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Internationales Alfred-Döblin-Kolloquium- Berlin 2011

Massen und Medien bei Alfred Döblin

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Edited By Stefan Keppler-Tasaki

Das «Kollektivwesen Mensch» hat die literarische Imagination und das intellektuelle Verantwortungsbewusstsein Alfred Döblins bis an die Grenzen der Sprache herausgefordert. Der Schriftstellerarzt verfolgte das Phänomen der Masse im Leben der Großstädte, in den Weltkriegen und in globalen Migrationsbewegungen. Es motiviert die exuberanten Textmassen seiner Romane ebenso wie seine experimentierfreudigen Feuilletons, Radio- und Filmtexte, die auf ein Massenpublikum hin angelegt sind. Die «richtige Einstellung auf die Masse» wurde ihm zu Problem und Aufgabe neuer literarischer Repräsentationsformen und einer medialen Massenbildung.
Der Band dokumentiert das 18. Internationale Alfred-Döblin-Kolloquium, das 2011 zum Thema «Massen und Medien bei Alfred Döblin» in Berlin tagte und auch für den Massendiskurs einschlägige Autoren wie Ernst Toller und Hans Fallada berücksichtigte.
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Die Masse als Denkfigur des Imaginären in Alfred Döblins Roman Berge Meere und Giganten: Johannes Rauwald

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Die Masse als Denkfigur des Imaginären in Alfred Döblins Roman Berge Meere und Giganten

Johannes Rauwald

Die vorliegende Analyse von Alfred Döblins Roman Berge Meere und Giganten und speziell des darin verhandelten Phänomens von Menschenmassen speist sich aus der Kultur- und Gesellschaftstheorie des griechisch-französischen Philosophen Cornelius Castoriadis (1922–1997). In ihr wird das ‚Imaginäre‘ zu einer ontologischen Denkfigur erhoben und als komplexer Leitbegriff für die Erklärung gesellschaftlicher wie kultureller Erscheinungen funktionalisiert. Als solch (spezifisches) Imaginäres kann auch die Denkfigur der (Menschen-) Masse in ihrer Entstehung und Gestalt sowie in ihrer Rezeption und Wirkung interpretiert werden. Dass dieser kultur- und gesellschaftstheoretische Entwurf auch für die Erschließung von Literatur sinnvoll transformierbar und produktiv anwendbar ist, soll im Folgenden anhand der stilisierten Aufbereitung des Massenphänomens im Roman sowie (andeutungsweise) anhand der poetischen Strategien Döblins exemplifiziert werden.1

1. Masse und Magma

Das imposante Phänomen der Menschenmasse war zu Beginn des 20. Jahrhunderts bekanntlich stark diskursiviert, und auch Döblin stand unter dessen Eindruck. Er selbst kennzeichnet dieses in seinem frühen Essay Von der Freiheit eines Dichtermenschen wie folgt: „Dies sind die Massen der Zeitgenossen, ein vielgestaltiges Gebilde. Sie sind tief gestaffelt wie ein römisches Karree und eine spanische Armada. Zähflüssig […] wie das Magma, auf dem unsere Erd ← 109 | 110 → rinde schwimmt.“2 Döblin benutzt hier den (doch recht ungewöhnlichen) Vergleich mit Magma, um die innere Struktur...

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