Show Less
Open access

Mündliches und schriftliches Handeln im Deutschunterricht

Wie Themen entfaltet werden

Series:

Edited By Ulrike Behrens and Olaf Gätje

Der Band thematisiert die Ausbildung mündlicher und schriftlicher Themenentfaltungsmuster von Schülern im Deutschunterricht. Erzählungen, Beschreibungen, Instruktionen, Argumentationen und Berichte sind im kommunikativen Alltag einer Gesellschaft die Grundformen der thematischen Entfaltung komplexer sprachlicher Äußerungen. Sie werden sowohl schriftlich als auch mündlich realisiert. Im schulischen Deutschunterricht sind solche Themenentfaltungsmuster tradierte didaktische Gattungen des Aufsatzunterrichts und auch im Kompetenzbereich „Sprechen und Zuhören" soll die mündliche Realisierung dieser Muster vermittelt werden. Aber gelten für mündliches Berichten, Argumentieren, Instruieren usw. dieselben Anforderungen wie beim Schreiben? Oder muss man abhängig von der sprachmedialen Realisierung von verschiedenen Mustern mit gleichen Labels ausgehen? Die Beiträge dieses Bandes erkunden das Feld aus textlinguistischer und sprachdidaktischer Sicht neu.

Show Summary Details
Open access

Zur Konzeptualisierung von Kommunikationsereignissen (Steffen Pappert)

Steffen Pappert

Zur Konzeptualisierung von Kommunikationsereignissen

Abstract: The present article takes the differences between text and discourse as a starting point for discussing central concepts of communication. This paper aims to unpick the relationship between media and mediality, form of communication, genre and communicative practices. It will be shown that communicative practices are contingent on many factors, and not only on the distinction between orality and literacy.

1. Einführung

Die in diesem Band thematisierten „Grundformen thematischer Entfaltung“ (Brinker et al. 2014) können als „zentrale Kategorie für die linguistische Beschreibung von mündlichen und schriftlichen Texten“ gelten. Mit den folgenden Überlegungen soll der Bogen aber weiter gespannt werden. Ziel des Beitrags ist es, einen systematischen Überblick über die Kategorien und Konzepte zu liefern, die auf je ganz spezifische Weise den Themenentfaltungsmustern gleichsam vorgelagert sind. Mündliches und schriftliches Handeln findet in den meisten Fällen in Gesprächen und Texten statt – eine Unterscheidung, die in der Sprachwissenschaft durch die Etablierung der Gesprächs- und Textlinguistik institutionalisiert ist. Beide Realisationsformen weisen bezüglich der zu realisierenden Versprachlichungsmuster Möglichkeiten, aber auch Restriktionen auf. Diese stehen im Fokus der genannten Teildisziplinen.

Das Gespräch ist ein Forschungsgegenstand sui generis: Die Gesprächslinguistik stellt beispielsweise Fragen danach, was das soziale Ereignis Gespräch auszeichnet, wie ein Gespräch interaktiv hergestellt, vollzogen und beendet wird, welche Beteiligungsrollen die Interagierenden herstellen, wie Kontexte geschaffen und genutzt werden, welche Gesprächstypen oder kommunikativen Gattungen in einer Kommunikationsgemeinschaft realisiert werden etc. Ebenso gilt in Bezug auf das Phänomen Text, dass die Konstitutionsmerkmale prototypischer geschriebener Texte spezifische Forschungsperspektiven begründen, die sich auf die sprachlichen Mittel und Strategien der Vertextung, das Verhältnis von Textsortenmustern und konkretem Text, die Funktionen von Texten in einer Gesellschaft, ihre wechselseitigen Bezugnahmen, die zu rekonstruierenden Textplanungs- und Textverstehensprozesse oder entsprechende Textroutinen richten. (Janich/Birkner 2015, S. 196; Hervorhebung im Original)←15 | 16→

Die unterschiedlichen Fragen, die hier thematisiert werden, deuten die unterschiedlichen Bedingungen an, die sich letztlich auf alle sprachlichen Ebenen auswirken. Weitere Fragen schließen sich an. Zum einen die nach den unterschiedlichen Handlungsbereichen, die je ganz eigene Regelinventare hervorbringen: Inwieweit werden durch sie Versprachlichungsstrategien vorgeformt? Zum anderen ist es neben den Fragen nach der Medialität und den gesellschaftlichen Situationen vor allem der Einfluss der medialen Vermitteltheit kommunikativen Handelns, der von besonderer Bedeutung zu sein scheint. Es geht also um das jeweilige Medium und das ihm innewohnende Potenzial. Nicht erst seit dem Siegeszug der neuen Medien sind hier einige Entwicklungen zu verzeichnen, die sich mittel- und unmittelbar auf die sprachlichen Handlungen auswirken. Darüber hinaus werden durch die Medien Bedingungen geschaffen, die die Verwendung anderer semiotischer Ressourcen ermöglichen oder aber traditionellen Realisierungsformen neue Funktionen zuweisen. So führen beispielsweise bestimmte materielle, mediale und modale Konstellationen in hypertextuellen Umgebungen nicht nur zu einer neuen Schriftlichkeit, sondern haben Einfluss auf die gesamte Textstruktur (Schmitz 2010). In diesem Zusammenhang sind auch neue Kommunikationsformen zu nennen, in denen sich nähe- und distanzsprachliche Phänomene durchdringen (Imo 2015). Kurz: Der Gebrauch der Sprache folgt in unterschiedlichen Medien und Kommunikationsformen jeweils besonderen Normen und Regeln. Vor diesem Hintergrund soll in diesem Beitrag ausgehend von der begrifflichen Klärung und Abgrenzung von Medien, Medialität und Kommunikationsformen der Bogen zu den kommunikativen Gattungen, Textsorten bzw. kommunikativen Praktiken, die in ihrer Gesamtheit den kommunikativen Haushalt einer Gesellschaft (Luckmann 1986) konstituieren, gespannt werden. Ziel ist es, die Rahmenbedingungen für die Umsetzung der Themenentfaltungsmuster – wenn auch nur kursorisch – zu systematisieren und somit eine (mögliche) Folie für die folgenden Beiträge dieses Bandes zur Verfügung zu stellen.

2. Medien, Medialität und Kommunikationsformen

„Ohne Medialität keine Kommunikation“, schreibt Holly (2011, S. 144), d. h. ohne sie wären kommunikative Äußerungen weder wahrnehmbar noch verstehbar. So kurz, bündig und plausibel diese Feststellung auch daherkommt, es verbergen sich hinter ihr einige Fragen, die beantwortet werden müssen, wenn es um den Zusammenhang zwischen sprachlichen Äußerungen und deren medialer Realisierung geht. Allgemein lassen sich diese Fragen mit Habscheid (2005, S. 48) wie folgt formulieren:←16 | 17→

„Inwieweit prägen Medien die durch sie vermittelten Zeichenprozesse?

Inwieweit sind sie daher am Gehalt der Kommunikate beteiligt?

Inwieweit verändern sich in Auseinandersetzung mit medialen Bedingungen der Kommunikation auf längere Sicht soziokulturelle Ordnungen einschließlich der kommunikativen Muster und sprachlichen Strukturen?“

Doch was verstehen wir eigentlich unter Medien und Medialität? Medien – so viel scheint sicher – sind in sämtlichen öffentlichen und privaten Bereichen allgegenwärtig. Wir schreiten durch die Medienlandschaft und lesen und hören in den Massenmedien viel über neue und alte Medien, erfahren einiges über die Verhaltensweisen und Einflussmöglichkeiten von Medienbossen, staunen über das Ausmaß der Medienhetze und den Hass in den sozialen Medien. Wir sind den ganzen Tag mit multimedialen Angeboten in den Online-Medien beschäftigt und nicht selten hört man von Studierenden als Antwort auf die Frage, was sie denn später einmal machen wollten: „Irgendwas mit Medien“. Ähnlich verhält es sich in den Medien- und Kulturwissenschaften. Auch hier hat der Gebrauch der Begriffe Medium und Medialität in letzter Zeit Hochkonjunktur, wobei hinter ihnen teils sehr verschiedene Konzepte stehen, d. h. es gibt eine Vielzahl von Perspektiven mit je eigenen Definitionsvorschlägen (vgl. Habscheid 2000; 2005; Holly 1997; 2011; Jäger 2007; 2015; Schmitz 2004; Schneider 2006; 2008). Diese sollen hier nicht im Einzelnen diskutiert werden. Stattdessen soll die folgende Übersicht einen Überblick über die wohl wichtigsten Medienkonzepte verschaffen:

Tab. 1: Medienkonzeptionen (vgl. Posner 1985; 1986; Habscheid 2005; 2009)

Medienkonzeption

Bezogen auf …

Beispiele

biologische

Sinnesmodalität:

bspw. an der Rezeption beteiligte Körperorgane

visuelle, auditive, olfaktorische, gustatorische, taktile Medien

physikalische

Kontaktmaterie:

physikalisch-chemische Aspekte des Kontakts zwischen den Kommunizierenden

Luft als

akustisches Medium

technologische

Apparat:

technische Hilfsmittel der

Kommunikation und ihre Produkte

DVD als Speichermedium; Buch als Druckmedium←17 | 18→

soziologische

Institution:

Einrichtungen der Gesellschaft, die die Herstellung von Kommunikation organisieren

Museen, Verlage als Medieninstitutionen

kulturbezogene

Kommunikativer Zweck:

Zwecke der medial vermittelten Botschaften (Textsorten/kommunikative Gattungen)

Nachricht, Kommentar, Predigt

kodebezogene

Kode:

Regeln für die Zusammensetzung

von Botschaften aus Zeichen; Stile

Sprachlautzeichen, Schriftzeichen, bewegte und dynamische Bildzeichen

Für die Linguistik von besonderem Interesse ist das konkret verwendete Zeichensystem, also die Unterscheidung zwischen gesprochener oder geschriebener Sprache.1 Diese mediale Differenz ist in der Sprachwissenschaft nicht nur oft thematisiert worden, sondern sie führt darüber hinaus zu der durchaus kontrovers diskutierten Frage, „ob man Gesprochenes und Geschriebenes gemeinsam, z. B. unter einem weitgefassten Textbegriff, behandeln solle oder doch lieber in zwei verschiedene Teildisziplinen, einer Text- und einer Gesprächslinguistik“ (Holly 2011, S. 145)?2 Doch ist es tatsächlich so, dass sich Mündlichkeit und Schriftlichkeit strikt voneinander trennen lassen? Und: Gibt es die gesprochene und die geschriebene Sprache überhaupt? Zum ersten Punkt ist zu sagen, dass wir ohne große Mühe eine Vielzahl von kommunikativen Ereignissen finden, in denen Geschriebenes und Gesprochenes koexistieren. So wird der Vortrag durch Tischvorlagen und visuelle Präsentationen multimedial, genauso wie ein WhatsApp-„Gespräch“ nicht nur auf Geschriebenem basiert, sondern Sprachnachrichten oder Bilder eingesetzt werden können, die nicht nur die Dichotomie←18 | 19→ mündlich/schriftlich ins Wanken bringen, sondern darüber hinaus die Vielfalt an verwendeten Modi zeigen. Zur Beantwortung der zweiten Frage sind in einem ersten Schritt die „Regelmengen, die jeweils notwendig sind, um einerseits einen schriftlichen Text, und andererseits einen Gesprächsbeitrag bzw. ein Gespräch zu produzieren“ (Fiehler 2007, S. 468) von Belang.

Abb. 1: Regelmengen für die Produktion eines geschriebenen Textes und eines Gesprächs bzw. einzelner Gesprächsbeiträge (Fiehler 2007, S. 469)

image

Die Übersicht in Abbildung 1 verdeutlicht, das Geschriebenes und Gesprochenes zwar einige Regeln teilen, andere jedoch jeweils nur für eine Realisationsform gelten. Je nachdem, ob die geteilten oder die spezifischen Regelmengen ins Blickfeld geraten, wird einerseits konstatiert, dass die Unterschiede zu vernachlässigen seien (langue-Position), andererseits – so die Differenz-Position –, dass sie gravierend seien und man deshalb Mündlichkeit und Schriftlichkeit als „Verständigungssysteme eigenen Rechts“ (ebd., S. 468) aufzufassen habe. Beide Positionen lassen jedoch außer Acht – und das ist die Antwort auf die zweite Frage –, dass Sprechen und Schreiben in vielfältigen Kommunikationszusammenhängen unter jeweils spezifischen Bedingungen stattfinden, die jeweils eigene Regeln hervorbringen, die gleichsam quer zu den oben dargestellten liegen (können) und die eben nicht auf der Trennung Mündlichkeit/Schriftlichkeit←19 | 20→ basieren, so dass es auch wenig Sinn macht, von dem Geschriebenen und dem Gesprochenem auszugehen. So auch Stein (2011, S. 13):

Durch die beliebte Dichotomie mündlich vs. schriftlich ist weder eine ausschließliche, noch vielleicht überhaupt eine plausible Trennlinie im Spektrum der kommunikativen Praktiken motiviert, vielmehr müssten Grenzziehungen durch andere Faktoren begründet werden (vgl. dazu Fiehler et al. 2004, S. 126 ff.), wie z. B. die (Nicht-)Technisiertheit oder die (Mehr-oder-weniger-)Institutionalisiertheit von Kommunikation.

Der wohl bekannteste Versuch, die Dichotomie von Schriftlichkeit und Mündlichkeit zu relativieren, ist das von Koch/Oesterreicher (1985; 1994; 2008) entwickelte Modell. Die Autoren differenzieren dabei zwischen zwei Ebenen. Auf der Ebene der Medialität unterscheiden sie Mündlichkeit/Schriftlichkeit, wobei die phonische Realisierung auf dem biologischen, die graphische hingegen auf dem technologischen Medienbegriff (vgl. Tab. 1) basiert. Auf der anderen Ebene geht es um die Konzeption sprachlicher Äußerungen, die zwischen konzeptionell mündlich (= Sprache der Nähe) und konzeptionell schriftlich (= Sprache der Distanz) changiert.3 Auf diese Weise können sie zeigen, dass konzeptionell mündliche Kommunikate sowohl gesprochen als auch geschrieben realisiert werden können (Klatsch als Gespräch über den Gartenzaun oder als E-Mail) und in die andere Richtung das Gleiche gilt (Vortrag/Zeitschriftenaufsatz). Koch/Oesterreicher gehen dabei davon aus, dass die Konzeption der Äußerungen abhängig ist von spezifischen Kommunikationsbedingungen, welche zu angepassten Versprachlichungsstrategien führen, die sich „im Unterschied zu den außersprachlichen Kommunikationsbedingungen, auf den kommunikativen Akt selbst beziehen“ (Thaler 2007, S. 150), der wiederum bestimmte sprachliche Merkmale aufweist. Obwohl das Modell sicherlich eine Reihe von Vorzügen gegenüber einer einfachen Dichotomisierung (gesprochen/geschrieben) aufweist, ist in unserem Zusammenhang von Bedeutung,

a) auf welche sprachlichen Einheiten sich die Autoren überhaupt beziehen (Textsorten/Gattungen/Kommunikationsformen, vgl. Thaler 2007),

b) inwieweit das Modell auf digitale Textsorten/Gattungen bezogen werden kann (Dürscheid 2003) und

c) welche, v. a. medialen, Bedingungen welche Versprachlichungsstrategien (bspw. Themenentfaltungsmuster) mit welchen Eigenschaften erwartbar machen (zur Kritik und Weiterentwicklung des Modells vgl. Thaler 2007; Dürscheid 2003).←20 | 21→

Unabhängig davon legen Koch/Oesterreicher (1994) einen sehr engen Medienbegriff zugrunde, der lediglich die sprachlichen Äußerungen bzw. deren Realisierung ins Auge fasst und somit weitere entscheidende Bedingungen, aber auch multimodale Potenziale ausklammert. Des Weiteren sind die angelegten Kategorien zu pauschal. Vielmehr sollte man zwischen Medium, Kommunikationsform, Modus, Zeichen sowie Textsorten resp. Gattungen unterscheiden, die als zentrale Konzepte der Medienkommunikationsforschung zueinander in Beziehung zu setzen wären (Schmitz 2015). In Abgrenzung zu diesen Konzepten lassen sich Medien dann laut Habscheid (2000, S. 138) definieren

als materiale, vom Menschen hergestellte Apparate zur Herstellung/Modifikation, Speicherung, Übertragung oder Verteilung von sprachlichen (und nicht-sprachlichen) Zeichen (im Sinne musterhafter Äußerungen), die bestimmte, im Vergleich zur sog. ‚direkten’ Kommunikation4 erweiterte und/oder beschränkte Kommunikationsformen ermöglichen und die die mit ihnen kommunizierten Symbole sowie – mittelbar, im Rahmen institutioneller Ordnungen und soziokultureller Aneignungsprozesse – Strukturen der Wahrnehmung, Kognition, Erfahrung, Erinnerung und Gesellschaft prägen. (Fußnote im Original)

Von diesem Medienbegriff ausgehend, der Medien als technische Kommunikationsmittel (vgl. Schmitz 2015, S. 8) fasst, und zwar sowohl zur Produktion als auch zur Rezeption der wie auch immer gearteten Zeichen (vgl. Dürscheid 2005), ist in einem nächsten Schritt zu fragen, in welcher Weise Medien kommunikative Zeichenprozesse strukturieren und formen. An dieser Stelle wird der Begriff Kommunikationsform relevant, denn die mit den Medien verknüpften technischen Bedingungen wirken sich unmittelbar auf die Kommunikationsformen aus, die mit ihnen realisiert werden können. Kommunikationsformen sind gleichsam das Produkt der Gegebenheiten der jeweiligen kommunikativen Situation (vgl. Ermert 1979, S. 59), resultierend aus „den medialen, vor allem den natürlichen und technischen Bedingungen der kommunikativen Situation“ (Habscheid 2009, S. 99). Im Unterschied zu Textsorten bzw. Gattungen sind sie ausschließlich situativ bzw. medial determiniert (vgl. Brinker et al. 2014, S. 142), und zwar unabhängig vom kommunikativen Zweck. So kann ich mit einer ‚E-Mail‘ (=Kommunikationsform) Liebesbriefe, Einladungen, Ankündigungen, Terminabsprachen etc. (=Textsorten) verschicken, die alle unterschiedliche Funktionen erfüllen. Gleiches würde auch für die Kommunikationsform ‚Brief‘ gelten. Auch hier habe ich die Möglichkeit, unterschiedlichste Textsorten zu ver←21 | 22→fassen. Der Unterschied zwischen den beiden Kommunikationsformen besteht vor allem in den technisch-medialen Grundlagen. Diese sind für die E-Mail „von der Zeichenherstellung über den Zeichenträger bis zur Zeichenübermittlung durchweg elektronisch, was ihren größten Vorzug, die Geschwindigkeit und die Bequemlichkeit, ausmacht“ (Holly 2011, S. 152). Derlei technische Voraussetzungen ermöglichen eine nahezu synchrone Kommunikation, eine einfache Textverarbeitung sowie die optionale Einbindung weiterer semiotischer Ressourcen (Icons, Bilder, Filme). All diese Faktoren haben einen erheblichen Einfluss auf die Konzeption der Vertextung, aber eben auch auf die Erwartungen im Hinblick auf die Angemessenheit der verwendeten sprachlich-stilistischen Mittel. Eine Annäherung an die Mündlichkeit ist in vielen Fällen die Folge. Mithin haben wir es hier mit einer Art neuer Schriftlichkeit zu tun, die freilich nur die konzeptionelle, nicht aber die mediale Seite (sensu Koch/Oesterreicher) betrifft (Androutsopoulos 2007). Prinzipiell ist davon auszugehen, dass die medialen Rahmenbedingungen bzw. die Potenziale des jeweiligen Mediums sich auf die verschiedenen Kommunikationsformen auswirken bzw. diese prägen. Dies betrifft vor allem

Prozesse der Textproduktion,

die Verwendbarkeit von Zeichentypen,

örtliche Kopräsenz vs. Distanz der Kommunikationspartner,

(annähernde) Synchronität von Produktion und Rezeption vs. zeitliche Zerdehntheit,

Möglichkeit der Interaktion vs. Einweg–Kommunikation,

Speicherkapazität,

Schnelligkeit,

Anzahl der Kommunikationspartner,

Art der sozialen Beziehung (privat, offiziell, öffentlich; bekannt vs. anonym),

Prozesse der Textrezeption (z. B. fokussiert vs. nebenbei). (Habscheid 2009, S. 99)

Die hier aufgelisteten Merkmale erlauben nun eine Differenzierung zwischen einzelnen Kommunikationsformen, die auch in die Beschreibung von Textsorten/Gattungen eingehen können. So gilt für die oben bereits angesprochene Kommunikationsform E-Mail, dass sie produktions- und rezeptionsseitig technisch basiert ist, d. h. ein Medium benötigt wird (Computer, Tablets, Smartphones). Die Kommunikation ist schriftlich, asynchron, vergleichsweise schnell und erfolgt über eine bestimmte Distanz, wobei zwei oder mehrere Personen involviert sind, die wiederum – zumindest potentiell – in einen Dialog treten können (vgl. Habscheid 2009; Schmitz 2004). Die folgende Übersicht zeigt eine Variante einer solchen Systematisierung von Kommunikationsformen (aufgelistet in der linken Spalte) unter Verwendung der oben genannten Merkmale:←22 | 23→

Tab. 2: Sprachgebundene Kommunikationsformen (Schmitz 2015, S. 9)

image

←23 | 24→

Was wir an Tabelle 2 sehr gut erkennen können, sind die medialen Rahmenbedingungen, die jeweils die Kommunikationsform prägen. Völlig unberücksichtigt bleiben dabei die kulturellen und sozialen Faktoren, welche ihrerseits zur Herausbildung von Kommunikationsformen beitragen, andererseits durch diese aber auch beeinflusst werden. Dies ins Kalkül ziehend definiert Holly (2011, S. 155) Kommunikationsformen als „medial bedingte kulturelle Praktiken“:

Sie sind demnach die medial, historisch und kulturell verankerten kommunikativen Dispositive, die sich auf der Basis verfügbarer technischer Möglichkeiten und sozialer Bedürfnisse allmählich herausbilden und weiterentwickeln, bis sie – wie das Beispiel von ‚Brief‘ und ‚E-Mail‘ anschaulich macht – durch neue technische und soziale Entwicklungen obsolet oder so stark verändert werden, dass das Ergebnis als ‚neu‘ empfunden wird. (ebd.)

Kommunikationsformen sind also weder ausschließlich das Ergebnis technisch-medialer Entwicklungen noch resultieren sie allein aus kulturell-sozialen Bedürfnissen einer Sprachgemeinschaft.

3. Textsorten, kommunikative Gattungen, kommunikative Praktiken

Kommunikationsformen sind – wie wir oben am Beispiel der E-Mail gesehen haben – in kommunikativ-funktionaler Hinsicht nicht festgelegt. Dies ist der entscheidende Unterschied zu Textsorten, die „als konkrete Realisationsformen komplexer Muster sprachlicher Kommunikation“ (Brinker et al. 2014, S. 133) immer eine kommunikative Funktion (die Textfunktion) aufweisen. Die Mitglieder einer Sprachgemeinschaft verfügen über ein mehr oder weniger vages Textsortenwissen. Dieses versetzt sie in die Lage, aufgrund unterschiedlicher (funktionaler, thematischer, situativer) Musterhinweise zwischen verschiedenen Textsorten zu differenzieren, und zwar sowohl bei der Produktion als auch bei der Rezeption von Textexemplaren (vgl. Hausendorf/Kesselheim 2008, S. 171–185). Diese zumeist auf alltäglichen Erfahrungen basierenden Fähigkeiten sind geknüpft an das individuelle Wissen und somit von Individuum zu Individuum verschieden, je nachdem, mit welchen Textsorten man sich im Leben aktiv und/oder passiv auseinandersetzen muss. Letztlich ist es aber die (meist rezeptive) Textsortenkompetenz, die es uns ermöglicht, relativ problemlos gesellschaftlich relevante kommunikative Aufgaben zu bewältigen. Für das alltagsgestützte Textsortenwissen spricht nicht zuletzt, dass wir im Zusammenhang mit Geschriebenem mit Textsortennamen umzugehen wissen, dass wir also relativ zuverlässig sagen können: das ist eine Nachricht, das ist ein Horoskop, das ist ein Liebesbrief. Das ist keineswegs trivial, bedeutet es doch, dass wir über die Fähigkeit verfügen, „Text←24 | 25→exemplare unterschiedlicher Art zu identifizieren und auf sie situativ und sozial angemessen zu reagieren“ (Heinemann/Heinemann 2002, S. 141). Textsorten können somit gleichsam als „Basiseinheiten des Kommunizierens“ (ebd., S. 140) angesehen werden, die wir wie folgt definieren (zur den verschiedenen Ansätzen der Textsortenlinguistik, Definitionen und Klassifikationen vgl. Adamzik 2008; W. Heinemann 2000a; 2000b; M. Heinemann 2011):

Textsorten sind konventionell geltende Muster für komplexe sprachliche Handlungen und lassen sich als jeweils typische Verbindungen von kontextuellen (situativen), kommunikativ-funktionalen und strukturellen (grammatischen und thematischen) Merkmalen beschreiben. Sie haben sich in der Sprachgemeinschaft historisch entwickelt und gehören zum Alltagswissen der Sprachteilhaber; sie besitzen zwar eine normierende Wirkung, erleichtern aber zugleich den kommunikativen Umgang, indem sie den Kommunizierenden mehr oder weniger feste Orientierungen für die Produktion und Rezeption von Texten geben. (Brinker et al. 2014, S. 139)

Das hier vorgestellte Textsortenkonzept bezieht sich auf monologische (in der Regel schriftliche) Texte. Ausschlaggebend für die Zuordnung eines Textexemplars zu einer Textsorte ist in erster Linie das Kriterium der Textfunktion. Das Konzept der kommunikativen Gattung hingegen bezieht sich auf die dialogische Kommunikation. Im Zentrum steht die Analyse interaktiver Handlungen auf verschiedenen Strukturebenen, wobei das Zusammenspiel der dort auftretenden Merkmale über die Zugehörigkeit zu einer Gattung entscheidet. Ausgangspunkt der Gattungsforschung – vergleichbar mit dem Textsortenkonzept – ist die Erkenntnis, dass innerhalb kommunikativer Vorgänge sprachliche Strukturen in Teilen schon vorgegeben sind. So wird erklärbar, warum Interaktionen in verschiedenen Situationen keineswegs regellos und unsystematisch ablaufen, sondern sich die Handlungen der Interagierenden zu einem gewissen Teil an bestimmten Mustern ausrichten. Die Orientierung an vorgeprägten Formen und Strukturen, die in der Wissens- und Sprachsoziologie als kommunikative Gattungen (Luckmann 1986, S. 196) bezeichnet werden, dient dabei der „ ‚Lösung’ spezifisch kommunikativer Probleme im allgemeinen Zusammenhang gesellschaftlichen Handelns“ (ebd., S. 203), und zwar sowohl produktions- als auch rezeptionsseitig. Das Konzept der kommunikativen Gattungen basiert auf der Annahme, dass sich kommunikative Handlungen vor allem darin voneinander unterscheiden, dass sie entweder spontan vom Einzelnen produziert werden oder der Handelnde sich „in weitgehend voraussagbarer Typik an vorgefertigten Mustern ausrichtet und die Handlung in recht enger Anlehnung an diese Muster ausführt“ (ebd., S. 201). Gattungen sind jedoch keine festgesetzten Muster, welche die Sprecher nur „abzuarbeiten“ brauchen. Vielmehr stellen Gattungen nach Luckmann (1992)←25 | 26→

historisch und kulturell spezifische, gesellschaftlich verfestigte und formalisierte Lösungen kommunikativer Probleme dar, deren – von Gattung zu Gattung unterschiedlich ausgeprägte – Funktion in der Bewältigung, Vermittlung und Tradierung intersubjektiver Erfahrung in der Lebenswelt besteht. (zit. nach Günthner/Knoblauch 1994, S. 699)

Gattungen dienen also abhängig vom jeweiligen gesellschaftlich-kulturellen Kontext zur Lösung kommunikativer Probleme. Als Orientierungsrahmen entlasten und steuern sie kommunikative Handlungen situationsabhängig. Dabei schaffen sie sowohl für Produzentinnen bzw. Produzenten als auch für Rezipientinnen bzw. Rezipienten Bezugspunkte, auf die diese sich aufgrund ihrer erworbenen Erfahrungen stützen können. Entscheidend für die hier angesprochenen Produktions-, Rezeptions-, aber auch Interpretationsprozesse ist immer der konkrete Verwendungszusammenhang, in dem Gattungen als Lösungsmuster für spezifische kommunikative Handlungsprobleme fungieren. Kommunikative Gattungen werden nicht unter Hinzuziehung produktorientierter Analyse- und Beschreibungskategorien untersucht, sondern vielmehr wird ihre interaktive Dynamik und Prozessualität betont. Gattungen werden – und hier liegt der wesentliche Unterschied zu Textsorten – „als interaktiv erzeugte, dialogische Konstrukte im tatsächlichen Interaktionsprozeß und nicht etwa als statische, monologische Texte außerhalb des interaktiven und sozialen Kontextes, dem sie entstammen, untersucht“ (Günthner 1995, S. 208). Die Aussage zu den Texten und ihrer Analyse lässt sich in dieser Allgemeinheit freilich nicht halten, denn schon Gülich (1986, S. 19) hat darauf hingewiesen, „daß Textsorten bzw. Textsorten-Konzepte nicht ‚objektiv’ gegeben sind, sondern sich in der kommunikativen Interaktion konstituieren“. Doch nicht nur in diesem Punkt weisen die Begriffe Textsorte und kommunikative Gattung Gemeinsamkeiten auf, vielmehr besteht eine enge Verwandtschaft in folgenden Punkten (Stein 2011, S. 17–18; vgl. Habscheid 2009, S. 56; zu den Unterschieden vgl. Günthner 1995):

Verständnis als sozial verfestigte Handlungsmuster, an denen sich Sprachteilhaber für die Bewältigung spezifischer kommunikativer Aufgaben und Probleme orientieren.

Orientierungs- und Entlastungsfunktion für die Produktion und Rezeption kommunikativer Handlungen (was die Möglichkeit individueller Ausgestaltung nicht ausschließt).

Konventionalisiertheit, d. h. Bestandteil individueller und gesellschaftlicher Wissensvorräte (Teil des Interaktionswissens).

Kulturabhängigkeit/-geprägtheit (auch als Anstoß und Ausgangspunkt für interkulturelle Vergleiche).

Historizität (Ergebnis historischer Entwicklung und Gegenstand historischer Veränderung).

Intertextualität (intertextuelle Bezüge und die Erfassung von Dynamik und Flexibilität in der kommunikativen Praxis).←26 | 27→

Mehrdimensionalität, d. h. Zusammenwirken mehrerer Ebenen und Berücksichtigung sprachlicher und nicht-sprachlicher Merkmale. (Stein 2011, S. 17–18)

Betrachten wir abschließend die Strukturebenen und Beschreibungsdimensionen. Für die kommunikativen Gattungen unterscheiden Günthner/Knoblauch die Binnenstruktur, die situative Realisierungsebene sowie die Außenstruktur (vgl. Pappert 2003, S. 25–27; Stein 2011, S. 17; Habscheid 2009, S. 57). Diese sind auf ihre Entsprechungen zu den textsortenspezifischen Beschreibungsdimensionen zu prüfen.

Die Binnenstruktur

Auf dieser Ebene sind vor allem die verbalen und nonverbalen Elemente einzelner Redebeiträge zu beschreiben. Das Spektrum der Elemente reicht von prosodischen Mitteln, Aspekten der Stimmqualität sowie der Gestik und Mimik bis zu phonologischen Variationen, lexiko-semantischen Erscheinungen (bspw. Termini, Euphemismen) und morpho-syntaktischen Konstrukten. Zu den binnenstrukturellen Merkmalen gehören weiterhin die verwendeten Sprachvarietäten (Hochsprache, Dialekt, Soziolekt bzw. ein dem Situationstypus angepasstes Gesamtregister), stilistische und rhetorische Mittel (Wortstellungstypen, hyperbolische Ausdrucksweise, Metaphern) sowie „bereits verfestigte „ Klein’- und ‚Kleinstformen’ – wie verbale Stereotype, idiomatische Redewendungen, Gemeinplätze, Sprichwörter, formularische Ausdrücke, historisch tradierte Formeln“ (Günthner 1995, S. 201). Ferner zählen die ‚Interaktionsmodalität’ (hypothetisch, prospektiv etc.), die ‚Rahmung’ (Adressatenbezug, „recipient-design“) und ‚inhaltliche Verfestigungen’ (Themen und Themenbereiche, in denen bspw. bestimmte Agierende oder aber deren Handlungen immer wieder in den Mittelpunkt rücken) zur Binnenstruktur. Schließlich sind Aspekte der Zeitlichkeit und des Mediums zu berücksichtigen. So können Gattungen „in situ (d. h. im konkreten Interaktionszusammenhang) realisiert werden oder aber rekonstruiert sein“ (ebd., S. 202), und ihre Vermittlung geschieht entweder mündlich oder schriftlich, direkt oder medial vermittelt.5 Bei Mediengattungen wiederum unterscheidet man zwischen Live- und aufgezeichneten Übertragungen (zu Mediengattungen vgl. Ayaß 2011).

Da sich die Gattungen binnenstrukturell in ihrer Verfestigung unterscheiden, ist auch die Auswahl der Elemente auf dieser Ebene immer relativ zum Gesamtmuster zu sehen. Will man jedoch eine Gattung nachweisen, so deutet ein←27 | 28→ regelhaftes Auftreten spezieller Elemente zumindest darauf hin, dass die Interagierenden nicht wahllos und willkürlich handeln, sondern sich an bestimmten Mustern orientieren.

Der Binnenebene entsprächen folgende Beschreibungsdimensionen im Rahmen von Textsortenanalysen: Textsortenspezifische sprachliche (lexikalische/syntaktische) und stilistische Mittel, spezifische Formulierungsweisen; thematische Restriktionen, thematische Entfaltung inkl. Realisationsform (vgl. Brinker et al. 2014, S. 144–146).

Die situative Realisierungsebene6

Im Gegensatz zu den verfestigten „textinternen“ Elementen innerhalb der Binnenstruktur „gehören jene Phänomene, die den interaktiven Kontext des dialogischen Austauschs zwischen mehreren Interagierenden und die Sequentialität von Äußerungen betreffen, zur situativen Realisierungsebene kommunikativer Gattungen“ (Günthner 1995, S. 203). Die analytische Trennung von binnenstrukturellen Merkmalen – die, dessen ungeachtet, selbstverständlich auch interaktiv produziert werden – und Merkmalen dieser Ebene basiert auf der Annahme, dass Aspekte der interaktiven Aushandlungsprozesse spezifisch zur Erzeugung bestimmter Gattungen beitragen. Vor allem die Arbeiten der ethnomethodologischen Konversationsanalyse zur sequenziellen Organisation sprachlicher Handlungen stellen wichtige Einsichten zur Untersuchung dieser Ebene bereit, die unter dem Blickwinkel der konversationellen Merkmale kommunikativer Gattungen aufgegriffen werden. Hierzu gehören Erkenntnisse über das System des Sprecherwechsels,7 zu den Paarsequenzen (adjacency pairs), über die Präferenzorganisation (bevorzugte vs. nichtbevorzugte Redebeiträge)8 und die Beschreibung von Prä-, Post- und Einschubsequenzen.9

Ebenfalls zur situativen Realisierungsebene gehört das Äußerungsformat, welches anzeigt, „in welcher Beziehung die Sprechenden zu dem kommunizierten←28 | 29→ Sachverhalt bzw. den zitierten Figuren oder Charakteren stehen“ (Günthner 1995, S. 203). Auf diese Weise signalisieren die Sprecherinnen bzw. Sprecher, wessen Erfahrungen und Meinungen mitgeteilt werden, d. h., ob eigene Vorstellungen geäußert werden oder ob lediglich fremde Rede übermittelt wird. Weiterhin von Bedeutung ist der Teilnehmerstatus, denn er definiert die Beziehung der Interagierenden zueinander und zu ihren jeweiligen Beiträgen sowie die situativ bedingten Gesprächsrollen, und er gibt Aufschluss darüber, ob die Kommunizierenden „in formellen oder aber informell-intimen Sozialbeziehungen zueinander stehen“ (ebd., S. 204).

Die entscheidende Rolle auf dieser Ebene spielen demnach die interaktiven Verfahren (Brinker/Sager 2010) zur dialogischen Sinnkonstituierung.

Für die Textsortenbeschreibung relevant wären auf dieser Ebene Rollenkonstellationen abhängig vom Handlungsbereich bzw. die jeweils spezifische Produktions- und Rezeptionssituation.

Außenstruktur

Die Außenstruktur kommunikativer Gattungen, die ebenfalls einen gewissen Verbindlichkeitsgrad zeigt, bezieht sich auf den Zusammenhang von Gattungen und sozialen Milieus, ethnischen und kulturellen Gruppierungen, Geschlechterkonstellationen, Institutionen etc. (Günthner 1995, S. 204; Hervorhebung im Original)

Die auf dieser Ebene angesiedelten Merkmale können aufgrund der engen Verbindung zwischen konkreten Äußerungen und sozialen Verhältnissen für kommunikative Muster und Gattungen in hohem Maße prägend sein.

So treten beispielweise in sozialen Milieus sehr oft kommunikative Formen auf, die aufgrund der innerhalb dieser Milieus immer wiederkehrenden sozialen Veranstaltungen einen gewissen Verfestigungsgrad aufweisen und auf diese Weise der Herstellung bzw. Sicherung von Gruppenzugehörigkeit dienen (vgl. Günthner 1995, S. 204 f.). Die Bedeutung kommunikativer Gattungen und ihre damit verbundenen unterschiedlichen Funktionen wurden sowohl im Vergleich verschiedener ethnischer Milieus als auch im Hinblick auf geschlechtsbedingte Unterschiede untersucht. Zusammenfassend bezieht sich die Außenstruktur auf den Zusammenhang zwischen kommunikativem Inventar und Sozialstruktur, woraufhin wiederum Aussagen über die verschiedenen Kulturen der Gruppen möglich werden (vgl. Habscheid 2009, S. 57).

Textsortenspezifische Dimensionen sind hier v. a. die sozialen Zwecke bzw. die Textfunktion sowie alle kontextuellen Faktoren (Medien, Kommunikationsformen, Handlungsbereiche).←29 | 30→

Wie wir sehen, lassen sich die Konzepte auch auf den verschiedenen Beschreibungsebenen zusammenführen. Allerdings gibt es – neben der materiellen Textgestalt, die nur bei Texten in Erscheinung tritt (hierzu Fix 2008) – eben auch Unterschiede, die vor allem auf der situativen Realisierungsebene zu finden sind, mit der die Bedeutung der Interaktivität herausgestellt wird. Das betrifft nicht nur die interaktive Aushandlung, d. h. die wechselseitig-gemeinsame Äußerungs- und Textproduktion mit all ihren Konsequenzen, die sich bspw. auf die Themenentfaltung auswirken. Auch der zugrunde gelegte interaktive Kontextbegriff, der davon ausgeht, dass „die kontextuellen Bedingungen durch die sprachlichen Aktivitäten aller Interaktionspartner gemeinsam hervorgebracht werden“ (Stein 2011, S. 22), findet in der Textsortenanalyse kaum eine Entsprechung. Trotz der oben aufgezeigten Berührungspunkte scheint es also nicht gerechtfertigt, die Begriffe Textsorte und kommunikative Gattung gleichzusetzen (Dürscheid 2005). Doch nicht nur angesichts der zunehmenden Hybridisierung und Ausdifferenzierung von Textsorten, also der zu beobachtenden „Kombination und Verflechtung unterschiedlicher und teilweise widersprüchlicher Codes“ (Hauser/Luginbühl 2015, S. 8) und Aufspaltung etablierter Musterkonfigurationen (vgl. ebd., S. 11), beides verbunden mit intermedialen Übergängen, steht die Unterscheidung zwischen den beiden Begriffen auf dem Prüfstand. Vor allem die (multimodale und/oder quasi-synchrone) Kommunikation in den durch die neuen Medien hervorgebrachten Kommunikationsformen, in denen die Achse Mündlichkeit/Schriftlichkeit sowohl medial als auch konzeptionell keinen Sinn mehr zu machen scheint, erfordern ein Konzept, welches es ermöglicht, sowohl mündlich und schriftlich realisierte kommunikative Handlungen als auch multimodale Äußerungsformate zu berücksichtigen. Ein solches liegt mit dem Konzept der kommunikativen Praktiken vor:

Kommunikative Praktiken sind soziale Praktiken, Formen sozialer Praxis. Es handelt sich um gesellschaftlich herausgebildete konventionalisierte Verfahren zur Bearbeitung rekurrenter kommunikativer Zwecke. Jede Gesellschaft verfügt als Repertoire für die Verständigung über einen spezifischen Satz solcher kommunikativer Praktiken, der sich historisch herausgebildet hat. (…) Manche der kommunikativen Praktiken werden (im Rahmen unserer Kultur) nur mündlich ausgeführt (ein Schiff taufen), andere nur schriftlich (ein Protokoll verfassen), manche mündlich oder schriftlich (Klatsch) und manche sind spezifische Mischungen aus beiden Elementen.10 In zunehmend mehr kommunikative Praktiken sind (mit einem breiten Spektrum von Funktionen) technische Geräte eingebunden. (Fiehler et al. 2004, S. 16; Hervorhebungen und Fußnote im Original)←30 | 31→

Deutlich an dieser Definition wird, dass kommunikative Praktiken in ihrer Entstehung, in ihrer gesellschaftlichen Einbettung und in ihrer Kulturalität vergleichbar mit Textsorten und Gattungen sind. Sie werden zunehmend medial vermittelt, und sie sind gesprochen und/oder geschrieben. Unabhängig von der Realisationsform zeichnen sie sich durch folgende Eigenschaften aus, die hier abschließend aufgelistet werden (vgl. ebd., S. 99 ff.):

Kommunikative Praktiken sind Produkte einer historischen Entwicklung und stellen konventionalisierte Verfahren für die Bearbeitung rekurrenter gesellschaftlicher Aufgaben dar (Zweckbezogenheit und Vorgeformtheit).

Kommunikative Praktiken basieren auf einer Vielzahl von Regeln, die teils außersprachlicher, teils sprachlicher Natur sind.

Bei kommunikativen Praktiken handelt es sich nicht um analytisch gewonnene Einheiten, sondern um im Bewusstsein der Mitglieder einer Sprachgemeinschaft eigenständige kommunikative Einheiten, für die gesellschaftlich geteilte (jedoch nicht zwangsläufig trennscharfe) Bezeichnungen existieren und die in wissenschaftlichen Analyse- und Typologisierungskonzepten (Textsorten- oder Gattungskonzept) rekonstruiert werden.

Kommunikative Praktiken setzen zwei oder mehr Parteien voraus, die sich am Wissen über kommunikative Praktiken orientieren, um ein Handlungsmuster durchzuführen und ihre kommunikative Praxis produktiv und rezeptiv zu organisieren.

Kommunikative Praktiken werden durch die Bearbeitung eines spezifischen Satzes von Aufgaben – Aufgaben- und Handlungsschemata – realisiert.

Kommunikative Praktiken besitzen eine funktionale Orientierung, d. h. das Erreichen der kommunikativen Zwecke setzt die Bearbeitung einer spezifischen Abfolge voraus.

Kommunikative Praktiken zeichnen sich durch je spezifische Regeln auf den verschiedensten Ebenen aus: Begrifflichkeit, Syntax, Anredeformen, Sprecherwechsel, mögliche Themen, Stil.

Kommunikative Praktiken inklusive ihrer Regeln werden in unterschiedlichen Zusammenhängen gelernt: viele (v. a. schriftliche) in der Schule, aber auch in der Familie, in Peergroups etc.

4. Resümee

Im Konzept der kommunikativen Praktiken lassen sich Medium, Medialität und Multimodalität vereinen. Dabei ist die Wahl einer kommunikativen Praktik abhängig von der Situation und/oder dem Handlungsbereich. Dafür wiederum ha←31 | 32→ben sich je spezifische Kommunikationsformen etabliert, in deren Rahmen sich die kommunikativen Praktiken herausgebildet und verfestigt haben. Abhängig davon wiederum sind die zur Verfügung stehenden Zeichenressourcen.

Eine spezifische kommunikative Praktik wird in der Regel (immer?) mit einer typischen Auswahl von verbalen (Stile, Varietäten etc.), vokalen/graphemischen und damit paraverbalen (Intonation/Schriftart etc.) und/oder visuellen und damit nonverbalen Ausdrucksressourcen (Bilder, Gesten etc.) sowie extralinguistischen Merkmalen (z. B. Trägerflächen für Texte oder empraktisch relevante Artefakte etc.) realisiert, die die kommunikative Praktik in eben dem Maße erkennbar machen, wie sie sie zugleich vollziehen. (Janich/Birkner 2015, S. 198)

Und genau hier scheint mir der Anknüpfungspunkt für die Frage nach den Themenentfaltungsmustern. Diese, wie auch immer man sie konzipieren und bezeichnen mag, sind von einer Vielzahl von Bedingungen abhängig, die in der jeweiligen kommunikativen Praktik gleichsam zusammenfallen und die Wahl des thematischen Musters bzw. die Art der Themenentfaltung – mehr oder weniger restriktiv – vorherbestimmen. Sicherlich ist es möglich, anknüpfend an die bekannten Grundformen thematischer Entfaltung (Brinker et al. 2014) zu argumentieren, dass diese im Allgemeinen sowohl für monologische Texte als auch für dialogische Gespräche Geltung beanspruchen (Brinker/Sager 2010). Wenn man aber davon ausgeht, dass „die Themenentfaltung wesentlich durch kommunikative und situative Faktoren (wie Kommunikationsintention und Kommunikationszweck, Art der Partnerbeziehung, der Partnereinschätzung usw.) gesteuert wird, sind grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten der Entfaltung eines Themas gegeben“ (Brinker et al. 2014, S. 57). Hinzu tritt die immer weiter verbreiterte Multimodalität, durch die die traditionellen Vertextungsmuster teilweise aufgelöst werden. So substituieren bisweilen Bilder und Emoticons narrative, deskriptive oder argumentative Muster, und zwar auf sehr anschauliche Weise. Weiterhin ist davon auszugehen, dass – auch durch die elektronischen Medien – „sich Aspekte alltäglicher und institutioneller Kommunikation nicht nur vermischen (können), sondern dass eher von positions- und situationsspezifisch unterschiedlich (stark) institutionalisierten kommunikativen Verfahren auszugehen ist“ (Stein 2011, S. 9), die jeweils andere (Misch?)Formen thematischer Entfaltungen nach sich ziehen (können). Ganz zu schweigen von der Alltagskommunikation, für die eher als Regel denn als Ausnahme gilt, dass die Muster munter wechseln. So kann eine Argumentation exemplarisch durch eine narrative Sequenz gestützt werden, die wiederum einen deskriptiven Bericht hervorruft. Kurz: Es lassen sich kaum verallgemeinerbare Aussagen zur Abhängigkeit zwischen Themenentfaltung und medialer Realisierung – im Sinne von gesprochen vs. geschrieben – machen, da←32 | 33→ die Vielzahl anderer Faktoren die Beziehung oftmals überlagern. Entscheidender ist die zum Tragen kommende kommunikative Praktik mit all ihren medialen – jetzt im Sinne medialer Vermitteltheit – und sonstigen Möglichkeiten und Anforderungen. In einigen Fällen sind letztere sowie die verfolgten kommunikativen Ziele ausschlaggebend für die Entscheidung für ein bestimmtes Entfaltungsmuster – in solchen Fällen können wir von Verfestigung sprechen, denn andere Strategien wären eben nicht zielführend. Wie es jedoch in der Vielzahl der denkbaren Kommunikationsanlässe konkret gehandhabt wird, bleibt weitgehend verborgen. Hier werden erst umfangreiche empirische Untersuchungen zeigen können, ob und inwieweit Textentfaltungsmuster und bestimmte kommunikative Praktiken verlässlich korrespondieren.

Literatur

Adamzik, Kirsten (2004): Textlinguistik. Eine einführende Darstellung. Tübingen: Niemeyer.

Adamzik, Kirsten (2008): Textsorten und ihre Beschreibung. In: Janich, Nina (Hrsg.): Textlinguistik. 15 Einführungen. Tübingen: Narr. S. 145–175.

Androutsopoulos, Jannis (2007): Neue Medien – neue Schriftlichkeit? In: Holly, Werner/Ingwer Paul (Hrsg.): Medialität und Sprache. Mitteilungen des Germanistenverbandes, 54. Jahrgang, Heft 1/2007. Bielefeld: Aisthesis. S. 72–97.

Ayaß, Ruth (2011): Kommunikative Gattungen, mediale Gattungen. In: Habscheid, Stephan (Hrsg.): Textsorten, Handlungsmuster, Oberflächen. Linguistische Typologien der Kommunikation. Berlin: de Gruyter. S. 275–295.

Brinker, Klaus/Gerd Antos/Wolfgang Heinemann/Sven F. Sager (Hrsg.) (2000/2001): Text- und Gesprächslinguistik. Ein internationales Handbuch zeitgenössischer Forschung. 2 Bde. Berlin: de Gruyter.

Brinker, Klaus/Sven F. Sager (2010): Linguistische Gesprächsanalyse. Eine Einführung. [5., neu bearb. Aufl.] Berlin: Erich Schmidt.

Brinker, Klaus/Hermann Cölfen/Steffen Pappert (2014): Linguistische Textanalyse. Eine Einführung in Grundbegriffe und Methoden. [8. neu bearb. und erw. Aufl.] Berlin: Erich Schmidt.

Deppermann, Arnulf (1999): Gespräche analysieren. Eine Einführung in konversationsanalytische Methoden. Opladen: Leske & Budrich.

Dürscheid, Christa (2003): Medienkommunikation im Kontinuum von Mündlichkeit und Schriftlichkeit. Theoretische und empirische Probleme. In: Zeitschrift für Angewandte Linguistik 38. S. 37–56.

Dürscheid, Christa (2005): Medien, Kommunikationsformen, kommunikative Gattungen. In: Linguistik online 22, Heft 1, S. 3–16.←33 | 34→

Ermert, Karl (1979): Briefsorten. Untersuchungen zur Theorie und Empirie der Textklassifikation. Tübingen: Niemeyer.

Fiehler, Reinhard (2007): Gesprochene Sprache – ein „sperriger“ Gegenstand. In: Informationen Deutsch als Fremdsprache 34. S. 460–471.

Fiehler, Reinhard/Birgit Barden/Mechthild Elstermann/Barbara Kraft (2004): Eigenschaften gesprochener Sprache. Tübingen: Narr.

Fix, Ulla (2008): Nichtsprachliches als Textfaktor: Medialität, Materialität, Lokalität. In: Zeitschrift für germanistische Linguistik 36, 3. S. 343–354.

Gülich, Elisabeth (1986): Textsorten in der Kommunikationspraxis. In: Werner Kallmeyer (Hrsg.): Kommunikationstypologie: Handlungsmuster, Textsorten, Situationstypen. Jahrbuch des Instituts für deutsche Sprache 1985. Düsseldorf: Schwann. S. 15–46.

Günthner, Susanne (1995): Gattungen in der sozialen Praxis. Die Analyse ‚kommunikativer Gattungen‘ als Textsorten mündlicher Kommunikation. In: Deutsche Sprache 23. S. 193–218.

Günthner, Susanne (2000): Vorwurfsaktivitäten in der Alltagsinteraktion: grammatische, prosodische, rhetorisch-stilistische und interaktive Verfahren bei der Konstitution kommunikativer Muster und Gattungen. Tübingen: Niemeyer.

Günthner, Susanne/Hubert Knoblauch (1994) ‚Forms are the Food of Faith‘ – Gattungen als Muster kommunikativen Handelns. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 46, 4. S. 693–723.

Habscheid, Stephan (2000): ‚Medium‘ in der Pragmatik. Eine kritische Bestandsaufnahme. In: Deutsche Sprache 2. S. 126–143.

Habscheid, Stephan (2005): Das Internet – ein Massenmedium? In: Runkehl, Jens/Schlobinski, Peter/Siever, Torsten (Hrsg.): Websprache.net. Sprache und Kommunikation im Internet. Berlin: de Gruyter. S. 46–66.

Habscheid, Stephan (2009): Text und Diskurs. Paderborn: Fink.

Hartung, Martin/Deppermann, Arnulf (Hrsg.) (2013): Gesprochenes und Geschriebenes im Wandel der Zeit. Festschrift für Johannes Schwitalla. Mannheim: Verlag für Gesprächsforschung.

Hausendorf, Heiko/Wolfgang Kesselheim (2008): Textlinguistik fürs Examen. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Hauser, Stefan/Martin Luginbühl (2015): Hybridisierung und Ausdifferenzierung. Einführende begriffliche und theoretische Anmerkungen. In: Stefan Hauser/Martin Luginbühl (Hrsg.): Hybridisierung und Ausdifferenzierung. Kontrastive Perspektiven linguistischer Medienanalyse. Bern: Lang. S. 7–30.←34 | 35→

Heinemann, Margot (2011): Textlinguistische Typologisierungsansätze. In: Habscheid, Stephan (Hrsg.): Textsorten, Handlungsmuster, Oberflächen. Linguistische Typologien der Kommunikation. Berlin: de Gruyter. S. 257–274.

Heinemann, Margot/Wolfgang Heinemann (2002): Grundlagen der Textlinguistik. Interaktion – Text – Diskurs. Tübingen: Niemeyer.

Heinemann, Wolfgang (2000a): Textsorte – Textmuster – Texttyp. In: Brinker, Klaus/Gerd Antos/Wolfgang Heinemann/Sven F. Sager (Hrsg.): Text- und Gesprächslinguistik. Ein internationales Handbuch zeitgenössischer Forschung. 2 Bde. Berlin: de Gruyter. S. 507–523.

Heinemann, Wolfgang (2000b): Aspekte der Textsortendifferenzierung. In: Brinker, Klaus/Gerd Antos/Wolfgang Heinemann/Sven F. Sager (Hrsg.): Text- und Gesprächslinguistik. Ein internationales Handbuch zeitgenössischer Forschung. 2 Bde. Berlin: de Gruyter. S. 523–546.

Henne, Helmut/Helmut Rehbock (2001): Einführung in die Gesprächsanalyse. [4. Aufl.] Berlin: de Gruyter.

Holly, Werner (1997): Zur Rolle von Sprache in Medien. Semiotische und kommunikationsstrukturelle Grundlagen. In: Muttersprache 107 (1997). S. 64–75.

Holly, Werner (2011): Medien, Kommunikationsformen, Textsortenfamilien. In: Habscheid, Stephan (Hrsg.): Textsorten, Handlungsmuster, Oberflächen. Linguistische Typologien der Kommunikation. Berlin: de Gruyter. S. 144–163.

Imo, Wolfgang (2015): Vom Happen zum Häppchen... Die Präferenz für inkrementelle Äußerungsproduktion in internetbasierten Messengerdiensten. In: Networx 69, 1–35, http://www.mediensprache.net/de/networx/networx-69.aspx. Abgerufen am 21.01.2016

Jäger, Ludwig (2007): Medium Sprache. In: Holly, Werner/Paul, Ingwer (Hrsg.): Medialität und Sprache. Mitteilungen des Germanistenverbandes, 54. Jahrgang, Heft 1/2007. Bielefeld: Aisthesis. S. 8–24.

Jäger, Ludwig (2015): Medialität. In: Felder, Ekkehard/Gardt, Andreas (Hrsg.): Handbuch Sprache und Wissen. Berlin/Boston: de Gruyter. S. 106–122.

Janich, Nina/Birkner, Karin (2015): Text und Gespräch. In: Felder, Ekkehard/Gardt, Andreas (Hrsg.): Handbuch Sprache und Wissen. Berlin/Boston: de Gruyter. S. 195–220.

Koch, Peter/Oesterreicher, Wulf (1985): Sprache der Nähe – Sprache der Distanz. Mündlichkeit und Schriftlichkeit im Spannungsfeld von Sprachtheorie und Sprachgeschichte. In: Romanistisches Jahrbuch 36. S. 15–43.

Koch, Peter/Oesterreicher, Wulf (1994): Schriftlichkeit und Sprache. In: Günther, Hartmut/Ludwig, Otto (Hrsg.): Schrift und Schriftlichkeit. Ein interdisziplinäres Handbuch internationaler Forschung. 1. Halbband. Berlin: de Gruyter. S. 587–604.←35 | 36→

Koch, Peter/Oesterreicher, Wulf (2008): Mündlichkeit und Schriftlichkeit von Texten. In: Janich, Nina (Hrsg.): Textlinguistik. 15 Einführungen. Tübingen: Narr. S. 199–215.

Levinson, Stephen C. (1990): Pragmatik. Tübingen: Niemeyer.

Luckmann, Thomas (1986): Grundformen der gesellschaftlichen Vermittlung des Wissens: Kommunikative Gattungen. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 27. S. 191–211.

Luckmann, Thomas (1992): Einleitung zu „Rekonstruktive Gattungen“. Manuskript, Konstanz.

Pappert, Steffen (2003): Politische Sprachspiele in der DDR: Kommunikative Entdifferenzierungsprozesse und ihre Auswirkungen auf den öffentlichen Sprachgebrauch. Frankfurt am Main: Lang

Posner, Roland (1985): Nonverbale Zeichen in öffentlicher Kommunikation. Zur Geschichte und zum Gebrauch der Begriffe ‚verbal‘ und ‚nonverbal‘, ‚Interaktion‘ und ‚Kommunikation‘, ‚Publikum‘ und ‚Öffentlichkeit‘, ‚Medium‘, Massenmedium‘ und ‚multimedial‘. In: Zeitschrift für Semiotik 7. S. 235–271.

Posner, Roland (1986): Zur Systematik der Beschreibung verbaler und nonverbaler Kommunikation: Semiotik als Propädeutik der Medienanalyse. In: Hans-Georg Bosshardt (Hrsg.): Perspektiven auf Sprache: Interdisziplinäre Beiträge zum Gedenken an Hans Hörmann. Berlin: de Gruyter. S. 267–313.

Sacks, Harvey/Emanuel A. Schegloff/Gail Jefferson (1974): A simplest systematics for the organization of turn-taking in conversation. In: Language 50 (4), 696–735.

Schmitz, Ulrich (2004): Sprache in modernen Medien. Einführung in Tatsachen und Theorien, Themen und Thesen. Berlin: Erich Schmidt.

Schmitz, Ulrich (2010): Schrift an Bild im World Wide Web. Articulirte Pixel und die schweifende Unbestimmtheit des Vorstellens. In: Arnulf Deppermann/Angelika Linke (Hrsg.): Sprache intermedial. Stimme und Schrift, Bild und Ton. Jahrbuch des Instituts für Deutsche Sprache 2009. Berlin: de Gruyter. S. 383–418.

Schmitz, Ulrich (2015): Einführung in die Medienlinguistik. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.

Schneider, Jan Georg (2006): Gibt es nicht-mediale Kommunikation? In: Zeitschrift für Angewandte Linguistik (2006) H. 44. S. 71–90.

Schneider, Jan Georg (2008): Spielräume der Medialität. Linguistische Gegenstandskonstitution aus medientheoretischer und pragmatischer Perspektive. Berlin: de Gruyter.←36 | 37→

Schütz, Alfred/Thomas Luckmann (1979): Strukturen der Lebenswelt. Band 1. Frankfurt am Main: UTB.

Schwitalla, Johannes (2012): Gesprochenes Deutsch. Eine Einführung. [4., neu bearb. und erw. Aufl.] Berlin: Erich Schmidt.

Stein, Stephan (2004): Texte, Textsorten und Textvernetzung. Über den Nutzen der Textlinguistik (nicht nur) für die Fremdsprachendidaktik. In: Beiträge zur Fremdsprachenvermittlung, Sonderheft 7. S. 171–222.

Stein, Stephan (2011): Kommunikative Praktiken, kommunikative Gattungen und Textsorten. Konzepte und Methoden für die Untersuchung mündlicher und schriftlicher Kommunikation im Vergleich. In: Birkner, Karin/Meer, Dorothee (Hrsg.): Institutionalisierter Alltag: Mündlichkeit und Schriftlichkeit in unterschiedlichen Praxisfeldern. Mannheim: Verlag für Gesprächsforschung. S. 8–27.

Thaler, Verena (2007): Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Synchronizität. Eine Analyse alter und neuer Konzepte zur Klassifizierung neuer Kommunikationsformen. In: Zeitschrift für Germanistische Linguistik 35. S. 147–182.←37 | 38→ ←38 | 39→


1 Dies ist freilich eine sehr enge Sichtweise, da sie – zumindest auf dem ersten Blick – lediglich sprachliche Zeichen berücksichtigt. Hinzu treten „alle Gestalten welcher modalen Art auch immer, denen Bedeutung zugeschrieben wird“, wobei Modus als „die sinnliche Gestalt, in der Zeichen übermittelt werden“ zu verstehen ist, also als „einer der fünf Kommunikationsträger gesprochene und geschriebene Sprache, stehendes und bewegtes Bild sowie Audio (incl. Musik und Geräusch)“ (Schmitz 2015, S. 11).

2 Für beide gibt es mittlerweile einschlägige Einführungs- und Übersichtswerke (für die Textlinguistik u. a. Brinker et al. 2014, Adamzik 2004, Hausendorf/Kesselheim 2008; für die Gesprächslinguistik u. a. Brinker/Sager 2010, Deppermann 1999, Henne/Rehbock 2001; zur gesprochenen Sprache Fiehler et al. 2004, Schwitalla 2012; zu Text und Gespräch Brinker et al. 2000/2001, Hartung/Deppermann 2013).

3 Habscheid (2009) zählt konzeptionelle Mündlichkeit/Schriftlichkeit zu den Stilen, die wiederum den „stilistischen Medien“ zuzurechnen sind, was in etwa der kodebezogenen Medienkonzeption (s. o.) entspricht.

4 Die – auch im Sinne eines weiten Medienbegriffs – gleichwohl eine ‚vermittelte‘ ist (vgl. Schütz/Luckmann 1979, S. 92).

5 Dürscheid (2005, S. 9) macht darauf aufmerksam, dass hier zwischen der Medialität (Mündlichkeit/Schriftlichkeit), die zweifellos zur Binnenstruktur zu zählen sei, und der medialen Vermittlung differenziert werden muss. Letztere nämlich bildet „den Rahmen, in dem sich die Interaktion vollzieht [und] gehört daher zur außenstrukturellen Ebene“.

6 Günthner (2000) hebt den interaktiven Konstruktionsprozess hervor und bezeichnet im Unterschied zu ihrem 1995 erschienenen Aufsatz diese Ebene als ‚Interaktionsebene’.

7 Zur Organisation des Redewechsels vgl. Sacks et al. (1974).

8 „Während jedoch die Konversationsanalyse von ‚Strukturzwängen’ hinsichtlich der Präferenzorganisation ausgeht, denen die Interagierenden situationsübergreifend ausgeliefert sind, betrachten wir Präferenzstrukturen als interaktive Organisationsstrategien, die die Teilnehmenden verwenden, um bestimmte kommunikative Kontexte und Vorgänge herzustellen“ (Günthner/Knoblauch 1994, 709).

9 Einen Überblick zu den betreffenden Arbeiten der Konversationsanalyse gibt bspw. Levinson (1990, Kap. 6).

10 So wird z. B. bei der Praktik ‚ein Urteil sprechen‘ diese auf der Grundlage eines mehr oder weniger ausformulierten schriftlichen Textes zunächst mündlich verkündet und dann endgültig schriftlich niedergelegt.