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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 – Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 3

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Edited By Jianhua Zhu, Jin Zhao and Michael Szurawitzki

Der Band dokumentiert sprachwissenschaftliche Sektionen des Kongresses der Internationalen Vereinigung für Germanistik (IVG) in Shanghai 2015. Er beginnt mit den Sektionen ‚Beziehungsgestaltung durch Sprache‘ sowie ‚Diskurs und Politik‘. Daran schließen sich ‚Welche Mündlichkeit, welche Schriftlichkeit? Sprache unter medialen Bedingungen‘ und ‚Die Poetizität der Sprache‘ an. Die Sektionen ‚Diskursbedeutung und Grammatik: Transtextuelle und gesprächsübergreifende Aspekte grammatischer Inventare‘ sowie ‚Kontrastive Textologie‘ beschließen den Band.

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Ambiguität sprachlicher Mittel als poetische Qualität

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Marina Foschi Albert (Pisa, Italien)

Ambiguität sprachlicher Mittel als poetische Qualität

Ambiguität kann als Charakteristikum von sprachlichen Zeichen betrachtet werden, die Polysemie aufweisen. Aus kommunikativer Sicht ist sprachliche Ambiguität nach der Maxime des Stils: „Vermeide Unklarheit. Vermeide Mehrdeutigkeit“ ein Manko (Grice 1975: 46). Dagegen kann Mehrdeutigkeit im literarischen Umfeld einen poetischen Mehrwert erzeugen. Der Mehrdeutigkeitsbegriff ist im Katalog der rhetorischen Figuren als aequivocatio enthalten (Knape/Sieber 1998: 103); Ambiguität der Ausdrucksform gehört außerdem zu den typischen Merkmalen der lyrischen Gattung und ist für Jakobson Kennzeichen der poetischen Funktion (Jakobson 1960: 110–111). Als Attribut der poetischen Sprache bewirkt Ambiguität Verfremdung beim Lesen, wie im strukturalistischen Zeitalter postuliert wurde (vgl. u. a. Schwarze 1970: 230) und durch die moderne Leseforschung bewiesen werden konnte. Es wird dabei erkannt, dass bestimmte Textelemente eine „literarische“ Reaktion produzieren (Miall 1977), indem sie im Leser ästhetische Effekte wie Interesse, Neugier, Vergnügen, Selbstreflexion auslösen. Die kognitive Poetik (Schrott/Jacobs 2011) beschreibt literarisches Lesen als einen foregrounding-Vorgang, der sich im Fluss normalen Lesens profiliert. Als hochautomatisierter Prozess der Textverarbeitung und Sinnkonstruktion wird normales Lesen durch sogenannte Hintergrundelemente wie vertrautes lexikalisches Material, grammatische Normen, konventionelle Skripts ermöglicht. Im Prozess des literarischen Lesens gewinnen über den Hintergrund von normalen Elementen abweichende formale Textelemente Kontur. Das kognitive Modell von Schrott/Jacobs (2011) postuliert als Vordergrundelemente u. a. Stilmittel, Tropen, Verfremdung. Es soll hier gezeigt werden, dass auch „normale“ grammatische Mittel, wie z. B. Funktionswörter, eine poetische Funktion...

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