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Kontroversen im Werdegang wissenschaftlichen Wissens

Wie in der früheren Geschwulstforschung darum gestritten wurde, was ein «Krebsvirus» ist

Karlheinz Lüdtke

An einem der Geschichte der Krebsforschung entnommenen Fall wird untersucht, wie sich Wissensentwicklung zum Wandel sozialer Formen des Forscherverkehrs verhält und welche Rolle dabei wissenschaftliche Kontroversen spielen: Sie zersetzen nicht allein überkommene Paradigmen, sondern überdies die gegebenen sozialen Gliederungen und schaffen so Bedingungen für den Wandel derselben (Disziplinen, Institutionen). Dieser Ansatz erlaubt die Abwehr eines Konzeptes, wonach die Schließung einer Kontroverse auf die Favorisierung einer der strittigen Positionen hinausläuft. Ein solcher Prozess wird von Forschern eingeleitet, die das Verhältnis gegeneinander vertretener Konzepte zu harmonisieren trachten, ohne dabei auf eine transdisziplinäre bzw. theoretisch schlüssige Vermittlungsbasis zu verweisen.

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13. Die Entwicklung der Objektivität errungenen Wissens im Verhältnis zur Herausbildung sozialer Ordnungen des Forscherverkehrs

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Oevermann et al. verstehen unter „Bedeutung“ eine interaktiv emergente, objektiv soziale Struktur, die ihrerseits als Voraussetzung für die Konstitution von Intentionalität gelten müsse.680 So muss die Entwicklung der Bedeutungen, die die Akteure den von ihnen erzeugten Tatsachen zusprechen, mit dem Formenwandel der sozialen Struktur des Forscherverkehrs zu tun haben, mit einem Prozess, der sich, eine Formulierung Laitkos aufgreifend, als „Transformation eines raumartigen Beziehungsgeflechtes – also eines Netzes von Beziehungen zwischen koexistierenden Momenten – in der Zeit“ auffassen lässt.681 In der Formgenese der Interaktionen müsste ein Vorgang zu erkennen sein, der zu einer systematischen Abspaltung der Geltung des Konsensus der Akteure von der Genese desselben führt682, ein Vorgang, von dem sich sagen lässt, dass die Institutionalisierung des Forscherverkehrs genau jener Prozess ist, der die Objektivierung dessen voranbringt, was die daran Beteiligten an neuem Wissen gewinnen.683 Der Werdegang neuen Wissens, die Entwicklung dessen, was in der Forschung erzeugte Fakten wissenschaftlich ← 255 | 256 → bedeuten, setzt nicht an irgendeinem beliebigen Punkt ein, bis zu dem ein solcher Vorgang bereits gediehen ist. Bis zu welchem Niveau diese Entwicklung schon vorangeschritten ist, äußert sich darin, ob die Akteure in assoziative oder in autoritär regulierte soziale Gebilde oder bereits in festgefügte Einrichtungen eingegliedert sind. Für das Niveau dessen, was Forscher zu wissen meinen, ist es eben von Belang, ob sich das Interaktionsgeschehen noch in einem schwach geordneten, autoregulativ funktionierenden Netz von disziplinäre und institutionelle Ränder überschreitenden Partnerschaften vollzieht, ob es sich in so genannten...

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