Show Less
Restricted access

Erinnerungskonkurrenz

Geschichtsschreibung in den böhmischen Ländern vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart

Series:

Joachim Bahlcke

Deutungen historischer Ereignisse unterliegen vielfältigen Modifikationen, Anpassungen und Ausblendungen, die ihrerseits Ausdruck veränderter Machtverhältnisse, Wertvorstellungen oder Legitimationsbedürfnisse sind. Das östliche Mitteleuropa ist in besonderer Weise geeignet, das Neben-, Mit- und Gegeneinander verschiedener Erinnerungsgemeinschaften in den Blick zu nehmen. Die hier vorgelegten Fallstudien zur böhmischen Ländergruppe stellen verschiedene Typen konkurrierender Geschichtsentwürfe vor, die sich religiös-konfessionell, räumlich-regional oder sprachlich-ethnisch motivierten Interessen verdankten. Dabei wird deutlich: Die erinnerungskulturellen Rivalitäten, die bereits in nachhussitischer Zeit einsetzten, prägten den Prozess der neuzeitlichen Staats- und Nationsbildung nachhaltig.

Show Summary Details
Restricted access

Zur Comeniusrezeption der Spätaufklärung in Deutschland. Der Beitrag des Naturforschers und Pädagogen Christian Andreas Zipser (1783–1864) in der Allgemeine[n] Encyclopädie der Wissenschaften und Künste

Extract

Zur Comeniusrezeption der Spätaufklärung in Deutschland.

Der Beitrag des Naturforschers und Pädagogen Christian Andreas Zipser (1783–1864) in der Allgemeine[n] Encyclopädie der Wissenschaften und Künste

I.

Pierre Bayles 1695 und 1697 in Amsterdam in zwei Bänden publiziertes Werk Dictionnaire historique et critique, formal eher ein Namenlexikon mit Kurzbiographien und Werkinterpretationen bedeutender Persönlichkeiten als ein enzyklopädisches Wörterbuch im modernen Sinn, erlangte im Zeitalter der Aufklärung eine außergewöhnliche geistesgeschichtliche Bedeutung. Sie erklärt sich weniger aus der immensen Fülle des vorgelegten Materials als vielmehr aus dessen kritischer Verarbeitung. Das größte Gewicht hatte Bayle nicht auf den einleitenden Textteil gelegt, sondern auf den anschließenden Anmerkungsteil, in dem Glaubwürdigkeit und Wahrheitsgehalt der Quellen mit philologischem Scharfsinn geprüft, Widersprüche und Irrtümer schonungslos aufgedeckt und persönliche Ansichten und Überzeugungen mit zum Teil beißender Schärfe vorgetragen wurden. Bayles Rationalismus und seine Autonomie des Denkens, seine skeptische Weltauffassung, sein leidenschaftlicher Protest gegen den Glaubensdruck der eigenen Gegenwart und nicht zuletzt seine historisch-kritische Methode ließen den französischen Intellektuellen zum Vorläufer der Enzyklopädisten des 18. Jahrhunderts werden.1 ← 102 | 103 →

Die Comeniusforschung ist sich seit langem darüber einig, dass es der Beitrag über Comenius in Bayles Dictionnaire war, der das negative Bild des tschechischen Pädagogen, Theologen und Philosophen in der Zeit der Aufklärung ganz wesentlich bestimmte.2 Schon Walter Müller hatte 1887 in...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.