Show Less
Restricted access

Deutungsspielräume

Mehrdeutigkeit als kulturelles Phänomen

Series:

Edited By Nicolas Potysch and Matthias Bauer

Dieser Band ist aus einer interdisziplinären Ringvorlesung hervorgegangen, die von den Doktorandinnen und Doktoranden des Tübinger Graduiertenkollegs „Ambiguität: Produktion und Rezeption", federführend Nicolas Potysch und Sophia Kuhs, initiiert und geplant wurde. In den Beiträgen aus 12 verschiedenen Fachgebieten geht es darum, wie sprachliche und semiotische Mehrdeutigkeit an die Deutung der Wirklichkeit rückgebunden ist. Die Beiträge untersuchen Ambiguität (als Mehrzahl abgrenzbarer Bedeutungen) und Vagheit (als Spektrum nicht abgrenzbarer Bedeutungen) in Texten und Bildern. In Verbindung damit diskutieren sie zahlreiche Phänomene in kultureller, politischer, juristischer, psychologischer und didaktischer Praxis, die deutungsoffen und deutungsbedürftig sind.

Show Summary Details
Restricted access

Casting the Bones – Ambiguität und Transrationalität in kultureller und wissenschaftlicher Praxis

Extract



Abstract

Casting the bones is a method for diagnosing patients utilised by traditional healers in Botswana. It employs ambiguous structures of meaning in order to analyse individual life situations. This article introduces a notion of transrationality as a way of inference which is not based on logical certainty, but cannot be regarded as being irrational either. Transrational reasoning is based on the experience that it can be useful to at least temporarily ignore the demands of theoretical rationality or formal scientificity. Transrational elements can be found in many cultural traditions, but also in scientific praxis.

Zusammenfassung

Casting the bones ist eine Diagnosetechnik traditioneller Heiler in Botswana, die mit ambigen Bedeutungsstrukturen arbeitet, um individuelle Problemlagen zu analysieren. Der Artikel analysiert diese Kulturtechnik und zeigt den Wert, der durch deren transrationale Vorgehensweise entsteht. Transrationalität ist eine Art zu Schlüssen zu gelangen, die nicht auf logischer Folgerichtigkeit beruht, aber auch nicht irrational ist. Transrationales Denken beruht auf der Erfahrung, dass es wertvoll sein kann, die Ansprüche theoretischer Rationalität oder formaler Wissenschaftlichkeit – zumindest zeitweise – beiseitezulegen. Transrationale Momente finden sich in vielen kulturellen Traditionen, aber auch in der wissenschaftlichen Praxis.

1.  Einleitung

Ein Kennzeichen des Systems ‚Wissenschaft‘ ist deren Anspruch auf Eindeutigkeit ihrer Begriffe. Definitionen werden erarbeitet, um diese in einem Theoriekontext verbindlich zu machen. In der gesellschaftlichen Praxis lassen sich klare Begriffsdefinitionen und feste Bedeutungssysteme dagegen nicht identifizieren. Das alltägliche Leben ist mehr durch Ambiguität denn...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.