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Der Konjunktiv im Schweizerdeutschen

Empirische Studien zu Stabilität und Wandel im deutschen Modussystem

Michael Wilde

Der schweizerdeutsche Konjunktiv kann sich besser gegen den Indikativ behaupten als der standarddeutsche, dessen Formen vielfach mit denjenigen des Indikativs zusammenfallen. Häufig hat man darin den Grund für die besondere Vitalität des schweizerdeutschen Konjunktivs gesehen. Doch wie lebendig ist er in der aktuellen Sprachverwendung wirklich? Welche räumlichen Gliederungen innerhalb der schweizerdeutschen Dialektlandschaft ergeben sich im Zusammenhang mit dem Konjunktiv? Wie unterscheidet sich sein Formen- und Verwendungsspektrum von dem des standarddeutschen Konjunktivs? Welche Rolle spielt die analytische Bildung des Konjunktivs Präteritum und welches Hilfsverb wird dafür verwendet? Diese und weitere Fragen werden auf der Basis selbsterhobener Daten diskutiert.
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2 Kommentierter Forschungsüberblick

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Wie viele Periodisierungen ist auch die hier vorgenommene Gruppierung von Arbeiten zum schweizerdeutschen Konjunktiv problematisch. Doch hat eine solche Gruppierung den Vorteil, gewisse Gemeinsamkeiten erkennen zu lassen. Zusammengefasst lässt sich die vorgenommene Unterteilung in drei Phasen folgendermaßen begründen:

– Ältere Forschung bis in die 1960er Jahre: sprachhistorisch ausgerichtet, z. T. junggrammatisch oder in dieser Tradition stehend; form- und gebrauchsorientiert; tendenziell Ablehnung der Veränderungsprozesse beim schweizerdeutschen Konjunktiv, weil sie von den sprachgeschichtlich „richtigen“ Formen wegführen.

– Arbeiten ca. der 1970er Jahre: korpuslinguistisch ausgerichtet; primär gebrauchsorientiert. Es ist die Zeit, in der zum standarddeutschen Konjunktiv die einflussreichen korpusbasierten Monographien von Jäger (1971a) und Bausch (1979) entstehen; daran lassen sich einige Arbeiten zum Konjunktiv im Schweizer Standard anschließen (Kaiser 1970, Rohrer 1973).

– Neuere Forschung, seit den 1990er Jahren: sprachwandelinteressiert; primär formorientiert. Man könnte vielleicht Lötschers Formulierung als programmatisch für die neuere und aktuelle Forschung ansehen, die in der schweizerdeutschen Konjunktivmorphologie „ein eigentliches Naturlaboratorium für Irregularisierungsprozesse“ sieht (Lötscher 2010: 116; dort speziell auf die Kurzverben gemünzt). Diese Irregularisierungen sind nicht, wie in der älteren Literatur, negativ konnotiert; vielmehr wird die Dynamik und Funktionalität veränderter Konjunktivformen herausgestrichen. Insofern charakterisiert auch Weiders (1992: 41) Formulierung der „anarchie sympathique“ gut den Standpunkt der neueren Arbeiten zum schweizerdeutschen Konjunktiv. Eine neuerliche Hinwendung zur Diachronie und zum Sprachwandel des Konjunktivs ist wiederum auch für die aktuellen Studien zum standarddeutschen Konjunktiv zu konstatieren (vgl. Smirnova 2006,...

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