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Danzig/Gdańsk als Erinnerungsort

Auf der Suche nach der Identität im Werk von Günter Grass, Stefan Chwin und Paweł Huelle

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Joanna Bednarska-Kociołek

Danzig/Gdańsk war im 20. Jahrhundert mehrmals Schauplatz der Weltgeschichte: Hier brach der Zweite Weltkrieg aus und hier entstand die polnische Gewerkschaft ‚Solidarnos´c´’. Die Autorin untersucht das literarische Bild der Stadt als doppelten Erinnerungsort bei Günter Grass, Stefan Chwin und Paweł Huelle. Vergleichend arbeitet sie heraus, wie die Schriftsteller die kulturelle Diversität der Stadt vor dem historischen Hintergrund ästhetisch zum Ausdruck bringen und die identitätsstiftende Funktion Danzigs/Gdańsks literarisch diskutieren.

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V. Stefan Chwin – Die Metamorphose der Stadt

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Der Großteil des Werkes von Stefan Chwin spielt in Danzig / Gdańsk, wobei die Stadt nicht nur den Hintergrund für die Handlung bildet, sondern ein Ort ist, der, gleich der literarischen Welt, in seiner Hybridität keine einheitliche Identität aufweist. Es ist ein Ort, an dem sich das Gute und Böse, das Schöne und Hässliche, das Harmonische und Nicht-Harmonische treffen. Zugleich muss betont werden, dass das Danzig-Bild im Werk von Chwin nicht konstant bleibt. In der Kurzen Geschichte eines gewissen Scherzes ist dieses Bild sehr realistisch. Tod in Danzig ist ein Spiel mit der Einbildungskraft; in den Büchern Der goldene Pelikan und Dolina Radości (Freudental) ist die realistische Topografie der Stadt nicht mehr zentral, allerdings weiterhin präsent598. Für die Darstellung des Ortes ist der Fremdheitsdiskurs fundamental wichtig. Chwin schafft seine eigene Version der Stadtgeschichte, indem er ähnlich wie Grass oder Huelle auf die Geschichte der Stadt, auf Legenden oder frühere literarische Texte anspielt.

Chwin, der zweifellos zu den Schöpfern der literarischen Mythos-Stadt Danzig / Gdańsk gehört, glaubt allerdings nicht an die Existenz jenes Phänomens, das als Gdańskość (Danzigtum) bezeichnet wird. Alfred Sproede behauptet, bei Chwin werde die Stadt Danzig zu einem fast mythischen Gelände. Diese Transformation gelinge Chwin vor allem dadurch, dass Dingbedeutungen und Namen sujetbildend geworden seien599. Der Autor sei sich – so Sproede – dessen bewusst, dass das Weiterleben verloren gegangener Gebiete wie Danzig nur in der Kunst...

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