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Kontroversen im Werdegang wissenschaftlichen Wissens

Wie in der früheren Geschwulstforschung darum gestritten wurde, was ein «Krebsvirus» ist

Karlheinz Lüdtke

An einem der Geschichte der Krebsforschung entnommenen Fall wird untersucht, wie sich Wissensentwicklung zum Wandel sozialer Formen des Forscherverkehrs verhält und welche Rolle dabei wissenschaftliche Kontroversen spielen: Sie zersetzen nicht allein überkommene Paradigmen, sondern überdies die gegebenen sozialen Gliederungen und schaffen so Bedingungen für den Wandel derselben (Disziplinen, Institutionen). Dieser Ansatz erlaubt die Abwehr eines Konzeptes, wonach die Schließung einer Kontroverse auf die Favorisierung einer der strittigen Positionen hinausläuft. Ein solcher Prozess wird von Forschern eingeleitet, die das Verhältnis gegeneinander vertretener Konzepte zu harmonisieren trachten, ohne dabei auf eine transdisziplinäre bzw. theoretisch schlüssige Vermittlungsbasis zu verweisen.

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11. Die Entstehung von wissenschaftlich Neuem im Verhältnis zur Reproduktion des Bestehenden

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„Was […] von vornherein den schlechtesten Baumeister vor der besten Biene auszeichnet, ist, dass er die Zelle in seinem Kopf gebaut hat, bevor er sie in Wachs baut. Am Ende des Arbeitsprozesses kommt ein Resultat heraus, das beim Beginn desselben schon in der Vorstellung des Arbeiters, also schon ideell vorhanden war. Nicht dass er nur eine Formveränderung des Natürlichen bewirkt; er verwirklicht im Natürlichen zugleich seinen Zweck, den er weiß, der die Art und Weise seines Tuns als Gesetz bestimmt und dem er seinen Willen unterordnen muss“, heißt es bei Marx.600 Hier ist nicht einfach von „Individuen“ die Rede, sondern gemeint ist jemand, der über einen Begriff zur Zelle verfügt, was ihn befähigt, real verschiedene Dinge bzw. Erscheinungen gleichermaßen als Zelle zu identifizieren und etwas mit dem Wachs zustande zu bringen, worin sich wiederum etwas Zellförmiges erkennen lässt, was also mit dem vorausgesetzten Begriff übereinstimmt. Es ist für ihn Bedeutungsträger, Repräsentant von Gegenstände umfassenden Gesamtheiten. Nur dies erklärt ja auch erst, dass der „Baumeister“ das Handlungsergebnis ideell vorwegzunehmen vermag. Man missverstünde diese Aussage, folgerte man daraus, Arbeit sei schlechthin mit zielabhängiger Tätigkeit gleichzusetzen, wie sie einem Individuum, das nach vorausgesetzten Konzepten agiert, zugestanden wird: Der Gegenstand der Tätigkeit erscheint als etwas, das „aus dem konkreten Begriff der Arbeit ausgeschlossen wird und den Status einer der Arbeit äußerlichen Bestimmung erhält“, wie P.Ruben und C.Warnke hervorheben.601 Ausgegangen wird hier von der...

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