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Critical Time in Modern German Literature and Culture

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Edited By Dirk Göttsche

The fleeting nature of time is a defining feature of modern and postmodern existence. Identified by Reinhart Koselleck as the temporalization («Verzeitlichung») of all areas of human knowledge and experience around 1800, the concept of critical time continues to intrigue researchers across the arts and humanities. This volume combines theoretical and critical approaches to temporality with case studies on the engagement with the modern sense of time in German literature, visual art and culture from the eighteenth century to the present. Contributions explore key areas in the cultural history of time: time in art and aesthetic theory, the intellectual history of time, the relationship between time and space in literature and visual art, the politics of time and memory, and the poetics of time. Essays question the focus on acceleration in recent critical discourse by also revealing the contrapuntal fascination with slowness and ecstatic moments, notions of polyphonous time and simultaneity, the dialectic of time and space, and complex aesthetic temporalities breaking with modern time-regimes.
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Dirk Oschmann – Formbewusstsein als Zeitbewusstsein. Die Anfänge moderner Zeitpoetik im 18. Jahrhundert

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DIRK OSCHMANN

Formbewusstsein als Zeitbewusstsein. Die Anfänge moderner Zeitpoetik im 18. Jahrhundert

Seit den Studien von Reinhart Koselleck, Wolf Lepenies und anderen gehört es zu den Selbstverständlichkeiten der Forschung, von der Verzeitlichung des Wissens im 18. Jahrhundert zu sprechen.1 Diese Verzeitlichung betrifft jedoch nicht nur das Wissen, sondern auch die Formen, weil sich Wissen notwendig in Formen organisiert. Bei der hier zu skizzierenden primären Verschränkung von Formbewusstsein und Zeitbewusstsein kommt es jedoch zunächst im rein formalen Sinne darauf an, dass Formen unabhängig vom Wissen bereits mit Zeit aufgeladen sind. Nicht das verzeitlichte Wissen ruft danach die Verzeitlichung der Formen hervor, vielmehr wird man zunehmend ihrer intrinsischen Zeitlichkeit inne als eines formalen Apriori, das es nicht nur in Rechnung zu stellen gilt, sondern das man auch jederzeit ausnutzen darf und soll. Dies zeigt sich an der ebenfalls im 18. Jahrhundert entstehenden Korrelation von Form, Gattung und Zeit; das moderne Formbewusstsein erwächst wesentlich aus einem traditionellen, regelpoetischen Gattungsbewusstsein.2 ← 129 | 130 →

„Jede Gattung der Kunst hat eine eigene Erscheinungsform der Zeit“ – diese grundlegende Beobachtung Günther Müllers aus dem Jahr 19463 ist zwar vielfach bestätigt worden, sie hat jedoch bislang entweder keine weiterführende Aufmerksamkeit erfahren oder wurde explizit ausgeklammert. So heißt es in der ebenso monumentalen wie bahnbrechenden Studie Zeit und Erzählung von Paul Ricoeur, dass ihn seine „spezifische Fragestellung“ enthebe, „zu den Problemen der Einteilung und der Geschichte der...

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