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Erzählen – Identität – Erinnerung

Studien zur deutschsprachigen und ungarischen Literatur 1890–1935

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Magdolna Orosz

Das Buch analysiert die Wandlungen der Kultur und Literatur der frühen Moderne der Österreichisch-Ungarischen Monarchie in Wien und Budapest. Die Autorin reflektiert Veränderungen des Erzählens und der poetologischen Ansichten und fokussiert Probleme wie Ich-Konzepte, Sprachkrise und Fragen der sprachlichen Vermittlung. Sie untersucht Bildlichkeit, Intertextualität und Intermedialität, Metaphorisierung und Phantastik, die narrative Gestaltung von Erinnerung. Das Buch bezieht in einem Ausblick die Jahre nach dem Zusammenbruch der Monarchie mit ein.

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3. Identität und Erzählen

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3.1. »Der Faden der Erzählung«. Identitätsproblematik und Erzählen

Die in der Kultur und Literatur der Jahrhundertwende akut gewordene Problematik der Selbst- und Weltinterpretation und damit verbunden der (Un-)Möglichkeit der »Identität« des Individuums, die »Frage nach den Grenzen und der Einheit der Person«1 wirken sich in der literarischen Schreibpraxis nicht nur in den Überlegungen über die Frage der Sprachlichkeit aus, sondern sie bestimmen innerhalb des literarischen Diskurses der Jahrhundertwende (bzw. der frühen Moderne) auch den Aufbau der (fiktiven) Textwelten literarischer narrativer Texte. Verschiedene Elemente und Aspekte der Konstruktion dieser Textwelten (wie die Figurenkonzeption und die Figurenkonstellation, die Handlung, die Raum- und Zeitgestaltung sowie ihre »Präsentation« im Erzähldiskurs) sind von der unsicheren Identität und der schwankenden Interpretation betroffen, so daß sich einige gemeinsame Charakterzüge in einer größeren Anzahl narrativer Texte der Epoche erkennen lassen2.

Die Gemeinsamkeiten erscheinen in den fiktiven Textwelten (also in der erzählten Geschichte3) durch Motive wie ›Selbsterkenntnis‹, ›Welterkenntnis‹, d.h. durch die Beziehungen zwischen ›Individuum‹ und ›Welt‹, ›Individuum‹ und ›anderen Individuen‹, ›Individuum‹ und ›Sich Selbst‹ (Selbstbezug), die – von der jeweiligen konkreten (und natürlich verschiedenartigen) Ausgestaltung der einzelnen Texte/Textwelten (durch Themen oder thematische Motive wie ›Liebe‹, ›Schönheit‹, ›Krankheit‹, ›Tod‹, ›Verständnis‹, ›Tätigkeit‹, ›Betrug‹, ›Lüge‹ usw.) unabhängig – in einer größeren Anzahl von Texten im Mittelpunkt stehen, wobei meistens eine negative Ausprägung (also die Unmöglichkeit und/oder Unvollständigkeit einer Lösung der Konfliktsituationen) zu verzeichnen...

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