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Internationales Alfred-Döblin-Kolloquium- Berlin 2011

Massen und Medien bei Alfred Döblin

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Edited By Stefan Keppler-Tasaki

Das «Kollektivwesen Mensch» hat die literarische Imagination und das intellektuelle Verantwortungsbewusstsein Alfred Döblins bis an die Grenzen der Sprache herausgefordert. Der Schriftstellerarzt verfolgte das Phänomen der Masse im Leben der Großstädte, in den Weltkriegen und in globalen Migrationsbewegungen. Es motiviert die exuberanten Textmassen seiner Romane ebenso wie seine experimentierfreudigen Feuilletons, Radio- und Filmtexte, die auf ein Massenpublikum hin angelegt sind. Die «richtige Einstellung auf die Masse» wurde ihm zu Problem und Aufgabe neuer literarischer Repräsentationsformen und einer medialen Massenbildung.
Der Band dokumentiert das 18. Internationale Alfred-Döblin-Kolloquium, das 2011 zum Thema «Massen und Medien bei Alfred Döblin» in Berlin tagte und auch für den Massendiskurs einschlägige Autoren wie Ernst Toller und Hans Fallada berücksichtigte.
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Massenidole versus Metanoia: Notizen zu Döblins Hamlet und der wiedergefundenen Originaldruckvorlage von 1956: Christina Althen

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Massenidole versus Metanoia

Notizen zu Döblins Hamlet und der wiedergefundenen Originaldruckvorlage von 1956

Christina Althen

Döblin hielt seine Massenpamphlete wie die Fliegenden Blätter 1940 als Propagandamaterial gegen Nazideutschland oder Den Nürnberger Lehrprozess 1946 nicht für besonders wirksam, auch wenn er Zeit und Kraft hierfür investierte. Tageszeitungen und Zeitschriften ironisiert Lord Crenshaw im Hamlet-Roman als „machtlos und zum Bemitleiden unschädlich. Sie unterschieden sich in nichts von dem Radio […], das stündlich bis oben mit Nachrichten vollief“.1 Möglicherweise reflektiert der Autor hier amerikanische Debatten der 1940er Jahre, die die Einflussmöglichkeit von Massenmedien auf die Demokratie bezweifelten. Obwohl er im Exil nur für die Schublade schrieb, hoffte er, dass seine Romane November 1918 und Hamlet oder Die lange Nacht nimmt ein Ende auf ihre Weise wirken würden. Es war die letzte der zahlreichen Tragödien für Döblin als Schriftsteller, dass er für den Hamlet-Roman, den er zunächst zurückgehalten hatte, nach der Währungsreform jahrelang keinen Verleger fand. „Wie schön wäre es, wenn man ihm die Freude machen könnte, noch das Erscheinen seines Hamlet zu erleben. Eines späten Tages wird man alle kleinsten Zettelchen publizieren – aber dann hat Döblin nichts mehr davon“, schrieb Erna Döblin am 13. November 1952 an Anton Betzner.2 Diese Prophezeiung bewahrheitet sich: Sechzig Jahre später sind wir soweit, dass wir alle Materialien publizieren können, denn die von der Forschung...

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