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Das Frankoprovenzalische in Italien, Frankreich und der Schweiz

Sprachkontakt und Mehrsprachigkeit im Dreiländereck

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Heike Susanne Jauch

Das Aostatal, das Wallis und Savoyen sind nicht nur Teil des domaine francoprovençal, sondern sie verbindet auch eine gemeinsame Geschichte und Sprache: das Frankoprovenzalische. Die Studie untersucht den Sprachkontakt Frankoprovenzalisch–Italienisch–Französisch, für den sich nicht mehr von einer Diglossie sprechen lässt, sondern von einer Pluriglossie. Es handelt sich um eine vertikale und konvergente Sprachkontaktsituation. Die Autorin beschreibt die Sprachdynamik zwischen den drei Sprachen sowie den Status und die Vitalität des Frankoprovenzalischen anhand einer auf den Konzepten E. Coserius und Th. Stehls sowie auf empirischen Daten basierenden Analyse. Die empirischen Daten kategorisiert und analysiert sie mittels der Beschreibungsebenen Kompetenz der Variation, Pragmatik der Variation und Linguistik der Variation.

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8. Einschätzung der Experten zur Sprachsituation im Aostatal, in Savoyen/Haute-Savoie und im Wallis

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8.   Einschätzung der Experten zur Sprachsituation im Aostatal, in Savoyen/Haute-Savoie und im Wallis

Die nachfolgenden vier Unterkapitel geben die Einschätzungen der Experten Saverio Favre (Aostatal/Italien), Alexis Bétemps (Aostatal/Italien), Federica Diémoz (Wallis/Schweiz) und Hubert Bessat (Savoyen und Haute-Savoie/Frankreich) wieder, um ihre Meinungen der Aussagen und Einschätzungen der normalen Bevölkerung (d. h. ohne linguistisches Wissen) gegenüberstellen zu können. Die Darstellung der Experteninterviews erfolgt in paraphrasierter Weise, jedoch wurden gewisse Auszüge aufgrund ihrer hohen Aussagekraft wortwörtlich transkribiert.

8.1   Saverio Favre und seine Einschätzung zur aktuellen Sprachsituation

Saverio Favre, im Jahr 1954 geboren, stammt aus Ayas im Aostatal. Das FP bzw. seinen patois, den er als erste Sprache (L1) erlernt hat, bekam er von seiner Familie übermittelt, insbesondere von seinem Vater, seiner Mutter und von zwei Onkeln seines Vaters, die in den Jahren 1878 und 1879 geboren wurden und somit ein sehr archaisches, sehr reines und vor allem interferenzfreies FP sprachen, da zu dieser Zeit das Italienische noch nicht sehr dominant im Aostatal war. Dieses reine bzw. interferenzfreie FP wurde an ihn weitergegeben, und auch andere Familienmitglieder konnten das FP so erlernen. Italienisch hat er als zweite Sprache (L2) erlernt, und das Französische kam schließlich in der Schule hinzu: Bereits in den ersten drei Schuljahren fand sein Unterricht vormittags in italienischer Sprache und nachmittags in französischer Sprache statt. FP sprachen die Kinder in den Pausen untereinander und natürlich nach...

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