Show Less
Restricted access

Darmgesundheit im Mittelalter

Analyse ausgewählter deutschsprachiger Kochrezepttexte aus dem Münchener Arzneibuch Cgm 415 vor dem Hintergrund der Humoralmedizin und Versuch einer kritischen Bewertung im Lichte moderner pharmakologischer Erkenntnisse

Series:

Elisabeth Sulzer

Das deutschsprachige „Münchener Arzneibuch" aus dem 15. Jahrhundert gewährt mit fast 250 reich kommentierten diätetischen Kochrezepttexten tiefe Einblicke in die praktische Umsetzung der humoralmedizinischen Theorie. Aufgebaut ist das von Hippokrates mitbegründete medizinphilosophische System, an dem bis ins 18. Jahrhundert festgehalten wurde, auf der Annahme von vier Körpersäften. Diese galt es über eine kluge und maßvolle Lebensführung zu steuern, wobei der Ernährung zur Heilung von Krankheiten, aber auch zur Gesundheitsvorsorge eine zentrale Rolle zukam. Anhand ausgewählter Zubereitungsanleitungen untersucht und interpretiert die Autorin in diesem Buch die Ratschläge des spätmittelalterlichen Ernährungsexperten.

Show Summary Details
Restricted access

7 Zusammenfassung

Extract

7    Zusammenfassung

Die Analyse der beiden Kochrezeptsammlungen des Münchener Arzneibuchs Cgm 415, das púch von den chósten (RS I) und ain weizz gemùess oder ain weizz chost mach also (RS II) bestätigte die zentrale Rolle, die der Verdauung bereits im Mittelalter beigemessen wurde: Mehr als ein Drittel der insgesamt 247 Kochrezepte zielt auf die Prophylaxe oder Heilung von verschiedenen Magen-Darm-Beschwerden wie zum Beispiel Durchfall, Verstopfung oder Blähungen bis hin zur allgemeinen Stärkung des Magens und damit des ganzen Körpers durch kräftigende Nahrung ab.

Dem unterschiedlichen Charakter der beiden Kochrezepttextsammlungen entsprechend gilt es dabei zu differenzieren: Das auf den orientalischen Gelehrten Ibn Ğazla zurückgehende púch von den chósten gibt sich medizinisch und humoralpathologisch deutlich auskunftsfreudiger als RS II, indem fast zu jedem Rezept die Qualitäten, Wirkungen und Nebenwirkungen der Speise sowie Empfehlungen zu deren Neutralisierung angegeben werden. Die anonyme oberitalienische Kochrezepttextsammlung RS II hat ihre Wurzeln zwar ebenfalls zu einem guten Teil im orientalischen Raum (darauf weisen die Zitation medizinischer Autoritäten und manche Rezeptnamen hin), speist sich jedoch zusätzlich aus der regionalen Küche Oberitaliens. Auch diese Sammlung lässt ein starkes Interesse an gesunder Ernährung erkennen, aber sie legt den Schwerpunkt eher auf die Appetitanregung und beschränkt sich vielfach auf die Nennung des Indikationsgebietes einer Speise. Dieser Unterschied spiegelt sich in der Tabelle im Anhang, die am Beginn dieser Studie entstand und einerseits Ergebnis der Sondierungsphase für diese...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.