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Online-Beratung im Gruppenchat für Jugendliche und junge Erwachsene

Zwischen Leichtigkeit und Tiefgang

Monika Vey

Virtuelle Beratungsräume statt personaler Begegnung? Vor allem für junge Menschen bietet die leichte Verfügbarkeit eine Chance, fachliche Hilfestellung wie qualifizierte psychologische Beratung ohne große Hürden zugänglich zu machen. Im Gruppenchat als hybrider Form kann sowohl Fachkompetenz wie auch Peer-Empowerment abgerufen werden. In der empirischen Analyse von Chattexten aus der Jugendberatung der bke beleuchtet die Autorin das Spannungsfeld zwischen scheinbar oberflächlichem Plaudern und ernsthafter Selbstreflexion und beschreibt die Auswirkungen einer Verschränkung dieser beiden scheinbar unvereinbaren Themenfelder. Sie diskutiert Chancen und Grenzen sowie typische Eigenheiten der medienbasierten Jugendberatung und Anregungen zur Qualifizierung für dieses Tätigkeitsfeld.

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IX Schlussfolgerungen für die (Weiter-)Qualifizierung von Professionellen

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Wie in den Ausführungen zur Rolle der Fachkraft beschrieben wurde, ist es vor allem ihre Aufgabe, die Teilnehmer in Richtung Seriosität und selbstkritische Reflexion des eigenen Erlebens inklusive Problemanteile und Lösungsmöglichkeiten zu führen. Die Professionalitätsanforderung hierbei besteht darin, in einem quasi innerlich fortlaufenden metakommunikativen Prüfprozess die Konsistenz der Beiträge eines Teilnehmers auf Authentizität zu prüfen, eigene Betroffenheit in den Themen als solche zu erkennen und mithilfe von Selbstreflexionszumutungen beim Herausarbeiten zu unterstützen. Sie muss eine Perspektive bereitstellen für das, was sie registriert und was im Chat angesprochen wird, wozu ebenso Interventionen gegen eine sich im Chat ausbreitende nihilistische Stimmung („hilft eh nichts“) oder naive Strömung („Red halt einfach mal mit ihm“) zählen. Zur Wahl der Interventionen gehört Fingerspitzengefühl für die Reflexionsbereitschaft des betreffenden Teilnehmers und dessen Grenzen sowie eine zielgerichtete realistische Perspektive auf die spezielle Frage hin. Die Fachkraft muss nach bestimmten Kriterien die „Beratungsbedürftigkeit“ und –Bereitschaft der Teilnehmer ermitteln. Dazu gehört ein standhaftes Einladen zur näheren Exploration und eine gute Abgrenzung gegenüber Provokationen (z. B. Übertragungsphänomene: „sei wie meine Eltern, dann schieße ich zurück!“). Es geht um eine Rollendefinition als Fachkraft zwischen der Moderation der Gruppe mit hohem Unterhaltungsanspruch und Konkurrenz um Aufmerksamkeit einerseits und „Beratungsarbeit“, teils einzeln mit Teilnehmern, andererseits. Die Fachkraft muss „die Beziehungen der Gruppenmitglieder zueinander wie deren Meinungen in einen überindividuellen und kontrastierenden Zusammenhang setzen“ (Thiery, 2011, S. 12)...

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