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Der Konjunktiv im Schweizerdeutschen

Empirische Studien zu Stabilität und Wandel im deutschen Modussystem

Michael Wilde

Der schweizerdeutsche Konjunktiv kann sich besser gegen den Indikativ behaupten als der standarddeutsche, dessen Formen vielfach mit denjenigen des Indikativs zusammenfallen. Häufig hat man darin den Grund für die besondere Vitalität des schweizerdeutschen Konjunktivs gesehen. Doch wie lebendig ist er in der aktuellen Sprachverwendung wirklich? Welche räumlichen Gliederungen innerhalb der schweizerdeutschen Dialektlandschaft ergeben sich im Zusammenhang mit dem Konjunktiv? Wie unterscheidet sich sein Formen- und Verwendungsspektrum von dem des standarddeutschen Konjunktivs? Welche Rolle spielt die analytische Bildung des Konjunktivs Präteritum und welches Hilfsverb wird dafür verwendet? Diese und weitere Fragen werden auf der Basis selbsterhobener Daten diskutiert.
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6 Besonderheiten bei Modalverben

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6.1 ‚Wollen‘ und ‚möchte-‘

6.1.1 Problemstellung

Eine schweizerdeutsche Besonderheit ist die Verwendung des Konjunktivs Präteritum von ‚wollen‘ wie in (70):

(70) Wär me wett wüsse, findet Materiau im […] (KolBE71)

‚Wer mehr wissen wollte [Konjunktiv Präteritum], findet Material im […]‘

Stammvarianten des Konjunktivs Präteritum von ‚wollen‘ sind u. a.: wolt-, welt-, wett-, wött-; im Folgenden werden sie zusammenfassend als wett- angeführt.

Gemäß Werlen (1985: 34) ist der Gebrauch von wett- wie in (70) auf die Schweizer Dialekte beschränkt, in den nördlich und nordöstlich angrenzenden alemannischen Dialekten tritt er nicht auf. Es ist also zu konstatieren, dass in Schweizer Dialekten eine Sonderentwicklung bei dem Modalverb ‚wollen‘, stattgefunden hat, die im Standard ähnlich bei mögen anzusetzen ist. Dort hat sie dazu geführt, dass eine ursprüngliche Konjunktiv-Präteritum-Form (möchte-) quasi als Indikativ Präsens verwendet wird – und zumindest in der gesprochenen Sprache wird mögen praktisch ausschließlich so verwendet (vgl. ebd.: 11).

Ein kleiner Überblick mag aufzeigen, wie sehr die Meinungen in Bezug auf standarddeutsch möchte- auseinandergehen (vgl. auch Öhlschläger 1989: 3): Vater (2010: 102) geht von einem „neuen Verb möchten“ aus, das er ausdrücklich auch als Infinitiv für möglich hält (vgl. auch Vater 2001: 83: „umgangssprachlich […] durchaus üblich), wohingegen Graf (1977: 90) dabei von „nicht ganz ernsthafter Sprechweise“ spricht; Vergangenheitstempora bilde möchten nicht (vgl....

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