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Erinnerungskonkurrenz

Geschichtsschreibung in den böhmischen Ländern vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart

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Joachim Bahlcke

Deutungen historischer Ereignisse unterliegen vielfältigen Modifikationen, Anpassungen und Ausblendungen, die ihrerseits Ausdruck veränderter Machtverhältnisse, Wertvorstellungen oder Legitimationsbedürfnisse sind. Das östliche Mitteleuropa ist in besonderer Weise geeignet, das Neben-, Mit- und Gegeneinander verschiedener Erinnerungsgemeinschaften in den Blick zu nehmen. Die hier vorgelegten Fallstudien zur böhmischen Ländergruppe stellen verschiedene Typen konkurrierender Geschichtsentwürfe vor, die sich religiös-konfessionell, räumlich-regional oder sprachlich-ethnisch motivierten Interessen verdankten. Dabei wird deutlich: Die erinnerungskulturellen Rivalitäten, die bereits in nachhussitischer Zeit einsetzten, prägten den Prozess der neuzeitlichen Staats- und Nationsbildung nachhaltig.

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Wissenschaft und Nationalitätenkampf. Zur akademischen und hochschulpolitischen Tätigkeit des sudetendeutschen Rechtshistorikers Wilhelm Weizsäcker (1886–1961)

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Wissenschaft und Nationalitätenkampf.

Zur akademischen und hochschulpolitischen Tätigkeit des sudetendeutschen Rechtshistorikers Wilhelm Weizsäcker (1886–1961)

I.

„Wilhelm Weizsäcker [...] war der letzte aus einer bedeutenden Folge von wissenschaftlichen Vertretern der Rechtsgeschichte Böhmens und seiner Nebenländer und der deutschen Rechtsgeschichte in diesen Gebieten, die an der Prager Universität gelehrt haben. Er hat seiner Vorgänger und Kollegen selbst würdigend gedacht und dabei selbstkritisch festgestellt, daß es an rechtsgeschichtlich ausgebildetem Nachwuchs unter den Sudetendeutschen fehle. Allerdings waren die Bedingungen, unter denen eine eindringendere Beschäftigung mit der Rechtsgeschichte der heimischen Länder erfolgen konnte, dem Eintritt in die akademische Laufbahn wenig günstig. Es kann daher kaum als ein persönliches Versäumnis betrachtet werden, wenn die beiden Schüler Adolf Zychas, Otto Peterka und Wilhelm Weizsäcker, selbst keine Schüler herangebildet haben. Umsomehr entspricht es nicht nur einem Akt der Ehrung des Gedächtnisses eines bedeutenden Gelehrten, sondern vor allem dem Bestreben nach einer Bestandsaufnahme der Prager Forschung zur Landesrechtsgeschichte im Rahmen der mitteleuropäischen und vornehmlich der deutschen Rechtsgeschichte, wenn sogleich nach dem allzu frühen Hinscheiden Wilhelm Weizsäckers von den beiden Hütern der wissenschaftlichen Tradition der Prager Universität und der sudetendeutschen Geschichtsforschung, dem Collegium Carolinum und der Historischen Kommission der Sudetenländer der Plan einer Neuausgabe der verstreuten Aufsätze Weizsäckers gefaßt wurde.“1 ← 365 | 366 →

Diese Sätze stellte Wilhelm Wegener, dem wenige Monate nach dem Tod...

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