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Phonologische Diversität - Wechselbeziehungen zwischen Phonologie, Morphologie und Syntax

Emmerich Kelih

Der Autor untersucht Wechselbeziehungen zwischen dem Phoneminventarumfang und phonologischen, morphologischen, syntaktischen und semantischen Eigenschaften. Der Phoneminventarumfang gilt als quantitativer Gradmesser für phonologische Komplexität. Diese hängt mit Fragen der Sprachökonomie, Kompensationstheorien und Selbstregulation sprachlicher Systeme zusammen. Nach einer kritischen Neubewertung derartiger Wechselbeziehungen plädiert er für eine statistische Modellierung, die konzeptuell auf synergetischen Sprachtheorien beruht. Die empirische Analyse slawischer Sprachen zeigt eine vorrangige Wirkung des Phoneminventarumfangs auf die phonologische Ebene selbst und eine multidirektionale Beeinflussung anderer sprachlicher Ebenen.

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Vorwort

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In der gegenwärtigen linguistischen Literatur ist eine lebendige Diskussion über die Bedeutung des Phoneminventars entbrannt. Insbesondere geht es um die linguistische Relevanz, die der Anzahl von Phonemen über die eine Sprache verfügt, zugesprochen werden kann. Aus vergleichenden typologischen Untersuchungen ist – die theoretischen Fragen und Probleme der Bestimmung eines Phoneminventars sind einstweilen auszublenden – eine erstaunliche Diversifikation in dieser Hinsicht bekannt: Natürliche Sprachen sind sowohl mit 13 Phonemen als auch mit über 120 Phonemen vollkommen funktional und stellen für die menschliche Sprachverarbeitung keine kognitive Hürde dar. In allen Fällen dienen die Phoneme als grundlegende Bausteine für die Bildung von sprachlichen Einheiten (wie z. B. Silben, Morphemen, Wortformen, Sememen u. Ä.). Das gilt für Sprachen mit relativ wenigen Phonemen genauso wie für Sprachen, die über eine hohe Anzahl von Phonemen verfügen. Im Kontext von Sprachursprungstheorien und der anthropologischen Linguistik wird gegenwärtig die Frage intensiv diskutiert, ob die Anzahl von Phonemen pro Sprache in irgendeiner Weise mit extralinguistischen Faktoren zusammenhängt. Im Konkreten geht es darum, ob z. B. der Phoneminventarumfang einer Sprache mit der jeweiligen Anzahl von Sprechern in einer wechselseitigen Beziehung steht – eine Diskussion, die nicht nur im engen linguistischen Kreis stattfindet, sondern mittlerweile auch die Leser von Science erreicht hat. Die genauen Hintergründe dieser Diskussion, die auf eine Wechselbeziehung von inner- und extralinguistischen Faktoren hinausläuft, werden einleitend nachzuzeichnen sein. Gleichzeitig ist aber die Diskussion auch der Ausgangspunkt für die eigentliche Frage- und Problemstellung, die im Mittelpunkt...

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