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Philologia sanat

Studien für Hans-Albrecht Koch zum 70. Geburtstag

Edited By Gabriella Rovagnati and Peter Sprengel

Medizin und Literatur stehen in einem so wechselvollen wie spannenden Dialog, der in zahlreichen Studien des dem Philologen und Bibliothekar Hans-Albrecht Koch gewidmeten Bandes beleuchtet wird – von der altgriechischen Komödie über das Volksbuch von Till Eulenspiegel zur Volksmedizin und Erfahrungsseelenkunde der Aufklärung und weiter über Klassik und Romantik bis hin zu Autoren und Diskursen des 20./21. Jahrhunderts. Andere Essays umspielen den roten Faden mit Seitenblicken auf Fellinis Antike-Rezeption, mittelalterliche Buchkunst und Sakralskulptur, Beethovens «Fidelio», Chamissos Langzeitwirkung und einen vergessenen Züricher Zeichner. Die Linie setzt sich fort mit neuem Material zum «Netzwerker» Rudolf Alexander Schröder und Einblicken in die aktuelle Architektur und Hochschulpolitik.

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Flucht und Vertreibung bei Goethe (Volkmar Hansen)

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Volkmar Hansen

Flucht und Vertreibung bei Goethe

Wer – ohne Ergänzung – von Flucht bei Goethe spricht, der wird zunächst an biographische Lebenskrisen denken, an verschiedene Aufbrüche, die Ausbrüchen ähnlich sehen. Es ist eine Flucht, die ihn im Sommer 1768 zwingt, schwerkrank seinen elegant-rokokohaften Studienort Leipzig zu verlassen und ins Elternhaus nach Frankfurt zurückzukehren. Als er in einem zweiten Anlauf sein Jurastudium in Straßburg fortsetzen und 1771 mit dem Magister abschließen kann, ist er ein Liebesflüchtling, läßt schmerzlich-konsequent eine Friederike Brion zurück. Die Schuldgefühle lassen sich nur schwer durch die Selbstbestrafung in halbidentifikatorischen Männergestalten wie dem Weislingen des Götz von Berlichingen kompensieren. Und wie sieht es mit dem Vorbild des Roman-Werthers aus? Goethe verarbeitet die persönlichen Erlebnisse, die im Sommer 1772 mit seiner Ankunft in Wetzlar beim Reichskammergericht einsetzen, wo er sich in eine junge Frau verliebt, die eigentlich schon fest gebunden ist. In diesem „eigentlich“ liegt sein Problem, denn offenkundig beeindruckt er Lotte Buff so sehr, daß der quasi-verlobte Konkurrent Kestner schon ans Aufgeben denkt. Vor dem spielerischen Entgegenkommen Lottes entflieht er mit einem völlig unkonventionellen Aufbruch ohne Verabschiedungen im September moralbewußt, kann sich aber nicht bezwingen und erscheint nach einigen Wochen für eine kurze Zeit überraschend wieder. Als er im Frühjahr 1773 von der Hochzeit nicht informiert, übergangen wird, baut er brieflich Alternativen auf, die bis zu Mordandeutungen reichen, ehe er in dem Briefroman mit dem Selbstmord Werthers...

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