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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 – Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 3

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Edited By Jianhua Zhu, Jin Zhao and Michael Szurawitzki

Der Band dokumentiert sprachwissenschaftliche Sektionen des Kongresses der Internationalen Vereinigung für Germanistik (IVG) in Shanghai 2015. Er beginnt mit den Sektionen ‚Beziehungsgestaltung durch Sprache‘ sowie ‚Diskurs und Politik‘. Daran schließen sich ‚Welche Mündlichkeit, welche Schriftlichkeit? Sprache unter medialen Bedingungen‘ und ‚Die Poetizität der Sprache‘ an. Die Sektionen ‚Diskursbedeutung und Grammatik: Transtextuelle und gesprächsübergreifende Aspekte grammatischer Inventare‘ sowie ‚Kontrastive Textologie‘ beschließen den Band.

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Reflexionen chinesischer Studierender über ihr Anredeverhalten im interkulturellen Milieu: eine kognitive Progression

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1.       Einleitung

Anredepraktiken sind Symptome für Sozialstrukturen. Sie sind kulturbedingt, so dass die Auswahl der Anredeformen in verschiedenen Sprachgemeinschaften nicht gleich ist. In westlichen Kulturen tendiert man dazu, symmetrische Anredeformen zu verwenden, während in Kulturen wie in China, wo Hierarchien dominieren, asymmetrische Anredeformen üblich sind. In der vorliegenden Studie wird anhand der Ergebnisse aus unserer empirischen Untersuchung analysiert, wie chinesische Studierende in interkulturellen Situationen die Anwendungsregeln der Anredepronomen Sie/du kognitiv nutzen oder modifizieren.

2.       Anredepronomen im Chinesischen und im Deutschen

In der chinesischen Hochsprache (Putonghua) werden zwei Anredepronomen der zweiten Person im Singular differenziert, nämlich nin (您) und ni (你), und in der modernen deutschen Sprache wird zwischen Sie und du unterschieden. In der wörtlichen Bedeutung entspricht die deutsche Anrede Sie dem chinesischen nin und die Anrede du entspricht dem chinesischen ni. Nach Qian (1997; 2005) und Gu (2000) unterscheiden sich diese zwei Wortpaare Sie/nin und du/ni in der Tiefenstruktur ihrer Verwendung. In der chinesischen Sprache ist ni die allgemein gültige unmarkierte Anrede. Nur um einen besonderen Respekt vor dem Angesprochenen zu zeigen, wird nin benutzt; nin ist also eine markierte Anredeform. Im Deutschen ist Sie eine unmarkierte Anredeform, während du als Form einer markierten Anrede eine besondere Vertrautheit zeigt. Diese semantische Nichtentsprechung führt bei den chinesischen Deutschlernenden zu einer Interferenz genannten Einwirkung des einen auf das andere Sprachsystem. (Qi 2015: 429)

Wie sieht das in einem interkulturellen Lernkontext aus? Im Folgenden werden aufgrund eines...

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