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Evolutionär orientierte Bioethik im Zeitalter der Life-Sciences

Einführung in die nichtmedizinische Bioethik aus hermeneutisch-phänomenologischer Perspektive

Bernhard Irrgang

Der Autor entwirft einerseits eine Bioethik für den nichtmenschlichen Bereich, die die naturwissenschaftliche Zugangsweise der Evolutionsforschung insbesondere ethologischer Art (Verhaltensforschung) mit der molekularbiologischen Rekonstruktion des Lebendigen verbindet. Er konkretisiert andererseits den Gerechtigkeitsgrundsatz einer Gleichbehandlung unter vergleichbaren Umständen. Dies geschieht mithilfe des empirisch modellierbaren Kriteriums anwachsender Komplexität der Möglichkeiten von Lebewesen zu intelligentem Sozialverhalten. Damit setzt er sich von den bisherigen utilitaristischen und anthropomorphen Kriterien wie Schmerzempfindungsfähigkeit, Glück, Lebenswillen, Interessen oder Tierwürde ab.

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Vorwort

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Knapp 25 Jahre nach der Verabschiedung von HUGO, dem Human Genome Project der EU in Brüssel Anfang der Neunzigerjahre des letzten Jahrhunderts, an dem ich als ethischer Fachvertreter maßgeblich im Ausschuss ESLA (Ethical, social. legal aspects) beteiligt war, können wir heute besser übersehen, was damals noch unklar war. Dieses Megaprojekt molekularbiologischer Forschung hat uns zwar auf breiter Front noch nicht die praktischen Folgen gebracht, welche uns versprochen oder auch befürchtet worden waren, sondern vielmehr hat das Schlüsselprojekt der Genom-Forschung für die moderne Biologie und Anthropologie umfassende neue Erkenntnisse erarbeitet, die sich auch in der ethischen Beurteilung niederschlagen sollten. Das zweite Großereignis war das Klonen des Schafes Dolly durch Jan Wilmut. Ich möchte daher als Summe meiner Arbeit an der Bioethik hier einen kleinen Entwurf einer zeitgemäßen Bioethik präsentieren, die nicht Ethik dogmatisch voranstellt, sondern aus einer Reflexion der Biologie auf der Basis der Genom-Forschung heraus erwachsen lässt.

In der technologischen wie in der wissenschaftlichen Forschungspraxis verflüchtigt sich der Gegensatz von natürlich und künstlich, von Natur und Technik immer mehr, während er in der ethischen Diskussion immer emphatischer herangezogen wird. Die hier entworfene Bioethik verdankt sich dem Paradox der Life-Sciences: Das Natürliche und das Lebendige wird am effizientesten mit modernster Techno-Science erforscht und verstanden. Der erfolgreiche technische Zugang zum Lebendigen wie zum Organismus und seiner Organisation sind wesentlicher Ausgangspunkt auch für die Analyse der sittlichen Dimensionen der Erkenntnis des Lebendigen...

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