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Veränderung und Innovativität in der deutschen Kreditwirtschaft

Eine institutionenökonomische Analyse im Kontext der Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Series:

Tanja Leicht

Die Autorin prüft, wie gut die deutsche Kreditwirtschaft die Herausforderungen des demographischen Wandels bewältigt. Die veränderte Altersstruktur und neue Kundenbedürfnisse bedingen eine unternehmerische Anpassungsfähigkeit der Kreditinstitute. Die empirische Untersuchung beschäftigt sich mit der Innovativität des dreigliedrigen Bankensystems explizit im Bereich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Erstmals stellt die Autorin nach Bankengruppen differenzierte und vergleichbare Ergebnisse im konkreten Umgang mit dieser Veränderung auf. Sie klärt, welche Bankengruppen günstigere strukturelle Voraussetzungen für Unternehmensveränderungen haben und welche Sektoren der Kreditinstitute bei der Bewältigung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie bereits erfolgreicher und innovativer sind. Die Ergebnisse liefern einen Überblick über die Unterschiede zwischen den Bankengruppen und können als Basis zur Planung künftiger Veränderungsprozesse genutzt werden.

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Teil III: Empirische Untersuchung

Teil III:   Empirische Untersuchung

Der nachfolgende Teil III der Arbeit beinhaltet die empirische Überprüfung der in Abschnitt 6.2 aufgestellten Hypothesen und die anschließende Beantwortung der Forschungsfrage.

Hierzu wird zunächst in Abschnitt 7 das Untersuchungsdesign beschrieben. Inhalte sind die Darstellung der in der Arbeit angewendeten Methodik zur Hypothesenüberprüfung, die Erläuterungen zur Auswertung und die Beschreibung der Stichprobe.

In Abschnitt 8 erfolgt die Beschreibung der Ergebnisse der statistischen Auswertung forschungsrelevanter Zusammenhänge und Unterschiede. In Abschnitt 8.1 werden zunächst die Indikatoren für Unternehmensveränderung analysiert. Hierauf folgt die Beschreibung der empirischen Ergebnisse der Situationsvariablen „Größe“ und „Rechtsform“ der Kreditinstitute (Abschnitt 8.2). Im Anschluss werden in Abschnitt 8.3 die statistisch ausgewerteten Ergebnisse der Strukturmerkmale berichtet. Die Beschreibung der Überprüfung der Indikatoren zur Umsetzung einer Vereinbarkeit von Beruf und Familie findet in Abschnitt 8.4 statt.

In Abschnitt 9 der vorliegenden Arbeit erfolgt die Diskussion der Ergebnisse der vorausgegangenen statistischen Auswertung. Der Abschnitt schließt mit den Implikationen für künftige Forschungsarbeiten.

7   Methodik und Untersuchungsdesign

Die Beschreibung des empirischen Teils beginnt mit dem Aufbau der Untersuchung (schriftliche Befragung und Pretest), gefolgt von Erläuterungen zur Auswertung sowie der Auswahl der Befragungsteilnehmer. Die Erläuterungen zur Auswertung bedienen sich der Methoden der empirischen Sozialforschung.

7.1   Schriftliche Befragung und Pretest

Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurde als quantitatives Erhebungsinstrument ein web-basierter „standardisierter Fragebogen“, bestehend aus 24 geschlossenen und 2 offenen Fragestellungen eingesetzt (Anhang). Die schriftliche Befragung hat für die empirische Untersuchung eine elementare Bedeutung, da sie der Gruppe der Befragten Offenheit und Anonymität in der Beantwortung hinsichtlich der eigenen Arbeitssituation und des Umfeldes bietet (Schröder, 2003). ← 137 | 138 → Die Fragen wurden theoriegeleitet entwickelt. Der Fragebogen wurde vor dem Versand zudem technisch getestet.

Die Durchführung der Online-Befragung teilte sich in zwei Phasen: den Pretest und die eigentliche Teilnehmerbefragung. Die erste Version des Fragebogens wurde im Zuge des Pretests von 11 Personen getestet. Diese setzten sich aus Führungskräften von Kreditinstituten verschiedener Fachbereiche, Wissenschaftlern aus den Sozialwissenschaften und Personen ohne Vorkenntnisse des Themengebietes zusammen. In diesem Test standen die technische Funktionalität des Fragebogens, die Qualität, die Verständlichkeit der Fragen und die zur Verfügung stehenden Antwortmöglichkeiten im Fokus. Grundlegende Änderungen mussten nicht vorgenommen werden. Nach Einarbeitung der Rückmeldungen154 erfolgte der Versand des Fragebogens mittels eines in einer Email enthaltenen personalisierten Links zum Fragebogen an die Umfrageteilnehmer. Die Email enthielt Eingangs ein Anschreiben mit persönlicher Anrede, in welchem u. a. auf den Zweck der Erhebung hingewiesen wurde. Weiterhin wurden die angeschriebenen Personen informiert, dass sie persönlich entweder als Teilnehmer des Netzwerkes Vereinbarkeit von Beruf und Familie, als Zertifikatsträger des Audits Beruf und Familie, oder als Mitarbeiter einer Kreditbank ausgewählt wurden, an der Befragung teilzunehmen. In dem Anschreiben wurde die Autorin namentlich aufgeführt, um für eventuelle Verständnisfragen zur Verfügung stehen zu können. Eine personalisierte Erinnerungsmail wurde nach ungefähr 3 Wochen an alle Befragten versendet, die bis dahin den Fragebogen noch nicht beantwortet, oder ihre Teilnahme nicht ausdrücklich abgelehnt hatten. Die Beantwortung des Fragebogens erfolgte anonymisiert.

7.2   Erläuterung zur Auswertung

Nach Abschluss der Befragung wurden die Ergebnisse zur Auswertung aus dem Umfragetool in das Statistikprogramm Stata exportiert. Die Anzahl der vollständig ausgefüllten Fragebögen betrug am 11.12.2014 insgesamt 94. Die Variablen wurden kodiert und auf Basis einer Plausibilitätsprüfung bereinigt. Sämtliche Auswertungen wurden mit Hilfe von Stata durchgeführt. Die Graphiken wurden mit Stata und Microsoft Excel erstellt.

Die Auswertung der ausgefüllten Fragebögen erfolgt sowohl deskriptiv, als auch analytisch-induktiv. Deskriptive Methoden sind die Grundlage anknüpfender induktiver Methoden (Töpfer, 2010). Die deskriptive Statistik hat das Ziel, ← 138 | 139 → erhobene Daten übersichtlich zu gestalten (Mayer, 2002). Dies geschieht mittels Häufigkeitsverteilungen. Diese werden zusätzlich zu einer Beschreibung grafisch dargestellt, sofern sie einen Beitrag zur Veranschaulichung der Ergebnisse leisten. Die Häufigkeitsverteilung kann relativ oder absolut dargestellt werden (Atteslander, 2003). Sie „umfasst die Beschreibung von Verteilungen und Zusammenhängen“ (Mayer, 2002, S. 111) der Forschungsdaten. Da eine relative Darstellung in Form von Prozentsätzen übersichtlicher ist, werden die Ergebnisse in dieser Arbeit teilweise prozentual wiedergegeben. Auffällige Zusammenhänge im Kontext der Themenkomplexe werden zusätzlich beschrieben.

Mittels induktiver (beurteilender) Verfahren werden „die Gewinnung von Erkenntnissen zu den Verhältnissen in der zu Grunde liegenden Grundgesamtheit [...] angestrebt bzw. Hypothesentests durchgeführt“ (Töpfer, 2010, S. 235). Die induktiven Verfahren werden auch als „Signifikanz testende Verfahren“ (Töpfer, 2010, S. 236) (Inferenzstatistik) bezeichnet, welche auf Basis der Stichprobe versuchen, Rückschlüsse auf die Grundgesamtheit zu ziehen. Dabei wurde zum Teil auf statistische Verfahren wie die Korrelationsanalyse oder Varianzanalyse zurückgegriffen. Vertiefende Beschreibungen der angewandten statistischen Verfahren, sowie der Gültigkeitsprüfungen sind bei Töpfer (2010), Cleff (2011) und Müller-Benedict (2011) zu finden.

Zur Analyse von Unterschieden zwischen Gruppen wird der Einfluss einer einzelnen kategorialen Variablen (UV) auf eine intervallskalierte Variable (AV) mittels einer Varianzanalyse getestet. Hierbei werden die Mittelwertsunterschiede der abhängigen Variablen zwischen den Gruppen der unabhängigen Variablen verglichen. In der vorliegenden Arbeit sind die Stichproben unabhängig und es wird der Einfluss von nur einem Faktor auf die abhängige Variable untersucht. Daher wird eine einfaktorielle Varianzanalyse (ANOVA) berechnet.155 Diese prüft, ob der Unterschied zwischen mindestens einer der verglichenen Gruppen signifikant ist. Die Standardabweichung (SD) gibt dabei die Streubreite der Werte um den Mittelwert (M) an. Zur Prüfung, zwischen welchen Vergleichsgruppen signifikante Unterschiede bestehen, werden post-hoc t-Tests zum paarweisen Vergleich der Mittelwertsunterschiede durchgeführt. Die Voraussetzung der Normalverteilung wurde jeweils graphisch geprüft.

Zur Analyse der Zusammenhänge zwischen zwei Variablen werden Korrelationen berechnet (Bühner, 2004). Im Ergebnis lassen sich Richtung (positive, negative oder fehlende Trends) und Stärke der Zusammenhänge ermitteln. Für zwei metrische Variablen werden Bravais-Pearson-Korrelationskoeffizienten ← 139 | 140 → (r) berechnet, für ordinal skalierte Variablen wird der Spearman-Rangkorrelationskoeffizient angewandt. Im Falle einer metrischen und einer ordinalen Variable folgt eine Rangbildung der metrischen Variablen und die Anwendung von Spearmans ρ. Während bei dem Bravais-Pearson-Korrelationskoeffizienten ein linearer Zusammenhang bestimmt wird, wird bei der Spearman-Korrelation ein monotoner Zusammenhang gemessen (Cleff, 2011). Die Spearman-Korrelation ist zum einen sehr nützlich bei der Betrachtung ordinaler Daten und ist zum anderen im Gegensatz zur Pearson Korrelation robust gegenüber Ausreißern.

Zur Ergebnisinterpretation der statistischen Verfahren wird für die vorliegende Arbeit ein Grenzwert definiert, der angibt, ab wann ein Zusammenhang oder Unterschied als signifikant bezeichnet wird. Als signifikant werden im Folgenden solche Zusammenhänge oder Unterschiede bezeichnet, bei welchen der p-Wert 0,05 unterschreitet. Gemäß Töpfer (2010, S. 305) werden folgende Signifikanzniveaus festgelegt:

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Cohen (1988) gibt für r die folgenden Intervalle an: .10 bis .30: kleiner Effekt; .30 bis .50: mittlerer Effekt; .50 und höher: starker Effekt. Bei nicht signifikanten Zusammenhängen oder Unterschieden wird der exakte p-Wert berichtet.

Werden Zusammenhänge zweier nominaler oder zweier ordinaler Variablen berechnet, so wird als Zusammenhangsmaß in der vorliegenden Arbeit Cramer´s V berechnet. Cramer´s V kann nur positive Werte annehmen, daher kann keine Aussage über die Richtung eines Zusammenhanges getroffen werden. Gemäß Töpfer (2010, S. 92) gelten diese folgenden Signifikanzniveaus für V:

   V ∈ [0,00; 0,10]     →     kein Zusammenhang

   V ∈ [0,10; 0,30]     →     schwacher Zusammenhang

   V ∈ [0,30; 0,60]     →     mittlerer Zusammenhang

   V ∈ [0,60; 1,00]     →     starker Zusammenhang

Die in der Befragung verwendete Skala bei den 8 geschlossenen Fragen unter Frage 20 des Fragebogens basiert auf einer 6-stufigen Likert-Skala (Likert, 1932). Das von Likert vorgeschlagene Verfahren der Einstellungsmessung findet in der Sozialforschung aus Gründen der Einfachheit und der praktischen Verwendbarkeit Anwendung. Streng genommen ist die Likert-Skala eine Ordinalskala, da nicht davon ausgegangen werden kann, dass der Befragte die ← 140 | 141 → Abstände einzelner Antwortmöglichkeiten als äquidistant ansieht. In der empirischen Sozialforschung besteht jedoch auch die entgegengesetzte Annahme gleicher Abstände und somit der Intervallskalierung, was die Anwendung von varianzanalytischen Verfahren möglich macht (Bortz & Döring, 2006). Diese Annahme wird auch in der vorliegenden Arbeit vertreten, die Likert-Skala wird als „quasi-metrisch“ betrachtet.

Hinsichtlich der Interpretation der Ergebnisse zeigt die Studie eine Vielzahl von signifikanten Korrelationen. Bei der Interpretation der Ergebnisse muss jedoch berücksichtigt werden, dass ein beobachteter Zusammenhang zwischen der Ausprägung Strukturmerkmale und der Unternehmenssituation nicht als Beweis für einen kausalen Wirkungszusammenhang gesehen werden darf. Dies heißt, ob eine Situationsvariable in der Realität einen direkten Einfluss auf die Unternehmensstruktur hat, oder nur mit anderen Faktoren korreliert, welche die Veränderung direkt beeinflussen, kann aus der vorliegenden Arbeit nicht abgeleitet werden. Zur besseren Lesbarkeit wird dennoch von Wirkung gesprochen. Dies darf aber nicht unbedingt als direkt-kausal bzw. mono-kausal interpretiert werden.

7.3   Beschreibung der Stichprobe

Mittels einer standardisierten Befragung wird eine statistische Repräsentativität (Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse für die Grundgesamtheit) beabsichtigt. Zu diesem Zweck muss eine kleinere Abbildung der Grundgesamtheit durch die Stichprobe der Befragten erfolgen (Kromrey, 2002). Eine Begrenzung der Grundgesamtheit durch eine Stichprobe wird in der Literatur durch einen ungerechtfertigt hohen Aufwand begründet, welchen die Befragung der Grundgesamtheit zur Folge hätte. Aus diesem Grund wird zugunsten einer sogenannten Teilerhebung oft auf eine Vollerhebung, verzichtet (Schnell et al., 2005). Damit dessen ungeachtet eine Übertragung der Stichprobe auf die Grundgesamtheit möglich ist, und der Repräsentationsschluss gezogen werden kann, ist die Stichprobe als verkleinertes Abbild der Grundgesamtheit erforderlich. Hierfür müssen sowohl die Grundgesamtheit, als auch die Stichprobe bekannt sein (Schnell et al., 2005; Friedrichs, 1983).

Die Auswahl der Befragungsteilnehmer erfolgte vor dem Hintergrund der Fragestellung, welche Herausforderung für ihre Branche nachweislich alle Bankengruppen in Deutschland in den kommenden Jahren als elementar erachten. In einer Pressemitteilung vom 16.12.2011 konstatieren alle Verbände der deutschen Kreditwirtschaft die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für die ← 141 | 142 → deutsche Kreditwirtschaft als wegweisendes Ziel. Hierzu wurde eigens ein Heft herausgebracht, welches das Bundesfamilienministerium in Kooperation mit den Spitzenverbänden der Kreditbranche und dem Netzwerkbüro „Erfolgsfaktor Familie“ erstellt hat. Die Stichprobe enthält hierauf basierend folgende Befragungsteilnehmer:

   Zertifikatsträger des Audits „berufundfamilie“ der berufundfamilie gGmbH der Gemeinnützigen Hertie Stiftung (davon: 64 Sparkassen, 15 Kreditbanken, 12 Kreditgenossenschaften, 1 Privatbankier); n=91.

   Zum Zeitpunkt August 2014 teilnehmende Banken des Unternehmensnetzwerkes „Erfolgsfaktor Familie“ des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) (davon: 78 Sparkassen, 29 Kreditbanken und 67 Kreditgenossenschaften); n=174.

Es wurden, so dies möglich war, die Ansprechpartner der Kreditinstitute zum Thema der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Gleichstellungsbeauftragte oder Ansprechpartner aus dem Personalbereich ausgewählt.

In den vorgenannten Listen kamen zahlreiche Doppeleinträge vor, die entsprechend bereinigt wurden (Schnell et al., 2005). Somit verbleiben 114 Sparkassen, 32 Kreditbanken und 75 Kreditgenossenschaften in der Stichprobe (n=221). Aufgrund der geringen Anzahl an Kreditbanken (n=32) in der Teilnehmerauswahl, wurde versucht, die Population realitätsnäher abzubilden. Hierzu wurden die von der deutschen Bundesbank (2015b) gelisteten deutschen Kreditbanken (inklusive der 24 Privatbankiers), sowie Großbanken ergänzt, insofern direkte Ansprechpartner für die Thematik ermittelbar waren. Zweigstellen von Auslandsbanken wurden nicht für die Stichprobe ausgewählt, da der Fokus auf den deutschen Kreditinstituten liegt. 114 Institute wurden ergänzt. Insgesamt wurden demnach 121 Kreditbanken, 25 Privatbankiers, 114 Sparkassen und 75 Kreditgenossenschaften für die Befragung ausgewählt (n=335). Insgesamt wurden somit 335 Fragebögen versendet. Mit 94 vollständig ausgefüllten Fragebögen ergibt sich eine Rücklaufquote von ca. 28 %. Der Befragungszeitraum erstreckte sich vom 13.11.2014 bis zum 11.12.2014. Insgesamt liegen 94 beantwortete Fragebögen vor. Davon stammt lediglich ein Fragebogen aus dem Bereich der familiengeführten Privatbanken. Aus Gründen der Repräsentativität wurde die Umfrage um diese Beobachtung bereinigt.

Nach der Bereinigung des Datensatzes umfasst die finale Stichprobe für die weitere Analyse noch 93 Fälle. Die Verteilung der befragten Kreditinstitute in absoluten und relativen Werten ist der Tabelle 16 zu entnehmen. Es wurde im Fragebogen bewusst die Frage der Rechtsform gestellt, um ggf. rechtsformspezifi ← 142 | 143 → sche Unterschiede aufzeigen zu können. Die Überlegung, dass sich diesbezüglich signifikante Unterschiede zeigen können, geht auf die Diskussion in Abschnitt 5 der vorliegenden Arbeit zurück.

Tabelle 16:   Realisierte Stichprobe nach Sektor und Rechtsform

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Die final bereinigte Stichprobe besteht zu 39,8 % aus AdöRs, zu 26,9 % aus eGs, zu 14 % aus AGs und zu 7 % aus GmbHs. Der Anteil sonstiger Rechtsformen liegt bei 11,8 %. An der Befragung haben 51,61 % Sparkassen, 27,96 % Kreditgenossenschaften und 20,43 % Kreditbanken teilgenommen. 8 befragte Sparkassen und jeweils eine Sparkasse und Kreditbank haben die Kategorie „Sonstige“ Rechtsform ausgewählt. Eine Beobachtung wurde nach der Plausibilitätsprüfung rekodiert. Es kann keine Aussage darüber getroffen werden, ob die Kategorie „Sonstige“ jeweils aufgrund des Fehlens einer „weiß nicht“-Antwortmöglichkeit oder aufgrund einer tatsächlich anderen Rechtsform gewählt wurde. Diese Kategorie wird daher im Verlauf der Arbeit nicht näher analysiert. Die Rechtsform der KG wurde in die Kategorie „Sonstige Rechtsformen“ integriert, da nur 2 Beobachtungen vorlagen. Ein Vergleich der finalen Stichprobe mit der Grundgesamtheit aller deutschen Kreditinstitute zeigt, dass die Stichprobe nur bedingt der Grundgesamtheit entspricht. Demnach kann nur bedingt von einer repräsentativen Stichprobe im Hinblick auf die Branchenzugehörigkeit ausgegangen werden.

Tabelle 17 zeigt eine Übersicht der Verteilung der Größenklassen nach Bankensektor. Eine detaillierte Analyse der Variable erfolgt in Abschnitt 8.2 der vorliegenden Arbeit. ← 143 | 144 →

Tabelle 17:   Anzahl der Mitarbeiter nach Sektor der Kreditinstitute

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Neben der Rechtsform und der Größenklasse ist im Hinblick auf die Frage der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ebenfalls interessant, wie die sich die Verteilung der Zertifikatsträger in den Instituten gestaltet. Eine Übersicht der relativen Häufigkeiten zeigt Abbildung 21. Insgesamt beträgt der Anteil der Zertifikatsträger an der Gesamtgröße 43,18 %. Zwischen den Merkmalen besteht ein Zusammenhang (Cramer´s V = .38).

Neben dem Zertifikat des Audits „Beruf und Familie“ existieren noch andere Möglichkeiten der Zertifizierung für die Unternehmen in dem Bereich der Ver ← 144 | 145 → einbarkeit von Beruf und Familie. In den Beschreibungen der anderweitigen Zertifikate wurden überwiegend regionale Auszeichnungen genannt. Von den Sparkassen sind 14 Institute im Besitz anderer Zertifikate und bei den Kreditgenossenschaften sind dies 7 Banken (Dies sind jeweils knapp 30 % der insgesamt teilnehmenden Bankengruppen nach Sektor). Anderweitige Zertifikate wurden bei den Kreditbanken nicht angegeben. Die Verteilung der Merkmale ist statistisch voneinander abhängig (Cramer´s V = .27).

Hinsichtlich der statistischen Fragen am Ende des Fragebogens zu den Fluktuationsquoten, dem Anteil weiblicher Mitarbeiter und dem Anteil weiblicher Mitarbeiter in Führungspositionen konnten nur wenige und zum Teil widersprüchliche Aussagen generiert werden. Diese waren nicht geeignet, um daraus konkrete Rückschlüsse zu ziehen. Daher finden diese Angaben in der Auswertung der Ergebnisse keine weitere Beachtung. Dies verhält sich gleichermaßen so bei den im Fragebogen erfragten Jahreszahlen des erstmaligen Angebotes der einzelnen Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie (Fragen 7 bis 9). Eine sinnvolle Auswertung ist hier ebenfalls nicht möglich gewesen.

Bei einigen Fragen des Fragebogens war den Befragten die Auswahlmöglichkeit einer „weiß nicht“-Kategorie gegeben. In diesen Fällen ist es möglich, dass der Befragte nicht über das benötigte Wissen zur Beantwortung verfügt, oder die Frage aus mangelnder Motivation nicht beantwortet wird. Da keine eindeutige Aussage über den Hintergrund der Auswahl der Kategorie „weiß nicht“ getroffen werden kann, werden diese Beobachtungen nicht in die Analysen einbezogen.

8   Analyse der Ergebnisse

Der nachfolgende Abschnitt berichtet die Ergebnisse der empirischen Überprüfung der in Abschnitt 6.2 aufgestellten Hypothesen. Die Diskussion der Ergebnisse findet im Anschluss in Abschnitt 9 statt. Die Betrachtung der Untersuchungsergebnisse der Variable der Unternehmenssituation „Rechtsform der Kreditinstitute“ erfolgt vorwiegend an geeigneter Stelle innerhalb der Abschnitte und nicht ausschließlich zentral in Abschnitt 8.2.2. Dies ist der engen inhaltlichen Verknüpfung mit dem „Sektor der Kreditinstitute“ geschuldet, welcher ebenfalls innerhalb der Abschnitte betrachtet wird.

8.1   Indikatoren für Unternehmensveränderungen

Die Indikatoren für Unternehmensveränderungen setzen sich aus den Indikatoren für Innovativität, dem Indikator für Flexibilität und der Nutzung der Kommunikations- und Informationswege zusammen (Abschnitte 2 und 6.2). ← 145 | 146 →

8.1.1   Innovativität

In der vorliegenden Arbeit werden zwei Indikatoren zur Messung der Innovativität gebildet. Der erste Indikator „Einschätzung der Innovativität“ dient der Erfassung der Einschätzung der Befragten hinsichtlich der Innovativität des eigenen Kreditinstitutes im Vergleich zu anderen Banken der gesamten Branche. In der Befragung werden die Umfrageteilnehmer mittels einer 6-stufigen Likert-Skala nach ihrer Einschätzung zu „Im Vergleich zu anderen Banken der Branche ist die Bank sehr innovativ“ gefragt. Der zweite Indikator für Innovativität „Angebotene Maßnahmen“ bildet die tatsächliche Umsetzung der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie in den Kreditinstituten ab. Im Hintergrund der Bildung dieses Indikators für Innovativität steht die Annahme, dass innovativere Banken bereits mehr der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ, 2013b) als fortschrittlich erachteten Maßnahmen um- bzw. eingesetzt haben als vergleichsweise weniger innovative Banken. Zur Erfassung dieses Items für Innovativität werden in der Befragung die Fragen 7 bis 9 genutzt. Diese beinhalten die in der Bank bereits angebotenen Maßnahmen im Bereich der „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ analog der vom BMFSFJ genannten möglichen Maßnahmen (BMFSFJ, 2013a; BMFSFJ, 2012).156 Die aufgeführten Maßnahmen sind den Unterkategorien „Regelmäßige Kinderbetreuung“, „Punktuelle Kinderbetreuung“ und „Arbeitszeitgestaltung für Familienpflegezeiten“157 zugeordnet. In der Summe konnten maximal 26 Maßnahmen angekreuzt werden. Zur Überprüfung der Hypothesen wird eine neue Variable gebildet. Die Variable beinhaltet die Information für jeden Teilnehmer der Umfrage, wie viele angebotene Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie benannt werden. Die von den Befragten ausgewählten Maßnahmen werden ausgezählt und aggregiert. Zusammenfassend beinhaltet das Item „Einschätzung der Innovativität“ die Einschätzung der Befragten der Innovativität der eigenen Bank im Vergleich zu anderen Banken der Branche, während das Item „Angebotene Maßnahmen“ ← 146 | 147 → die tatsächliche Umsetzung der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie beinhaltet.

Hypothese 1.1: „Die Sektoren der Kreditinstitute unterscheiden sich hinsichtlich der Innovativität. Dabei sind sowohl die Sparkassen als auch die Kreditgenossenschaften innovativer als Kreditbanken.“

Hypothese 1.2: „Die Bankengruppen unterscheiden sich in ihrer Rechtsform hinsichtlich der Innovativität. Dabei sind sowohl die Rechtsformen der AdöR als auch die der eG innovativer als die Rechtsformen der AG oder der GmbH.“

Hypothese 1.3: „Je höher die Innovativität der eigenen Bank eingeschätzt wird, desto mehr Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie werden in den Kreditinstituten angeboten.“

Zur Überprüfung der Hypothese 1.1 wird zunächst mittels einer varianzanalytischen Überprüfung die Frage „Im Vergleich zu anderen Banken der Branche ist die Bank sehr innovativ“ als abhängige Variable gewählt. Die mittlere Einschätzung der Innovativität im Bereich der Sparkassen beträgt M = 4.10 (SD = 1.19), die der Kreditgenossenschaften M = 4.23 (SD = 0.95) und die der Kreditbanken M = 3 (SD = 1.33). Die Mittelwertsunterschiede zwischen den Gruppen sind mit F(2,90) = 7.51; p < .01 statistisch signifikant. Die Ergebnisse der t-Tests zeigt die Tabelle 18. Während bei den Sparkassen und den Kreditgenossenschaften keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Selbsteinschätzung der Innovativität der eigenen Bank, verglichen mit anderen Banken der Branche bestehen, zeigt sich jedoch, dass in dieser Hinsicht ein signifikanter Unterschied zwischen den Sparkassen und den Kreditbanken, sowie den Kreditgenossenschaften und den Kreditbanken existiert. Die Innovativität der Kreditbanken verglichen mit anderen Banken der Branche wird von den Mitarbeitern signifikant niedriger eingeschätzt, als dies bei den Sparkassen oder den Kreditgenossenschaften der Fall ist.

Tabelle 18:   Ergebnisse der p-Werte der t-Tests für die Einschätzung der Innovativität nach Sektor des Kreditinstitutes

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Signifikanzniveaus: *p < .05. ** p < .01. *** p < .001. ← 147 | 148 →

Als weiterer Indikator für Innovativität dient die Anzahl der in den Banken „Angebotenen Maßnahmen“ zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die varianzanalytische Überprüfung ergibt, dass das durchschnittliche Angebot der angebotenen Maßnahmen bei den Sparkassen M = 8.04 (SD = 2.56), bei den Kreditgenossenschaften M = 7.27 (SD = 2.07) und bei den Kreditbanken M = 4.68 (SD = 2.77) beträgt. Die Berechnungen der Mittelwertsunterschiede sind mit F(2,90) = 12.53; p < .001 statistisch signifikant.

Graphisch dargestellt, lassen sich die Unterschiede in Abbildung 22 erkennen. Während der überwiegende Teil der Kreditbanken bis zu 6 der angegebenen Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie anbietet, bietet der Großteil der Sparkassen und Kreditgenossenschaften mindestens 6 oder mehr Maßnahmen an. Die Ergebnisse der post-hoc durchgeführten t-Tests werden in Tabelle 19 berichtet. Diese zeigen signifikante Unterschiede zwischen den Sparkassen und den Kreditbanken (T(65) = 4,73; p < .001). Zwischen den Kreditgenossenschaften und den Kreditbanken existiert ebenfalls ein signifikanter Unterschied (T(43) = 3.59; < .001).

Abbildung 22:   Angebotene Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie nach Sektor der Kreditinstitute

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes. Die vertikalen Linien zeigen die Mittelwerte der Gruppen an. ← 148 | 149 →

Tabelle 19:   Ergebnisse der p-Werte der t-Tests für die Angebotenen Maßnahmen nach Sektor des Kreditinstitutes

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Signifikanzniveaus: *p < .05. ** p < .01. *** p < .001.

In einem nächsten Schritt wurde zur Beantwortung der Hypothese 1.2 untersucht, ob Mittelwertsunterschiede zwischen der abhängigen Variable „Einschätzung der Innovativität“ und der unabhängigen Variable „Rechtsform der Kreditinstitute“ existieren. Die varianzanalytische Überprüfung ergibt, dass die durchschnittliche Innovativität bei den AdöRs M = 4.16 (SD = 1.19), bei den eGs M = 4.2 (SD = 0.96), bei den AGs M = 3.08 (SD = 1.61), bei den GmbHs M = 3.14 (SD = 1.35) und bei den Sonstigen M = 3.91 (SD = 0.94) beträgt. Die Mittelwertsunterschiede sind mit F(4,88) = 3.19; p < .05 statistisch signifikant. Die Ergebnisse der t-Tests in Tabelle 20 zeigen signifikante Unterschiede der „Einschätzung der Innovativität“ zwischen den AdöRs, und den Rechtsformen der Kreditbanken (in Form der AG und der GmbH). Die signifikanten Unterschiede sind ebenso zwischen den eGs und den Rechtsformen der Kreditbanken (AG und GmbH) festzustellen.

Tabelle 20:   Ergebnisse der p-Werte der t-Tests für die Einschätzung der Innovativität nach Rechtsform

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Signifikanzniveaus: *p < .05. ** p < .01. *** p < .001 ← 149 | 150 →

Die varianzanalytische Überprüfung der Mittelwertsunterschiede zwischen den „Angebotenen Maßnahmen“ zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie und der „Rechtsform der Kreditinstitute“ zeigt die durchschnittliche Anzahl angebotener Maßnahmen bei den AdöRs M = 8.14 (SD = 2.15), bei den eGs M = 7.16 (SD = 2.03), bei den AGs M = 6.92 (SD = 4.09), bei den GmbHs M = 3.57 (SD = 1.72) und bei den Sonstigen M = 6.27 (SD = 2.97) beträgt. Die Mittelwertsunterschiede sind mit F(4,88) = 5.18; p < .001 signifikant. Tabelle 21 zeigt die Ergebnisse der p-Werte der t-Tests für die angebotenen Maßnahmen nach Rechtsform. Eine graphische Darstellung der Unterschiede zeigt Abbildung 23.

Tabelle 21:   Ergebnisse der p-Werte der t-Tests für die angebotenen Maßnahmen nach Rechtsform

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Signifikanzniveaus: *p < .05. ** p < .01. *** p < .001.

Nachfolgend wird untersucht, inwiefern ein Zusammenhang der Items „Einschätzung der Innovativität“ und „Angebotene Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ besteht (Hypothese 1.3). Hierzu werden die Variablen „Einschätzung der Innovativität“ und „Angebotene Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ korreliert. Der Korrelationskoeffizient zwischen diesen beiden Variablen beträgt r = .28. Der p-Wert des Korrelationskoeffizienten bestätigt mit p < .01 eine statistisch signifikante Beziehung beider Variablen. Somit besteht ein positiver linearer Zusammenhang zwischen den beiden Merkmalen. ← 150 | 151 →

Abbildung 23:   Angebotene Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie nach Rechtsform der Kreditinstitute

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes. Die vertikalen Linien zeigen die Mittelwerte der Gruppen an.

Bei Betrachtung der Ergebnisse der in Hypothese 1.1 angenommenen Unterschiede zwischen dem „Sektor der Kreditinstitute“ und der Innovativität sind die Ergebnisse hypothesenkonform. Sowohl die Sparkassen als auch die Kreditgenossenschaften werden innovativer eingeschätzt als die Kreditbanken. Diese bieten zudem auch mehr Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie an als die Kreditbanken. Die Hypothese wird angenommen.

Die Überprüfung der Hypothese 1.2 bestätigt diese nur zum Teil. Die Ergebnisse bestätigen die Annahme, dass sich die beiden Gruppen nach ihrer Rechtsform in der Innovativität unterscheiden. Die Annahme, dass die Rechtsformen der AdöR und der eG innovativer sind, als die Rechtsformen der Kreditbanken (AG und GmbH), ist nur teilweise hypothesenkonform. Hinsichtlich der „Einschätzung der Innovativität“ wird die Annahme bestätigt. Die Rechtsformen der AdöR und der eG unterscheiden sich signifikant von den Rechtsformen der AG und der GmbH in der „Einschätzung der Innovativität“. Hinsichtlich des zweiten Items für Innovativität, den „Angebotenen Maßnahmen“ zur Vereinbarkeit von Beruf ← 151 | 152 → und Familie entsprechen die dargestellten Unterschiede zwischen den „Angebotenen Maßnahmen“ und dem „Sektor der Kreditinstitute“ sowie der „Rechtsform der Kreditinstitute“ nur teilweise der Hypothese. Es bestehen signifikante Unterschiede zwischen der Rechtsform der GmbH und den AdöR, sowie den eG. Die vermuteten Unterschiede der „Angebotenen Maßnahmen“ zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie zwischen den Rechtsformen AdöR sowie den eG und den AG werden nicht bestätigt.

Der vermutete Zusammenhang zwischen der „Einschätzung der Innovativität“ und den tatsächlich „Angebotenen Maßnahmen“ in Hypothese 1.3 wird bestätigt. Je höher die Innovativität der eigenen Bank eingeschätzt wird, desto mehr Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie werden in den Kreditinstituten angeboten.

8.1.2   Flexibilität

Der Indikator „Einschätzung der Flexibilität“ dient der Erfassung der Selbsteinschätzung der Befragten hinsichtlich der Flexibilität des eigenen Kreditinstitutes im Vergleich zu anderen Banken der gesamten Branche. Unter Frage 20 des Fragebogens wurden die Umfrageteilnehmer mittels einer 6-stufigen Likert-Skala nach ihrer Einschätzung zu „Im Vergleich zu anderen Banken der Branche ist die Bank sehr flexibel“ gefragt.

Hypothese 2.1: „Sektoren der Kreditinstitute unterscheiden sich in der Flexibilität. Dabei sind sowohl die Sparkassen als auch die Kreditgenossenschaften flexibler als Kreditbanken.“

Hypothese 2.2: „Die Bankengruppen unterscheiden sich in ihrer Rechtsform hinsichtlich der Flexibilität. Dabei sind sowohl die Rechtsformen der AdöR als auch die der eG flexibler als die Rechtsformen der AG oder der GmbH.“

Zur Überprüfung der Hypothese 2.1 mittels einer Varianzanalyse wird das Item „Im Vergleich zu anderen Banken der Branche ist die Bank sehr flexibel“ als abhängige Variable und der „Sektor der Kreditinstitute“ als unabhängige Variable gewählt.

Die durchschnittliche Flexibilität im Bereich der Sparkassen beträgt = 3.98 (SD = 1.31), die der Kreditgenossenschaften M = 4.31 (SD = 0.88) und die der Kreditbanken M = 4.26 (SD = 1.52). Die Mittelwertsunterschiede zwischen den Gruppen sind mit F(2,90) = 0.71; p = .49 statistisch nicht signifikant (Abbildung 24).

In einem nächsten Schritt wurde zur Überprüfung der Hypothese 2.2 untersucht, ob Mittelwertsunterschiede zwischen der „Einschätzung der Flexibilität“ und der „Rechtsform der Kreditinstitute“ existieren. Die durchschnittliche Fle ← 152 | 153 → xibilität im Bereich der AdöRs beträgt M = 4 (SD = 1.29), die der eGs M = 4.36 (SD = 0.86), die der AGs = 4 (SD = 1.73), die der GmbHs M = 4.86 (SD = 0.69) und die der Sonstigen = 3.73 (SD = 1.42). Die Mittelwertsunterschiede sind mit F(4,88) = 1,23; p = .30 nicht signifikant (Abbildung 25).

Abbildung 24:   Mittelwertsvergleich der Einschätzung der Flexibilität der Bankengruppen

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Abbildung 25:   Mittelwertsvergleich der Einschätzung der Flexibilität nach Rechtsform

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes. ← 153 | 154 →

Bei Betrachtung des Items „Einschätzung der Flexibilität“ sind die Ergebnisse sowohl hinsichtlich des Sektors der Kreditinstitute, als auch hinsichtlich der Rechtsform nicht hypothesenkonform. Gemäß voriger Überprüfung können demnach die Hypothesen 2.1 und 2.2 nicht bestätigt werden. Es existieren keine nachweisbaren Unterschiede sowohl zwischen der „Einschätzung der Flexibilität“ und dem „Sektor der Kreditinstitute“, als auch zwischen der „Einschätzung der Flexibilität“ und der „Rechtsform der Kreditinstitute“.

8.1.3   Innovativität und Flexibilität

Hypothese 3: „Es existiert ein Zusammenhang zwischen Innovativität und Flexibilität bei den Kreditinstituten. Je innovativer ein Kreditinstitut ist, desto flexibler ist dieses.“

Zur Beschreibung der Stärke und Richtung des Zusammenhanges beider metrischer Variablen „Einschätzung der Innovativität“ und „Einschätzung der Flexibilität“ wird der Pearson-Korrelationskoeffizient verwendet. Der Korrelationskoeffizient zwischen diesen beiden Variablen beträgt r = .52. Der p-Wert des Korrelationskoeffizienten bestätigt mit p < .001 eine statistisch signifikante Beziehung beider Variablen. Somit besteht ein positiver linearer Zusammenhang zwischen den beiden Merkmalen. Je größer die Einschätzung der Innovativität der Bank, desto größer auch die Einschätzung der Flexibilität.

In einem nächsten Schritt wurde untersucht, inwiefern ein Zusammenhang zwischen der „Einschätzung der Flexibilität“ und den „Angebotenen Maßnahmen“ zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie besteht. Der Korrelationskoeffizient zwischen diesen beiden Variablen beträgt r = - .16. Der p-Wert des Korrelationskoeffizienten beträgt p = .14. Somit kann kein signifikanter Zusammenhang nachgewiesen werden.

Die Testergebnisse bestätigen die Hypothese 3 nur zum Teil. Bei Betrachtung des Zusammenhanges der Items „Einschätzung der Flexibilität“ und „Einschätzung der Innovativität“ sind die Ergebnisse hypothesenkonform. Je flexibler sich die Kreditinstitute einschätzen, desto innovativer schätzen diese sich auch ein. Die Betrachtung des vermuteten Zusammenhanges des zweiten Items für Innovativität, der „Angebotenen Maßnahmen“ zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie und der „Einschätzung der Flexibilität“ spricht gegen die Hypothese. Ein Zusammenhang zwischen der Flexibilität und der Anzahl der „Angebotenen Maßnahmen“ zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird nicht bestätigt. Die Hypothese 3 wird nur teilweise angenommen. ← 154 | 155 →

8.1.4   Kommunikations- und Informationswege

Das Item „Kommunikations- und Informationswege“ bildet die tatsächliche Anzahl der genutzten Kommunikations- und Informationswege in den Kreditinstituten ab. Der Indikator wurde basierend auf den vom BMFSFJ aufgelisteten Wegen der Kommunikation und Information gebildet (BMFSFJ, 2014). Zur Erfassung des Items „Kommunikations- und Informationswege“ wurde in der Befragung die Frage 10 genutzt. Diese beinhaltet die in den Kreditinstituten genutzten Kommunikations- und Informationswege für den Bereich „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“. In der Summe konnten maximal 12 Maßnahmen angekreuzt werden. Zur Überprüfung der Hypothesen wird eine neue Variable gebildet. Die Variable beinhaltet die Information wie viele Kommunikations- und Informationswege benannt werden für jeden Teilnehmer der Umfrage. Die von den Befragten ausgewählten Maßnahmen werden ausgezählt und aggregiert.

Hypothese 4.1: „Die Bankengruppen unterscheiden sich hinsichtlich ihres Sektors in der Intensität der Nutzung der Kommunikations- und Informationswege. Sparkassen und Kreditgenossenschaften nutzen mehr Wege der Information und Kommunikation als Kreditbanken.“

Hypothese 4.2: „Die Bankengruppen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Rechtsform in der Intensität der Nutzung der Kommunikations- und Informationswege. AdöRs und eGs nutzen mehr Wege der Information und Kommunikation als AGs und GmbHs.“

Hypothese 4.3: „Innovativere Kreditinstitute nutzen mehr Wege der Kommunikation und Information als weniger innovative Kreditinstitute.“

Hypothese 4.4: „Flexiblere Kreditinstitute nutzen mehr Wege der Kommunikation und Information als weniger flexible Kreditinstitute.“

Hypothese 4.5: „Es existieren Zusammenhänge bzw. Unterschiede zwischen der Nutzung der Kommunikations- und Informationswege und den Strukturmerkmalen „Leitungsspanne“, „Partizipation“ sowie „Planung“.“

Zur varianzanalytischen Überprüfung der Hypothese 4.1 wird zunächst das Item „Kommunikations- und Informationswege“ als abhängige Variable gewählt. Der „Sektor der Kreditinstitute“ ist die unabhängige Variable. Die durchschnittliche Nutzung der Kommunikations- und Informationswege im Bereich der Sparkassen beträgt M = 6.25 (SD = 2.79), die der Kreditgenossenschaften M = 5.38 (SD = 2.76) und die der Kreditbanken M = 2.63 (SD = 2.67). Die Mittelwertsunterschiede zwischen den Gruppen sind mit F(2,90) = 11.73; p < .001 statistisch signifikant (Abbildung 26). ← 155 | 156 →

Die Ergebnisse der post-hoc durchgeführten t-Tests gibt die Tabelle 22 wieder. Es bestehen keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Selbsteinschätzung der Innovativität der eigenen Bank bei den Sparkassen und Kreditgenossenschaften verglichen mit anderen Banken der Branche.

Tabelle 22:   Ergebnisse der p-Werte der t-Tests für die Nutzung der Kommunikations- und Informationswege nach Sektor des Kreditinstitutes

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Signifikanzniveaus: *p < .05. ** p < .01. *** p < .001.

Es zeigt sich jedoch, dass in dieser Hinsicht ein Unterschied zwischen den Sparkassen und Kreditbanken sowie den Kreditgenossenschaften und den Kreditbanken in dieser Hinsicht existiert.

Zur Überprüfung der Hypothese 4.2 wird in einem nächsten Schritt untersucht, inwiefern Mittelwertsunterschiede zwischen der Nutzung der „Kommunikations- und Informationswege“ und der unabhängigen Variable „Rechtsform der Kreditinstitute“ existieren. Die durchschnittliche Nutzung der Kommunikations- ← 156 | 157 → und Informationswege im Bereich der AdöRs beträgt M = 6.30 (SD = 2.68), die der eGs = 5.4 (SD = 2.81), die der AGs = 4.77 (SD = 4.04), die der GmbHs M = 2.57 (SD = 2.07) und die der Sonstigen = 3.82 (SD = 2.79). Die Mittelwertsunterschiede sind mit F(4,8) = 3.44; < .05 signifikant. Die grafische Darstellung der Mittelwertsunterschiede findet sich in Abbildung 27.

Die Ergebnisse der t-Tests in Tabelle 23 zeigen signifikante Unterschiede der Nutzung der Kommunikations- und Informationswege zwischen den Kreditbanken in der Rechtsform der GmbH und den AdöR bzw. den eG.

Tabelle 23:   Ergebnisse der p-Werte der t-Tests für die Nutzung der Kommunikations- und Informationswege nach Rechtsform der Kreditinstitute

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Signifikanzniveaus: *p < .05. ** p < .01. *** p < .001. ← 157 | 158 →

Zur Überprüfung der Hypothese 4.3 wird der Zusammenhang beider metrischer Variablen „Einschätzung der Innovativität“ und „Kommunikations- und Informationswege“ untersucht. Der Korrelationskoeffizient beträgt r = .34. Der p-Wert des Korrelationskoeffizienten bestätigt mit p < .001 eine statistisch signifikante Beziehung beider Variablen. Somit besteht ein positiver linearer Zusammenhang zwischen den beiden Merkmalen. Je größer die Einschätzung der Innovativität der Bank, desto größer die Nutzung der Kommunikations- und Informationswege.

In einem weiteren Schritt der Überprüfung der Hypothese 4.3 wird untersucht, inwiefern ein Zusammenhang zwischen dem zweiten Indikator für Innovativität, den „Angebotenen Maßnahmen“ zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie und der Nutzung der „Kommunikations- und Informationswege“ besteht. Der Korrelationskoeffizient zwischen diesen beiden Variablen bestätigt mit r = .63; p < .001 einen signifikanten Zusammenhang.

Die Überprüfung der Hypothese 4.4 zeigt folgendes Ergebnis: Der Korrelationskoeffizient der Variablen „Einschätzung der Flexibilität“ und „Kommunikations- und Informationswege“ beträgt r = –.05. Der p-Wert des Korrelationskoeffizienten p = .62 zeigt keine signifikante Beziehung beider Variablen.

Zur Überprüfung der Hypothese 4.5 wird zunächst der Unterschied zwischen der Nutzung der Kommunikations- und Informationswege und der Planung geprüft.

Der t-Test zeigt einen statistisch nicht signifikanten Unterschied zwischen der zentralen Planung (M = 5.74) und der dezentralen Planung (M = 5.53) in den Kreditinstituten (T(81) = 0.24; p = .41).

Zur Überprüfung des angenommenen Zusammenhanges von Partizipation und der Nutzung der Kommunikations- und Informationswege werden die Variablen korreliert. Der Korrelationskoeffizient beträgt r = .06. Der p-Wert des Korrelationskoeffizienten p = .59 zeigt keine statistisch signifikante Beziehung beider Variablen.

Zur Überprüfung des vermuteten Unterschiedes zwischen der Nutzung der Kommunikations- und Informationswege und der Leitungsspanne wird ein t-Test durchgeführt. Dieser zeigt einen statistisch nicht signifikanten Unterschied zwischen der großen Leitungsspanne (M = 5.09) und der kleinen Leitungsspanne (M = 5.56) in den Kreditinstituten (T(91) = -0.72; p = .24).

Es bestehen zusammengefasst signifikante Unterschiede zwischen der Nutzung der „Kommunikations- und Informationswege“ und dem „Sektor der Kreditinstitute“. Sparkassen und Kreditgenossenschaften nutzen nachweislich mehr Wege ← 158 | 159 → der Kommunikation und Information als Kreditbanken. Die Hypothese 4.1 wird angenommen.

Die Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 4.2 bestätigen, dass sich die Bankengruppen in ihrer Rechtsform hinsichtlich der Intensität der Nutzung der „Kommunikations- und Informationswege“ unterscheiden. Die Annahme, dass in den Rechtsformen der AdöR sowie der eG mehr Wege der Kommunikation und Information genutzt werden, als in den Rechtsformen der AG und der GmbH wird nur teilweise bestätigt. Es existieren lediglich zwischen den AdöRs sowie den eGs und den GmbHs nachweisbare Unterschiede. Hinsichtlich der Rechtsform der AG bestehen keine Unterschiede. Die Hypothese 4.2 wird nur teilweise angenommen.

Die Betrachtung des vermuteten Zusammenhanges zwischen der Innovativität und der „Kommunikations- und Informationswege“ (Hypothese 4.3) sind die Ergebnisse hypothesenkonform. Je größer die „Einschätzung der Innovativität“ der Bank, desto größer die Nutzung der „Kommunikations- und Informationswege“. Je mehr Wege der Kommunikation und Information genutzt werden, desto größer ist die höhere Anzahl der „Angebotenen Maßnahmen“ zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Die Testergebnisse der Überprüfung der Hypothese 4.4 „Flexiblere Kreditinstitute nutzen mehr Kommunikations- und Informationswege“ sprechen gegen die Annahme der Hypothese. Kreditinstitute, welche ihrer Einschätzung nach flexibler sind, als andere Institute der Branche setzen nicht nachweisbar mehr Kommunikations- und Informationswege ein, als andere Kreditinstitute.

Die Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 4.5 sind nicht hypothesenkonform. Es bestehen keine Zusammenhänge zwischen der Nutzung der Kommunikations- und Informationswege und den Strukturmerkmalen Leitungsspanne, Partizipation sowie Planung. Die Hypothese wird verworfen.

8.2   Überprüfung der Situationsvariablen

8.2.1   Größe

Unter Frage 3 des Fragebogens wurden die Umfrageteilnehmer mittels einer ordinalen Antwortskala nach der Anzahl der Mitarbeiter der Gesamtbank gefragt. Die Anzahl der Mitarbeiter dient als Indikator für die Größe (Abschnitt 3.1.1). Zur Überprüfung der Hypothesen wird eine neue Variable gebildet. Die Variable „Größe“ wird kategorisiert in die 4 Gruppen „1–249 Mitarbeiter“, „250–749“ Mitarbeiter, „750–2999 Mitarbeiter“ und „≥ 3000 Mitarbeiter“. ← 159 | 160 →

Hypothese 5.1: „Es existiert ein Zusammenhang zwischen dem Sektor der Kreditinstitute und der Größe.“

Hypothese 5.2: „Es existiert ein Zusammenhang zwischen der Rechtsform der Kreditinstitute und der Größe.“

Hypothese 5.3: „Es existiert ein Zusammenhang zwischen der Größe der Kreditinstitute und der Innovativität. Je größer die Kreditinstitute sind, desto weniger innovativ sind diese.“

Hypothese 5.4: „Es existiert ein Zusammenhang zwischen der Größe der Kreditinstitute und der Flexibilität. Größere Kreditinstitute sind weniger flexibler als kleinere Kreditinstitute.“

Hypothese 5.5: „Es existiert ein Zusammenhang zwischen der Größe der Kreditinstitute und der Nutzung der Kommunikations- und Informationswege. Mit steigender Größe der Kreditinstitute steigt auch die Anzahl genutzter Kommunikations- und Informationswege.“

Zur Analyse der Variable „Größe der Kreditinstitute“ nach Sektor der Kreditinstitute werden die Variablen deskriptiv in Abbildung 28 dargestellt. Hieraus ist zu erkennen, dass Unterschiede in den Strukturen der Kreditinstitute bestehen. Im Vergleich zu den anderen Bankengruppen ist die überwiegende Anzahl der Kreditbanken hinsichtlich der Anzahl der Mitarbeiter eher klein. Die Verteilung der Merkmale ist statistisch voneinander abhängig (Cramer´s V = .45).

Abbildung 28:   Anzahl der Mitarbeiter nach Kreditinstituten

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Zur Analyse der Variable „Größe der Kreditinstitute“ nach Rechtsform der Kreditinstitute wird die Variable deskriptiv in Abbildung 29 dargestellt. Die Verteilung der Merkmale ist statistisch voneinander abhängig (Cramer´s V = .48). ← 160 | 161 →

Abbildung 29:   Anzahl der Mitarbeiter nach Rechtsform

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Die Abbildung zeigt, dass die Aktiengesellschaften als einzige Bankengruppe Institute mit mehr als 3000 Mitarbeitern aufweisen. Die Gruppe der GmbHs hat prozentual gesehen den größten Anteil an kleinen Instituten. Verglichen mit den AdöRs haben die Kreditgenossenschaften eine größere Anzahl an kleineren Instituten.

In einem nächsten Schritt wird zur Überprüfung der Hypothese 5.3, 5.4 und 5.5 untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen der Größe der Kreditinstitute und der Innovativität, sowie der Einschätzung der Flexibilität und der Nutzung der Kommunikations- und Informationswege existiert. Tabelle 24 zeigt eine Übersicht der Korrelationskoeffizienten.

Tabelle 24:   Spearman-Rangkorrelationskoeffizienten für das Item „Größe der Kreditinstitute“

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Signifikanzniveaus: *p < .05. ** p < .01. *** p < .001; (n = 93; p-Werte in Klammern). ← 161 | 162 →

Die Testergebnisse des vorangegangenen Abschnitts bestätigen den Zusammenhang zwischen der Größe der Kreditinstitute und dem Sektor, sowie der Rechtsform der Kreditinstitute. Die Hypothesen 5.1 und 5.2 werden angenommen.

Bei Betrachtung der Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 5.3 sind diese nur teilweise hypothesenkonform. Ein Zusammenhang zwischen der „Größe der Kreditinstitute“ und der „Einschätzung der Innovativität“ wird nicht bestätigt. Es existiert jedoch ein positiver Zusammenhang zwischen der „Größe der Kreditinstitute“ und „Angebotenen Maßnahmen“ zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Mit steigender Größe der Kreditinstitute steigt auch die Anzahl der angebotenen Maßnahmen in den Kreditinstituten. Der erste Teil der Hypothese wird somit nur teilweise bestätigt. Die zweite Annahme der Hypothese 5.3 wird nicht bestätigt. Insgesamt wird die Hypothese 5.3 somit nur in Teilen angenommen.

Die Annahme eines Zusammenhanges der „Einschätzung der Flexibilität“ und der „Größe der Kreditinstitute“ bestätigt die Hypothese 5.4. Mit steigender Größe der Kreditinstitute betrachten sich die Kreditinstitute als weniger flexibel verglichen mit anderen Banken der Branche. Die Hypothese wird angenommen.

Die Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 5.5 sind hypothesenkonform. Sie bestätigen die Annahme, dass mit steigender Größe der Kreditinstitute auch die Anzahl genutzter Kommunikations- und Informationswege steigt.

8.2.2   Rechtsform

Zur Erfassung des Items „Rechtsform“ wurden die Umfrageteilnehmer in der Befragung unter Frage 2 mittels einer nominalen Antwortskala nach der Rechtsform ihres Kreditinstitutes befragt.

Hypothese 6: „Die Bankengruppen unterscheiden sich in ihrer Rechtsform hinsichtlich ihrer Strukturmerkmale.“

Nachfolgend werden die Unterschiede zwischen den Rechtsformen der Kreditinstitute bei den Strukturmerkmalen betrachtet, welche nicht im Zuge im Zusammenhang mit weiteren Hypothesen betrachtet werden. Zur varianzanalytischen Überprüfung der Hypothese wird zunächst das Item „Entscheidungsdelegation“ als abhängige Variable gewählt. Die „Rechtsform der Kreditinstitute“ bildet die unabhängige Variable. Die mittlere Entscheidungsdelegation im Bereich der AdöRs beträgt = 2.65 (SD = 1.34), die der eGs M = 2.8 (SD = 1.19), die der AGs M = 1.92 (SD = 0.86), die der GmbHs M = 1.57 (SD = 0.53) und die der Sonstigen M = 3.64 (SD = 0.92). ← 162 | 163 →

Tabelle 25:   Ergebnisse der p-Werte der t-Tests für die Entscheidungsdelegation nach Rechtsform

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Signifikanzniveaus: *p < .05. ** p < .01. *** p < .001

Die Mittelwertsunterschiede zwischen den Gruppen sind mit F(4,88) = 4.90; p < .01 statistisch signifikant. Die Ergebnisse der posthoc durchgeführten t-Tests berichtet Tabelle 25.

Zur Überprüfung vermuteter Unterschiede der Partizipation zwischen den Rechtsformen wird zunächst das Item „Partizipation“ als abhängige Variable gewählt. Die „Rechtsform der Kreditinstitute“ bildet die unabhängige Variable. Die durchschnittliche Partizipation im Bereich der AdöRs beträgt M = 3.49 (SD = 0.96), die der eGs M = 3.52 (SD = 0.92), die der AGs M = 3.08 (SD = 1.38), die der GmbHs M = 2.86 (SD = 1.21) und die der Sonstigen M = 3.55 (SD = 1.21). Die Mittelwertsunterschiede zwischen den Gruppen sind mit F(4,88) = 0.94; p = .44 statistisch nicht signifikant.

Die Überprüfung angenommener Unterschiede der Arbeitsteilung zwischen den Rechtsformen ergibt eine durchschnittliche Arbeitsteilung im Bereich der AdöRs von = 4.59 (SD = 0.86), die der eGs M = 4.6 (SD = 1.15), die der AGs M = 4.31 (SD = 1.32), die der GmbHs M = 3.14 (SD = 1.68) und die der Sonstigen M = 4.09 (SD = 1.14). Die Mittelwertsunterschiede zwischen den Gruppen sind mit F(4,88) = 2.94; p < .05 statistisch signifikant. Die Ergebnisse der posthoc durchgeführten t-Tests berichtet Tabelle 26. ← 163 | 164 →

Tabelle 26:   Ergebnisse der p-Werte der t-Tests für die Arbeitsteilung nach Rechtsform

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Signifikanzniveaus: *p < .05. ** p < .01. *** p < .001

Die Überprüfung vermuteter Unterschiede der Autonomie zwischen den Rechtsformen ergibt eine durchschnittliche Autonomie im Bereich der AdöRs von = 3.89 (SD = 1.13), die der eGs M = 3.8 (SD = 1), die der AGs M = 3.38 (SD = 1.19), die der GmbHs M = 3.71 (SD = 1.25) und die der Sonstigen M = 4.27 (SD = 1.35). Die Mittelwertsunterschiede zwischen den Gruppen sind mit F(4,88) = 0.96; p = .43 nicht signifikant.

Die Ergebnisse der Überprüfung angenommener Unterschiede der Standardisierung zwischen den Rechtsformen zeigt eine durchschnittliche Standardisierung im Bereich der AdöRs von = 4.59 (SD = 0.93), die der eGs M = 4.36 (SD = 0.76), die der AGs = 3.92 (SD = 1.26), die der GmbHs M = 4.86 (SD = 0.90) und die der Sonstigen M = 3.73 (SD = 1.10). Die Mittelwertsunterschiede zwischen den Gruppen sind mit F(4,88) = 2.91; p < .05 statistisch signifikant. Die Ergebnisse der t-Tests zeigt Tabelle 27.

Tabelle 27:   Ergebnisse der p-Werte der t-Tests für die Standardisierung nach Rechtsform

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Signifikanzniveaus: *p < .05. ** p < .01. *** p < .001 ← 164 | 165 →

Die varianzanalytische Überprüfung angenommener Unterschiede der Formalisierung zwischen den Rechtsformen ergibt eine durchschnittliche Formalisierung im Bereich der AdöRs von = 4.97 (SD = 1.12), die der eGs M = 4.72 (SD = 0.94), die der AGs M = 4.69 (SD = 1.18), die der GmbHs M = 4.57 (SD = 1.51) und die der Sonstigen M = 4.73 (SD = 0.90). Die Mittelwertsunterschiede zwischen den Gruppen sind mit F(4,88) = 0.39; p = .82 statistisch nicht signifikant.

Die prozentualen Häufigkeiten dezentraler Planung nach Rechtsform der Kreditinstitute zeigt Abbildung 30. Die Verteilung der Merkmale zeigt einen schwachen Zusammenhang (Cramer´s V = .15).

Abbildung 30:   Dezentrale Planung nach Rechtsform

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Bei der Betrachtung der Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 6 sind diese nur zum Teil hypothesenkonform. Die Bankengruppen unterscheiden sich in ihrer Rechtsform in den Strukturmerkmalen Leitungsspanne158, Entscheidungsdelegation, Arbeitsteilung und Standardisierung. Es existieren keine nachweisbaren signifikanten Unterschiede oder Zusammenhänge im Bereich der Partizipation, der Autonomie und der Formalisierung. Die Hypothese wird somit nur zum Teil angenommen.

8.3   Überprüfung der Strukturmerkmale

Nachfolgend werden zunächst die drei Strukturmerkmale des Bereiches „Macht“ in Organisationen analysiert (Abschnitt 8.3.1 bis 8.3.3). ← 165 | 166 →

8.3.1   Macht: Organisationsstruktur und Leitungsspanne

Der Indikator „Leitungsspanne“ dient der Erfassung der Ausprägungen der hierarchischen Organisation der Kreditinstitute. Zur Erfassung des Items wurden die Umfrageteilnehmer in der Befragung unter Frage 19 nach der Anzahl der Hierarchieebenen (Führungsebenen) in ihrem Kreditinstitut befragt.

Hypothese 7.1: „Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Leitungsspanne und dem Sektor der Kreditinstitute.“

Hypothese 7.2: „AGs haben unter den Bankengruppen den größten Anteil kleiner Leitungsspannen und GmbHs den größten Anteil großer Leitungsspannen.“

Hypothese 7.3: „Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Leitungsspanne und der Größe der Organisation. Kreditinstitute mit einer geringen Anzahl an Mitarbeitern haben größere Leitungsspannen als Kreditinstitute mit einer größeren Anzahl an Mitarbeitern.“

Hypothese 7.4: „Innovativere Kreditinstitute haben größere Leitungsspannen.“

Hypothese 7.5: „Flexiblere Kreditinstitute haben größere Leitungsspannen.“

Zur Analyse der Variable „Leitungsspanne“ wurde die Variable deskriptiv in Abbildung 31 dargestellt. Hieraus ist zu erkennen, dass Unterschiede in den Strukturen der Kreditinstitute bestehen.

Ist nachfolgend von einer „flachen Hierarchie“ die Rede, so sind eine große Leitungsspanne sowie eine geringe Anzahl an Hierarchieebenen (1–3 Ebenen) gemeint. Wird von einer „steilen Hierarchie“ gesprochen, so werden darunter eine kleine Leitungsspanne sowie eine große Anzahl an Hierarchieebenen (4–6 Ebenen) verstanden.

Abbildung 31:   Leitungsspanne der Kreditinstitute nach Bankensektor

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes. ← 166 | 167 →

Die Institute mit den prozentual kleinsten Leitungsspannen sind im Bereich der Kreditbanken zu finden. Auch einige Institute der Sparkassen haben 5 Hierarchieebenen. Bei den Kreditgenossenschaften hat bei den Befragten kein Institut mehr als 4 Hierarchieebenen. Generell hat die Mehrheit der Institute aller Bankengruppen 1 bis 3 Führungsebenen. Die Kreditbanken haben sowohl den größten prozentualen Anteil der kleinsten, sowie der größten Leitungsspannen. Die Verteilung der Merkmale ist statistisch voneinander abhängig und zeigt einen schwachen Zusammenhang (Cramer´s V = .21).

Zur Überprüfung der Hypothese 7.2 wird die Variable dichotomisiert und in Abbildung 32 die Verteilung des prozentualen Anteils großer Leitungsspannen (1–3 Hierarchieebenen) deskriptiv dargestellt. Hieraus ist ersichtlich, dass die GmbHs ausschließlich große Leitungsspannen haben. Die AGs haben den größten Anteil an kleinen Leitungsspannen (4–6 Hierarchieebenen). Die Verteilung der Merkmale ist statistisch voneinander abhängig und zeigt einen schwachen Zusammenhang (Cramer´s V = .23).

Abbildung 32:   Anteil flacher Hierarchieebenen nach Rechtsform

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Weiterhin wird zur Überprüfung der Hypothese 7.3 die prozentuale Verteilung der Variable „Größe“ hinsichtlich des prozentualen Anteils großer Leitungsspannen (1–3 Hierarchieebenen betrachtet. Aus Abbildung 33 ist zu erkennen, dass Banken mit einer geringeren Anzahl an Mitarbeitern auch eine weniger Hierarchieebenen haben. Die Verteilung der Merkmale ist statistisch voneinander abhängig (Cramers V = .41). ← 167 | 168 →

Abbildung 33:   Verteilung flacher Hierarchieebenen nach Anzahl der Mitarbeiter

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Die Untersuchung der Mittelwertsunterschiede der Überprüfung der Hypothese 7.4 zeigt mit T(91) = 1.36; p = .09 keinen signifikanten Unterschied der „Einschätzung der Innovativität“ zwischen der flachen Hierarchie (M = 4.05) und der steilen Hierarchie (M = 3.69) in den Kreditinstituten. Die Untersuchung der Mittelwertsunterschiede der „Angebotenen Maßnahmen“ zeigt mit T(91) = -1.47; = .07 ebenfalls keinen signifikanten Unterschied des Angebotes der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie zwischen der flachen Hierarchie (M = 4.05) und der steilen Hierarchie (M = 3.69) in den Kreditinstituten.

In einem nächsten Schritt wird untersucht, ob Mittelwertsunterschiede zwischen der „Flexibilität“ und der „Leitungsspanne“ existieren (Hypothese 6.5). Der t-Test ergab mit T(91) = 3.14; < .01 einen signifikanten Unterschied der Flexibilität zwischen der flachen Hierarchie (M = 4.44) und der steilen Hierarchie (M = 3.64) in den Kreditinstituten.

Die Testergebnisse bestätigen den vermuteten Zusammenhang des Sektors der Kreditinstitute und der Leitungsspanne. Die Hypothese 7.1 wird angenommen.

Bei der Überprüfung der Hypothese 7.2 sind die Ergebnisse hypothesenkonform. Die AGs haben den größten Anteil an kleinen Leitungsspannen. Die GmbHs haben den größten Anteil an großen Leitungsspannen.

Die Annahme, dass Kreditinstitute mit einer geringeren Anzahl an Mitarbeitern größere Leitungsspannen haben als Kreditinstitute mit einer größeren Anzahl an Mitarbeitern wird durch die Ergebnisse der Überprüfung bestätigt. Die Hypothese 7.3 wird angenommen. ← 168 | 169 →

Die Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 7.4 sind nicht hypothesenkonform. Die Hypothese wird verworfen.

Die Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 7.5 bestätigen diese. Kreditinstitute mit einer großen Leitungsspanne sind ihrer Einschätzung nach flexibler. Die Hypothese wird angenommen.

8.3.2   Macht: Entscheidungsdelegation

Der Indikator „Entscheidungsdelegation“ dient der Erfassung der Information der Verlagerung von Entscheidungen in Kreditinstituten auf untere Ebenen. Zur Erfassung des Items für die Delegation von Entscheidungen wurden in der Befragung die Umfrageteilnehmer mittels einer 6-stufigen Likert-Skala nach ihrer Einschätzung zu „In der Bank werden Entscheidungen möglichst auf die unteren Ebenen verlagert“ befragt.

Hypothese 8.1: „Die Bankengruppen unterscheiden sich hinsichtlich der Entscheidungsdelegation.“

Hypothese 8.2: „Der Grad der Entscheidungsdelegation ist bei den Kreditbanken am größten ausgeprägt.“

Hypothese 8.3: „Es existiert ein Zusammenhang zwischen Innovativität und Entscheidungsdelegation. Innovativere Kreditinstitute weisen einen höheren Grad an Entscheidungsdelegation auf.“

Hypothese 8.4: „Es existiert ein Zusammenhang zwischen Flexibilität und Entscheidungsdelegation. Flexiblere Kreditinstitute weisen einen höheren Grad an Entscheidungsdelegation auf.“

Zur varianzanalytischen Überprüfung der Hypothesen 8.1 und 8.2 wird zunächst das Item „Entscheidungsdelegation“ als abhängige Variable, der „Sektor der Kreditinstitute“ als unabhängige Variable gewählt. Die durchschnittliche Entscheidungsdelegation im Bereich der Sparkassen beträgt M = 2.81 (SD = 1.27), die der Kreditgenossenschaften = 2.85 (SD = 1.19) und die der Kreditbanken M = 1.84 (SD = 1.01). Die Mittelwertsunterschiede zwischen den Gruppen sind mit F(2,90) = 5.09; p < .01 statistisch signifikant. Die Ergebnisse der t-Tests gibt die Tabelle 28 wieder. Während keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Einschätzung der Entscheidungsdelegation zwischen den Sparkassen und Kreditgenossenschaften bestehen, zeigen sich jedoch signifikante Unterschiede beider vorgenannter Gruppen und der Kreditbanken. ← 169 | 170 →

Tabelle 28:   Ergebnisse der p-Werte der t-Tests für die Einschätzung der Entscheidungsdelegation nach Sektor des Kreditinstitutes

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Signifikanzniveaus: *p < .05. ** p < .01. *** p < .001.

Zur Testung der Hypothese 8.3 wird untersucht, inwiefern ein Zusammenhang zwischen der „Einschätzung der Innovativität“ und der „Entscheidungsdelegation“ besteht. Der Korrelationskoeffizient zwischen diesen beiden Variablen beträgt r = .36. Der p-Wert des Korrelationskoeffizienten bestätigt mit p < .001 eine statistisch hochsignifikante Beziehung beider Variablen. Somit besteht ein positiver linearer Zusammenhang zwischen den beiden Merkmalen.

Weiterhin wird untersucht, inwiefern ein Zusammenhang zwischen der „Entscheidungsdelegation“ und den „Angebotenen Maßnahmen“ zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie besteht. Der Korrelationskoeffizient zwischen diesen beiden Variablen beträgt r = .18; (p = .08). Somit kann an dieser Stelle kein signifikanter Zusammenhang nachgewiesen werden.

Nachstehend erfolgt die Untersuchung des in Hypothese 8.4 vermuteten Zusammenhanges zwischen der Einschätzung der Flexibilität und der Entscheidungsdelegation. Der Korrelationskoeffizient zwischen diesen beiden Variablen beträgt r = .11; (p = .27). Somit kann kein signifikanter Zusammenhang nachgewiesen werden.159

Zusammengefasst kann gemäß voriger statistischer Testverfahren die Hypothese 8.1 „Die Bankengruppen unterscheiden sich hinsichtlich der Entscheidungsdelegation“ angenommen werden.

Die Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 8.2 sprechen gegen die Hypothese. Der Grad der Entscheidungsdelegation ist nicht bei den Kreditbanken, ← 170 | 171 → sondern bei den Kreditgenossenschaften am größten ausgeprägt. Die Ausprägung der Entscheidungsdelegation bei den Sparkassen ist fast so groß wie die der Kreditgenossenschaften.

Die Ergebnisse der Hypothese 8.3 sind nur zum Teil hypothesenkonform. Kreditinstitute, welche ihrer Einschätzung gemäß innovativer sind, als andere Banken der Branche, verlagern ihre Entscheidungen auch mehr auf die unteren Ebenen. Dem gegenüber bieten Kreditinstitute, welche ihre Entscheidungen auf die unteren Ebenen verlagern, nicht gleichermaßen auch mehr Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie an. Die Hypothese kann nur zum Teil angenommen.

Die Ergebnisse der Hypothese 8.4 sind nicht hypothesenkonform. Kreditinstitute, welche ihrer Einschätzung gemäß flexibler sind als andere Banken der Branche verlagern nicht gleichzeitig mehr ihrer Entscheidungen auf die unteren Ebenen.

8.3.3   Macht: Partizipation

Der Indikator „Partizipation“ dient der Erfassung der Information, inwiefern Mitarbeiter in Entscheidungsprozesse überstellter Einheiten eingebunden werden. Die Umfrageteilnehmer wurden mittels einer 6-stufigen Likert-Skala nach ihrer Einschätzung zu „Die Mitarbeiter nehmen an den Entscheidungsprozessen überstellter Hierarchieebenen aktiv teil“ gefragt.

Hypothese 9.1: „Die Bankengruppen unterscheiden sich hinsichtlich der Partizipation. Der Grad an Partizipation ist bei den Kreditgenossenschaften am stärksten ausgeprägt.“

Hypothese 9.2: „Es existiert ein Zusammenhang zwischen Partizipation und Innovativität. Je größer der Grad an Partizipation, desto innovativer sind die Kreditinstitute.“

Hypothese 9.3: „Es existiert ein Zusammenhang zwischen Partizipation und Flexibilität. Je größer der Grad an Partizipation, desto flexibler sind die Kreditinstitute.“

Zur varianzanalytischen Überprüfung der Hypothese 9.1 wird das Item „Teilnahme an Entscheidungen überstellter Ebenen“ als abhängige Variable, der „Sektor der Kreditinstitute“ als unabhängige Variable gewählt. Die mittlere Partizipation an Entscheidungen überstellter Hierarchieebenen im Bereich der Sparkassen beträgt = 3.52 (SD = 0.99), die der Kreditgenossenschaften M = 3.54 (SD = 0.90) und die der Kreditbanken M = 2.89 (SD = 1.33). Die Mittelwertsunterschiede zwischen den Gruppen sind mit F(2,90) = 2.77; p = .07 statistisch nicht signifikant.160 ← 171 | 172 → Abbildung 34 zeigt grafisch den Vergleich der Mittelwerte der Partizipation nach Sektor der Kreditinstitute.

Abbildung 34:   Mittelwertsvergleich der Partizipation nach Sektor der Kreditinstitute

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

In einem nächsten Schritt wird zur Überprüfung der Hypothese 9.2 untersucht, inwiefern ein Zusammenhang zwischen Partizipation und Innovativität besteht. Tabelle 29 zeigt dazu die Pearson-Korrelationskoeffizienten.

Tabelle 29:   Pearson-Korrelationskoeffizienten der Partizipation

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Signifikanzniveaus: *p < .05. ** p < .01. *** p < .001; (n = 93; p-Werte in Klammern). ← 172 | 173 →

Die Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 9.1 sind nicht hypothesenkonform. Die Bankengruppen unterscheiden sich hinsichtlich der Partizipation an Entscheidungen überstellter Hierarchieebenen nicht signifikant voneinander.

Bei Betrachtung der Items für Innovativität sind die Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 9.2 hinsichtlich des Zusammenhanges zwischen „Partizipation“ und der „Einschätzung der Innovativität“ im Vergleich mit anderen Banken der Branche hypothesenkonform. Es besteht ein mittlerer Zusammenhang der beiden Variablen. Je größer demnach der Grad an Partizipation ist, desto höher ist die Einschätzung der Innovativität der eigenen Bank. Die Ergebnisse der Überprüfung des Zusammenhanges der Partizipation und des zweiten Items für Innovativität, der Anzahl der „Angebotenen Maßnahmen“ zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie sprechen gegen die Hypothese 9.2. Ein Zusammenhang zwischen einem hohen Grad an Teilnahme an Entscheidungen überstellter Ebenen geht nicht nachweislich mit einer hohen Anzahl an angebotenen Maßnahmen einher. Die Hypothese 9.2, dass ein Zusammenhang zwischen Partizipation und Innovativität existiert, wird somit nur zum Teil bestätigt.

Die Korrelationsanalyse der Zusammenhänge zwischen den Items für Partizipation und dem Item Flexibilität bestätigt die Hypothese 9.3. Es existiert ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Teilnahme an Entscheidungen überstellter Ebenen und der Einschätzung der Flexibilität. Je größer die Teilnahme an Entscheidungen überstellter Ebenen ist, desto höher ist der Grad der Flexibilität. Die Hypothese 9.3. wird angenommen.

8.3.4   Spezialisierung

Zur Erfassung der Items für „Standardisierung“ wurden die Umfrageteilnehmer in der Befragung mittels einer 6-stufigen Likert-Skala nach ihrer Einschätzung zur „Arbeitsteilung“ („Die Gesamtheit aller Aufgaben ist auf viele Teilbereiche in der Bank verteilt“) und nach ihrer Einschätzung zur „Autonomie“ („Die Mitarbeiter treffen Entscheidungen hinsichtlich ihrer Tätigkeiten eigenständig“) gebeten. Beide Items bilden zusammen den Indikator für Spezialisierung.

Hypothese 10.1: „Die Bankengruppen unterscheiden sich hinsichtlich der Spezialisierung. Der Grad der Arbeitsteilung ist bei den Kreditbanken am stärksten und der Grad der Autonomie am niedrigsten ausgeprägt.“

Hypothese 10.2: „Es gibt einen Zusammenhang zwischen Innovativität und Spezialisierung. Innovativere Kreditinstitute weisen einen niedrigeren Grad an Spezialisierung auf.“

Hypothese 10.3: „Es gibt einen Zusammenhang zwischen Flexibilität und Spezialisierung. Flexiblere Kreditinstitute weisen einen niedrigeren Grad an Spezialisierung auf.“

Hypothese 10.4: „Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Spezialisierung und der Nutzung der Kommunikations- und Informationswege.“ ← 173 | 174 →

Zur varianzanalytischen Überprüfung der Hypothese 10.1 wird zunächst das Item „Arbeitsteilung“ als abhängige Variable und der „Sektor der Kreditinstitute“ als unabhängige Variable gewählt. Die mittlere Arbeitsteilung im Bereich der Sparkassen beträgt = 4.5 (SD = 0.95), die der Kreditgenossenschaften M = 4.62 (SD = 1.13) und die der Kreditbanken M = 3.79 (SD = 1.51). Die Mittelwertsunterschiede zwischen den Gruppen sind mit F(2,90) = 3.42; p < .05 statistisch signifikant (Abbildung 35). Die Ergebnisse der posthoc durchgeführten t-Tests zeigt Tabelle 30.

Abbildung 35:   Mittelwertsvergleich der Arbeitsteilung nach Sektor der Kreditinstitute

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Tabelle 30:   Ergebnisse der p-Werte der t-Tests für die Arbeitsteilung nach Sektor des Kreditinstitutes

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Signifikanzniveaus: *p < .05. ** p < .01. *** p < .001. ← 174 | 175 →

In einem nächsten Schritt werden die Mittelwertsunterschiede zwischen der „Autonomie“ und dem „Sektor der Kreditinstitute“ betrachtet. Die durchschnittliche Autonomie im Bereich der Sparkassen beträgt M = 3.94 (SD = 1.16), die der Kreditgenossenschaften M = 3.85 (SD = 1.01) und die der Kreditbanken M = 3.53 (SD = 1.26). Die Mittelwertsunterschiede zwischen den Gruppen sind mit F(2,90) = 0.89; p = .41 statistisch nicht signifikant.

Zur statistischen Überprüfung der vermuteten Zusammenhänge der Hypothesen 9.2, 9.3 und 9.4 wurden die Pearson-Korrelationskoeffizienten der Variablen berechnet. Tabelle 31 zeigt die Korrelationskoeffizienten der Items der Spezialisierung und der Items für Innovativität, Flexibilität und Kommunikations- und Informationswege.

Tabelle 31:   Pearson-Korrelationskoeffizienten der Spezialisierung

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Signifikanzniveaus: *p < .05. ** p < .01. *** p < .001, (n=93; p-Werte in Klammern).

Gemäß voriger Überprüfung der Hypothese 10.1 sind die Ergebnisse nur teilweise hypothesenkonform. Die Bankengruppen unterscheiden sich hinsichtlich der „Arbeitsteilung“ signifikant voneinander, hinsichtlich der „Autonomie“ (Eigenständigkeit der Entscheidungen der Mitarbeiter) allerdings nicht.

Die Annahme, dass der Grad der Arbeitsteilung bei den Kreditbanken am stärksten und der Grad der Autonomie am niedrigsten ausgeprägt ist, bestätigt sich ebenfalls nur zum Teil. Der Grad der Arbeitsteilung ist bei den Kreditbanken entgegen der Annahme am niedrigsten ausgeprägt. Der Grad der Eigenständigkeit der Entscheidungen der Mitarbeiter hinsichtlich des eigenen Tätigkeitsbereiches (Autonomie) ist wie angenommen im Vergleich mit den anderen Bankengruppen bei den Kreditbanken am niedrigsten ausgeprägt. Die vorige Überprüfung der Unterschiede der Bankengruppen in der Spezialisierung zeigte jedoch keine signifikanten Ergebnisse. Die Hypothese wird daher nur zum Teil angenommen.

Der in Hypothese 10.2 angenommene Zusammenhang zwischen der Innovativität und der Spezialisierung wird ebenfalls nur teilweise bestätigt. Zusammen ← 175 | 176 → hänge können hinsichtlich des Items „Arbeitsteilung“ konstatiert werden. Je höher der Grad der „Arbeitsteilung“ ist, desto größer ist auch die „Einschätzung der Innovativität“ der Bank, verglichen mit anderen Banken der gesamten Branche. Eine hohe Ausprägung bei der „Arbeitsteilung“ geht ebenfalls mit einer hohen Anzahl an „Angebotenen Maßnahmen“ zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie einher. Die Ergebnisse der Untersuchung der Zusammenhänge des Items „Autonomie“ sind nur teilweise hypothesenkonform. Je höher der Grad der „Autonomie“ ist, desto größer wird auch die Innovativität des Kreditinstitutes eingeschätzt. Ein Zusammenhang zwischen der „Autonomie“ und der Menge der „Angebotenen Maßnahmen“ zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie kann jedoch nicht nachgewiesen werden. Die Hypothese 10.2 wird nur teilweise angenommen.

Die Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 10.3 sind nicht hypothesenkonform. Der vermutete Zusammenhang zwischen der „Spezialisierung“ und der „Flexibilität“ wird nicht bestätigt. Die Hypothese wird somit verworfen.

Die Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 10.4 zeigen einen signifikanten Zusammenhang zwischen der „Arbeitsteilung“ und der Nutzung der „Kommunikations- und Informationswege“. Je größer der Grad der Arbeitsteilung, desto mehr Wege der Kommunikation und Information werden genutzt. Ein vermuteter Zusammenhang zwischen der „Autonomie“ und den genutzten Wegen der „Kommunikation und Information“ wird nicht bestätigt. Die Hypothese 10.4 wird folglich nur teilweise angenommen.

8.3.5   Koordination: Planung

Der Indikator „Planung“ dient der Erfassung der Einschätzung der Befragten hinsichtlich der Zentralität oder Dezentralität der Planung der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Ihrem Kreditinstitut. Unter Frage 18 wurden die Umfrageteilnehmer nach ihrer Einschätzung zu: „Von welcher Abteilung werden die Maßnahmen zur „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ in Ihrem Haus federführend geplant“ befragt.

Hypothese 11.1: „Es existiert ein Zusammenhang zwischen der Zentralität der Planung der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie und dem Sektor der Kreditinstitute. Kreditbanken planen dezentraler als die anderen Kreditinstitute.“

Hypothese 11.2: „Es existieren Unterschiede zwischen der Innovativität und der Zentralität der Planung. Je innovativer ein Kreditinstitut ist, desto dezentraler ist die Planung.“

Hypothese 11.3: „Es existieren Unterschiede zwischen der Flexibilität und der Zentralität der Planung. Je flexibler ein Kreditinstitut ist, desto dezentraler ist die Planung. “ ← 176 | 177 →

Zur Analyse der Variable „Planung“ wurde eine Kategorisierung der Variable in „zentrale Planung“ und „dezentrale Planung“ vorgenommen.161 Die prozentualen Häufigkeiten dezentraler Planung nach Sektor der Kreditinstitute zeigt Abbildung 36. Die Verteilung der Merkmale ist statistisch nicht voneinander abhängig (Cramer´s V =.05).

Abbildung 36:   Dezentrale Planung nach Sektor der Kreditinstitute

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Zur Überprüfung der Hypothese 11.2 wird zunächst mittels eines t-Tests die Frage beantwortet, inwiefern zwischen den Sektoren der Kreditinstitute Unterschiede hinsichtlich der Zentralität der „Planung“ der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie und der „Einschätzung der Innovativität“ existieren. Der t-Test zeigt einen nicht signifikanten Unterschied von T(81) = 0.56; p = .29 zwischen der zentralen (M = 4.06) und der dezentralen Planung (M = 3.87) in den Kreditinstituten (Abbildung 37). ← 177 | 178 →

In einem nächsten Schritt wird untersucht, ob Mittelwertsunterschiede zwischen dem zweiten Indikator für Innovativität, den „Angebotenen Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ und der „Planung der Maßnahmen“ existieren. Der t-Test ergab einen nicht signifikanten Unterschied von T(81) = 0.24; p = .41 zwischen der zentralen (M = 7.51) und der dezentralen Planung (M = 7.33) in den Kreditinstituten (Abbildung 38).

Bei der Überprüfung der Hypothese 11.3 ergab der t-Test einen nicht signifikanten Unterschied zwischen der zentralen (M = 4.19) und der dezentralen Planung (M = 4.33) in den Kreditinstituten T(81) = -0.42; p = .34. Abbildung 39 zeigt den grafischen Vergleich der Mittelwerte.

Zusammengefasst zeigt sich, dass bei der statistischen Überprüfung der Annahme eines Zusammenhanges der Sektoren der Kreditinstitute und der Zentralität der Planung die Ergebnisse der Hypothese 11.1 nicht hypothesenkonform sind. Kreditbanken planen nicht dezentraler als die anderen Kreditinstitute. Die Hypothese 11.1 wird verworfen.

Die Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 11.2 bestätigen die Hypothese nicht. Es können keine Unterschiede zwischen der Zentralität der Planung und der Innovativität der Kreditinstitute nachgewiesen werden. Die Hypothese wird nicht angenommen.

Die Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 11.3 sind ebenfalls nicht hypothesenkonform. Es können keine Unterschiede zwischen der Zentralität der Planung und der Flexibilität der Kreditinstitute nachgewiesen werden. Die Hypothese wird verworfen. ← 179 | 180 →

8.3.6   Koordination: Standardisierung

Der Indikator „Standardisierung“ dient der Erfassung des Ausmaßes an immer gleich verlaufenden Prozessen in den Kreditinstituten. Die Umfrageteilnehmer wurden mittels einer 6-stufigen Likert-Skala nach ihrer Einschätzung zu: „In der Bank laufen Prozesse standardisiert ab“ gefragt.

Hypothese 12.1: „Die Bankengruppen unterscheiden sich hinsichtlich der Standardisierung.“

Hypothese 12.2: „Innovativere Kreditinstitute weisen einen niedrigeren Grad an Standardisierung auf.“

Hypothese 12.3: „Flexiblere Kreditinstitute weisen einen niedrigeren Grad an Standardisierung auf.“

Hypothese 12.4: „Stärker standardisierte Kreditinstitute nutzen mehr Wege der Kommunikation und Information.“

Zur Überprüfung der Hypothese 12.1 wird zunächst das Item „Standardisierung“ als abhängige Variable und der Sektor der Kreditinstitute als unabhängige Variable gewählt. Die mittlere Standardisierung im Bereich der Sparkassen beträgt M = 4.46 (SD = 0.94), die der Kreditgenossenschaften M = 4.38 (SD = 0.75) und die der Kreditbanken M = 4.05 (SD = 1.32). Die Mittelwertsunterschiede zwischen den Gruppen sind mit F(2,90) = 1.15 p = .32 statistisch nicht signifikant (Abbildung 40).

Abbildung 40:   Mittelwertsvergleich der Standardisierung nach Sektor der Kreditinstitute

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

In einem nächsten Schritt wird untersucht, inwiefern ein Zusammenhang zwischen der Standardisierung und den Items für Innovativität sowie der Flexibilität ← 180 | 181 → besteht (Hypothesen 12.2 bis 12.4). Tabelle 32 zeigt die Pearson-Korrelationskoeffizienten zur Überprüfung der Zusammenhänge.

Tabelle 32:   Pearson-Korrelationskoeffizienten der Standardisierung

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Signifikanzniveaus: *p < .05. ** p < .01. *** p < .001; (n = 93; p-Werte in Klammern).

Gemäß voriger Überprüfung der Hypothese 12.1 ist das Ergebnis nicht hypothesenkonform. Die Bankengruppen unterscheiden sich hinsichtlich der Standardisierung der Prozesse nicht voneinander. Die Hypothese wird verworfen.

Die Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 12.2 sind nur zum Teil hypothesen-konform. Kreditinstitute, welche ihrer Einschätzung nach innovativer sind als andere Banken der Branche, sind in der Einschätzung der Befragten auch standardisierter in ihren Prozessen. Dem gegenüber bieten Kreditinstitute, welche einen höhere Ausprägung immer gleich verlaufender Prozesse aufweisen, nicht gleichermaßen auch mehr Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie an. Die Hypothese wird nur bedingt angenommen.

Die Betrachtung der Testergebnisse der Hypothese 12.3 und 12.4 sind hypothesenkonform. Kreditinstitute, welche ihrer Einschätzung gemäß flexibler sind, als andere Banken der Branche, sind in der Einschätzung der Befragten auch standardisierter in ihren Prozessen. Kreditinstitute, welche einen hohen Grad der Standardisierung aufweisen, nutzen auch mehr Wege der Kommunikation und Information.

8.3.7   Formalisierung

Der Indikator „Formalisierung“ dient der Erfassung des Ausmaßes an Normen und Arbeitsanweisungen in den Kreditinstituten. Die Umfrageteilnehmer wurden mittels einer 6-stufigen Likert-Skala nach ihrer Einschätzung zu „Die Bank hat eine große Anzahl an Arbeitsanweisungen und Normen“ gefragt.

Hypothese 13.1: „Die Bankengruppen unterscheiden sich hinsichtlich der Formalisierung.“

Hypothese 13.2: „Es existiert ein Zusammenhang zwischen Formalisierung und Innovativität. Je größer der Grad an Formalisierung, desto flexibler sind die Kreditinstitute.“

Hypothese 13.3: „Es existiert ein Zusammenhang zwischen Formalisierung und Flexibilität. Je größer der Grad an Formalisierung, desto weniger flexibel sind die Kreditinstitute.“ ← 181 | 182 →

Hypothese 13.4: „Es existiert ein Zusammenhang zwischen Formalisierung und der Nutzung der Kommunikations- und Informationswege. Je größer der Grad an Formalisierung, desto mehr Wege der Kommunikation und Information werden genutzt.“

Zur varianzanalytischen Überprüfung der Hypothese 13.1 wird zunächst das Item „Formalisierung“ als abhängige Variable, die Sektoren der Banken als unabhängige Variable gewählt.

Die durchschnittliche Formalisierung im Bereich der Sparkassen beträgt M = 4.96 (SD = 1.05), die der Kreditgenossenschaften M = 4.73 (SD = 0.92) und die der Kreditbanken M = 4.53 (SD = 1.31). Die Mittelwertsunterschiede zwischen den Gruppen sind mit F(2,90) = 1.19; p = .31 statistisch nicht signifikant. Die Mittelwertsunterschiede zeigt Abbildung 41.

Zur Überprüfung der Hypothese 13.2 bis 13.4 wird die Frage beantwortet, inwiefern Zusammenhänge zwischen den Items „Formalisierung“ und den Items „Einschätzung der Innovativität“, den „Angebotenen Maßnahmen“, der „Einschätzung der Flexibilität“ und der Nutzung der „Kommunikations- und Informationswege“ bestehen. Hierzu werden die Variablen korreliert. Tabelle 33 zeigt die Pearson-Korrelationskoeffizienten. ← 182 | 183 →

Tabelle 33:   Pearson-Korrelationskoeffizienten der Formalisierung

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Signifikanzniveaus: *p < .05. ** p < .01. *** p < .001; (n = 93; p-Werte in Klammern).

Im Ergebnis unterscheiden sich die Bankengruppen hinsichtlich des Grades an Formalisierung nicht signifikant voneinander. Die Hypothese 13.1 wird verworfen.

Bei der Überprüfung der vermuteten Zusammenhänge der Hypothesen 13.2 bis 13.4 sind die Ergebnisse nicht hypothesenkonform. Die Hypothesen werden nicht angenommen.

8.4   Indikatoren der Umsetzung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Im nachfolgenden Abschnitt werden die Variablen der Umsetzung von Vereinbarkeit von Beruf und Familie in den Kreditinstituten betrachtet. Diese sind Indikatoren für die tatsächliche Umsetzung der Veränderungsvorhaben.

8.4.1   Angebot der Partnermonate in den Kreditinstituten vor der gesetzlichen Einführung

Der Indikator „Angebot vor dem Stichtag“ dient der Beantwortung der Frage, inwiefern Kreditinstitute schon vor der gesetzlichen Einführung der Partnermonate erweiterte Möglichkeiten der Elternzeit angeboten haben. In der Befragung wurde die Umfrageteilnehmer unter Frage 12 mittels einer kategorialen (dichotomen) Antwortskala nach ihrer Einschätzung zu der folgenden Aussage befragt: „Zum 01.01.2007 wurden mit dem Elterngeld auch die sogenannten „Partnermonate“ eingeführt. Dabei hat der Partner zu den 12 Monaten Elterngeld des Antragstellers Anspruch auf 2 weitere Monate. Hat Ihre Bank bereits vor diesem Stichtag die Partnermonate (bezahlt oder unbezahlt) für tarifangestellte männliche Mitarbeiter aktiv angeboten?“.

Hypothese 14.1: „Es existiert ein Zusammenhang zwischen dem Angebot der Partnermonate schon vor der gesetzlichen Einführung und dem Sektor der Kreditinstitute.“

Hypothese 14.2: „Es existieren Unterschiede zwischen dem Angebot der Partnermonate vor dem Stichtag und der Innovativität. Die Kreditinstitute, welche die Möglichkeit der ← 183 | 184 → Partnermonate bereits vor der gesetzlichen Einführung angeboten haben, sind auch innovativer als Kreditinstitute, die das Angebot nicht gemacht haben.“

Hypothese 14.3: „Es existieren Unterschiede zwischen dem Angebot der Partnermonate vor dem Stichtag und der Flexibilität. Die Kreditinstitute, welche die Möglichkeit der Partnermonate bereits vor der gesetzlichen Einführung angeboten haben, sind auch flexibler als Kreditinstitute, die das Angebot nicht gemacht haben.“

Hypothese 14.4: „Es existieren Unterschiede zwischen dem Angebot der Partnermonate vor dem Stichtag und der Nutzung der Kommunikations- und Informationswege. Die Kreditinstitute, welche die Möglichkeit der Partnermonate bereits vor der gesetzlichen Einführung angeboten haben, nutzen mehr Wege der Kommunikation und Information als Kreditinstitute, die das Angebot nicht gemacht haben.“

Zur Beantwortung der Hypothese 14.1 erfolgt zunächst eine deskriptive Darstellung des Angebotes der Partnermonate schon vor der gesetzlichen Einführung. Die Abbildung 42 zeigt, inwiefern die Kreditinstitute bereits vor der gesetzlichen Einführung Partnermonate angeboten haben. Mit rund 33 Prozent haben fast doppelt so viele Sparkassen verglichen mit den Kreditbanken den Mitarbeitern das Angebot der Partnermonate vor der gesetzlichen Einführung gemacht. Mit rund 28,6 Prozent liegen die Kreditgenossenschaften mit 5 Prozent Unterschied nahe an der Quote der Sparkassen. Die Ergebnisse der Überprüfung weisen einen schwachen Zusammenhang auf (Cramer´s V = .14).

Abbildung 42:   Angebot der Partnermonate vor dem Stichtag 01.01.2007

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes. ← 184 | 185 →

Eine varianzanalytische Überprüfung der Hypothesen 14.2, 14.3 und 14.4 dient der Beantwortung der Frage, inwiefern Unterschiede zwischen dem „Angebot vor dem Stichtag“ und der Items für Innovativität, Flexibilität, sowie Kommunikations- und Informationswege existieren. Bei der Überprüfung der Hypothese 14.2 ergibt der t-Test einen signifikanten Unterschied zwischen der Einschätzung der Innovativität und dem Angebot der Partnermonate vor der gesetzlichen Einführung (= 4.25), sowie des nicht erfolgten bankseitigen Angebotes (M = 3.73) in den Kreditinstituten T(82) = -1.78; p > .05. Abbildung 43 zeigt grafisch einen Vergleich der Mittelwerte.

In einem nächsten Schritt wurde untersucht, ob Mittelwertsunterschiede zwischen dem „Angebot vor dem Stichtag“ und den „Angebotenen Maßnahmen“ zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie bestehen. Der t-Test ergibt einen nicht signifikanten Unterschied zwischen dem Angebot der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie und dem Angebot der Partnermonate vor der gesetzlichen Einführung (M = 7.75), sowie des nicht erfolgten bankseitigen Angebotes (M = 6.63) in den Kreditinstituten T(82) = -1.66; p = .05. Abbildung 44 zeigt den grafischen Vergleich der Mittelwerte. ← 185 | 186 →

Die Untersuchung der Unterschiede zwischen dem Angebot der Partnermonate vor dem Stichtag und der Flexibilität (Hypothese 14.3) zeigt folgendes Ergebnis: Der t-Test zeigt einen nicht signifikanten Unterschied zwischen der Einschätzung der Flexibilität und dem Angebot der Partnermonate vor dem Stichtag (M = 4.38), sowie des nicht erfolgten bankseitigen Angebotes (M = 4.03) in den Kreditinstituten T(82) = -1.17; p = .12. Abbildung 45 zeigt grafisch einen Vergleich der Mittelwerte.

Abbildung 45:   Mittelwertsunterschiede des Angebotes der Partnermonate und der Einschätzung der Flexibilität

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes. ← 186 | 187 →

Die Betrachtung der Mittelwertsunterschiede des „Angebotes vor dem Stichtag“ und der „Nutzung der Kommunikations- und Informationswege“ zeigt, dass die durchschnittliche Nutzung der Kommunikations- und Informationswege im Bereich der angebotenen Partnermonate = 5.88 (SD = 0.69) beträgt, die bei einem nicht erfolgten Angebot der Partnermonate M = 4.73 (SD = 0.37). Die Mittelwertsunterschiede zwischen den Gruppen sind mit T(82) = -1.55; p = .06. statistisch nicht signifikant.

Zusammengefasst zeigen die Ergebnisse der Betrachtung der Hypothese 14.1 sowohl deskriptiv, als auch statistisch Unterschiede zwischen den Bankengruppen im Angebot der Partnermonate vor der gesetzlichen Einführung. Die Hypothese kann somit angenommen werden.

Hinsichtlich der Überprüfung vermuteter Unterschiede zwischen dem „Angebot vor dem Stichtag“ und der Items für Innovativität sind die Ergebnisse nur teilweise hypothesenkonform. Es bestehen signifikante Unterschiede zwischen dem „Angebot vor dem Stichtag“ und der „Einschätzung der Innovativität“. Es können jedoch keine Unterschiede zwischen dem „Angebot vor dem Stichtag“ und den „Angebotenen Maßnahmen“ zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie bestätigt werden. Die Hypothese 14.2 wird nur teilweise angenommen.

Bei Betrachtung der Ergebnisse der Überprüfung der Hypothesen 14.3 und 14.4 sind diese nicht hypothesenkonform. Es existieren keine nachweisbaren Unterschiede zwischen dem „Angebot der Partnermonate“ vor dem Stichtag und der „Einschätzung der Flexibilität“, sowie der Anzahl der genutzten „Kommunikations- und Informationswege“. Die Hypothesen 14.3 und 14.4 werden verworfen.

8.4.2   Erstmalige Wahrnehmung der Partnermonate in den Kreditinstituten

Der Indikator „Erstmalige Wahrnehmung“ misst mittels einer metrischen Antwortskala den Zeitpunkt der erstmaligen Wahrnehmung der Partnermonate in den Kreditinstituten. Unter Frage 13 wurde den Befragten die Frage: „In welchem Jahr wurden die „Partnermonate“ von den männlichen Mitarbeitern in Ihrem Kreditinstitut das erste Mal wahrgenommen?“ gestellt.

Hypothese 15.1: „Die Bankengruppen unterscheiden sich hinsichtlich des Zeitpunktes der erstmaligen Wahrnehmung der Partnermonate durch männliche Angestellte voneinander“.

Hypothese 15.2: „Es existieren Zusammenhänge zwischen dem Zeitpunkt der erstmaligen Wahrnehmung der Partnermonate durch männliche Mitarbeiter und der Innovativität. Die Kreditinstitute, in denen männliche Mitarbeiter bereits früher die Partnermonate erstmalig wahrgenommen haben, sind auch innovativer als Kreditinstitute, in welchen der Zeitpunkt der erstmaligen Wahrnehmung später erfolgt ist.“ ← 187 | 188 →

Hypothese 15.3: „Es existieren Zusammenhänge zwischen dem Zeitpunkt der erstmaligen Wahrnehmung der Partnermonate durch männliche Mitarbeiter und der Flexibilität. Die Kreditinstitute, in denen männliche Mitarbeiter bereits früher die Partnermonate erstmalig wahrgenommen haben, sind auch flexibler als Kreditinstitute, in welchen der Zeitpunkt der erstmaligen Wahrnehmung später erfolgt ist.“

Hypothese 15.4: „Es existieren Zusammenhänge zwischen dem Zeitpunkt der erstmaligen Wahrnehmung der Partnermonate durch männliche Mitarbeiter und der Nutzung der Kommunikations- und Informationswege. Die Kreditinstitute, in denen männliche Mitarbeiter bereits früher die Partnermonate erstmalig wahrgenommen haben, nutzen mehr Kommunikations- und Informationswege als Kreditinstitute, in welchen der Zeitpunkt der erstmaligen Wahrnehmung später erfolgt ist.“

Zur Überprüfung der Hypothese 15.1 zeigt die Abbildung 46 deskriptiv den Zeitpunkt der erstmaligen Wahrnehmung der Partnermonate in den Kreditinstituten.

Abbildung 46:   Zeitpunkt der erstmaligen Wahrnehmung der Partnermonate

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes. Die vertikalen Linien zeigen die Mittelwerte der Gruppen an.

Bei keinem der befragten Kreditinstitute wurde ein bankseitiges Angebot vor der gesetzlichen Einführung wahrgenommen. Aus der Abbildung ist zudem nicht ersichtlich, dass bei rund 35 % der Kreditbanken die Angabe gemacht wurde, dass ← 188 | 189 → bis dato noch kein männlicher Angestellter die Partnermonate wahrgenommen hat, während dies bei mehr als 95 Prozent der Sparkassen und bei allen befragten Kreditgenossenschaften der Fall ist. Die varianzanalytische Überprüfung dient der Beantwortung der Frage, inwiefern signifikante Unterschiede zwischen der erstmaligen Wahrnehmung der Partnermonate bei den Sektoren der Kreditinstitute existieren. Die durchschnittliche erstmalige Wahrnehmung der Partnermonate bei den Sparkassen beträgt M = 2.48 (SD = 1.66), bei den Kreditgenossenschaften M = 3.14 (SD = 2.29) und bei den Kreditbanken M = 4.64 (SD = 2.50). Die Mittelwertsunterschiede zwischen den Gruppen sind mit F(2,70) = 5.09; p < .01 signifikant. Die Ergebnisse der t-Tests gibt die Tabelle 34 wieder.

Tabelle 34:   Ergebnisse der p-Werte der t-Tests für die Wahrnehmung der Partnermonate nach Sektor der Kreditinstitute

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Signifikanzniveaus: *p < .05. ** p < .01. *** p < .001.

In einem nächsten Schritt wird zur Überprüfung der Hypothesen 15.2 bis 15.5 untersucht, inwiefern ein Zusammenhang zwischen der erstmaligen Wahrnehmung der Partnermonate und der Items für Innovativität, Flexibilität, sowie Kommunikations- und Informationswege existiert. Tabelle 35 zeigt die Pearson-Korrelationskoeffizienten.

Tabelle 35:   Pearson-Korrelationskoeffizienten der erstmaligen Wahrnehmung der Partnermonate

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Signifikanzniveaus: *p < .05. ** p < .01. *** p < .001; (n=73; p-Werte in Klammern). ← 189 | 190 →

Gemäß voriger Überprüfung wird die Hypothese 15.1 angenommen. Die Bankengruppen unterscheiden sich hinsichtlich des Zeitpunktes der erstmaligen Wahrnehmung der Partnermonate durch männliche Angestellte signifikant voneinander.

Die Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 15.2 sind nur teilweise hypothesen-konform. Es existieren keine Zusammenhänge zwischen dem Zeitpunkt der erstmaligen Wahrnehmung der Partnermonate durch männliche Mitarbeiter und der Einschätzung der Innovativität. Es bestehen jedoch signifikante Zusammenhänge zwischen dem Zeitpunkt der erstmaligen Wahrnehmung der Partnermonate durch männliche Mitarbeiter und dem Angebot der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Je früher der Zeitpunkt der erstmaligen Wahrnehmung der Partnermonate durch männliche Mitarbeiter in den Kreditinstituten ist, desto größer ist das Angebot der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie in den Kreditinstituten. Die Hypothese 15.2 wird nur teilweise angenommen.

Die Betrachtung der Testergebnisse der Hypothese 15.3 wiederlegt die Hypothese. Es existieren keine signifikanten Zusammenhänge zwischen dem Zeitpunkt der erstmaligen Wahrnehmung der Partnermonate durch männliche Mitarbeiter und der Einschätzung der Flexibilität der Kreditinstitute. Die Hypothese 15.3 wird verworfen.

Bei der Betrachtung der Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 15.4 sind die Ergebnisse hypothesenkonform. Es existiert ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt der erstmaligen Wahrnehmung der Partnermonate durch männliche Mitarbeiter und der Anzahl der genutzten Kommunikations- und Informationswege. Je früher der Zeitpunkt der erstmaligen Wahrnehmung der Partnermonate durch männliche Mitarbeiter in den Kreditinstituten ist, desto höher ist die genutzte Anzahl der Kommunikations- und Informationswege.

8.4.3   Häufigkeit der Wahrnehmung der Elternzeit

Der Indikator „Häufigkeit Wahrnehmung“ misst mittels einer ordinalen Antwortskala die Häufigkeit der Wahrnehmung der Elternzeit von männlichen Angestellten über die 2-monatigen Partnermonate hinaus. Die Antwortmöglichkeiten erstrecken sich 5-stufig von „sehr häufig“ bis zu „gar nicht“. Das Item „Häufigkeit der Wahrnehmung“ beinhaltet die Frage 14: „Wie häufig wird in Ihrem Hause die Elternzeit über die 2-monatigen „Partnermonate“ hinaus von den männlichen Angestellten wahrgenommen?“

Hypothese 16.1: „Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Häufigkeit der Wahrnehmung der Elternzeit durch männliche Angestellte über die 2-monatigen Partnermonate hinaus und den Sektoren der Kreditinstitute.“ ← 190 | 191 →

Hypothese 16.2: „Es existieren Zusammenhänge zwischen der Häufigkeit der Wahrnehmung der Elternzeit durch männliche Angestellte über die 2-monatigen Partnermonate hinaus und der Innovativität. Die Kreditinstitute, in denen männliche Mitarbeiter häufiger die Partnermonate wahrnehmen, sind auch innovativer als Kreditinstitute, in welchen die Wahrnehmungsquote niedriger ist.“

Hypothese 16.3: „Es existieren Zusammenhänge zwischen der Häufigkeit der Wahrnehmung der Elternzeit durch männliche Angestellte über die 2-monatigen Partnermonate hinaus und der Flexibilität. Die Kreditinstitute, in denen männliche Mitarbeiter häufiger die Partnermonate wahrnehmen, sind auch flexibler als Kreditinstitute, in welchen die Wahrnehmungsquote niedriger ist.“

Hypothese 16.4: „Es existieren Zusammenhänge zwischen der Häufigkeit der Wahrnehmung der Elternzeit durch männliche Angestellte über die 2-monatigen Partnermonate hinaus und der Nutzung der Kommunikations- und Informationswege. Die Kreditinstitute, in denen männliche Mitarbeiter häufiger die Partnermonate wahrnehmen, nutzen auch mehr Wege der Kommunikation und Information der angebotenen Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie.“

Bei der Hälfte der befragten Kreditbanken wurde die Elternzeit noch nicht über die 2-monatigen Partnermonate hinaus von den männlichen Angestellten wahrgenommen. Bei den Sparkassen und Kreditgenossenschaften zeigt diese Gruppe Werte von circa 15 Prozent. Die Überprüfung des Zusammenhanges zwischen der Häufigkeit der Wahrnehmung über die 2-monatigen Partnermonate hinaus und dem Sektor der Kreditinstitute zeigt einen schwachen Zusammenhang (Cramer´s V = .27). Die Abbildung 47 zeigt die Häufigkeit der Wahrnehmung der Partnermonate in den Kreditinstituten.

Abbildung 47:   Häufigkeit der Wahrnehmung der Partnermonate nach Kreditinstituten

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes. ← 191 | 192 →

In einem nächsten Schritt wird untersucht, inwiefern Zusammenhänge zwischen der „Häufigkeit der Wahrnehmung“ der Partnermonate und den Items für Innovativität, „Flexibilität“, sowie der „Kommunikations- und Informationswege“ existieren. Zur statistischen Überprüfung der Zusammenhänge werden die Spearman-Rangkorrelationskoeffizienten berechnet (Tabelle 36).

Tabelle 36:   Spearman-Rangkorrelationskoeffizienten der Häufigkeit der Wahrnehmung der Partnermonate

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Signifikanzniveaus: *p < .05. ** p < .01. *** p < .001; (n = 90; p-Werte in Klammern).

Gemäß voriger statistischer Analyse wird die Hypothese 16.1 angenommen. Es besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen der „Häufigkeit der Wahrnehmung“ der Elternzeit durch männliche Angestellte über die 2-monatigen Partnermonate hinaus und den „Sektoren der Kreditinstitute“.

Bei Betrachtung der Items für Innovativität sind die Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 16.2 hypothesenkonform. Es besteht ein Zusammenhang der Häufigkeit der „Wahrnehmung“ der Elternzeit durch männliche Angestellte über die 2-monatigen Partnermonate hinaus und der Innovativität. Je häufiger demnach die Elternzeit über die Partnermonate hinaus genommen wird, desto höher wird der Grad der Innovativität der Kreditinstitute eingeschätzt. Je häufiger die Elternzeit über die Partnermonate hinaus genommen wird, desto größer ist die Anzahl an „Angebotenen Maßnahmen“ zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die Hypothese 16.2 wird angenommen.

Die Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 16.3 bestätigen diese nicht. Es besteht kein nachweisbarer Zusammenhang zwischen der „Häufigkeit der Wahrnehmung“ der Elternzeit durch männliche Angestellte über die 2-monatigen Partnermonate hinaus und der „Flexibilität“. Die Hypothese wird verworfen.

Die Überprüfung des vermuteten Zusammenhanges zwischen der „Häufigkeit der Wahrnehmung“ und der Nutzung der „Kommunikations- und Informationswege“ bestätigt die Hypothese 16.4. Die Kreditinstitute, in denen männliche Mitarbeiter häufiger die Partnermonate wahrnehmen, nutzen auch signifikant mehr Wege der Kommunikation und Information der angebotenen Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. ← 192 | 193 →

8.4.4   Akzeptanz der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Der Indikator „Akzeptanz der Maßnahmen“ misst mittels einer ordinalen Antwortskala die Einschätzung der Akzeptanz der angebotenen Maßnahmen in den Kreditinstituten. Die Antwortmöglichkeiten erstrecken sich 4-stufig von „sehr gut“ bis „schlecht“. Zur Erfassung eines Items „Akzeptanz der Maßnahmen“ wurden in der Befragung unter Frage 11 die Umfrageteilnehmer nach ihrer Beurteilung der Akzeptanz der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie in ihrem Hause seitens der Mitarbeiter befragt.

Hypothese 17.1: „Es existiert ein Zusammenhang zwischen der Akzeptanz der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie und dem Sektor der Kreditinstitute.“

Hypothese 17.2: „Es existiert ein Zusammenhang zwischen der Akzeptanz der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie und der Innovativität. Je höher die Akzeptanz der Maßnahmen in den Kreditinstituten ist, desto innovativer sind die Kreditinstitute.“

Hypothese 17.3: „Es existiert ein Zusammenhang zwischen der Akzeptanz der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie und der Flexibilität. Je höher die Akzeptanz der Maßnahmen in den Kreditinstituten ist, desto flexibler sind die Kreditinstitute.“

Hypothese 17.4: „Es existiert ein Zusammenhang zwischen der Akzeptanz der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie und der Nutzung der Kommunikations- und Informationswege. Je höher die Akzeptanz der Maßnahmen in den Kreditinstituten ist, desto mehr Wege der Kommunikation und Information werden genutzt.“

Zur Beantwortung der Hypothese 17.1 erfolgt zunächst eine deskriptive Darstellung der Akzeptanz der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie nach Sektor der Kreditinstitute (Abbildung 48).

Abbildung 48:   Akzeptanz der Maßnahmen nach Bankengruppen

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes. ← 193 | 194 →

Die Überprüfung des Zusammenhanges zwischen der „Akzeptanz der Maßnahmen“ und dem „Sektor der Kreditinstitute“ zeigt einen schwachen Zusammenhang (Cramer´s V = .25).

In einem nächsten Schritt wird untersucht, inwiefern Zusammenhänge zwischen der „Akzeptanz der Maßnahmen“ zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie und den Items für Innovativität, „Flexibilität“ sowie „Kommunikations- und Informationswege“ existieren. Zur statistischen Überprüfung der Zusammenhänge wurden die Spearman-Rangkorrelationskoeffizienten berechnet (Tabelle 37).

Tabelle 37:   Spearman-Rangkorrelationskoeffizienten der Akzeptanz der Maßnahmen

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Signifikanzniveaus: *p < .05. ** p < .01. *** p < .001; (n = 88; p-Werte in Klammern).

Gemäß der statistischen Überprüfung wird die Hypothese 17.1 angenommen. Es existiert ein Zusammenhang zwischen der „Akzeptanz der Maßnahmen“ zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie und dem „Sektor der Kreditinstitute“.

Die vermuteten Zusammenhänge der „Akzeptanz der Maßnahmen“ und der Innovativität der Kreditinstitute bestätigen die Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 17.2. Je höher die Innovativität der Kreditinstitute eingeschätzt wird, desto größer ist die Akzeptanz der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Mit der Anzahl der angebotenen Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie in den Kreditinstituten steigt auch deren Akzeptanz. Die Hypothese 17.2 wird angenommen.

Die Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 17.3 sind nicht hypothesenkonform. Ein Zusammenhang zwischen der Akzeptanz der Maßnahmen und der Einschätzung der Flexibilität in den Kreditinstituten kann nicht nachgewiesen werden. Die Hypothese wird verworfen.

Die Analyse der Hypothese 17.4 bestätigt die Vermutung, dass die Akzeptanz der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie mit der Anzahl der genutzten Kommunikations- und Informationswege steigt. Hinsichtlich der „Akzeptanz der Maßnahmen“ und der Nutzung der „Kommunikations- und Informationswege“ existiert ein mittlerer positiver Zusammenhang. Die Hypothese wird angenommen. ← 194 | 195 →

8.4.5   Unterstützer und Behinderer der Maßnahmen

Der Indikator „Unterstützer“ betrachtet mittels einer nominalen Antwortskala die Personengruppen in den Kreditinstituten, welche die Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie bis zu deren Einführung maßgeblich unterstützt haben. Der Indikator „Behinderer“ bietet die jeweils gleichen Personengruppen zur Auswahl und betrachtet die Personengruppen, welche die Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie maßgeblich erschwert haben. Beide Fragestellungen beinhalten die Möglichkeit für die Befragten, sonstige Initiatoren oder Behinderer, die nicht aufgeführt wurden, zu ergänzen. Zur Erfassung des Items „Unterstützer“ wurden die Umfrageteilnehmer unter Frage 16 um ihre Einschätzung zu: „Welche Personengruppen haben die Maßnahmen zur „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ bis zu ihrer Einführung maßgeblich unterstützt/gefördert?“ gebeten. Zur Erfassung des Items „Behinderer“ wurden in der Befragung unter Frage 17 die Umfrageteilnehmer: „Welche Personengruppen haben die Maßnahmen zur „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ bis zu ihrer Einführung maßgeblich eher erschwert?“ befragt.

Hypothese 18.1: „Es existiert ein Zusammenhang zwischen den Personengruppen der Unterstützer und dem Sektor der Kreditinstitute“.

Hypothese 18.2: „Es existiert ein Zusammenhang zwischen den Personengruppen der Behinderer und dem Sektor der Kreditinstitute“.

Hypothese 18.3: „Es bestehen Unterschiede zwischen der Anzahl der Personengruppen der Unterstützer und dem Sektor der Kreditinstitute. Bei den Sparkassen und Kreditgenossenschaften unterstützen mehr Personengruppen die Maßnahmen als bei den Kreditbanken“.

Hypothese 18.4: „Es bestehen Unterschiede zwischen der Anzahl der Personengruppen der Behinderer und dem Sektor der Kreditinstitute. Bei den Kreditbanken behindern mehr Personengruppen die Maßnahmen als bei den Sparkassen und Kreditgenossenschaften“.

Hypothese 18.5: „Je mehr Personengruppen die Maßnahmen bis zu ihrer Implementierung unterstützen, desto innovativer sind die Kreditinstitute“.

Hypothese 18.6: „Je mehr Personengruppen die Maßnahmen bis zu ihrer Implementierung unterstützen, desto mehr Wege der Kommunikation und Information werden genutzt“.

Hypothese 18.7: „Es existiert ein Zusammenhang zwischen den Personengruppen der Unterstützer, sowie der Behinderer und der Akzeptanz der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Je mehr Parteien die Maßnahmen bis zu ihrer Implementierung unterstützen, desto größer ist die Akzeptanz der Maßnahmen“. ← 195 | 196 →

Abbildung 49:   Personengruppen der Unterstützer

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Abbildung 49 zeigt deskriptiv, dass wesentliche Unterstützer der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie in den Gruppen Betriebsrat und Personalabteilung zu finden sind. Unter den „sonstigen Initiatoren“ nannten die Befragten überwiegend die Frauenbeauftragten, Gleichstellungsbeauftragten und Projektgruppen. Als wesentliche Behinderer der Maßnahmen bis zu ihrer Umsetzung werden die Führungskräfte genannt.162

Die Überprüfung des Zusammenhanges zwischen der Gruppe der „Unterstützer“ der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie bis zu deren Implementierung und dem „Sektor der Kreditinstitute“ zeigt einen mittleren Zusammenhang (Cramer´s V = .37).

Die Überprüfung des Zusammenhanges zwischen der Gruppe der „Behinderer“ der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie bis zu deren Implementierung und dem „Sektor der Kreditinstitute“ zeigt ebenfalls einen mittleren Zusammenhang (Cramer´s V = .43). Die prozentuale Verteilung der Personen ← 196 | 197 → gruppe der Behinderer der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie bis zu ihrer Umsetzung nach Sektor der Kreditinstitute zeigt Abbildung 50.

Abbildung 50:   Personengruppen der Behinderer

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Zur Überprüfung der Hypothesen 18.3 bis 18.7 wird eine neue Variable gebildet. Die Variable beinhaltet die Information für jeden Teilnehmer der Umfrage, wie viele Behinderer Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie benannt wurden. Die von den Befragten ausgewählten Personengruppen werden ausgezählt und aggregiert.

Die varianzanalytische Überprüfung der Hypothese 18.3 ergibt eine mittlere Anzahl an Unterstützern der Maßnahmen bei den Sparkassen M = 3.42 (SD = 1.44), die der Kreditgenossenschaften M = 3.35 (SD = 1.23) und die der Kreditbanken M = 1.63 (SD = 1.16). Die Mittelwertsunterschiede zwischen den Gruppen sind mit F(2,90) = 13.72; p < .001 statistisch hoch signifikant (Abbildung 51). ← 197 | 198 →

Abbildung 51:   Mittelwertsunterschiede der Unterstützer nach Sektor der Kreditinstitute

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Die Ergebnisse der t-Tests gibt die Tabelle 38 wieder. Während keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Anzahl der Unterstützer der Maßnahmen bei den Sparkassen und Kreditgenossenschaften bestehen, zeigt sich jedoch, dass ein Unterschied bezüglich der Sparkassen und Kreditbanken, sowie der Kreditgenossenschaften und Kreditbanken existiert.

Tabelle 38:   Ergebnisse der p-Werte der t-Tests für die Unterstützer der Maßnahmen nach Sektor des Kreditinstitutes

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Signifikanzniveaus: *p < .05. ** p < .01. *** p < .001.

Die varianzanalytische Überprüfung der Hypothese 18.4 ergibt, eine mittlere Anzahl an Behinderern der Maßnahmen bei den Sparkassen M = 0.36 (SD = 0.64), die der Kreditgenossenschaften M = 0.58 (SD = 1.10) und die der Kreditbanken M = 0.58 (SD = 0.69). Die Mittelwertsunterschiede zwischen den Gruppen sind mit F(2,90) = 0.74; p = .48 statistisch nicht signifikant.

Die Ergebnisse der Überprüfung der vermuteten Zusammenhänge der Hypothesen 18.5, 18.6 und 18.7 zeigt Tabelle 39. ← 198 | 199 →

Tabelle 39:   Pearson-Korrelationskoeffizienten der Unterstützer der Maßnahmen

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes.

Signifikanzniveaus: *p < .05. ** p < .01. *** p < .001,(n = 93; p-Werte in Klammern).

Die Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 18.1 und 18.2 sind hypothesenkonform. Sie zeigen jeweils einen mittleren Zusammenhang zwischen den Personengruppen der „Unterstützer“, sowie den Personengruppen der „Behinderer“ der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie bis zu deren Implementierung und dem „Sektor der Kreditinstitute“. Die Hypothesen werden angenommen.

Der in der Hypothese 18.3 vermutete Unterschied zwischen der Anzahl der Personengruppen der Unterstützer und dem Sektor der Kreditinstitute wird bestätigt. Bei den Sparkassen und Kreditgenossenschaften unterstützen mehr Personengruppen die Maßnahmen als bei den Kreditbanken. Die Hypothese 18.3 wird angenommen.

Die Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 18.4 sind nicht hypothesenkonform. Es können keine bestehenden Unterschiede zwischen der Anzahl der Personengruppen der „Behinderer“ und dem „Sektor der Kreditinstitute“ konstatiert werden. Die Hypothese wird verworfen.

Die Überprüfung der vermuteten Zusammenhänge der Hypothesen 18.5, 18.6 und 18.7 bestätigen die Hypothesen. Je mehr Personengruppen die Maßnahmen bis zur Implementierung unterstützen, desto höher sind die Einschätzung der Innovativität sowie die Anzahl der angebotenen Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Je größer die Anzahl unterstützender Personengruppen ist, desto flexibler sind die Kreditinstitute verglichen mit anderen Banken der Branche. Mit steigender Anzahl der unterstützenden Personengruppen steigt auch Anzahl der genutzten Wege der Kommunikation und Information der Maßnahmen in den Kreditinstituten.

8.4.6   Diskussion Demographie

Der Indikator „Diskussion Demographie“ betrachtet mittels einer ordinalen Antwortskala den Zeitpunkt der erstmaligen Diskussion des Themas „Demographischer Wandel“ in den Kreditinstituten. Unter Frage 6 wurden die Umfrageteilnehmer nach: „Wann wurde das Thema „Demographischer Wandel“ das erste Mal im Management Ihres Hauses diskutiert/behandelt?“ gefragt. ← 199 | 200 →

Hypothese 19.1: „Es existiert ein Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt der erstmaligen Diskussion des Themas „Demographie“ und dem Sektor der Kreditinstitute. Bei den Sparkassen und den Kreditgenossenschaften wurde das Thema schon früher diskutiert“.

Hypothese 19.2: „Es existiert ein Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt der erstmaligen Diskussion des Themas „Demographie“ und der Rechtsform der Kreditinstitute. Bei den AGs wurde das Thema zu einem späteren Zeitpunkt erstmalig im Management diskutiert, als bei den anderen Bankengruppen“.

Abbildung 52 zeigt deskriptiv die Zeitpunkte der erstmaligen Diskussion des Themas des Demographischen Wandels in den Kreditinstituten. Die Verteilung der Merkmale ist statistisch voneinander abhängig (Cramer´s V = .35). Es ist zu erkennen, dass die Sparkassen im Durchschnitt am frühesten das Thema im Management diskutiert haben. 4,17 % der befragten Sparkassen gab an, bereits im Zeitraum zwischen 1995 und 1998 das Thema behandelt zu haben, während keine andere Institutsgruppe eine so frühe Angabe gemacht hat. Der prozentual größte Teil (mit jeweils ca. 50 % der Institute) der Sparkassen und Kreditgenossenschaften hat das Thema im Zeitraum 2006 bis 2009 das erste ← 200 | 201 → Mal behandelt. Bei den Kreditbanken waren dies zu in diesem Zeitraum nur knapp 32 %. Aus der Abbildung ist hingegen die Antwortkategorie „noch gar nicht“ nicht ersichtlich. Bei der Institutsgruppe der Kreditbanken haben 16 % der Institute angegeben, das Thema des demographischen Wandels noch nicht im Management des Hauses diskutiert zu haben. Dies ist bei keiner anderen Institutsgruppe der Fall.

Abbildung 53 zeigt die Zeitpunkte der erstmaligen Diskussion des Themas „Demographischer Wandel“ nach Rechtsform der Kreditinstitute. Die Verteilung der Merkmale ist statistisch voneinander abhängig (Cramer´s V = .31). Die Abbildung zeigt, dass die Ergebnisse der Rechtsformen der AdöR und der eG denen der Bankengruppen der Sparkassen und der Kreditgenossenschaften ähneln. Die Ergebnisse der GmbHs sind denen ebenfalls sehr gleich. Die Diskussion des „Demographischen Wandels“ verteilte sich bei den Aktiengesellschaften hingegen über die Zeitabschnitte.

Abbildung 53:   Zeitpunkte der erstmaligen Diskussion des Themas „Demographischer Wandel“ nach Rechtsform

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Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes. ← 201 | 202 →

9   Diskussion der zentralen Ergebnisse

Im folgenden Abschnitt werden die Ergebnisse der theoretischen Analyse (Teil II) mit den Daten der schriftlichen Befragung verglichen und analysiert. Nachfolgend werden zunächst die Stichprobe und die Methodik der vorliegenden Arbeit kritisch beleuchtet. Dem folgt die Diskussion der zentralen Ergebnisse der Überprüfung der Hypothesen. Zuletzt werden zusammenfassend die Implikationen für zukünftige Forschungsarbeiten aufgezeigt.

9.1   Diskussion der Methodik und der Stichprobe

9.1.1   Diskussion der Methodik

Hinsichtlich der Methodik der vorliegenden Arbeit ist zu bemerken, dass anstelle des gewählten Instrumentes der standardisierten (webbasierten) Befragung der quantitativen Sozialforschung auch der Einsatz qualitativer Forschungsmethoden, wie beispielsweise Experteninterviews oder Beobachtungen, möglich gewesen wäre. Dies hätte den Vorteil tiefgreifenderer Erkenntnisse über Ursachen und Kausalitäten geboten. Der Einsatz einer webbasierten Umfrage war jedoch aufgrund der Vorteile der besseren Erreichbarkeit der Befragten der Stichprobe und der Generierung einer größeren Anzahl an Beobachtungen sinnvoll. Die Gefahr höherer Ausfallquoten durch eine Nichtbeantwortung sowie die Tatsache, dass die gewählte Methodik keine kausalen Rückschlüsse ermöglicht, musste in Kauf genommen werden.163

Unter methodischen Gesichtspunkten ist die Auswahl des Prozesses der „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ als Unternehmensveränderung für den Vergleich der Bankengruppen ebenfalls kritisch zu beleuchten. Sicherlich ist dies eine Veränderung, welche nachweislich in allen Sektoren der Kreditinstitute stattfindet. Dies ist jedoch auch bei gesetzlich initiierten Veränderungsprozessen der Fall. Bei der Auswahl einer gesetzlich initiierten Veränderung ist die Schnelligkeit jedoch von eher untergeordneter Bedeutung und von den Unternehmen ist zudem keine Innovativität gefordert. Somit ist die Wahl eines eigeninitiierten Veränderungsvorhabens geeigneter für die Überprüfung der Forschungsfrage. Die gewählten Indikatoren für die Umsetzung der „Vereinbarkeit von Beruf und ← 202 | 203 → Familie“ lassen jedoch die Frage offen, inwiefern alle relevanten Aspekte der Veränderung betrachtet wurden. Es besteht die Gefahr, dass die Ergebnisse durch die Auswahl der Items eine Verzerrung erfahren.

Bei einer kritischen Diskussion der Methodik ist auch die Erfassung geeigneter Indikatoren für die Überprüfung der Unternehmensveränderungen bei den Bankengruppen zu betrachten. Bei der Erfassung der Indikatoren für Innovativität war ein Rückgriff auf bestehende Instrumente nicht möglich. Aus diesem Grund mussten eigene Indikatoren zur Messung entwickelt und definiert werden. Diese Vorgehensweise führt in der Folge zu einer Limitation der vorliegenden Ergebnisse, da womöglich nicht alle Faktoren in den gebildeten Items für Innovativität berücksichtigt werden. Bei der Überprüfung der Items für Innovativität wurde in der vorliegenden Arbeit sowohl subjektiv nach der Einschätzung der Befragten, als auch nach objektiv beobachtbaren Elementen der Umsetzung des Veränderungsprozesses der „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ gefragt. Es ist kritisch anzumerken, dass durch die Auswahl eines konkreten Veränderungsprozesses offen bleibt, inwiefern bei einer Übertragung der Vorgehensweise auf andere Prozesse der Unternehmensveränderungen differente Ergebnisse aufgezeigt werden würden. Dies erscheint wahrscheinlich, da im vorliegenden Fall der Vereinbarkeit von Beruf und Familie die allgemeine Einschätzung und die spezifische (messbare) Vereinbarkeit auseinanderfallen und sich dies in der Vermutung bei anderen Unternehmensveränderungen gleich verhält.

9.1.2   Diskussion der Stichprobe

Bei der Diskussion der Stichprobe ist anzumerken, dass es nur annähernd gelungen ist, eine echte Zufallsstichprobe zu generieren. Durch die Selbstselektion sind systematische Verzerrungen möglich. Die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf alle Kreditinstitute ist somit nur eingeschränkt möglich. Hinsichtlich des Umfangs der vollständig beantworteten Fragebögen ist eine Größe von n=94 akzeptabel. Im Verlauf der Erhebung entstand jedoch bei der Analyse der Zertifikatsträger des Audits „Beruf und Familie“ und der Teilnehmer des „Netzwerkes Beruf und Familie“ der Eindruck, dass die Gruppe der Kreditbanken einen nicht repräsentativen, da sehr niedrigen Anteil an der Grundgesamtheit der Kreditinstitute abbildet. In der Folge fand eine Nachrekrutierung zur Erreichung einer sich möglichst wenig von der Population unterscheidenden Stichprobe statt.

In Bezug auf die Auswahl der Stichprobe fällt auf, dass obwohl sich alle Verbände der deutschen Kreditwirtschaft gemeinsam für die Wichtigkeit der Bewältigung der „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ für das deutsche Kreditgewerbe ausgesprochen haben (Bankenverband, AGVBanken, 2011), sich nur eine im Vergleich ← 203 | 204 → zur Grundgesamtheit äußerst geringe Anzahl (n=25) der Kreditbanken unter den Zertifikatsträgern des Audits „Beruf und Familie“ oder den Teilnehmern des „Netzwerkes Beruf und Familie“ befindet. Gemessen an der Gesamtzahl der Kreditgenossenschaften in Deutschland ist die Anzahl der Kreditgenossenschaften ebenfalls gering. Die im Vergleich hohe Anzahl der sich in dieser Auswahlgruppe befindenden Sparkassen kann vermutlich auf die von dort ausgehende politische Initiative der Thematik oder die von der Politik beeinflussten Strukturen der Sparkassen zurückgeführt werden.

9.2   Diskussion der Ergebnisse

Nachfolgend findet die Diskussion der zentralen Ergebnisse der vorangegangenen Abschnitte statt. Dies erfolgt immer vor dem Hintergrund der Beantwortung der forschungsleitenden Frage, welche Sektoren der Kreditinstitute vermeintlich günstigere strukturelle Voraussetzungen für Unternehmensveränderungen haben und welche Sektoren in der Bewältigung der Unternehmensveränderungen bisher erfolgreicher und innovativer sind als andere Bankengruppen.

Nach der theoretischen Fundierung (Teil II) wurden in Abschnitt 6.1 Annahmen über die in den verschiedenen Bankengruppen gegebenen Voraussetzungen für Unternehmensveränderungen auf Basis der Ausprägungen ihrer strukturellen Merkmale getroffen. Es wird angenommen, dass sowohl Sparkassen, als auch Kreditgenossenschaften überwiegend günstigere Voraussetzungen bei der Begegnung mit Unternehmensveränderungen haben als Kreditbanken. In ihren strukturellen Ausprägungen ähneln sich die beiden Institutsgruppen am meisten. Es wird auch vermutet, dass eine aktive Initiierung von Veränderungsprozessen eher in Sparkassen und Kreditgenossenschaften stattfindet als in Kreditbanken. Inwiefern sich vermeintlich günstigere Voraussetzungen auch in der Umsetzung konkreter Veränderungsprozesse zeigen, wird nachfolgend betrachtet. In einem ersten Schritt findet eine zusammenfassende Analyse der Ergebnisse der Überprüfung der Strukturmerkmale der Bankengruppen statt.

9.2.1   Diskussion der Strukturmerkmale

Zunächst wird die Frage beantwortet, ob sich die Bankengruppen wie angenommen nicht nur theoretisch in ihren Strukturmerkmalen maßgeblich unterscheiden. Hierzu werden die Ergebnisse der Überprüfung der Hypothesen hinsichtlich der in Abschnitt 6.2 getroffenen theoretischen Annahmen über die strukturellen Unterschiede der Bankengruppen nach Sektor und Rechtsform analysiert. Tabelle 40 zeigt eine Übersicht über die signifikanten Effekte der Überprüfung der Strukturmerkmale der Sektoren der Kreditinstitute. ← 204 | 205 →

Tabelle 40:   Effekte der Strukturmerkmale der Sektoren der Kreditinstitute

StrukturmerkmaleSektor der Kreditinstitute
Macht: Leitungsspanne+
Macht: Entscheidungsdelegation+
Macht: Partizipationo
Spezialisierung: Arbeitsteilung+
Spezialisierung: Autonomieo
Koordination: Planungo
Koordination: Standardisierungo
Formalisierungo

Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes. +: symbolisiert signifikante Effekte, o: symbolisiert nicht signifikante Effekte.

Die Tabelle zeigt bei insgesamt drei Strukturmerkmalen signifikante Effekte. Zwei Strukturmerkmale sind der Strukturdimension „Macht“ zugeordnet. Es werden ein (schwacher) Zusammenhang zwischen der „Leitungsspanne“ und dem „Sektor der Kreditinstitute“ sowie signifikante Unterschiede in der „Entscheidungsdelegation“ bei den „Sektoren der Kreditinstitute“ bestätigt. Signifikante Unterschiede bestehen weiterhin zwischen dem Item der „Arbeitsteilung“ und dem „Sektor der Kreditinstitute“. Bei allen weiteren 5 Strukturmerkmalen haben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Bankengruppen gezeigt.

Verglichen mit den in Abschnitt 6.1 (Tabelle 15) vermuteten strukturellen Unterschieden zwischen den Bankengruppen sind die Ergebnisse zunächst nicht erwartungskonform. Es wurde eine größere Anzahl an Unterschieden bei den Strukturmerkmalen zwischen den Bankengruppen erwartet. Ein möglicher Grund kann in der Größe der Stichprobe liegen.

Zur Beantwortung der übergeordneten Forschungsfrage wird weiterhin die Frage gestellt, inwiefern sich neben dem Sektor auch die Rechtsformen der Kreditinstitute in ihren Strukturmerkmalen maßgeblich unterscheiden. Die Rechtsform ist nicht unabhängig von dem Sektor, dem ein Kreditinstitut zugehörig ist (Cramer´s V = .38). Dieser Zusammenhang kann darauf zurückgeführt werden, dass Sparkassen nahezu ausschließlich der Rechtsform AdöR zugeordnet werden können und die Kreditgenossenschaften ausschließlich in der Rechtsform der eG firmieren. Kreditbanken hingegen weisen hauptsächlich die Rechtsformen AG und GmbH auf. Die rechtsformspezifische Betrachtung teilt die in sich heterogene Gruppe der Kreditbanken in AGs und GmbHs auf. Eine Übersicht über die ← 205 | 206 → signifikanten Effekte der Überprüfung der Strukturmerkmale der Rechtsformen der Kreditinstitute zeigt die Tabelle 41.

Tabelle 41:   Effekte der Strukturmerkmale und der Rechtsform

StrukturmerkmaleRechtsform der Kreditinstitute
Macht: Leitungsspanne+
Macht: Entscheidungsdelegation+
Macht: Partizipationo
Spezialisierung: Arbeitsteilung+
Spezialisierung: Autonomieo
Koordination: Planung+
Koordination: Standardisierung+
Formalisierungo

Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes. +: symbolisiert signifikante Effekte, o: symbolisiert nicht signifikante Effekte.

Auf den ersten Blick sind fünf signifikante Effekte zu konstatieren. Verglichen mit den sektoralen Ergebnissen der Strukturmerkmale der Kreditinstitute (Tabelle 40) bestätigt die rechtsformspezifische Betrachtung somit eine deutlich höhere Anzahl signifikanter Effekte. Eine Begründung kann auf die vorstehend genannte Heterogenität der Gruppe der Kreditbanken zurückgeführt werden.

Zusammenfassend zeigt die Analyse der sektoralen und der rechtsformspezifischen Ergebnisse, dass sich die signifikanten Unterschiede der Bankengruppen gleichermaßen in den Strukturmerkmalen „Leitungsspanne“, „Entscheidungsdelegation“ und „Arbeitsteilung“ zeigen. Darüber hinaus bestehen Unterschiede der Strukturmerkmale zwischen den Rechtsformen der Kreditinstitute bei den Items „Planung“ und „Standardisierung“. Nachfolgend werden zunächst die drei deckungsgleichen Effekte bei den Strukturmerkmalen betrachtet.

In Abschnitt 5.2 bis 5.4 wurden die Unterschiede der Bankengruppen in den Willensbildungsprozessen analysiert. Diese ließen vermuten, dass sich die Unterschiede besonders in den Strukturmerkmalen der Strukturdimension „Macht“ zeigen. Bei den zwei Strukturmerkmalen „Leitungsspanne“ und „Entscheidungsdelegation“ ist dies auch der Fall.

Bei der Betrachtung des Strukturmerkmales „Leitungsspanne“ wird zunächst ein Zusammenhang zwischen dem „Sektor der Kreditinstitute“ (Cramer´s V = .21) und der „Leitungsspanne“ bestätigt. Auch bei der rechtsformspezifischen Betrach ← 206 | 207 → tung zeigt sich der Zusammenhang der Merkmale (Cramer´s V = .23). Der Sektor sowie die Rechtsform der Kreditinstitute sind demnach nicht unabhängig von der Anzahl der Hierarchieebenen, die ein Kreditinstitut hat. Wie in Hypothese 7.2 angenommen, haben die Kreditbanken mit der Rechtsform der AG den signifikant größten Anteil an kleinen Leitungsspannen und die Kreditbanken mit der Rechtsform der GmbH den größten Anteil großer Leitungsspannen. Dies kann vermutlich auf die Unterschiede in der Größe der Sektoren der Kreditinstitute zurückgeführt werden (Abschnitt 6.1). Bei der Überprüfung bestätigt sich, dass kleinere Institute eine größere Leitungsspanne und somit eine signifikant geringere Anzahl an Hierarchieebenen haben (Hypothese 7.3). Selbst wenn zu beachten ist, dass bei der Leitungsspanne nur ein mittlerer Zusammenhang mit dem Sektor der Bankengruppen besteht, kann angenommen werden, dass die Unterschiede in der Willensbildung ursächlich für besagte Unterschiede in den Strukturmerkmalen des Indikators „Macht“ sind.

Die Betrachtung der Ergebnisse der Überprüfung angenommener Unterschiede bei den Bankengruppen hinsichtlich der „Entscheidungsdelegation“ ist nur teilweise mit dem Stand der Forschung konform. Zunächst wird der vermutete Zusammenhang zwischen der Delegation von Entscheidungen und dem Sektor sowie der Rechtsform der Kreditinstitute durch die Ergebnisse bestätigt. Die Ausprägungen bei den Bankengruppen entsprechen jedoch nicht der bisherigen Theorie. Kieser und Walgenbach (2010) konstatieren, dass mit steigender Größe einer Organisation auch die Notwendigkeit zur Delegation von Entscheidungen steigt, da das Management nicht mehr alle Entscheidungen selbst treffen kann. Hierauf basierend wurde vermutet, dass die Kreditbanken aufgrund des hohen Anteils an Aktienbanken und ihrer durchschnittlich größten Anzahl an Mitarbeitern auch den größten Grad an Entscheidungsdelegation aufweisen. Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit zeigen jedoch ein genau umgekehrtes Bild. Hier ist der Grad der Delegation von Entscheidungen bei den Sparkassen und den Kreditgenossenschaften am größten ausgeprägt.164

Bei der Betrachtung der Institute nach ihrer Rechtsform unterscheiden sich auch die Rechtsformen der Kreditbanken wesentlich von den Rechtsformen der Sparkassen und der Kreditgenossenschaften. Der Grad der Entscheidungsdelegation ist entgegen der theoretischen Überlegungen bei den AGs gering und bei den GmbHs noch geringer ausgeprägt. ← 207 | 208 →

Eine mögliche Begründung liegt in der Stichprobe. Wie in Abschnitt 7.3 dargestellt, enthält die Stichprobe der Kreditbanken viele kleine Institute. Es ist anzunehmen, dass bei den kleinen Kreditbanken ein geringerer Grad an Entscheidungsdelegation vorherrscht. Wäre eine größere Stichprobe gezogen worden, wären vermutlich auch größere Kreditbanken beinhaltet gewesen. Der erwartete Befund eines hohen Ausprägungsgrades der Entscheidungsdelegation bei den Kreditbanken könnte dadurch bestätigt werden. Ein weiterer Erklärungsansatz liegt in der Heterogenität des Sektors der Kreditbanken (Abschnitt 5.4.1). Die ursprüngliche Hypothese der Einordnung der Strukturmerkmale der Kreditbanken in Abschnitt 6.1 bezog sich auf die Mittelwerte (Anzahl der Mitarbeiter, Bilanzsumme etc.). Durch die innerhalb des Sektors bestehende große Unterschiedlichkeit der einzelnen Banken, sei es hinsichtlich ihrer Größe oder Rechtsform, mag das Ergebnis nicht hypothesenkonform sein. Wäre die Überprüfung noch weiter ausdifferenziert worden, würde sich ggf. die Varianz innerhalb der Gruppen noch deutlicher erklären.165 Eine Begründung für das diskrepante Ergebnis könnte weiterhin in der Formulierung des Items selbst liegen. Es ist denkbar, dass die Befragten das Fragebogenitem unterschiedlich interpretiert haben und sich bei der Beantwortung auf unterschiedliche Hierarchieebenen beziehen.

Das letzte übereinstimmend signifikante Ergebnis der Überprüfung der Strukturmerkmale zeigt sich bei der „Arbeitsteilung“. In Übereinstimmung mit Hypothese 10.1 werden Unterschiede in der Arbeitsteilung zwischen den Bankengruppen aufgezeigt. Entgegen der Hypothese ist jedoch nicht wie vermutet der Grad der Arbeitsteilung bei den Kreditbanken, sondern bei den Sparkassen und den Kreditgenossenschaften am stärksten ausgeprägt. Werden die Ergebnisse der Unterschiede der Rechtsformen betrachtet (Tabelle 26), zeigt sich, dass die Unterteilung aller Aufgaben in Teilbereiche bei den GmbHs signifikant niedriger ausgeprägt ist als bei den AdöRs und den eGs. Dies verhält sich auch bei den AGs gleichermaßen, die Unterschiede zu den anderen Rechtsformen sind jedoch nicht signifikant. Die Ergebnisse zeigen erneut die Heterogenität der Rechtsformen der Kreditbanken. Die Gründe für dieses Ergebnis der sektoralen und der rechtsformspezifischen Unterschiede können analog der vorstehenden Diskussion der Ergebnisse der „Entscheidungsdelegation“ in der Stichprobe oder der Heterogenität des Sektors der Kreditbanken liegen. ← 208 | 209 →

Nach der Analyse der sowohl bei sektoraler als auch bei rechtsformspezifischer Betrachtung deckungsgleichen signifikanten Effekte, werden nachfolgend die bei letzterer Betrachtungsweise darüber hinausgehend signifikanten Items der Strukturdimension „Koordination“ („Planung“ und „Standardisierung“) diskutiert. Die rechtsformspezifische Betrachtung zeigt bei den Strukturmerkmalen der „Koordination“ signifikante Effekte auf, die bei der Betrachtung nach Banksektoren nicht gefunden werden. Dies hängt damit zusammen, dass sich in der Stichprobe die GmbHs dadurch auszeichnen, dass dort die Planung der Maßnahmen ausschließlich zentral stattfindet. Die Gruppe der AGs zeigt deutliche Unterschiede zu den anderen Rechtsformen durch eine geringere Standardisierung ihrer Abläufe.

Die Analyse des Items „Planung“ nach Rechtsform zeigt zwar einen nur schwachen signifikanten Zusammenhang der Merkmale, es wird jedoch deutlich, dass gemäß des Forschungsstandes die AGs mit 27 % den größten Grad dezentraler Planung bei den Kreditinstituten aufweisen, während bei den sich in der Stichprobe befindenden GmbHs ausschließlich eine zentrale Planung stattfindet. Zwischen den Rechtsformen der AdöR und der eG ist der Grad dezentraler Planung annähernd gleich hoch (17 %). Die Überprüfung der Ergebnisse des Items „Standardisierung“ zeigt unerwartet lediglich einen signifikanten Unterschied zwischen den Rechtsformen AdöR und AG. Die Betrachtung sektoraler Unterschiede zeigt jedoch wie beschrieben keine signifikanten Unterschiede.

Zuletzt stellt sich die Frage, wieso bei den Kreditinstituten keine Unterschiede bei dem Merkmal „Partizipation“ festgestellt werden, während sich bei den anderen beiden Merkmalen des Indikators „Macht“ signifikante Effekte zeigen. Die „Partizipation“ wurde im Fragebogen mit einem Item auf Basis der Einschätzung der Befragten gemessen. In der Frage wurde das Wort „Partizipation“ durch die Frage nach der „Teilnahme an Entscheidungsprozessen“ beschrieben. Es ist möglich, dass es durch die Umschreibung nicht gelungen ist, die Partizipation zu messen, und sich somit kein signifikanter Effekt zeigt.

Im Ergebnis dieses Abschnittes wird ein Zusammenhang des Sektors und der Rechtsform der Kreditinstitute konstatiert. Die Betrachtung potenzieller Unterschiede zwischen den Kreditinstituten nach deren Rechtsform ist im Vergleich präziser und differenzierter. Es lassen sich mehr Hypothesen abbilden als bei der Betrachtung nach dem Sektor der Kreditinstitute. Die Vorgehensweise einer sektoralen sowie einer rechtsformspezifischen Betrachtung der strukturellen Unterschiede zwischen den Kreditinstituten ist in der Bewertung zur Beantwortung der Fragestellung geeignet. In künftigen Forschungsarbeiten sollten jedoch neben dem Sektor und der Rechtsform noch weitere zusätzliche Variablen untersucht werden, um gegebenenfalls noch detailliertere Erkenntnisse über die Unterschie ← 209 | 210 → de zu gewinnen.166 Zusätzlich erscheint eine Ergänzung der untersuchten Strukturmerkmale zur Präzisierung und Validierung der Ergebnisse sinnvoll.167 Die Erweiterung der Strukturmerkmale bietet den Vorteil einer größeren Erfassung relevanter Aspekte.

9.2.2   Diskussion der Innovativität

Im Kern der Arbeit steht die forschungsleitende Frage, inwiefern sich die Bankengruppen des Dreisäulensystems hinsichtlich der aktiven und innovativen Begegnung mit Unternehmensveränderungen voneinander unterscheiden. Zentrale Faktoren der Unternehmensveränderungen sind die Innovativität und die Flexibilität, sowie die Kommunikation und Information (Abschnitt 2). Nach der Analyse der strukturellen Unterschiede zwischen den Kreditinstituten werden nachstehend zunächst die Ergebnisse der Hypothesen zur Innovativität analysiert und diskutiert.

In der vorliegenden Arbeit wurden zur Operationalisierung der Innovativität mangels eines etablierten Maßes zwei Zugangswege zur Innovativität gewählt. Die gewählten Items zur Erfassung der Innovativität basieren zum Einen auf der Einschätzung der Befragten, welche subjektiver Natur ist, und zum Anderen auf der tatsächlichen Umsetzung der innovativen Prozesse der Vereinbarkeit von Beruf und Familie in den Banken, welche als objektiv messbar gelten können. Die nicht perfekte aber dennoch existente Korrelation beider Zugangswege zeigt den Zusammenhang beider Zugangswege. Jeder Zugangsweg bildet für sich einen Teil der Innovativität ab. Durch die Nutzung von zwei Zugangswegen ergibt sich die Möglichkeit herauszufinden, inwiefern sich die Befunde gleichermaßen zeigen oder nicht – also inwiefern sich das Muster der Konstrukte deckt.

Bei dem subjektiven Zugangsweg geben die Befragten anhand ihrer Einschätzung, Annahmen und Erfahrungswerte Auskunft darüber, was sie glauben, wie innovativ ihr Kreditinstitut ist. Ein potenzieller Nachteil der subjektiven Messung ist die Gefahr einer Verzerrung der Ergebnisse durch eine Abweichung zwischen der subjektiven Einschätzung der Innovativität und der Realität. ← 210 | 211 →

Bei dem objektiven Zugangsweg werden die real angebotenen Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie gemessen. Hinsichtlich des objektiven Maßes für Innovativität ist zu diskutieren, inwiefern dieses als gut gewählt gelten kann. Es besteht die Möglichkeit, dass die Liste der Angebote unvollständig ist oder die einzelnen zur Auswahl stehenden Maßnahmen als nicht richtig bezeichnet werden können.

In der vorliegenden Arbeit wurden alle angebotenen Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie gleich gewichtet. Es wurde bewusst auf eine unterschiedliche Gewichtung verzichtet, da diese Vorgehensweise die Gefahr einer Ergebnisverzerrung aufgrund einer falsch angenommenen Gewichtung in sich birgt. Zudem stand zunächst die generelle Prüfung der Sinnhaftigkeit einer objektiven Messung durch eine ungewichtete Auswertung im Fokus.

Zur Beantwortung der Forschungsfrage ist es von Interesse, inwiefern sich die Bankengruppen wie angenommen sowohl hinsichtlich ihres Sektors als auch ihrer Rechtsform in ihrer Innovativität unterscheiden. Eine Übersicht der Ergebnisse zeigt Tabelle 42. Die Annahmen der Hypothesen werden sowohl bei dem subjektiven als auch bei dem objektiven Zugangsweg zur Innovativität bestätigt.

Tabelle 42:   Effekte der Bankengruppen und der Innovativität

InnovativitätSektor der

Bankengruppen
Rechtsform der Bankengruppen
Einschätzung der Innovativität++
Angebotene Maßnahmen zur

Vereinbarkeit von Beruf und Familie
++

Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes. +: symbolisiert signifikante Effekte, o: symbolisiert nicht signifikante Effekte.

Bei der subjektiv eingeschätzten Innovativität zeigen sich sowohl bei dem Sektor als auch bei der Rechtsform der Kreditinstitute die gleichen signifikanten Effekte. Bei einer detaillierteren Betrachtung der Ergebnisse unterscheidet sich die Gruppe der Kreditbanken wesentlich von den Sparkassen und den Kreditgenossenschaften. Diese Gruppe wird signifikant weniger innovativ eingeschätzt als die anderen beiden Gruppen. Die gleichen Unterschiede zeigen sich wie erwartet auch bei einer rechtsformspezifischen Betrachtung. Sowohl die AGs als auch die GmbHs unterschieden sich signifikant von den Gruppen der AdöRs sowie der eGs. Inhaltlich wird erwartungsgemäß den AGs und den GmbHs der niedrigste Grad der Innovativität bescheinigt. ← 211 | 212 →

Die Ergebnisse der objektiven Messung der Innovativität entsprechen ebenfalls der Erwartung und sind somit hypothesenkonform. Zunächst unterscheiden sich die „Sektoren der Kreditinstitute“ hinsichtlich des „Angebotes an Maßnahmen“ zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die Kreditbanken bieten, wie angenommen wurde, signifikant weniger Maßnahmen an als die anderen Bankengruppen. Bei der Betrachtung der Rechtsformunterschiede zeigt sich, dass es innerhalb der Rechtsformen der Kreditbanken die GmbHs sind, die sich signifikant von allen anderen Rechtsformen unterscheiden. Sie haben das mit Abstand geringste Angebot an Maßnahmen. Die AGs unterscheiden sich nicht von den anderen Rechtsformen. Es wird vermutet, dass das im Vergleich sehr kleine Angebot der GmbHs in deren Größe begründet liegt. Bei der Überprüfung von Hypothese 5.3 wurde bestätigt, dass mit einer steigenden Größe der Kreditinstitute auch die Anzahl der „Angebotenen Maßnahmen“ zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie steigt. Es scheint naheliegend, dass kleinere Institute aufgrund der Transaktionskosten Investitionen eher scheuen. Ein kausal begründeter Nachweis dieser Vermutung kann an dieser Stelle jedoch nicht erbracht werden.

Bei der Betrachtung der rechtsformspezifischen Unterschiede bei den „Angebotenen Maßnahmen“ fällt auf, dass sich bei der Innovativität ein signifikanter Unterschied zwischen den Rechtsformen der AdöR und der eG zeigt. Die Gruppe der eGs bietet signifikant weniger Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie an als die Gruppe der AdöRs. Bei der sektoralen Betrachtung war dies bei den Sparkassen und den Kreditgenossenschaften nicht der Fall. Es scheint, dass die Betrachtung nach Rechtsform auch hier detailliertere Ergebnisse zeigt. Inhaltlich kann bei dem konstatierten Unterschied vermutet werden, dass gerade die politische Initiative zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie die hohe Ausprägung bei den AdöRs zur Folge hat und somit die Unterschiede zu den eGs signifikant werden.

Eine mögliche Begründung der vorstehend bestätigten sektoralen und rechtsformspezifischen Unterschiede der Kreditinstitute liegt in den in Abschnitt 9.2.1 diskutierten Unterschieden in den Strukturmerkmalen der Kreditinstitute. Es ist zu vermuten, dass ein Zusammenhang zwischen der Ausprägung der Strukturmerkmale und der Innovativität besteht. Um der Frage eines möglichen Zusammenhanges der Strukturmerkmale und der Innovativität nachzugehen, werden nachfolgend die Ergebnisse der Überprüfung diskutiert.

Eine Übersicht über die signifikanten Effekte der Überprüfung der Innovativität und der Strukturmerkmale zeigt die Tabelle 43. Es fällt zunächst auf, dass sich bei der subjektiven Messung der Innovativität fünf signifikante Effekte zeigen, während sich bei der objektiven Messung nur ein signifikanter Effekt zeigt. Die ← 212 | 213 → erwarteten Ergebnisse bestätigen sich in der Folge über die subjektive „Einschätzung der Innovativität“ häufiger als über den objektiven Zugangsweg der „Angebotenen Maßnahmen“ zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Tabelle 43:   Effekte der Innovativität und der Strukturmerkmale

InnovativitätStrukturmerkmale
Einschätzung der InnovativitätAngebotene Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie 
ooMacht: Leitungsspanne
+oMacht: Entscheidungsdelegation
+oMacht: Partizipation
++Spezialisierung: Arbeitsteilung
+oSpezialisierung: Autonomie
ooKoordination: Planung
+oKoordination: Standardisierung
ooFormalisierung

Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes. +: symbolisiert signifikante Effekte, o: symbolisiert nicht signifikante Effekte.

Die bei den Items für Innovativität zum Teil unterschiedlichen Ergebnisse können diverse Gründe haben. Wie Eingangs beschrieben, bilden beide Zugangswege der Innovativität unterschiedliche Aspekte ab. Sie weisen einen signifikanten mittleren Zusammenhang, aber keine perfekte Korrelation auf. Somit sind auch die Unterschiede in den Ergebnissen nachvollziehbar. Ein weiterer möglicher Grund für die Unterschiede ist in den Befragten selbst zu vermuten. Möglicherweise differiert das Verständnis der Befragten aufgrund des Arbeitsalltages in der eigenen Bank, und es besteht ein Einfluss auf die Einschätzung der Innovativität, welcher das Ergebnis letztlich verzerrt.

Hinsichtlich der zwei Zugangswege zur Innovativität bestehen bei den vier Items „Leitungsspanne“, „Arbeitsteilung“, „Planung“ und „Formalisierung“ gleiche Muster des Ergebnisses der Überprüfung. Hier ist die Methode der Messung allem Anschein nach nicht von Bedeutung für das Ergebnis. Die Items der „Leitungsspanne“, „Planung“ und der „Formalisierung“ sind gleichermaßen nicht signifikant. Eine mögliche Begründung dieser nicht signifikanten Effekte liegt auch an dieser Stelle in der Erhebungsmethode der Arbeit oder der Stichprobe selbst. ← 213 | 214 →

Die einzige Übereinstimmung signifikanter Zusammenhänge bei beiden Messmethoden zeigt sich in der „Arbeitsteilung“. Wie in der Hypothese 10.2 angenommen, wird bei einem hohen Grad der „Arbeitsteilung“ die Innovativität hoch eingeschätzt. Zudem steigt mit einer hohen „Arbeitsteilung“ auch die Zahl „Angebotener Maßnahmen“ zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Bei der Arbeitsteilung wurden in Abschnitt 9.2.1 sowohl sektorale als auch rechtsformspezifische Unterschiede der Kreditinstitute bestätigt. Ein Rückschluss auf einen Kausalzusammenhang kann zwar an dieser Stelle nicht erfolgen, entsprechende Wirkungszusammenhänge aber zumindest vermutet werden. Gemäß des Standes der Forschung können Organisationen mit einer hohen Eigenständigkeit der Unternehmenseinheiten dynamischer auf externe Anforderungen reagieren (Abschnitt 3.2.5). Es ist denkbar, dass der Unterschied der Kreditinstitute bei der Arbeitsteilung auch mit Auswirkungen in der Innovativität verknüpft ist. Dann würde sich die bei den Kreditgenossenschaften am größten ausgeprägte Arbeitsteilung positiv, und die bei den Kreditbanken am geringsten ausgeprägte Arbeitsteilung negativ auf deren Innovativität auswirken.

Obgleich eines nicht signifikanten Ergebnisses fällt auf, dass bei einer dezentralen Planung die Innovativität geringfügig niedriger eingeschätzt wird, und auch weniger Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie angeboten werden. In der Literatur wurde konstatiert, dass sich eine zentrale Planung flexibilitätsmindernd auf die Eigenständigkeit der Bereiche auswirkt (Abschnitt 3.2.6). Dadurch wurde in der Folge vermutet, dass eine Minderung der Innovativität stattfindet. Dieser Rückschluss scheint nicht folgerichtig gewesen zu sein. Falls jedoch kein Irrtum durch einen falschen Rückschluss vorliegt, liegt ein möglicher Grund des nicht erwartungskonformen Ergebnisses in der Fragestellung. Es mag sein, dass die Bezeichnung „Stabsabteilung“ zur Beschreibung einer „zentralen Planung“ nicht allen Befragten geläufig war, oder unterschiedlich interpretiert wurde, und somit das Ergebnis verzerrt wurde.

Zusammenfassend kann bei der Betrachtung beider Zugangswege zur Innovativität, übereinstimmend mit den Erkenntnissen der Forschung, den Sparkassen und Kreditgenossenschaften eine höhere Innovativität und eine bessere Umsetzung des konkreten Veränderungsvorhabens konstatiert werden. Die Unterschiede zwischen den Sparkassen und den Kreditgenossenschaften sind dabei je nach betrachtetem Zugangsweg oftmals in ihrer Ausprägung nur klein und bei der erzielten Stichprobengröße nicht signifikant.

In Abschnitt 8.1.1 wurde deutlich, dass sich die Sparkassen und Kreditgenossenschaften in ihrer Innovativität ähnlich sind und sich deutlich von den Kreditbanken unterscheiden. Die Ergebnisse sind insofern schlüssig, als dass im Sektor ← 214 | 215 → der Kreditbanken eine große Anzahl kleiner Institute besteht. Dies könnte u. a. ursächlich für die geringe Anzahl angebotener Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie in den Kreditbanken sein.168 Die statistischen Ergebnisse in Abschnitt 8.2 haben gezeigt, dass mit steigender Unternehmensgröße auch die Anzahl der angebotenen Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie steigt. Die höhere Einschätzung der Innovativität steigt jedoch nicht mit steigender Unternehmensgröße.

Generell bleibt zu diskutieren, ob die Zugehörigkeit zu einer Bankengruppe kausal für die Unterschiede in der Innovativität verantwortlich ist. Sowohl theoretisch als auch inhaltlich erscheint es plausibel, dass die Ursachen und Bedingungen für Innovativität vielseitig sind und dass eine monokausale Erklärung des Phänomens zu kurz greift.

9.2.3   Diskussion der Flexibilität

Ein weiterer zentraler Faktor der Unternehmensveränderungen ist die Flexibilität (Abschnitt 2.1.3). Nach der Analyse der Ergebnisse der Hypothesen zur Innovativität werden nachstehend die Ergebnisse der Hypothesen zur Flexibilität analysiert und diskutiert.

Der Nachweis eines Zusammenhanges zwischen der subjektiven Einschätzung der Innovativität und der subjektiv eingeschätzten Flexibilität (Abschnitt 8.1.3) geht konform mit der theoretischen Annahme, dass Flexibilität Innovationen fördert und somit eine wichtige Größe bei Veränderungen darstellt (Abschnitt 2.1.3). Je höher die Innovativität eingeschätzt wird, desto signifikant höher wird auch die Flexibilität der Kreditinstitute eingeschätzt (Abschnitt 8.1.3). Dies kann daran liegen, dass hinter der Einschätzung beider Items die gleiche Alltagserfahrung der Befragten steht, und sich die Ergebnisse angleichen. Ein Zusammenhang zwischen dem objektiven Zugangsweg zur Innovativität und der subjektiv eingeschätzten Flexibilität bestätigt sich nicht. Es mag sein, dass die Operationalisierung der Innovativität nicht gelungen, und somit ein Vergleich nicht erwartungskonform ist. ← 215 | 216 →

Die in dieser Arbeit zentrale Annahme eines Unterschiedes der Kreditinstitute in den Bereichen ihres Sektors oder der Rechtsform bestätigt sich hinsichtlich ihrer Flexibilität nicht nachweisbar. Die vermutete Annahme, dass die Flexibilität bei den Sparkassen und den Kreditgenossenschaften am größten ausgeprägt ist, wurde verworfen. Die Überprüfung zeigte jedoch eine im Vergleich mit den anderen beiden Bankengruppen etwas geringer eingeschätzte Flexibilität bei den Sparkassen.

Bei der rechtsformspezifischen Betrachtung haben sich ebenfalls keine signifikanten Unterschiede gezeigt. Inhaltlich sind jedoch kleine Unterschiede in Form einer geringfügig besser eingeschätzten Flexibilität bei den Rechtsformen der GmbH und der eG zu berichten. Es ist anzunehmen, dass das Ergebnis bei einer größeren Stichprobe signifikante Unterschiede in der Flexibilität zwischen den Sektoren und Rechtsformen der Kreditinstitute aufzeigt. Wenn sich bei den GmbHs und den eGs dann eine signifikant höhere Einschätzung der Flexibilität zeigt, ist zu vermuten, dass Gründe hierfür in der bestätigten Annahme der Hypothese 5.3 liegen könnten, dass größere Kreditinstitute weniger flexibel sind als kleinere Institute. Die GmbHs und die eGs haben durchschnittlich die kleinsten Institutsgrößen.

Gründe für die nicht erwartungskonformen Ergebnisse der Überprüfung eines Unterschiedes zwischen den Kreditinstituten hinsichtlich ihrer Flexibilität können weiterhin in der Messmethodik liegen. Es wurde lediglich nach der subjektiven Einschätzung der Befragten gefragt. Die Frage nach der subjektiven Einschätzung der Flexibilität bringt die gleichen potenziellen Nachteile mit sich, die bereits dem Item der Einschätzung der Innovativität konstatiert wurden (Abschnitt 9.2.2). Wie schon bei der Operationalisierung der Innovativität berichtet wurde, wäre auch bei der Messung der Flexibilität ein zusätzlicher objektiver Zugang für den Erkenntnisgewinn sinnvoll. Durch die Messung der Flexibilität auf Basis einer einzigen Variable werden vermutlich nicht all deren Aspekte abgedeckt, und die Möglichkeit einer nicht vollständigen Erfassung muss bei der Interpretation bedacht werden.

Da keine nachweisbaren Effekte der Flexibilität zwischen den Sektoren sowie den Rechtsformen der Kreditinstitute berichtet werden können, werden nachfolgend nur kurz zusammenfassend die signifikanten Effekte der Flexibilität und der Strukturmerkmale berichtet. Es fällt auf, dass signifikante Effekte zwischen der Flexibilität und den Strukturmerkmalen lediglich bei den 3 Strukturmerkmalen „Leitungsspanne“, „Partizipation“ und „Standardisierung“ nachgewiesen werden (Tabelle 44). ← 216 | 217 →

Tabelle 44:   Effekte der Flexibilität und der Strukturmerkmale

FlexibilitätStrukturmerkmale
+Macht: Leitungsspanne
oMacht: Entscheidungsdelegation
+Macht: Partizipation
oSpezialisierung: Arbeitsteilung
oSpezialisierung: Autonomie
oKoordination: Planung
+Koordination: Standardisierung
oFormalisierung

Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes. +: symbolisiert signifikante Effekte, o: symbolisiert nicht signifikante Effekte.

Verglichen mit der Betrachtung der signifikanten Effekte der Strukturmerkmale und der Einschätzung der Innovativität (Tabelle 43) ist bei dem Vergleich mit der Einschätzung der Flexibilität eine kleinere Anzahl signifikanter Effekte zu berichten. Bei den zwei Items „Partizipation“ und „Standardisierung“ decken sich die signifikanten Ergebnisse der sektoralen und der rechtsformspezifischen Betrachtung.

Zusammenfassend ist zu konstatieren, dass der Grad der Einschätzung der Flexibilität zwar wesentlich mit dem Grad der Einschätzung der Innovativität korreliert, dies aber offensichtlich kein Unterscheidungskriterium bei Unternehmensveränderungen für die Bankengruppen darstellt. Die theorieseitig konstatierte Wichtigkeit einer hohen Flexibilität für die Innovativität zeigt sich in der vorliegenden Arbeit nicht. Dies kann an der gewählten Unternehmensveränderung der „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ liegen. Es ist z. B. denkbar, dass sich die Rolle der Flexibilität sich bei einer anderen Unternehmensveränderung in anderer Form ausgeprägt hätte.

9.2.4   Diskussion der Kommunikations- und Informationswege

Der Grad der Nutzung der Kommunikations- und Informationswege wurde in der vorliegenden Arbeit als ein letztes elementares Merkmal bei Unternehmensveränderungen erhoben, da Kommunikation und Information elementar für deren Gelingen sind (BMFSFJ, 2014). Es besteht die Annahme, dass sich die Kreditinstitute in ihren Sektoren und der Rechtsform durch ihre Wege der Kommunikation und Information unterscheiden. Diese Annahme wird durch signi ← 217 | 218 → fikante Unterschiede zwischen den Sektoren der Kreditinstitute bestätigt. Die Nutzung der Kommunikations- und Informationswege ist bei den Sparkassen, gefolgt von den Kreditgenossenschaften, signifikant höher ausgeprägt als bei den Kreditbanken. Diese nutzen durchschnittlich nur knapp die Hälfte der angegebenen Kommunikations- und Informationswege. Bei der rechtsformspezifischen Betrachtung zeigt sich, dass die signifikanten Unterschiede im Wesentlichen bei der Gruppe der GmbHs zu finden sind. Diese unterscheidet sich durch eine sehr geringe Nutzung der Kommunikations- und Informationswege signifikant von den Gruppen der AdöRs und der eGs. Die AdöRs zeigen die intensivste Nutzung der Kommunikations- und Informationswege. Dies erscheint insofern schlüssig, als dass die AdöRs auch das größte Angebot an Maßnahmen zu Vereinbarkeit von Beruf und Familie haben. Eine gute Kommunikation und Information fördert die Nutzung der „Angebotenen Maßnahmen“ zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Anders formuliert bedeutet dies, dass Kreditinstitute, welche ein großes und gutes Angebot haben, dieses auch kommunizieren.

Eine weitere mögliche Ursache für die geringe Nutzung der Kommunikations- und Informationswege ist bei der unterschiedlichen Größe der Kreditinstitute zu finden. Bei der Überprüfung der Hypothese 5.5 wurde die Annahme bestätigt, dass mit steigender Größe der Kreditinstitute auch die Nutzung der Kommunikations- und Informationswege signifikant steigt. Da die Kreditbanken durch ihre Heterogenität in der Stichprobe durch viele kleine Institute vertreten sind, ist es insofern schlüssig, dass hier auch die geringste Nutzung der Kommunikations- und Informationswege stattfindet.

Generell ist bei der Betrachtung der Ergebnisse analog des objektiven Zugangsweges zur Operationalisierung der Innovativität zu diskutieren, inwiefern die Liste der nutzbaren Kommunikations- und Informationswege vollständig ist, und ob die bereits zur Auswahl stehenden Wege als sinnvoll und richtig bezeichnet werden können. In der vorliegenden Arbeit wurden auch in diesem Fall alle Kriterien gleich gewichtet. Aus den gleichen Gründen wie bei der Operationalisierung der objektiven Innovativität wurde auf eine Gewichtung verzichtet (Abschnitt 9.2.2).

Nach der Feststellung der sektoralen und rechtsformspezifischen Unterschiede der Kreditinstitute hinsichtlich ihrer Kommunikations- und Informationswege stellt sich die Frage, inwiefern signifikante Effekte der Kommunikations- und Informationswege und der Strukturmerkmale existieren. Diese Erkenntnis bietet die Möglichkeit, weitere Annahmen über Zusammenhänge und Wirkungsgefüge zu treffen, gleichwohl ein kausaler Rückschluss wie bereits erwähnt nicht möglich ist. Die Überprüfung signifikanter Effekte der Kommunikations- und Informationswege deckt sich wie aus Tabelle 45 ersichtlich ist, bei zwei Konstrukten. ← 218 | 219 →

Tabelle 45:   Effekte der Kommunikations- und Informationswege und der Strukturmerkmale

Kommunikations- und

Informationswege
Strukturmerkmale
oMacht: Leitungsspanne
oMacht: Entscheidungsdelegation
oMacht: Partizipation
+Spezialisierung: Arbeitsteilung
oSpezialisierung: Autonomie
oKoordination: Planung
+Koordination: Standardisierung
oFormalisierung

Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes. +: symbolisiert signifikante Effekte, o: symbolisiert nicht signifikante Effekte.

Analog der Ergebnisse der Überprüfung der Innovativität zeigen sich auch bei den Kommunikations- und Informationswegen signifikante Effekte bei der Arbeitsteilung. Die Ergebnisse zeigen, dass mit einer steigenden Arbeitsteilung die Nutzung der Kommunikations- und Informationswege steigt. Dies ist nachvollziehbar, da die Arbeitsteilung gemäß des Standes der Forschung Auswirkung auf die bereichsübergreifende und die bereichsinterne Kommunikation hat (Abschnitt 3.2.5). Es ist zu vermuten, dass eine steigende Arbeitsteilung mehr Zugangswege zu Informationen benötigt, da sonst ein Informationsdefizit zwischen den Einheiten und den Bereichen entsteht. Der Grad der Arbeitsteilung ist bei den Sparkassen und Kreditgenossenschaften am größten ausgeprägt. Bei diesen beiden Sektoren werden auch signifikant mehr Wege der Kommunikation und Information der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie genutzt. Es ist anzunehmen, dass diese Faktoren einen ursächlichen Zusammenhang aufweisen. Bei einer tiefergehenden Forschung wäre die Überprüfung eines Kausalzusammenhanges von Interesse.

Die signifikanten Effekte der Standardisierung bei den Strukturmerkmalen der Kreditinstitute zeigen, dass mit einem steigenden Grad an Standardisierung auch die Nutzung der Kommunikations- und Informationswege steigt. Somit ist es schlüssig, dass die Gruppe der GmbHs den signifikant geringsten Grad der Standardisierung und gleichzeitig auch die geringste Nutzung an Kommunika ← 219 | 220 → tions- und Informationswegen aufweist.169 Weiterhin kann dies bedeuten, dass die GmbHs durch ihre gering ausgeprägte Standardisierung Vorteile in der Flexibilität und Innovativität haben, jedoch die geringe Nutzung der Kommunikations- und Informationswege in dieser Hinsicht nachteilig ist. Der Zusammenhang alleine kann jedoch nicht fundiert kausal begründet werden. Dies sollte daher Inhalt künftiger Forschungsarbeiten sein.

Nach der erfolgten Betrachtung signifikanter Effekte wird an dieser Stelle der Fokus auf das Strukturmerkmal „Formalisierung“ gelegt. Im Ergebnis zeigte die „Formalisierung“ bei keiner bisherigen Betrachtungsweise und Überprüfung signifikante Effekte. Entgegen aller Annahmen zeigen sich keine Unterschiede zwischen den Sektoren und Rechtsformen der Bankengruppen. Es existieren keine nachgewiesenen Zusammenhänge mit der Innovativität oder der Flexibilität, sowie den Kommunikations- und Informationswegen. Der nicht erwartungsgemäß bestätigte Unterschied in der Formalisierung zwischen den Kreditinstituten mag daran liegen, dass die Bankenbranche per se durch den hohen Einfluss der Gesetzgebung und der überwachenden Institutionen einen hohen Grad an Formalisierung hat. Gesetzliche Vorgaben verlangen Arbeitsanweisungen und kontrollieren formale Regelungen in Organisationen.

Die weiteren nicht signifikanten Effekte sind mit der gewählten Fragestellung zu begründen. Zur Erhebung des Grades an Formalisierung wurde nach der „Anzahl der Arbeitsanweisungen und Normen“ gefragt. Es ist denkbar, dass der Begriff der „Normen“ von den Befragten nicht einheitlich verstanden oder interpretiert wurde, und somit in der Folge somit eine Verzerrung des Ergebnisses stattfindet.

9.2.5   Diskussion der Größe der Kreditinstitute

In der Forschung ist die Unternehmensgröße ein viel erforschtes Merkmal der Organisationssituation. Gemäß den Erkenntnissen in Abschnitt 3.1.2 hat die Unternehmensgröße einen Einfluss auf die Strukturmerkmale und somit auf die Effizienz einer Organisation.

In der vorliegenden Forschungsarbeit besteht basierend auf den Erkenntnissen in Abschnitt 6.1 die Annahme, dass die Kreditinstitute sich mittels ihrer Größe unterscheiden, und die Größe selbst einen Einfluss auf Unternehmensverände ← 220 | 221 → rungen hat. Es ist an dieser Stelle zunächst von Interesse, inwiefern ein Zusammenhang zwischen der Unternehmensgröße und den Kreditinstituten existiert. Die Ergebnisse bestätigen jeweils einen mittleren Zusammenhang zwischen der Unternehmensgröße und sowohl dem Sektor (Cramer`s V = .45), als auch der Rechtsform der Kreditinstitute (Cramer´s V = .48), (Hypothesen 5.1 und 5.2).

Nachfolgend zeigt Tabelle 46 die signifikanten Effekte der Situationsvariable „Größe“ der Kreditinstitute und der Variablen der Unternehmensveränderung. Es zeigen sich 3 signifikante Effekte. Die Betrachtung der Ergebnisse der zwei Zugangswege zur Innovativität zeigt zunächst keinen signifikanten Effekt der Unternehmensgröße auf die Einschätzung der Innovativität. Die Annahme, dass mit steigender Unternehmensgröße auch das Angebot der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie steigt, wird jedoch bestätigt. Letzteres ist insofern schlüssig, als dass anzunehmen ist, dass bei größeren Kreditinstituten auch mehr Mittel und Ressourcen für die Implementierung der Maßnahmen zur Verfügung stehen.

Tabelle 46:   Effekte der Größe und der Variablen der Unternehmensveränderung

Variablen der UnternehmensveränderungGröße
Innovativität: Einschätzung der Innovativität

o
Innovativität: Angebotene Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie+
Flexibilität+
Nutzung der Kommunikations- und Informationswege+

Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes. +: symbolisiert signifikante Effekte, o: symbolisiert nicht signifikante Effekte.

Das Ergebnis lässt sich auf den Sektor der Kreditinstitute übertragen: Die Sparkassen sind durchschnittlich größer als die Kreditgenossenschaften und haben gleichzeitig ein höheres „Angebot an Maßnahmen“ zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Ob dies letztlich wirklich lediglich aufgrund ihrer Größe der Fall ist, oder ob hierbei noch andere Faktoren Einfluss nehmen, kann an dieser Stelle nicht abschließend geklärt werden.

Die Diskrepanz der Ergebnisse beider Zugangswege zur Innovativität ist vermutlich auf die subjektive Wahrnehmung der Befragten zurückzuführen. Erlebnisse des Alltages nehmen Einfluss auf das Bewertungsergebnis und verzerren dieses in der Folge. Es ist weiterhin möglich, dass bei einer größeren Stichprobe ← 221 | 222 → die Ergebnisse signifikant sind, da gegebenenfalls eine größere Anzahl großer Kreditinstitute in der Stichprobe enthalten ist.

In der vorliegenden Arbeit wird auf Basis des Standes der Forschung angenommen, dass mit einer steigenden Unternehmensgröße die Flexibilität sinkt. Die Ergebnisanalyse des Zusammenhanges ist erwartungskonform (Hypothese 5.4). Es ist denkbar, dass das Ergebnis darauf zurückzuführen ist, dass größere Unternehmen Einschränkungen in ihrer Flexibilität aufweisen, da mit steigender Größe gleichzeitig eine kleinere Leitungsspanne (Hypothese 7.3) und ein daraus folgend hoher Leitungsaufwand einhergeht (Abschnitt 3.2.3). Dies würde bedeuten, dass die im Vergleich sehr kleinen GmbHs und eGs strukturelle Vorteile gegenüber den Kreditinstituten, die in anderen Rechtsformen firmieren genießen, welche wiederum die Flexibilität fördern.

Die Annahme, dass mit steigender Organisationsgröße auch die Nutzung der Kommunikations- und Informationswege steigt, wird bestätigt. Ein Grund könnte darin liegen, dass aufgrund der kleineren Leitungsspanne ein höherer Abstimmungs- und Informationsbedarf entsteht. Dass eine hohe Nutzung der Kommunikations- und Informationswege jedoch lediglich der Größe der Organisation geschuldet ist, ist anzuzweifeln. Sicherlich können auch andere Faktoren wie beispielsweise die Rechtsform oder die Historie einen Einfluss auf eine umfangreiche Nutzung der Wege der Kommunikation und Information haben.

Zusammenfassend ist zu konstatieren, dass die Situationsvariable „Größe“ auch bei vorliegender Fragestellung von Bedeutung für eine Unterscheidung der Bankengruppen ist. Es scheint, dass die Größe eines Unternehmens bei Unternehmensveränderungen Einfluss nimmt. Es zeigt sich, dass es in diesem Kontext Faktoren gibt, bei denen Kreditinstitute aufgrund ihrer Größe Vor- wie Nachteile haben.

9.2.6   Diskussion der Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Um die forschungsleitende Hypothese eines unterschiedlichen Veränderungsprozesses in den Sektoren der Kreditinstitute zu überprüfen, ist es erforderlich einen solchen konkreten Veränderungsprozess auszuwählen. In dieser Arbeit wurde die Unternehmensveränderung der „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ untersucht, die im Folgenden diskutiert wird. Im Hintergrund steht die aus der Theorie abgeleitete Annahme, dass sich bei den gewählten Items dieser konkreten Unternehmensveränderung Unterschiede zwischen den Kreditinstituten zeigen. Eine generelle Diskussion der Auswahl des Prozesses der „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ für den Vergleich der Kreditinstitute erfolgte bereits in Abschnitt 8.1.1. Die Auswahl der gewählten Items zur Erfassung dieser Unternehmensverände ← 222 | 223 → rung ist sicherlich ebenfalls diskussionswürdig. Es wurden insgesamt sechs Items gewählt, welche die Frage beantworten sollten, inwiefern manche Institutsgruppen frühzeitiger und aktiver die Bewältigung des Themas angehen als andere Institutsgruppen. Weiterhin sollte untersucht werden, wie hoch die Akzeptanz der Unternehmensveränderung in den Kreditinstituten bewertet werden kann.

Die zur Operationalisierung der „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ genutzten Items basieren auf gesetzlichen Grundlagen sowie auf der Akzeptanz und der Unterstützung der Maßnahmen in der Organisation. Durch die Auswahl dieser Items ist es möglich, dass eine unvollständige Erfassung erfolgt und wesentliche Aspekte außer Acht bleiben. Die signifikanten Effekte der Umsetzung des Veränderungsprozesses der „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ und des Sektors der Kreditinstitute zeigt Tabelle 47.

Tabelle 47:   Effekte der „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ und des Sektors der Kreditinstitute

Vereinbarkeit von Beruf und FamilieSektor der Kreditinstitute
Angebot der Partnermonate+
Erstmalige Wahrnehmung+
Häufigkeit der Wahrnehmung+
Akzeptanz der Maßnahmen+
Unterstützer der Maßnahmen+
Diskussion Demographie+

Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes. +: symbolisiert signifikante Effekte, o: symbolisiert nicht signifikante Effekte.

Bei der Analyse sind bei allen Items erwartungskonform signifikante Effekte zu berichten. Es ist jedoch anzumerken, dass bei den Items „Angebot der Partnermonate“, sowie „Häufigkeit der Wahrnehmung“ und „Akzeptanz der Maßnahmen“ jeweils nur schwache Zusammenhänge mit dem Sektor der Kreditinstitute bestätigt werden konnten. Bei den Items „Unterstützer“, sowie „Behinderer“ und „Diskussion Demographie“ werden jeweils mittlere Zusammenhänge mit dem Sektor der Kreditinstitute konstatiert.

Die nachfolgende Tabelle 48 zeigt die Effekte der Indikatoren der „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ und der Innovativität. Die in der Tabelle dargestellten Items zur Abbildung des Themas „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ sind mit wenigen Ausnahmen signifikant hinsichtlich der Selbsteinschätzung der Innovativität und der konkreten Umsetzung des Veränderungsvorhabens in der Praxis. ← 223 | 224 → In den überwiegenden Fällen ist die Verteilung der Merkmale der Innovativität und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie statistisch voneinander abhängig.

Tabelle 48:   Effekte der Innovativität und der Indikatoren der „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“

InnovativitätVereinbarkeit von Beruf und Familie
Einschätzung der InnovativitätAngebotene Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie 
+oAngebot der Partnermonate
o+Erstmalige Wahrnehmung
++Häufigkeit der Wahrnehmung
++Akzeptanz der Maßnahmen
++Unterstützer der Maßnahmen

Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des erhobenen Datensatzes. +: symbolisiert signifikante Effekte, o: symbolisiert nicht signifikante Effekte.

Nachstehend erfolgt die zusammenfassende Analyse der Ergebnisse beider vorangegangener Tabellen. Bei der inhaltlichen Betrachtung des Items des „Angebotes der Partnermonate“ zeigt sich, dass 33,33 % der Sparkassen, sowie 28,57 % der Kreditgenossenschaften bereits vor der gesetzlichen Einführung im Jahr 2007 aktiv die Partnermonate für tarifangestellte männliche Mitarbeiter angeboten haben. Bei den Kreditbanken waren es mit 16,67 % nur knapp halb so viele Kreditinstitute, wie bei den anderen Bankengruppen. Dies lässt darauf schließen, dass die Kreditbanken verglichen mit den anderen Bankengruppen eher die gesetzliche Einführung von Veränderungen abwarten, als diese aktiv anzugehen.

In Abschnitt 8.4.1 bestätigte sich erwartungskonform, dass Institute, welche bereits vor der gesetzlichen Einführung der Partnermonate ihren männlichen Angestellten das Angebot gemacht haben als innovativer eingeschätzt werden. Es fällt jedoch auf, dass sich dies nicht gleichermaßen in einem höheren Angebot an Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie zeigt.

Obgleich in Instituten, welche das Angebot schon vor der gesetzlichen Einführung gemacht haben, die Innovativität des Hauses signifikant höher eingeschätzt wird, wird die Flexibilität nicht ebenfalls höher eingeschätzt (Abschnitt 8.4.1).

Zusammenfassend lässt sich vermuten, dass Kreditinstitute, welche schon frühzeitig aktiv sind und nicht lediglich aufgrund gesetzlicher Vorgaben tätig ← 224 | 225 → werden, auch innovativer sind als andere Kreditinstitute. Falls im Zuge weiterer Forschungsarbeiten ein ursächlicher Zusammenhang bestätigt werden sollte, würde dies bedeuten, dass sowohl die Sparkassen als auch die Kreditgenossenschaften aufgrund ihrer frühzeitigen aktiven Begegnung mit der Veränderung innovativer sind als die Kreditbanken.

In einem weiteren Schritt stellt sich nach der Frage des aktiven Angebotes von Partnermonaten durch die Unternehmen auch die Frage, wann die Partnermonate in den Kreditinstituten erstmalig wahrgenommen wurden. Es wurden erwartungskonform signifikante Unterschiede zwischen den Sektoren der Kreditinstitute bestätigt.

Obwohl bei einigen Kreditinstituten bereits vor der gesetzlichen Einführung ein Angebot der Partnermonate bestand, wurde dieses erst nach dem Stichtag der gesetzlichen Einführung von dem Mitarbeitern genutzt. Dieser Befund könnte so erklärt werden, dass eine Hemmung besteht, auf solche Angebote (ohne gesetzlichen Anspruch) zuzugreifen. Eine gesetzliche Regelung stellt potenziell eine zusätzliche Legitimation zur Nutzung dieser Angebote dar und erleichtert es möglicherweise, diese einzufordern. Diese Interpretation der Ergebnisse sollte in weiteren Studien unbedingt qualitativ und quantitativ überprüft werden.

Bei den Sparkassen sowie bei den Kreditgenossenschaften fand die erstmalige Wahrnehmung der Partnermonate durch die männlichen Angestellten signifikant früher statt als bei den Kreditbanken. Dies ist insofern schlüssig, als dass Sparkassen und Kreditgenossenschaften bereits früher aktiv die Partnermonate angeboten haben als Kreditbanken.

In Abschnitt 8.4.2 wurde bestätigt, dass Kreditinstitute, in welchen bereits früher die Partnermonate wahrgenommen wurden, auch generell ein signifikant höheres Angebot an Maßnahmen zur „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ haben. In dieser Arbeit dient dies zugleich als ein Zugangsweg zur Operationalisierung von Innovativität.

Betrachtet man die selbst eingeschätzte Innovativität, so zeigt sich der vermutete Zusammenhang zwischen Innovativität und der Nutzung der Partnermonate nicht. Eine Erklärung für diesen widersprüchlichen Befund könnte darin bestehen, dass sich die Mitarbeiter bei der Einschätzung der Innovativität der Organisation an anderen Merkmalen orientieren. Die erstmalige Nutzung der Partnermonate scheint keinen Einfluss auf die Einschätzung der Innovativität der Organisation durch die Mitarbeiter zu haben.

Nach der Beantwortung der Frage der erstmaligen Wahrnehmung stellt sich weiterhin die Frage nach der Häufigkeit der Wahrnehmung der Elternzeit durch ← 225 | 226 → männliche Angestellte über die Partnermonate hinaus. Auch hier zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Sektoren.

Während bei der Hälfte der Kreditbanken gar keine Wahrnehmung der Elternzeit männlicher Angestellter über die Partnermonate hinaus stattfindet, gaben die Befragten aus Sparkassen und Kreditgenossenschaften an, dass dieses Angebot bei ihnen häufiger wahrgenommen wird. Die Häufigkeit der Wahrnehmung ist bei den Sparkassen und den Kreditgenossenschaften in etwa gleich ausgeprägt.

Tabelle 48 zeigt erwartungskonform, dass Kreditinstitute, bei denen häufiger die Elternzeit über die Partnermonate hinaus von den männlichen Angestellten wahrgenommen wird, gleichermaßen innovativer sind.

Zusätzlich wurde bestätigt, dass in Instituten mit einer größeren Wahrnehmungsquote der Elternzeit auch signifikant mehr Wege der Kommunikation und Information zu diesen Maßnahmen genutzt werden. Dies erscheint schlüssig, da nur die Kenntnis seitens der Mitarbeiter über die sich ihnen bietenden Möglichkeiten überhaupt zu einer Nutzung von Angeboten führt.

Ein weiterer Indikator für die Umsetzung der Unternehmensveränderung in den Bankengruppen ist die Akzeptanz der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Hier zeigt sich bei den Sparkassen und den Kreditgenossenschaften eine höhere Akzeptanz der Maßnahmen als bei den Kreditbanken. Eine Begründung hierfür kann in dem erwartungskonform bestätigten Zusammenhang zwischen dem Angebot der Maßnahmen und der Akzeptanz selbiger liegen (Hypothese 17.2). Je größer das Angebot ist, desto höher ist auch die Akzeptanz. Es ist demnach zu vermuten, dass die größere Akzeptanz der Maßnahmen bei den Sparkassen und den Kreditgenossenschaften auf das größere Angebot der Maßnahmen zurückzuführen ist.

Im Bereich der Nutzung der Kommunikations- und Informationswege zeigt sich ebenfalls, dass diese bei den Sparkassen und den Kreditgenossenschaften signifikant höher ausgeprägt ist, als bei den Kreditbanken (Hypothese 4.1). In Kreditinstituten, in welchen mehr Wege der Kommunikation und Information genutzt werden, ist auch die Akzeptanz der Maßnahmen größer (Hypothese 17.4). Dies führt zu der Annahme, dass die größere Akzeptanz der Maßnahmen bei den Sparkassen und den Kreditgenossenschaften auf die bessere Nutzung der Kommunikations- und Informationswege in diesen Bankengruppen zurückzuführen sein könnte. Diese Hypothese eines kausalen Zusammenhangs sollte daher in weiteren Studien geprüft werden. Sollte dieser sich bestätigen, würde dies den Stellenwert der Nutzung von Kommunikations- und Informationswegen in der Bankenbranche unterstreichen. ← 226 | 227 →

Im Verlauf der theoretischen Analyse dieser Forschungsarbeit stellte sich der Indikator „Macht“ als zentral bei Unternehmensveränderungen heraus (Abschnitt 3.2.1). Aus diesem Grund wurden die Personengruppen in den Kreditinstituten betrachtet, welche die Maßnahmen zur „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ bis zu ihrer Implementierung maßgeblich unterstützt oder behindert haben.

Bei den Unterstützern der Maßnahmen zeigte sich eine in allen Bankengruppen dominierende Rolle des Betriebsrates und der Personalabteilung. Der Vorstand wurde ausnahmslos bei den Kreditbanken als Unterstützer genannt. Hier war auch die größte Quote der Personengruppe der Mitarbeiter als Unterstützer berichtet worden.

Es fällt auf, dass die Personengruppe der Führungskräfte keine (Sparkassen und Kreditbanken) oder fast gar keine (Kreditgenossenschaften) unterstützende Rolle bei allen Bankengruppen eingenommen hat. Betrachtet man, welche Personengruppen häufig als Behinderer solcher Maßnahmen genannt werden, so werden hier Führungskräfte am häufigsten genannt.

Eine Erklärung für die mangelnde Unterstützung seitens der Führungskräfte in diesem Bereich könnte sein, dass Führungskräfte in der Regel auf die Anwesenheit und Mitarbeit ihres Teams angewiesen sind, um ihre Ziele zu erreichen. Nutzen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Angebote zur „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“, so befürchten Führungskräfte möglicherweise deren Abwesenheit und damit einhergehend den Verlust von Arbeitskraft, Macht und Einfluss.

Insgesamt zeigt sich, dass die Anzahl unterstützender Personengruppen erwartungsgemäß bei den Kreditbanken signifikant niedriger ist als bei den Sparkassen und den Kreditgenossenschaften (Hypothese 18.3). Dieser Befund passt in das Gesamtbild der bisherigen Ergebnisse, die darauf hindeuten, dass Kreditbanken signifikant weniger Maßnahmen zur „Vereinbarung von Beruf und Familie“ anbieten und Informations- und Kommunikationswege in diesem Bereich schlechter nutzen. Es bestätigt sich weiterhin wie angenommen, dass in innovativeren Kreditinstituten die Anzahl von Personengruppen, welche die Maßnahmen bis zu ihrer Implementierung unterstützen, signifikant größer ist. Kreditinstitute mit einer größeren Anzahl unterstützender Personengruppen werden nicht nur als innovativer und flexibler eingeschätzt, sie nutzen auch die Wege der Kommunikation und Information intensiver.

Das letzte Item „Demographischer Wandel“ diente der Beantwortung der Frage, inwiefern sich Kreditinstitute bereits früher als andere Kreditinstitute mit dem Megatrend „Demographischer Wandel“ befasst haben. Bei der Betrachtung der Ergebnisse zeigt sich, dass in einigen Sparkassen eine Diskussion des Themas ← 227 | 228 → bereits etwas früher stattfand (Abbildung 52). Der Gesamtüberblick zeigt ein recht einheitliches Bild in den Bankengruppen. Der Großteil der Institute hat das Thema „Demographischer Wandel“ in den Jahren 2006 bis 2009 erstmalig im Management diskutiert. Bei einer rechtsformspezifischen Betrachtung zeigt sich, dass die GmbHs erst eine Periode später als alle anderen Bankengruppen das Thema aufgegriffen haben. Dies fügt sich in das Gesamtbild der bisherigen Erkenntnisse.

Vor dem Hintergrund der vom Jahr 1992 bis zum Jahr 2002 bestehenden Enquéte-Kommission „Demographischer Wandel“ zeigt sich hier eine zeitliche Verzögerung zwischen dem Zeitpunkt des Abschlussberichtes und der tatsächlichen Präsenz bzw. dem Aufgreifen des Themas in den Kreditinstituten. In den Jahren 2010 bis 2013 fanden immer noch mehr erstmalige Diskussionen des Themas statt, als in dem Zeitraum vor dem Jahr 2006. Inwiefern dies auf die Tatsache zurückgeführt werden kann, dass alle Verbände der deutschen Kreditwirtschaft das gemeinsame Ziel der Bewältigung der Anforderungen der „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ für das deutsche Kreditgewerbe im Jahr 2011 (Bankenverband, AGVBanken, 2011) konstatierten, bleibt nur zu vermuten.

Nachfolgend wird auf Basis der bis zu diesem Punkt gewonnen Erkenntnisse in Abschnitt 9.3 der über die vorliegende Arbeit hinausgehende Forschungsbedarf beschrieben.

9.3   Implikationen für die Forschung

Der Einsatz einer webbasierten Umfrage war in der vorliegenden Forschungsarbeit insofern sinnvoll, als dass Veränderungsprozesse in Organisationen insbesondere im Bereich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der bisherigen Forschung nicht intensiv untersucht worden sind. Diese standardisierte Befragungsmethode ermöglicht es in einem ersten Schritt, ökonomisch ein neues Forschungsfeld zu erschließen und dabei festzustellen, ob erste theoretisch formulierte Unterschiede und Zusammenhänge empirisch belegbar sind. Diese Forschungsmethode ermöglicht es jedoch nicht, aus den gewonnenen Ergebnissen direkt kausale Schlüsse zu ziehen. In einem nächsten Schritt sollte daher für zukünftige Forschungsarbeiten in diesem Gebiet eine Herangehensweise, welche die Erfassung zu mehreren Messzeitpunkten erfordert und die zur Prüfung kausaler Hypothesen imstande ist, in Betracht gezogen werden. Insbesondere die Frage, ob die Zugehörigkeit zu einer Bankengruppe tatsächlich kausal für die Unterschiede in der Innovativität verantwortlich ist, sollte dabei in den Fokus gerückt werden. Hierfür ist eine größere Datenmenge sinnvoll. Die Überprüfung multikausaler ← 228 | 229 → Erklärungen der Ursachen für die Innovativität erfordert umfangreiche personelle und zeitliche Ressourcen.

Hinsichtlich der Implikationen für künftige Forschungsarbeiten hat sich im Bereich der Methodik zur Operationalisierung der Innovativität gezeigt, dass die Entwicklung geeigneter und anerkannter Instrumente zur Messung der Innovativität, die Verwendung einheitlicher Definitionen sowie eine saubere Validierung sinnvoll sind. In dieser Arbeit wurden zwei Ideen zur Operationalisierung von Innovativität vorgestellt, die zu jeweils unterschiedlichen Ergebnissen führten. Künftige Studien zum Thema Innovativität sollen nun die prädiktive Validität der beiden Zugangswege untersuchen.

Im Rahmen zukünftiger Forschungsarbeiten ist weiterhin die Übertragung der vorliegenden Überlegungen auf andere Branchen interessant. Denkbar ist hier beispielsweise die Betrachtung des medizinischen Sektors. Eine ähnliche Aufteilung in private, gemeinnützige und öffentliche Einrichtung existiert auch hier. Es wäre daher aufschlussreich, inwiefern sich abweichende oder ähnliche Ergebnisse auch bei einer Übertragung auf eine andere Branche zeigen. ← 229 | 230 → ← 230 | 231 →


154   In Frage 18 wurde aufgrund der Rückmeldungen als mögliche planende Abteilung der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie der Betriebsrat ergänzt.

155   Siehe hierzu weiterführend Cleff (2011).

156   An dieser Stelle ist zu bemerken, dass die Möglichkeit besteht, dass die Liste der hierdurch zur Auswahl stehenden Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie unvollständig ist und es in den Kreditinstituten weitere dort angebotene Maßnahmen gibt, welche an dieser Stelle nicht genannt sind. Siehe hierzu die Diskussion der Innovativität in Abschnitt 9.2.2.

157   Die Auswahl dieser Kategorie für die Befragung fand vor dem Hintergrund statt, dass das Bundeskabinett im März 2011 das Familienpflegezeitgesetz beschlossen hat, welches das Ziel der besseren Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege hat.

158   Die statistische Überprüfung erfolgt in Abschnitt 8.3.1.

159   Zusammenhang zwischen Entscheidungsdelegation und Nutzung der Kommunikations- und Informationswege: Der Korrelationskoeffizient zwischen diesen beiden Variablen beträgt r = .09. Der p-Wert p = .40 ist nicht signifikant. Demnach setzen Kreditinstitute, welche ihre Entscheidungen möglichst auf die unteren Ebenen verlagern, nicht signifikant nachweisbar mehr Wege zur Kommunikation und Information der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein.

160   Das Item „Eigenständigkeit der Entscheidungen“ weist inhaltlich eine Verwandtschaft mit dem Item Partizipation auf. Daher werden die Variablen „Teilnahme an Entscheidungen überstellter Ebenen“ und „Eigenständigkeit der Entscheidungen“ korreliert. Der Korrelationskoeffizient zwischen diesen beiden Variablen beträgt r = .24 Der p-Wert des Korrelationskoeffizienten bestätigt mit p < .05 eine statistisch signifikante Beziehung beider Variablen. Somit besteht ein positiver linearer Zusammenhang zwischen den beiden Merkmalen. Je größer die Teilnahme an Entscheidungen überstellter Ebenen, desto eigenständiger kann der Mitarbeiter Entscheidungen innerhalb seines Tätigkeitsgebietes treffen.

161   In der Kategorie Planung der Maßnahmen durch den Betriebsrat gibt es keine Beobachtungen. Aus diesem Grund ist die Variable dichotomer Natur.

162   In der Stichprobe haben n=90 Befragte Personengruppen angegeben, welche die Maßnahmen bis zu ihrer Einführung unterstützt haben. Mit n=33 hat nur knapp ein Drittel der befragten Kreditinstitute Angaben hinsichtlich der Behinderer der Maßnahmen gemacht. Aufgrund der geringen Anzahl der Beobachtungen wird das Item „Behinderer“ nicht weiter analysiert.

163   Die empirisch beobachteten Zusammenhänge können nicht kausal interpretiert werden, da dies Wiederholungen bei der Messung und Mehrfachbefragungen, sowie Versuchs- und Kontrollgruppen voraussetzt. Im weiteren Verlauf der Forschungsarbeit können daher nur Annahmen hinsichtlich kausaler Zusammenhänge getroffen werden.

164   Die beiden Institutsgruppen unterscheiden sich in ihrer „Entscheidungsdelegation“ nicht voneinander.

165   Eine weitere Ausdifferenzierung ist in diesem Fall jedoch aufgrund der zur Verfügung stehenden Datenmenge nicht möglich, da die dadurch gebildeten Gruppen für eine empirische Überprüfung zu klein werden würden.

166   Interessant erscheint bspw. ein Einbezug vergangenheitsbezogener Faktoren, wie des Alters der Organisation. Eine Betrachtung der externen Unternehmenssituation, wie z. B. der Konkurrenzsituation, regionaler Aspekte oder der Kundenstruktur kann ebenfalls weitere Erkenntnisse bringen.

167   Denkbar ist an dieser Stelle die Analyse des Grades der Technisierung von Handlungsabläufen – gerade vor dem Hintergrund des Megatrends „Technisierung“, welcher auch in der Bankenbranche weitreichende Auswirkungen hat.

168   Zu dem Ergebnis, dass sich größere Unternehmen im Kontext des Demographischen Wandels auch „die Investition in „ungewöhnliche“ oder aufwändigere Maßnahmen leisten“ (Organomics und ddn, 2012, S. 11) können, allerdings im Ergebnis der betriebswirtschaftliche Gewinn im Vordergrund steht, kommt auch eine Studie der Organomics GmbH und des Demographie Netzwerks (ddn) (2012). Auch der DIHK (2007) konstatiert in seinen Ergebnissen einer Online-Befragung des unternehmerischen Ehrenamtes der IHK-Organisation, dass die Vielfalt der Ansatzmöglichkeiten für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie mit der Unternehmensgröße steigt.

169   Eine geringe Ausprägung der Standardisierung ist auch bei der Rechtsform der AG vorhanden. Auch hier zeigt sich eine zwar nicht signifikante aber dennoch im Vergleich zu den Sparkassen und Kreditgenossenschaften niedrigere Nutzung der Kommunikations- und Informationswege.