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Mehrdeutigkeit übersetzen

Englische und französische Kinderliteraturklassiker der Nachkriegszeit in deutscher Übertragung

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Agnes Blümer

Viele englisch- und französischsprachige Kinderliteraturklassiker waren an Erwachsene und Kinder zugleich gerichtet, was in den Ausgangskulturen für selbstverständlich gehalten wurde. Galt dies auch noch für ihre Übertragung ins Deutsche? Agnes Blümer unterzieht sechs Klassiker der kinderliterarischen Phantastik der Nachkriegszeit sowie ihre Übersetzungen einer eingehenden literatur- und übersetzungswissenschaftlichen Analyse: «The Borrowers», «Tom’s Midnight Garden», «Tistou les pouces verts», «A Wrinkle in Time», «Where the Wild Things Are» und «Conte numéro 1». Im vorangestellten Theorieteil legt sie den Stand der Mehrdeutigkeits- und Übersetzungsforschung dar. Einen weiteren Bezugspunkt bilden Theoriediskurse der 1950er- und 1960er-Jahre und deren Einfluss auf die damalige Übersetzungspraxis.

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3. Kapitel: Philippa Pearce: Tom’s Midnight Garden (1958). Die Zeit der Alten und die Zeit der Jungen

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a. Tom’s Midnight Garden als Time Fantasy

Wie The Borrowers gehört Philippa Pearces Tom’s Midnight Garden (1958) eindeutig zur kinderliterarischen Gattung der phantastischen Erzählung. Sowohl die Todorov’sche Unschlüssigkeit als auch die Legitimation der kindlich-magischen Weltsicht haben in diesem Text ihren Platz. Tom wird von seinen Eltern für die Dauer der Ferien zu Onkel und Tante geschickt, damit er sich nicht bei seinem an Masern erkrankten Bruder Peter ansteckt. Frustriert von der Einsamkeit und davon, dass es keinen Ort gibt, an dem er im Freien spielen könnte, macht Tom bald die Entdeckung, dass er nachts in einen geheimnisvollen Garten gelangen kann.1 Dieser kann jedoch nur nach dem dreizehnten Schlag einer alten Standuhr betreten werden, die der Hausbesitzerin Mrs. Bartholomew gehört. Zunächst erkundet Tom den Garten allein, dann trifft er auf andere Menschen, offenbar Bewohner des Hauses. Diese nehmen ihn jedoch nicht wahr – abgesehen von dem kleinen Mädchen Hatty, in dem er eine Spielkameradin findet. Tom wird von den nächtlichen Ausflügen, dem Garten und seinen Geheimnissen so sehr in den Bann gezogen, dass er nicht mehr nach Hause zurückkehren will. Er meint herausgefunden zu haben, mit dem Betreten des Gartens in eine vergangene – frühviktorianische – Epoche zu geraten. Tom bemerkt nicht, dass Hatty über die Wochen hinweg immer älter und distanzierter wird, bis sie ihn schließlich kaum mehr wahrnimmt, während er selbst sich nicht verändert. Als Tom an seinem letzten Tag bei den Verwandten...

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