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Critical Time in Modern German Literature and Culture

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Edited By Dirk Göttsche

The fleeting nature of time is a defining feature of modern and postmodern existence. Identified by Reinhart Koselleck as the temporalization («Verzeitlichung») of all areas of human knowledge and experience around 1800, the concept of critical time continues to intrigue researchers across the arts and humanities. This volume combines theoretical and critical approaches to temporality with case studies on the engagement with the modern sense of time in German literature, visual art and culture from the eighteenth century to the present. Contributions explore key areas in the cultural history of time: time in art and aesthetic theory, the intellectual history of time, the relationship between time and space in literature and visual art, the politics of time and memory, and the poetics of time. Essays question the focus on acceleration in recent critical discourse by also revealing the contrapuntal fascination with slowness and ecstatic moments, notions of polyphonous time and simultaneity, the dialectic of time and space, and complex aesthetic temporalities breaking with modern time-regimes.
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Dirk Göttsche – Zeitpoetik in Kleiner Prosa der Gegenwart

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DIRK GÖTTSCHE

Zeitpoetik in Kleiner Prosa der Gegenwart

Die Kleine Prosa der Moderne hat von Beginn an ein besonderes Verhältnis zur Zeit und ein geschärftes Zeitbewusstsein, das sich – oft auch kontrapunktisch – mit den Beschleunigungseffekten im Modernisierungsprozess auseinandersetzt. Anknüpfend an Joris Huysmans’ Apologie des Prosagedichts als „das ätherische Öl der Kunst“, das „in seinem kleinen Bereich und in konzentrierter Form die Substanz eines Romans enthalten, dessen analytische Längen und überflüssige Beschreibungen [aber] ausschalten würde“,1 hat beispielsweise Alfred Polgar „die kleine Form“ 1926 als eine „Lektüre […] für fünf Minuten“ charakterisiert, die „der Spannung und dem Bedürfnis der Zeit gemäß“ sei, indem sie zugleich das konzentrierte Resultat des „schriftstellerische[n] Bemühen[s] [sei], aus hundert Zeilen zehn zu machen“.2 „Das Leben“ sei in der Moderne „zu kurz für lange Literatur, zu flüchtig für verweilendes Schildern und Betrachten, zu psychopathisch für Psychologie, zu romanhaft für Romane, zu verfallen der Gärung und Zersetzung, als daß es sich in langen und breiten Büchern lang und breit bewahren ließe“; „kürzeste Linie von Punkt zu Punkt heiß[e] das Gebot der fliehenden Stunde. / Auch das ästhetische.“3 Modernes Zeitbewusstsein und Zeitreflexion stehen hier also im Zentrum der Gattungspoetik.

Analog – und mit einem ähnlichen Schuss Selbstironie als Geste des Bruchs mit traditioneller Gattungstheorie – hatte 25 Jahre früher schon Peter ← 249 | 250 → Altenberg seine Kleine...

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