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Evolutionär orientierte Bioethik im Zeitalter der Life-Sciences

Einführung in die nichtmedizinische Bioethik aus hermeneutisch-phänomenologischer Perspektive

Bernhard Irrgang

Der Autor entwirft einerseits eine Bioethik für den nichtmenschlichen Bereich, die die naturwissenschaftliche Zugangsweise der Evolutionsforschung insbesondere ethologischer Art (Verhaltensforschung) mit der molekularbiologischen Rekonstruktion des Lebendigen verbindet. Er konkretisiert andererseits den Gerechtigkeitsgrundsatz einer Gleichbehandlung unter vergleichbaren Umständen. Dies geschieht mithilfe des empirisch modellierbaren Kriteriums anwachsender Komplexität der Möglichkeiten von Lebewesen zu intelligentem Sozialverhalten. Damit setzt er sich von den bisherigen utilitaristischen und anthropomorphen Kriterien wie Schmerzempfindungsfähigkeit, Glück, Lebenswillen, Interessen oder Tierwürde ab.

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3. Der technische Eingriff in die belebte Natur: Aspekte einer Ethik der Life-Sciences und das Leitbild der Nachhaltigkeit in der Umweltethik

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3.  Der technische Eingriff in die belebte Natur: Aspekte einer Ethik der Life-Sciences und das Leitbild der Nachhaltigkeit in der Umweltethik

Charakteristisch für die Gentechnik und als völlig neue Qualität im Umgang mit der Natur und der Eingriffstiefe in sie galt der artüberschreitende Gentransfer, der in den ersten 40 Jahren dieser neuen Technologie auch noch ungezielt und mit mehr oder weniger mäßigem Erfolg an die richtige Stelle gebracht werden konnte. Dies scheint sich nun durch eine neue Technik des Gentransfers erheblich verbessern zu können, was eine entspanntere theoretische Einstellung zu diesen an neuen Praktiken der Molekular-Biologie herbeiführen könnte. Bereits vor 20 Jahren habe ich in meiner Habilitationsschrift „Forschungsethik Gentechnik und neue Biotechnologie. Entwurf einer anwendungsorientierten Wissenschaftsethik unter besonderer Berücksichtigung von gentechnologischen Projekten an Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen“ ein grundsätzliches ethisches Bewertungsschema für Methoden und Projekte der Gentechnologie entworfen. Das Methodenarsenal, für das die TAL-Cut- Technologie jetzt eingesetzt werden soll, wurde von mir damals für die ethische Bewertung der Gentechnologie als besonders dringlich und wichtig herausgestellt. Ich möchte darauf hinweisen, dass ich den methodischen und ethischen Wert dieser Forderung bereits herausgearbeitet hatte, als gezielte Mutagenese noch ein Wunschtraum und nicht realisierbar war. Folgenden Kernsatz möchte ich hier zitieren: „Damit lässt sich eine erste ethische Handlungs-Regel für gentechnische Eingriffe in der Natur formulieren: gezielte Mutagenese ist der ungezielten vorzuziehen, wenn dadurch die Prognostizierbarkeit des folgenden Gentransfers für den...

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