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Phonologische Diversität - Wechselbeziehungen zwischen Phonologie, Morphologie und Syntax

Emmerich Kelih

Der Autor untersucht Wechselbeziehungen zwischen dem Phoneminventarumfang und phonologischen, morphologischen, syntaktischen und semantischen Eigenschaften. Der Phoneminventarumfang gilt als quantitativer Gradmesser für phonologische Komplexität. Diese hängt mit Fragen der Sprachökonomie, Kompensationstheorien und Selbstregulation sprachlicher Systeme zusammen. Nach einer kritischen Neubewertung derartiger Wechselbeziehungen plädiert er für eine statistische Modellierung, die konzeptuell auf synergetischen Sprachtheorien beruht. Die empirische Analyse slawischer Sprachen zeigt eine vorrangige Wirkung des Phoneminventarumfangs auf die phonologische Ebene selbst und eine multidirektionale Beeinflussung anderer sprachlicher Ebenen.

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3. Wechselbeziehungen des Phoneminventarumfangs

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3. Wechselbeziehungen des Phoneminventarumfangs

In letzter Zeit scheinen sich die Sprachwissenschaft und die eng mit ihr verbundenen Disziplinen von einer selbst auferlegten Tabuisierung der Auseinandersetzung mit Fragen des Sprachursprungs zu lösen. Zu beobachten ist auch, dass sich in zunehmendem Maße nichtlinguistische Disziplinen wie die Psychologie, die Anthropologie, die Evolutionstheorie, die Ethnologie, die Biologie und noch viele andere mit dem Thema Sprachursprung beschäftigen (vgl. u. a. Carstairs-McCarthy 1999, Johansson 2005, Tallerman 2005a).

Eine große Zahl von Forschern setzt den Beginn der Ausbildung eines sprachlichen Systems auf die Zeit vor etwa 250.000 Jahren (dem Auftreten des homo sapiens – vgl. Aitchison 1996: 53) an. Während der Ursprung aufgrund evolutionsbiologischer Überlegungen in Afrika (vgl. dazu Botha/Knight 2009) lokalisiert wird, bleibt bis heute weitgehend unklar, auf welche Art und Weise sich sprachliche resp. Phonemsysteme herausgebildet haben.

Vielfach wird davon ausgegangen, dass der Anfang eines funktionierenden Kommunikationssystems in der Gestensprache liegt und Vorläufer für die menschliche Sprache in diesem Bereich zu suchen sind. Abgesehen von einer Vielzahl von offenen Fragen und vielen empirisch nicht belegbaren Annahmen wird spekulativ vermutet, dass die Produktion von Lauten (insbesondere die von Vokalen – vokalähnliche Laute kommen auch im Tierreich vor) die weitere Nutzbarmachung des vorhandenen Stimm- und Hörapparates ausgelöst hat (vgl. Kihm 2006). Demnach wäre die Artikulation von einfachen Vokalen eine der zentralen Voraussetzungen für den Auf- und Ausbau eines funktionierenden sprachlichen Kommunikationssystems. Hinsichtlich der Konsonanten wird angeführt,...

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