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Topografien des Transits

Die Fiktionalisierung von Bahnhöfen, Hotels und Cafés im zwanzigsten Jahrhundert

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Ulrike Zitzlsperger

Dieser Band untersucht die literarische und filmische Behandlung halböffentlicher Räume im Verlauf des zwanzigsten Jahrhunderts. Bahnhöfe, Hotels und Cafés werden hier als topografische Fixpunkte verstanden, die angesichts politischer, kultureller und sozialer Veränderungen jeweils neu erschlossen oder wahrgenommen werden. Auf diese Weise können Narrative konkretisiert, soziale Konstellationen ausgeleuchtet und historische Umbrüche nachvollziehbar werden. Während der Schwerpunkt auf dem deutschen Sprachraum und hier wiederum Berlin liegt, findet, wo angemessen, auch der europäische Kontext Berücksichtigung.
Die chronologisch angelegte Auseinandersetzung mit Schriftstellern und Regisseuren schließt unter anderen Joseph Roth, Gabriele Tergit, Vicki Baum, Walther Ruttmann, Klaus Mann, Lion Feuchtwanger, Ingeborg Drewitz und W.G. Sebald ein und konzentriert sich erst auf die Zwischenkriegszeit und den Zweiten Weltkrieg, dann auf die Nachkriegszeit und den Kalten Krieg bis zur Wiedervereinigung Deutschlands. Darüber hinaus werden die halböffentlichen Räume auch in Hinblick auf ihre Rolle in der Kriminal-und Reiseliteratur und als Spiegel von Regional-und Landesgeschichten aufgegriffen.

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Vorwort

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Es gibt Orte, „mit denen eine Stadt sich zu erkennen gibt, die im Muster, im Plan kaum auf fallen, aber auf die das Geäder der Straßen, Gassen und Wege zuläuft wie auf ein Herz“.1 Peter Härtlings Beobachtung ist für die Mehrzahl der halböf fentlichen Räume gültig. Solche Räume sind – im Gegensatz zum öf fentlichen Raum, der sich vor allem auf Straßen und Plätze bezieht – von ihrer Umgebung mit Hilfe von bisweilen monumental inszenierten Eingangsbereichen, in jedem Fall aber durch einen Zugang klar abgegrenzt. Sie sind der Öf fentlichkeit zugänglich, determinieren aber Regeln, die den geordneten Verlauf von Funktionen gewährleisten. Trotz ihrer räumlichen Abgrenzung sind halböf fentliche Räume in das sie umgebende Umfeld fest integriert und entscheidender Bestandteil der Infrastruktur und Binnengliederung eines Ortes. Das ist vor allem dann von Bedeutung, wenn die Architektur einer solchen Einrichtung ins Auge fällt. Bahnhöfe, Hotels und Cafés, die hier im Mittelpunkt stehen, sind in der Provinz mit Blick auf die Topografie bisweilen noch wichtiger als ihre städtischen Pendants – sie stehen für das Versprechen auf die Nähe des Rests der Welt. Überall aber vermitteln sie im Idealfall den Eindruck einer auf Strukturen gegründeten Ordnung, auch wenn der Aufenthalt nur ein vorübergehender ist. Die halböf fentlichen Räume bestimmen sowohl die gesteigerte Selbstwahrnehmung des Reisenden als auch das Bewusstsein für die Routine des Passanten und Pendlers. In den Vororten,...

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