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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 – Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 3

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Edited By Jianhua Zhu, Jin Zhao and Michael Szurawitzki

Der Band dokumentiert sprachwissenschaftliche Sektionen des Kongresses der Internationalen Vereinigung für Germanistik (IVG) in Shanghai 2015. Er beginnt mit den Sektionen ‚Beziehungsgestaltung durch Sprache‘ sowie ‚Diskurs und Politik‘. Daran schließen sich ‚Welche Mündlichkeit, welche Schriftlichkeit? Sprache unter medialen Bedingungen‘ und ‚Die Poetizität der Sprache‘ an. Die Sektionen ‚Diskursbedeutung und Grammatik: Transtextuelle und gesprächsübergreifende Aspekte grammatischer Inventare‘ sowie ‚Kontrastive Textologie‘ beschließen den Band.

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Vom Sie zum Du – und oft auch wieder zurück. Beobachtungen zur Pragmatik des temporären Anredewechsels im älteren Deutsch

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Horst J. Simon (Berlin, Deutschland)

Vom Sie zum Du – und oft auch wieder zurück. Beobachtungen zur Pragmatik des temporären Anredewechsels im älteren Deutsch

Eines der bemerkenswerten Ergebnisse der groß angelegten Melbourner Vergleichsstudie zur Soziolinguistik des Anredeverhaltens im Deutschen, Französischen und Schwedischen besteht in folgender Beobachtung:

within a particular domain, a change of topic, reflecting a change of role relationship, can motivate a shift in address form [in French]. […] This has not been attested in any of our German data. (Clyne / Norrby / Warren 2009: 124)

Interessanterweise scheint das Deutsche in dieser Hinsicht eher den markierten Fall darzustellen, da konversationelle Anredeschwankungen auch für eine Reihe weiterer Sprachen bezeugt sind (wie das Niederländische und das Spanische oder auch das Altfranzösische).

In jeder deutschsprachigen Sprecher-Adressaten-Dyade wird heute entweder reziprokes Du oder ebensolches Sie verwendet; asymmetrische Anredeverhältnisse sind – wiederum im Gegensatz zu vielen anderen Sprachen – höchst selten. Die einzige Anrede-Veränderung in einer Beziehung, die üblicherweise geschehen kann, ist der einmalige, irreversible Übergang vom Sie zum Du – ein Vorgang, der zudem stets als kommentierenswert bzw. sogar als kommentierensnotwendig empfunden wird, wenngleich das hierfür vorgesehene traditionelle Ritual des Bruderschaftstrinkens heute stark im Rückgang begriffen ist (Lenk 1995: 31–33). Abweichungen von dieser strikten Du-Sie-Dichotomie sind selten und auf jeweils ganz spezifische Ausnahmesituationen beschränkt (Kretzenbacher 1991: 47–49 spricht in diesem Zusammenhang vom „Du der Situationsbrüderschaft“).1 Daneben gibt es manchmal im Falle...

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