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Der Konjunktiv im Schweizerdeutschen

Empirische Studien zu Stabilität und Wandel im deutschen Modussystem

Michael Wilde

Der schweizerdeutsche Konjunktiv kann sich besser gegen den Indikativ behaupten als der standarddeutsche, dessen Formen vielfach mit denjenigen des Indikativs zusammenfallen. Häufig hat man darin den Grund für die besondere Vitalität des schweizerdeutschen Konjunktivs gesehen. Doch wie lebendig ist er in der aktuellen Sprachverwendung wirklich? Welche räumlichen Gliederungen innerhalb der schweizerdeutschen Dialektlandschaft ergeben sich im Zusammenhang mit dem Konjunktiv? Wie unterscheidet sich sein Formen- und Verwendungsspektrum von dem des standarddeutschen Konjunktivs? Welche Rolle spielt die analytische Bildung des Konjunktivs Präteritum und welches Hilfsverb wird dafür verwendet? Diese und weitere Fragen werden auf der Basis selbsterhobener Daten diskutiert.
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7 Dentalsuffix im Konjunktiv Präteritum von Kurzverben (Typ giengti)

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7.1 Problemstellung

Dass im Konjunktiv Präteritum schweizerdeutscher Kurzverben ein Dentalsuffix auftreten kann (näämti ‚nähme‘, chiemti ‚käme‘ usw.), ist weder ein neues Phänomen, noch ist es erst neuerdings beschrieben worden. Wintelers abschätzige Bezeichnungen als „Zwitterbildungen und Missformen“ wurden S. 20 schon zitiert, die Passage sei hier noch einmal wiederholt:

[…] oft aber tappt die Sprache, wie ich aus T[oggenburg] weiss, unsicher zwischen mehrern, meist ganz verdorbenen Formen herum; besonders hört man dies bei jüngern oder vom Verkehr abgeschlossenen Angehörigen der Sprachgenossenschaft. (Winteler 1876: 149)

Auch Jacki (1908: 6) spricht von „zwitterbildungen zwischen starken und schwachen formen“, Goldener (1908: 61) von „Kontaminationsformen“, Lüssy (1974: 23) von „Übercharakterisierung“, Enderlin (1913: 91) von einem „Mischpræteritum“. Sogar in Reduplikation (schrybdidi zu ‚schreiben‘, hiessdidi zu ‚heißen‘) kann das Suffix auftreten, jedenfalls im Elsass und laut einer älteren Quelle (vgl. Kahl 1893: 28; Weider 1992: 68, 74f.). Die Sekundärliteratur nennt die dentalhaltigen Formen nicht nur, sie gibt auch verschiedene Hinweise zum Vorkommen und zu ihrer Deutung. Die folgende kurze kommentierte Übersicht fasst die wichtigsten Anmerkungen in der Literatur zusammen.

Ein Hinweis war schon im angeführten Zitat von Winteler enthalten: Es sei der Sprachgebrauch jüngerer Sprecher (vgl. ebenso Stucki 1917: 292). In Verbindung damit steht die Beobachtung, es handle sich um eine jüngere Erscheinung (vgl. Weber 1987: 190).

Bemerkenswert ist übrigens die zweite Sprechergruppe, die Winteler nennt: vom Verkehr abgeschlossene...

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