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Online-Beratung im Gruppenchat für Jugendliche und junge Erwachsene

Zwischen Leichtigkeit und Tiefgang

Monika Vey

Virtuelle Beratungsräume statt personaler Begegnung? Vor allem für junge Menschen bietet die leichte Verfügbarkeit eine Chance, fachliche Hilfestellung wie qualifizierte psychologische Beratung ohne große Hürden zugänglich zu machen. Im Gruppenchat als hybrider Form kann sowohl Fachkompetenz wie auch Peer-Empowerment abgerufen werden. In der empirischen Analyse von Chattexten aus der Jugendberatung der bke beleuchtet die Autorin das Spannungsfeld zwischen scheinbar oberflächlichem Plaudern und ernsthafter Selbstreflexion und beschreibt die Auswirkungen einer Verschränkung dieser beiden scheinbar unvereinbaren Themenfelder. Sie diskutiert Chancen und Grenzen sowie typische Eigenheiten der medienbasierten Jugendberatung und Anregungen zur Qualifizierung für dieses Tätigkeitsfeld.

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V Online-Beratung

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„Aber geht das denn?“ ist eine der häufigsten Reaktionen, wenn von Onlineberatung gesprochen wird. Die Vorstellung, dass zu „psychologischer Beratung“ sozusagen unabdingbar die persönliche Begegnung gehöre, die ja – wie oben ausführlich dargestellt – einen wesentlichen Einfluss auf das Gefühl des Verstanden-Werden und des Angenommen-Seins und damit der eigenen Lösungsfindung habe, ist nach wie vor vorherrschend, vor allem in dem Sinne, das zu einer solchen „Begegnung“ das reale Zusammentreffen Aug in Auge gehöre, obwohl das eine jahrhundertealte Tradition der Lebensbegleitung in Form von schriftlichem Kontakt negiert.

Döring (2000, S. 529) spitzt dies in einer provokativen Frage zu: „Ein weiterer Irrweg der Technikfaszination? Merkt denn niemand, dass die vertrauensvolle, persönliche Beziehung zwischen Klient und Therapeut, die sich im Laufe der Zeit aufbaut, nicht durch schnellen, anonymen, computervermittelten Tele-Kontakt ersetzbar ist?“

„Psychotherapie und Beratung galten als geradezu prototypische Formen der Nah-Kommunikation, die gebunden war an die beiden Voraussetzungen der leiblichen Ko-Präsenz von Akteuren und der unmittelbar mündlichen Form des Austausches“ schreibt Jörg Bergmann (2005, S. 3) in der Einleitung zu einem Sonderheft mit dem Thema „Beratung und Therapie per Internet“. Möglicherweise ist diese Auffassung sehr stark geprägt vom analytischen Therapie-Modell, dass Übertragung im persönlichen Zusammentreffen den Weg zur Heilung darstelle. Die Tatsache, dass über schriftlich vermittelte Kommunikation ebenfalls Erfahrungen wie erlebte emotionale Nähe oder Verständnis und Mitgefühl möglich sind, scheint vielen noch sehr fremd. Bergmann (ebd., S. 4) weist...

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