerichtete Tagungsband spiegelt die Vielfältigkeit des kulinarischen Themas in literarischen und künstlerischen Werken auf umfassende Weise wider.
Questo volume raccoglie i contributi di due conferenze sul significato del cibo e delle bevande nell’arte e nella letteratura. Pietra angolare del libro è il tema delle culture e delle pratiche alimentari, illustrate con particolare attenzione alle letterature italiana e tedesca, dal medioevo ai nostri giorni. Partendo da una prospettiva comparatistica, il volume plurilingue rispecchia in modo esemplare la molteplicità del tema nelle tradizioni dell’arte e della letteratura.
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„Alles, was ich tat, hatte Hunger“: Inszenierung des (Nicht-)Essens in Herta Müllers Atemschaukel

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Abstract: In ihrem 2009 erschienenen Roman Atemschaukel schildert die Autorin Herta Müller die Deportation und Internierung der Rumäniendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg. Es wird analysiert, wie Müller die komplexe Motivik des Nahrungsgeschehens einsetzt, um dem Leser die traumatischen Auswirkungen der körperlichen und psychischen Grenzerfahrungen des Lageralltags zu vermitteln. Essen wird dabei nicht nur als biologische Notwendigkeit zur Lebenserhaltung, sondern auch als kulturell und sozial wirksames Handeln interpretiert. Die Inhaftierten entwickeln Formen des Als-ob-Essens, dramaturgisieren Kochrezepte und gründen Tischgesellschaften. Die Zubereitung des Essens sowie die Art und Weise des Konsumierens werden dergestalt als Versuch der Aufrechterhaltung individueller und gemeinschaftlicher Identität, gesellschaftlicher Strukturen und ethischer Grundsätze inszeniert. Auch die Prozesse der Dehumanisierung und Traumatisierung werden im Rekurs auf den Nahrungsdiskurs, das Motiv des (metaphorischen) Hungers und Akte des Verzehrens und Einverleibens dargestellt.

Keywords: Affektkontrolle, Einverleiben, Deprivationserfahrung, Heimatbild, kultureller Code, Machtgefälle, Opfer, Selbstentfremdung

Herta Müllers Roman Atemschaukel thematisiert die Deportation und Internierung der Rumäniendeutschen im Jahre 1945 durch die Sowjetunion.1 Bereits in vielen frühen Prosawerken und Essays versucht die Autorin sich teils offen, teils verdeckt der Undarstellbarkeit der Lagererfahrung anzunähern und Sprachbilder insbesondere für das Hungerleiden, für das es eigentlich „keine passenden Wörter“2 gibt, zu finden: Der leere Magen einer Inhaftierten mutiert beispielsweise in einen stacheligen Igel, um dem Leser die Schmerzen des ← 169 | 170 → Hungerns zu vermitteln,3 und eine simple warme Kartoffel wird für Strafgefangene zu einer Metapher...

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