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Internationales Alfred-Döblin-Kolloquium- Berlin 2011

Massen und Medien bei Alfred Döblin

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Edited By Stefan Keppler-Tasaki

Das «Kollektivwesen Mensch» hat die literarische Imagination und das intellektuelle Verantwortungsbewusstsein Alfred Döblins bis an die Grenzen der Sprache herausgefordert. Der Schriftstellerarzt verfolgte das Phänomen der Masse im Leben der Großstädte, in den Weltkriegen und in globalen Migrationsbewegungen. Es motiviert die exuberanten Textmassen seiner Romane ebenso wie seine experimentierfreudigen Feuilletons, Radio- und Filmtexte, die auf ein Massenpublikum hin angelegt sind. Die «richtige Einstellung auf die Masse» wurde ihm zu Problem und Aufgabe neuer literarischer Repräsentationsformen und einer medialen Massenbildung.
Der Band dokumentiert das 18. Internationale Alfred-Döblin-Kolloquium, das 2011 zum Thema «Massen und Medien bei Alfred Döblin» in Berlin tagte und auch für den Massendiskurs einschlägige Autoren wie Ernst Toller und Hans Fallada berücksichtigte.
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Der Weg eines Anti-Helden von der Egozentrik zur Solidarität: Betrachtungen zum Anti-Bildungsroman Berlin Alexanderplatz: Elcio Loureiro Cornelsen

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Der Weg eines Anti-Helden von der Egozentrik zur Solidarität

Betrachtungen zum Anti-Bildungsroman Berlin Alexanderplatz

Elcio Loureiro Cornelsen

1. Einleitung

Ausgehend von essayistischen Schriften der 20er und der frühen 30er Jahre bzw. vom Roman Berlin Alexanderplatz, beschäftigt sich der vorliegende Beitrag mit Döblins Sicht der Massen im Kontext der Weimarer Republik. Vor allem die naturphilosopische Schrift Das Ich über der Natur (1927) und der philosophisch-politische Traktat Wissen und Verändern (1932) stehen dabei im Mittelpunkt. Döblin selbst stellte 1931 im Aufsatz Nochmal: Wissen und Verändern eine thematische Beziehung zwischen diesen Schriften her:

Das Zentrum aller meiner Erwägungen, das Grundgefühl, formuliert sich in dem naturalistischen Gedanken. Zwar habe ich in dem Büchlein Wissen und Verändern einiges davon ausgeführt, ich glaubte, ausreichend viel, aber ich hatte schon vorher ein Buch geschrieben, das sich mit dem Aussprechen dieses Gefühls und mit der Formulierung dazugehöriger Gedanken befaßte: Das Ich über der Natur.1

Ohne Zweifel stehen beide Texte auch in Bezug zu Berlin Alexanderplatz. Wenn Das Ich über der Natur die „geistige Vorarbeit“2 für den Roman bedeutet, entstand Wissen und Verändern, wie Walter Muschg feststellt, „aus einem literaturpolitischen Streit mit der Linkskurve, dem Organ des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller“,3 ausgelöst vor allem von der Kritik aus parteipolitischer Sicht, die Klaus Neukrantz in einer Rezension zum Alexanderplatz-Roman so formulierte: „Er [Döblin] stellt diesem Massentypus, der...

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